KAD – Lettre À Marianne

KAD Lettre A MarianneSkycap / Rough Trade / district6

KAD gelingt es auf Lettre À Marianne, den Hörer auf eine Reise mitzunehmen, die ihn über 11 Songs vergessen lässt, wo er sich im Moment eigentlich befindet. Französischer Dixie (Pas Le Temps) trifft auf Gypsy Chanson (Ma Fille Coquine, Je T’Aime Si Fou) und Stücken, die direkt aus dem Soundtrack zu Chocolat (mit Juliette Binoche und Johnny Depp) stammen könnten (Mon Père à Moi). Auch Film Noir findet sich hier, wie Je Sais beweist. Ja, der frankophile Nostalgiker kommt voll und ganz auf seine Kosten. Zusammengehalten wird der Stilmix durch einen warmen, live im Studio eingespielten Sound. Stilmix? Nein, eigentlich kann man davon nicht sprechen, denn man hat nie das Gefühl, ein Stück würde nicht ins Gesamtkonzept passen. Ein wenig erinnert mich KAD an Benjamin Biolay, der konsequent macht, was er will und den Hörer am Ende zufrieden zurücklässt – oder auch an Louis Armstrong, dessen Interpretationen immer eine Wärme anhaftet, die unvergleichbar ist. Ein Album, dem man seine Zeit schenken muss, aber bei dem keine Minute verschenkt ist. Das Sommerloch ist wohl endgültig vorüber…

Hörproben.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.