Interview mit Simone Rossetti, Valerio De Vittorio und Marco Fabbri von The Watch

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Fotos: Birk Grüling

The Watch sind eine italienische Progressiverockband, die in den letzten Jahren immer erfolgreicher geworden sind. Waren ihre ersten Alben eher durchwachsen, gelang es ihnen mit Primitive, ihrem 2007er Release, ein wirklich tolles Album zu veröffentlichen. Der große Unterschied zu anderen Bands ihres Genres ist, dass sie zwar an Genesis erinnern, aber völlig eigenständiges Material schreiben. Inzwischen sind sie auch immer mal wieder in Deutschland auf Tournee und spielen ein Set, dass vor allem durch Genesisklassiker der 1972er Tour geprägt ist. Julian Auringer von den Kopfhörern hatte die Chance, ein wenig mit ihnen über ihre Musik zu reden.

Julian Auringer: Wann habt ihr angefangen, Musik zu machen?

Simone Rossetti: Das war bei uns ganz unterschiedlich. Ich fing mit 15 an, die alten Platten meines Bruders zu hören und habe dann versucht, das gehörte auf einem kleinen Keyboard nachzuspielen. Meine Schwester hatte ein Piano und darauf habe ich dann irgendwann geübt. Alles fing also mit Rockmusik an, besonders gerne habe ich natürlich Pink Floyd und Genesis gehört.

Marco Fabbri: Ich hatte gerade die Schule beendet. Erst habe ich nur ausprobiert, Schlagzeug zu spielen aber mit der Zeit wurde ich immer besser.

Valerio De Vittorio: Ich fing mit 13 Jahren an, klassische Musik zu spielen. Danach habe ich Rock- und Popmusik entdeckt. Später wurde ich auf Dream Theater und Progressive Rock aufmerksam und dann habe ich die Bands entdeckt, die mit der ganzen Sache angefangen haben. Irgendwann lernte ich die Jungs kennen und als sie mich dann angerufen haben, um zu fragen, ob ich bei ihnen mitmachen will, habe ich sofort zugesagt.

Julian Auringer: Habt ihr eine Theorie warum Progressive Rock besonders in Italien beliebt ist? Ich meine ihr habt jede Menge tolle Bands wie Le Orme, Goblin oder PFM, Genesis waren bei euch schon in den Charts, da waren sie im übrigen Europa nahezu unbekannt…

Simone Rossetti: Das kann ich dir nicht beantworten. Hauptsächlich war es ja auch nur in den 70er Jahren so, heute leider nicht mehr. Bei unserer Musik waren die Reaktionen anfangs eher verhalten – inzwischen ist das Gott sei Dank anders, darüber sind wir sehr glücklich! Aber man muss auch sagen, dass wir nicht wirklich nach einer italienischen Progband klingen, aber das ist ja auch völlig in Ordnung.

Julian Auringer: Was ist eure Lieblingsplatte?

Marco Fabri: Egal von welcher Band oder bezogen auf Genesis?

Julian Auringer: Egal von welcher Band.

Marco Fabri: Oh da habe ich so einige! Meine Top 3 sind…

Simone Rossetti: The Watch!

Marco Fabri: Ja genau! Foxtrott von Genesis, Thick As A Brick von Jethro Tull und Vacuum von The Watch – natürlich mag ich die Platten, auf denen ich gespielt habe. Ich mag Genesis wirklich gerne und neuen Progressiverock, die ganzen Sachen aus den 70er Jahren.

Valerio De Vittorio: Lass mich kurz nachdenken… eigentlich habe ich jedes Jahr ein paar Lieblingsalben. Ich mag Genesis, höre aber auch gerne mal Jazz.

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Fotos: Birk Grüling

Julian Auringer: Werdet ihr auch mal eine Deutschlandtour machen, auf dem ihr nur euer eigenes Material spielt?

Simone Rossetti: Schöne Frage… Eigentlich hat sie die Art, wie wir die Konzerte im Moment spielen, also viele Genesis Songs, die selten gespielt wurden und ein paar eigene Sachen dazwischen, bewährt. Das funktioniert gut und wir erreichen ein viel größeres Publikum. Wir haben uns gedacht, dass wir nächstes Jahr eine neue Show einstudieren. Diesmal dann mit Stücken vom Foxtrott Album, ein paar Klassiker und ein paar eigene Stücke.

Julian Auringer: Hat Steve Hackett [der ehemalige Gitarrist von Genesis] eure Show in Remscheid gesehen [Steve Hackett wurde beim diesjährigen Fantreffen des Genesis Fanclubs „IT“ interviewt, The Watch traten am gleichen Abend auf]?

Simone Rossetti: Ja! Er hat sehr nette Dinge über uns auf seiner Website geschrieben und er war sehr nett zu uns. Wir haben ihn als sehr sympathische Person erlebt worüber wir sehr glücklich sind, denn es hat bestätigt, dass große Künstler oft auch sehr tolle Persönlichkeiten sind. Das tollste war natürlich, dass John, sein Bruder, mit uns zusammen aufgetreten ist. Mit ihm haben wir den ersten Song gespielt. Das hat uns allen sehr gut gefallen und er hat uns versprochen, dass wir das in den nächsten Monaten wiederholen werden. Das war wirklich ein ganz besonderer Abend für uns – auch wenn er das Mellotron kaputtgemacht hat! (lacht)

Julian Auringer: Was macht für euch einen guten Song aus?

Simone Rossetti: Puh…

Julian Auringer: Nun, ihr seid ja keine reine Klonband wie z.B. Mangala Valis…

Simone Rossetti: Ja, wir glauben einfach an das, was wir machen. Wenn wir nur Klone wären oder versuchen würden, irgendetwas zu kopieren… Nein, ich glaube für sowas bin ich einfach zu alt. Aber lass es mich so sagen: Es ist einfach, eine Idee zu haben, aber eine wirklich gute Melodie zu finden ist schwer. Das ist auch der Grund, warum es uns so schwerfällt, ein neues Album zu veröffentlichen. Wir denken aber, dass wir das bis 2010 hinbekommen!

Julian Auringer: Das wäre dann die nächste Frage gewesen! Ich lasse einfach mal die ganzen Genesis Fragen beiseite, dass könnt ihr bestimmt nicht mehr hören, oder?

Simone Rossetti: Ja, kein Problem. Ehrlich. Als Steve Hackett beim Remscheid Interview auf die Bühne kam, sagte er zu mir: „Die erste Frage wird bestimmt sein, wann Genesis wieder in ihrer klassischen Besetzung spielen werden… das werde ich ständig gefragt!“ Ich habe ihm dann gesagt, dass die Fans ihn verehren und es sich einfach sehr wünschen. Er fand das natürlich auch vollkommen in Ordnung. Und wenn du uns nur ein paar Fragen über Genesis stellst, sind wir dir auch nicht böse.

Besonderer Dank geht neben den Jungs von The Watch an Hassan von Northern Concerts, der uns ermöglichte, das Interview zu führen.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.