Grover Washington Jr. – Feels So Good (Arranged by Bob James)

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Kudu 24 / Verve / Universal

The Sea Lion / Moonstreams / Knucklehead / It Feels So Good / Hydra

CDs aus der Verve Originals Serie waren mir immer etwas suspekt. Das lag vor allem daran, dass meine erste CD der Serie „Space Is The Place“ von Sun Ra war, die mich vor einigen Jahren doch ganz schön geschockt hat. Anderseits handelt es sich dabei eigentlich gar nicht um eine Verve Aufnahme sondern eine vom Impulse Label, die aber im gleichen Layout veröffentlicht werden. Wie dem auch sei – mit der Zeit entdeckte ich, dass auch John Coltrane in der Serie verlegt wird und auch mit Sun Ra konnte ich immer mehr anfangen – schon allein wegen meiner nahezu fanatischen Liebe zur französischen Zeuhl Band Magma. Grover Washington Jr. hingegen kaufte ich, weil mir das Cover gefiel (wie bei Sun Ra) und ich den Namen ziemlich funky fand.
Washington gehört vor langer Zeit einmal zu den legendären The Funk Brother, jener Band, die so ziemlich jeden Motown Song eingespielt haben. „The Sea Lion“ klingt nach Free Jazz, entwickelt sich aber rasch zu einem Blaxploitation Song. Der Song hätte auch wunderbar als Untermalung des Films „Foxy Brown“ dienen können. Fette Bläsersätze, ein fröhlich aufgelegter Steve Gadd am Schlagzeug, funky Gitarren, Movement Streichersätze und dazu Washingtons Saxophonspiel. „Moonstreams“ hingegen ist eher ruhig. Windgeräusche, ein leises Saxophon und ein sanfter Bass wabern einige Zeit dahin. Es werden Erinnerungen an „Ellis Love Theme“ von Isaac Hayes wach. Die Gitarre spielt einen sanften Bossa Nova, ganz leise, denn die Szenerie darf nicht zerstört werden. Das ist Romantik, die perfekte Musik für den Abend zu zweit – oder zu dritt. Jedoch muss auch erwähnt werden, dass das Stück keinen Moment in Belanglosigkeit abdriftet. Es fesselt jede Sekunde, man möchte wissen, wie es weitergeht. Bei „Knucklehead“ wird es richtig funky. Nun ist Jimmy Madison an den Drums und Gary King hat den Bass erobert. Die Basis des Songs ist stark, trocken, tanzbar. Kein Saxophonschnickschnack, alles ist Discotauglich. Es handelt sich um eines dieser Stücke, die dazu geeignet sind, um Menschen an den Jazz heranzuführen. Man muss immer bedenken, dass die Radikalverjazzung (Zappa, Coleman, Coltrane), die bei mir recht gut funktionierte, nicht jedermanns Sache ist. Radikal funky geht es auch auf „It Feels So Good“ weiter. Ja, es fühlt sich wirklich verdammt gut an. Klar, die Musik funktioniert auch als Loungemusik und genau das ist es auch, was (europäische) Kritiker Washington zeitlebens vorgeworfen haben, doch ist seine Musik keineswegs so belanglos wie die eines Kenny G. zuweilen erscheint, mit dem Grover befreundet war und den er stark beeinflusste. Grover spielt ab und an richtig jazzig, ohne Rücksicht auf Verluste – auch wenn er im Laufe seiner musikalischen Karriere immer wieder Funktionsmusik schrieb. Mit „Hydra“ schließt dann die CD groovend ab. Hier gilt im Prinzip das, was zu den anderen Stücken bereits gesagt wurde. Interessant ist jedoch, dass Washington mit diesem Stück die Filmmusik der frühen 80er vorweg nahm.
Alles in allem handelt es sich bei „Feels So Good“ um ein gutes Smooth Jazz / Funk Album, das den heutigen Jazzern zeigt, wo es lang geht. Ich würde mir wünschen, dass es wieder mehr solche Platten gibt und man nicht ständig die Antwort „Ja, Norah Jones“ erhält, wenn gefragt wird, ob jemand Jazz hört.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.