Ara Malikian Live

Ara Malikian – Kuppelsaal Hannover, 2. April 2019

Ara Malikian – ein Name, der in der populären Musikszene Deutschlands kaum bekannt ist. In der klassischen Musik hingegen genießt der Violinist einen ähnlichen Ruf wie in der spanischsprachigen Welt: Ein Ausnahmegeiger, wie ihn die Welt selten sah. Mit 15 Jahren studierte er bereits in Hannover Musik, später wurde er als Solist von diverse Orchester dieser Welt engagiert, wie etwa Tokio, Zürich, London, Madrid oder Bamberg. Doch sollte die Reise hier nicht enden. So war er z. B. auch für den Latin Grammy 2015 nominiert und wird im Mai erstmals in der Royal Albert Hall spielen, beteiligte sich an den Soundtracks Pedro Almodóvars.

Malikian indes nur auf Klassik oder ethnische Klänge zu reduzieren, wäre falsch: Während er in seinen Konzerten so unterschiedliche Künstler wir Tschaikowsky, Björk, Michael Galasso (In The Mood For Love), Guns and Roses, Led Zeppelin und Dick Dale covert, zudem Musik aus den unterschiedlichsten Kulturen präsentiert, vermischt er alle Einflüsse in seinen Eigenkompositionen. Hier trifft Metal auf Klassik (Réquiem pour un fou), manches klingt nach Lateinamerika (Dzovarev), Neoklassik (El Vals de Kairo) steht Seite an Seite mit jüdisch inspirierten Stücken (Pisando Flores – das mich thematisch an Schostakowitschs Waltzer Nr. 2 aus der Jazz Suite erinnert).

Ara Malikian, Photocredit by Julian Auringer

Live überzeugt Ara Malikian vor allem durch seine Professionalität und seinen Humor, denn der Mann ist ein ausgezeichneter Troll. Viele Stücke leitet er mit detaillierten, auf Deutsch vorgetragenen, Geschichten ein, die zumeist realistisch beginnen, ehe sie sich in absurde Komik steigern. Man reibt sich verwundert die Augen, wenn er durch die Luft springt, sich um die eigene Achse dreht – es wird einem bereits beim Zuschauen schwindelig. Ara Malikian scheint davon jedoch kaum Notiz zu nehmen: Jeder Ton sitzt.

Einzig die Abmischung geriet mir etwas zu basslastig. Sobald Schlagzeug oder Bass zu hören sind, lässt sich der Bassbereich nur schwer differenzieren. Die Kickdrum erschlägt den Hörer schlicht. Ein deutlich separierter, leiserer Mix würde der Musik besser zu Gesicht stehen.

Leider konnte der Kuppelsaal nicht völlig gefüllt werden – Malikian scheint hier noch nicht den Rockstarstatus zu genießen, den er in der spanischsprachigen Welt genießt – und man musste auf etwas kleineren Leibniz-Saal ausweichen. Dieser architektonisch sehr schöne Raum krankt nur an einem Detail: Sobald man im zweiten Stockwerk auf den Balkonen platziert wird, kann man von der Show nicht mehr viel sehen.

Alles in allem empfehle ich nicht nur den Besuch eines Ara Malikian Konzerts, sondern auch sein ausgezeichentes Soloalbum The Incredible Story of Violin (Picos & Ham Records).

Malikian tritt noch in folgenden Städten auf:

03. April 2019: Hamburg

04. April 2019: Neu-Isenburg

06. April 2019: Zürich-Oerlikon

Alle Fotos:

Potocredit by Julian Auringer, diekopfhoerer.eu

Hinweis: Alle Artikel wurden mir von der entsprechenden Plattenfirma / dem entsprechenden Verlag bzw. Verleih zwecks Rezension kostenlos zu Verfügung gestellt. Die Rezensionen sind demnach als Werbung zu betrachten.
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