Various Artists – German Funk Fieber Vol.2

thumbShow Up Records / Cargo

Siegfried Schwab – High Snobiety / Malcolm’s Locks – Get Up Stand Up / Orchestra And Chorus Les Humphries – Mandrake / Lift – Wenn / James Last – Rice And Beans / The Cosmic Sound Orchestra – Listen to the Beat / Eric Thoener’s Sound Magazine – Speed Limit / Joy Fleming – Geld / Panta Rhei – Der Losverkäufer / Roland Kovac & The ORF Big Band – Operation Rose / Manfed Krug – Wenns Draußen Grün Wird / 12. Jochen Brauer Sextett – Sunny / Kati Kovács – Sehnsucht / Memphis Black – Testify / Fredy Brock – Betwixt And Between / Don Anderson – Understanding / Jürgen Franke – Back Talk / Peter Thomas – Evening Air

In Deutschland gab es zwei Easy Listening Hypes in den letzten Jahren: Der erste war Ende der 90er, als ich gerade so richtig auf Zappa war und mich recht wenig für Funk, Soul oder Acid Jazz interessiert habe, der zweite ist im Fahrtwasser der aktuellen Amy Winehouse Platte aufgekommen. Ich fand meinen Zugang irgendwann dazwischen. Ehrlich gesagt kam ich über den Jazz zur Rare Grooves Szene. Musiker wie Siegfried Schwab oder George Shearing entdeckte ich in einer wahren Veröffentlichungsflut der CD Reihe „Verve Club“ und ich begann, mich vermehrt in der Easy Listening und Funk Abteilung meines deutschen Lieblingsplattenladens (25 Music in der Lister Meile, Hannover) aufzuhalten und alles zu kaufen, was irgendwie abgefahren wirkte. Neben Herb Alpert oder Isaac Hayes entdeckte ich auch solche Schätze wie „Vampyros Lesbos“ oder Verdelle Smith (unbespielt!). Plötzlich tauchten Sampler auf, die „The In-Kraut“ oder eben „German Funk Fieber“ hießen und ich griff einfach mal blind zu. Warum die deutsche Musikszene über Jahre so sehr in Verruf geriet, können uns wohl nur James Last und unsere Eltern erzählen. Vermutlich lag es daran, dass viel Schrott produziert wurde, aber es gibt immer wieder Alben von ungewöhnlich hoher Qualität (Hildegard Knefs „Knef“, James Lasts „Well Kept Secret“, Udo Lindenbergs „Free Orbit“ etc.). Ein wenig sind die Sampler auch Betrug, denn wie gesagt gab es nicht nur gute Sachen. Aber es sind genau diese Sachen, die heutzutage in Londoner Clubs gehört werden.
Auf „German Funk Fieber“ jedoch geben sich die Besten der Besten die Klinke in die Hand. Siegfried Schwab, Les Humphries, Joy Fleming, Manfred Krug und das Jochen Brauer Sextett, um nur einige zu nennen. Wer hätte gewusst, dass Joy Fleming einmal eine Platte für das renommierte Stax Label aufgenommen hat? Wer schafft es schon, einen deutschen Song über den Frühling zu singen, ohne in Peinlichkeiten zu ersticken? Hier erfährt man, dass es sich dabei um Manfred Krug handelt, jenen peinlichen Tatortkommissar. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis alle Schätze des deutschen Funks entdeckt wurden. Diese Platte ist auf jeden Fall ein guter Anfang!

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.