Brief an Michael Jackson

michael_jacksonLieber Michael, lange ist es her, dass wir uns gehört haben. Ich erinnere mich genau daran: Die 80er waren längst vorbei und ich war bei einem Freund. Wir hörten Thriller und ich habe es geliebt. Andererseits war mir die Scheibe nie so wirklich geheuer. Die Idee deines Produzenten war toll, Vincent Price für die letzten Minuten des Titeltracks zu engagieren – aber willst du mir wirklich erzählen, dass es sich bei dem Album um das tollste Popalbum der Geschichte handelt? Erfolgreich war es ohne Frage – aber Erfolg ist nicht gleichbedeutend mit kompositorischer Überlegenheit. Das sollte kein Geheimnis sein. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass ich deine Musik nur zeitweise ertrage, im Gegensatz zu Prince. Müsste ich mich zwischen Purple Rain und Thriller entscheiden, Purple Rain würde ich behalten wollen. Auch hat Prince es geschafft, bis heute extrem erfolgreich zu bleiben. Gut, zwischenzeitig hat er Bockmist produziert, aber was hast du in der Zwischenzeit gemacht? Da gab es ein Comeback, dass sich so gar nicht verkaufte, du hast einen Prozess geführt, wolltest deine Ranch verkaufen, die aber keiner haben wollte etc. Prince hingegen wurde immer besser und hat es geschafft Tagelang in der ausverkauften O2 Arena aufzutreten. Das willst du jetzt sogar noch übertrumpfen. Doch sag mir, lieber Michael: Wie willst du das schaffen? 50 Konzerte sollen es sein. Denk‘ nochmal darüber nach: 50! Und das bei deiner, angeblich angeschlagenen, Gesundheit. Ist es vielleicht so, dass jeder mehrere Shows besuchen darf und du immer nur eine halbe Stunde lang auftrittst? Du bist schließlich keine 20 mehr. Kaum zu glauben, dass ich so negativ schreibe, warst du doch mal mein Held. In den späten 80ern, frühen 90ern. Ich habe mir aus Playmobil dein Ebenbild gebastelt. Ich nahm einen Harlekin, entfernte seine Frisur und ersetzte sie durch den Zopf eines Piraten. Als Hut verwendete ich die Kopfbedeckung des Banditen aus dem Cowboy Sortiment. Der mit dem Mundschutz. Dann habe ich dir noch einen Affen an der Hand befestigt. Ohne Bubbles warst du ja nicht komplett. Tja und auch „Heal The World“ und so fand ich noch ganz toll. Ganz zu schweigen von dem Moonwalker Videospiel, das ich heimlich im Ferienresort auf Mallorca gespielt habe. Doch dann war es irgendwann vorbei, dein Stern begann zu sinken und ich interessierte mich für gänzlich andere Musik. Vor einigen Jahren habe ich mir dann Thriller auf CD gekauft und dachte an die 80er zurück. Meine frühe Kindheit. Die Schwester meiner Grundschulfreundin hatte die ganze Wand voller Michael Jackson Poster, sogar ihre geliebten Wendy Bilder mussten weichen. Du warst unser aller Held, lieber Michael. Es wäre so schön, würdest du noch einmal der King Of Pop sein. Ich wünsche es dir wirklich von ganzem Herzen.

Für die Zukunft alles Gute…

Dein Julian

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.