MaidaVale Madness

(Review) MaidaVale – Madness Is Too Pure

MaidaVale überraschten 2016 mit einem ausufernden Psychedelicsound, der mich ein wenig an John Coltranes Live At The Village Vanguard erinnerte: Wo Coleman an den Rand der Tonalität ging, ohne ihn freilich zu überschreiten, stießen die Mädels von MaidaVale mit Tales Of The Wicked West an die Grenzen der Studioaufnahme, ohne dabei jedoch den Sound zu erzeugen, den sie auf ihren Konzerten vermitteln (zumindest deutet dies die Recherche auf YouTube an). Hinzu kam ein DIfferenzierungsproblem: Alle Stücke flossen ineinander, wirkliche Einprägsames stach nicht heraus. Und trotzdem brodelte viel Talent unter der Oberfläche, das sich mit dem Nachfolgealbum endlich den Weg in die Freiheit bahnt, ähnlich eines Vulkanausbruchs.

Mit Madness Is Too Pure erscheint nun also das neue Album der Band und macht wirklich alles richtig. Einerseits gelingt es den Damen nun, eingängige, deutlich identifizierbare Melodien und Stücke zu schreiben, die trotz Jameindrucks und einer gewissen Livestimmung jederzeit das Format der Studioaufnahme bestmöglich ausnutzen, andererseits bleibt man seinen Wurzeln treu und verleugnet nicht die Ideen des Vorgängeralbums. Die Stärken der Band kommen perfekt zur Geltung, was sich z. B. auf Dark Clouds oder dem sehr einprägsamen Dreadlock verdeutlicht.

Mein persönliches Highlight indes stellen Gold Mine und Walk in Silence dar, die beide zwar sehr direkt rocken, dabei aber trotz einer kompakten Spielzeit ideale Improvisationsgrundlagen darstellen. Reduziert auf dem Album, wird man live dazu vermutlich bestens improvisieren können. Hinzu kommt ein ganz wunderbarer Gesang, der vor allem Gold Mine noch einmal deutlich vom Rest des (recht kurzen, aber dadurch umso großartigeren) Albums abhebt.

Erwähnung finden soll nicht zuletzt das wirklich gut gelungenen Coverartwork.

Hinweis: Alle Artikel wurden mir von der entsprechenden Plattenfirma / dem entsprechenden Verlag bzw. Verleih zwecks Rezension kostenlos zu Verfügung gestellt. Die Rezensionen sind demnach als Werbung zu betrachten.
Werbung: Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.