Alain Bashung – L’Homme À Tête De Chou

CD Cover L' Homme A Tete De Chou

Serge Gainsbourgs Konzeptalbum L’Homme À Tête De Chou gehört ohne Zweifel zu den interessantesten und wichtigsten Werken der französischen Popmusik. Nicht nur, dass Gainsbourg hier zum ersten Mal mit dem Reggae flirtet, eine Liaison, die wenige Jahre später in den zwei großartigen Alben Aux armes et caetera und Mauvaises nouvelles des étoiles kulminieren wird, auch die Verwendung exotischer Instrumente wie dem Digeridoo und des gesprochenen Wortes, noch mehr als es bei Melody Nelson der Fall war, trägt zu seiner Sonderstellung bei. Alain Bashung, der seit jeher einen gleichen musikalischen Ansatz verfolgte – also die Verbindung anspruchsvoller Musik mit ebenso anspruchsvollen Texten – nahm sich kurz vor seinem Tod vor 3 Jahren dem Gainsbourg’schen Meisterwerk an. Unter der Führung von Jean-Marc Ghanassia, dessen Idee es war, L’Homme À Tête De Chou als Tanztheater auf die Bühne zu bringen, entstand eine Neuinterpretation des Albums, die man als durch und durch gelungen betrachten darf. Bereits der Soundtrack zu Vie Heroique deutete an, wie gut die Stücke des alten Meisters im zeitgenössischen Klangkosmos funktionieren (z. B. Qui Est „In“ Qui Est „Out“, L’Hôtel Particulier oder Nazi Rock). Ein Problem des Albums ist sicher die Stimme Bashungs, die einen harschen Kontrast zu Gainsbourgs liebevoller Intonation bietet. Besonders deutlich wird dies in Marilou Sous La Neige, das wie kein anderes Stück auf L’Homme À Tête De Chou eine schmeichelnd-verzweifelten Stimme bedarf und hier, auch was das Arangement betrifft, abgestanden klingt. Abgesehen von diesem Beispiel ist die Neuinterpretation jedoch absolut gelungen. Das fängt beim großartigen Verpackungsdesign an, erstreckt sich über das Booklet und mündet in einem modernen Sound, der sich teils extrem vom Original unterscheidet, weniger psychedelisch ist (keine Sorge: davon gibt es immer noch genug – vgl. hier z. B. Variations sur Marilou, dass trotz aufdringlichem E-Drum einen ungeahnten Sog aufzubauen versteht oder das teils free-jazzige Lunatic Asylum) und den Zuhörer mit seiner Direktheit zu begeistern weiß. Ein wenig traurig stimmt jedoch wieder einmal die erschreckende Veröffentlichungspolitik Deutschlands. Man muss wohl oder übel auf die Importversion zurückgreifen.

Erschienen bei Barclay / Universal Music France.

Subjektiv: [xrr rating=4/5] Obbjektiv: [xrr rating=4/5]

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.