Haudegen – Schlicht & Ergreifend

Haudegen Schlicht & Ergreifend

Haudegen auf diekopfhoerer.eu? Es scheint so gar nicht zu passen und doch ist etwas in der Musik, das mich berührt. Es gibt viele gute Gründe, die Band um Joe Rilla und Tyron Berlin nicht zu mögen. Insbesondere CD 1 liefert genügend Material, um einen feurigen Verriss zu schreiben. Sei es die direkte Sprache, die lyrische und musikalische Nähe zu Bands wie Unheilig und nicht zuletzt die relativ kommerziellen Arrangements. Doch auf CD 2 sollte vielen klar werden, was die Band für diese Seite relevant macht. Aber vorerst ein paar Worte, warum auch CD 1 (Schlicht) berührt. Es ist das ungehobelte, das antiverkopfte, der Mut, auch einmal „Scheiße“ zu singen. Was Hannes Wader bereits in seinem Klassiker Strenge Gesellen formulierte, trifft auch hier zu:

[quote]Ich hielt es eine gute Weile aus, da rutschte mir das Wörtchen „Scheiße“ heraus! Und ehe ich ein Wort der Entschuldigung fand, war ich von allen Denkern längst, als Gefühlsmensch und Prolet erkannt! Da entzogen mir die strengen Gesellen gleich das Wort und ich musste mich in eine Ecke stellen.[/quote]

Es ist genau dieses Dilemma, was es für bestimmte Schichten nahezu unmöglich macht, zuzugeben, dass sie die Texte von Haudegen mögen. Ihnen fehlt der Zugang zu den Problemen der Arbeiter, ihrer Sorgen und Nöten. CD 2 (Ergreifend) hingegen beinhaltet 10 Balladen, die teils jazzig angehaucht sind und von großen Gefühlen erzählen. Teils wunderschöne Texte wechseln sich mit interessanten, wenn auch leicht ungehobelten Arrangements ab. Beide CDs, Schlicht und Ergreifend sind genau das, was ihre Titel prophezeien und überdies ein Musterbeispiel an Glaubwürdigkeit. Ich gebe es zu: Als ich den Tonträger in den Händen hielt, hätte ich nicht gedacht, dass sie mir so gut gefallen könnte. Und jetzt stelle ich mich in die Ecke.

Erschienen bei Warner Music.

Subjektiv:[xrr rating=3/5] Objektiv:[xrr rating=3/5]

 

 

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.