John Williams – Indiana Jones: The Soundtracks Collection (Teil 3)

CD 1: Raiders Of The Lost Ark

“Raiders Of The Lost Ark” war meine erste Indiana Jones CD. Davor besaß ich nur eine Kopie der Vinylversion von “Last Crusade”. Es war die relativ vollständige DCC / Silver Screen Ausgabe, die ich wirklich totgespielt habe und die ich komplett auswendig kenne. Die Tonqualität war damals schon atemberaubend. Als ich hörte, dass der Soundtrack noch ein wenig erweitert werden sollte, machte ich mich sofort auf, zu schauen, ob ich meine alte Fassung über Ebay verkaufen kann, was ich glücklicherweise nicht getan habe, denn auf der neuen Version befindet sich ein Track, der zurechtgeschnitten wurde. Man hört ihn also in der verstümmelten Version der ersten Vinylveröffentlichung aus den 80er Jahren. Schade. Vor allem wenn man bedenkt, dass die CD keineswegs 80 Minuten läuft sondern nur 75. Aber trotzdem kann man das verzeihen. Unverzeihlich hingegen die Tatsache, dass das wunderbare Booklet nicht übernommen wurde und anstelle dessen die gleichen, nichtssagenden Linear Notes von Laurent Bouzereau gedruckt werden, die sich auch im Booklet von „Last Crusade“ und „Temple Of Doom“ wiederfinden. Ich gehe davon aus, dass Fans die DCC / Silver Screen Fassung so oder so im CD Regal stehen haben und es auch nur Fans sind, die sich das Boxset kaufen. Blöd nur für junge oder neue Fans…
Kommt mir der Soundtrack zu Teil 4 willkürlich und unreif vor (was er objektiv betrachtet nicht ist), so ist der „Raiders“ Soundtrack nahezu perfekt. Nahezu, da mir zu oft das Raiders Thema zitiert wird, das inzwischen einfach nur noch nervt (insofern bin ich auch froh, dass das vollständige Thema erst auf der Bonus CD zu finden ist – und zwar vor dem Interview und dem Hauptteil der CD). Von den ersten Tönen des Cues „In The Jungle“ bis hin zu „Washington Ending & Raiders March“ ist diese Veröffentlichung ein Quell der Freude. Neu hinzugekommen ist z.B. „Washington Men / Indy’s Home“, ein Track, der so unbeschreiblich viel Spaß bringt. Hier ertönt zum ersten Mal das Thema der Arche, wie im Soundtrack zu „Last Crusade“ herrscht eine sakrale Stimmung, die in „The Map Room: Dawn“ auf die Spitze getrieben wird. Das in „Crystal Skull“ oft zitierte „Marions Theme“ ist ungefähr so bedeutend wie „Yoda’s Theme“ oder „Princess Leias Theme“. Was muss John Williams geritten haben, dass er so etwas Vollkommenes geschrieben hat? In dem Stück erklingt sogar ein E Piano. Ganz leise, aber dennoch hörbar trägt es viel zur Atmosphäre bei. Und am Ende der CD stört nicht einmal der kunstvoll variierte „Raiders March“.

subjektiv4sterne
objektiv5sterne

Wertung des Boxsets: Aufmachung, Ausstattung…

Das Boxset ist ein mit dünnem Leder (!) überzogener Pappkarton (der ein wenig zu klein ist, merkt man, wenn man alle CDs mit dem Rücken zur Öffnung stapelt) auf dem eine Goldprägung (!) in Form des Hutes und der Peitsche des Indiana Jones prangt. Das macht schon mal Eindruck. Entnimmt man die CDs, so hält man vier Digipacks, ein Slipcase und ein Booklet in der Hand. Die Digipacks sind eigentlich ziemlich toll, jedoch eben leider Pappschachteln, die relativ schnell kaputt gehen können. Deshalb sollte man sie sorgsam behandeln. Jedes Digipack enthält ein eigenes Booklet mit Filmfotos, Steven Spielbergs Linear Notes der Originalausgaben und einen Vermerk von Laurent Bouzereau, die ziemlich unnütz sind. Hier hätte ich mir Notes im Stil der DCC / Silver Screen Ausgabe von „Raiders“ gewünscht. Gerne hätte ich etwas über die Entstehung der Soundtracks oder das Mastering etc. erfahren. Toll wären auch Auszüge aus den handschriftlichen Partituren von John Williams gewesen. Schön ist hingegen wieder das Innenleben der Digipacks. Jedes Pack ziert ein Motiv aus dem jeweiligen Film, das sich über beide Seiten erstreckt. Einzig bei „Crystal Skull“ ist das Motiv relativ sinnlos, da es aussieht wie ein Popartdruck (und in der Tat ist es ein Werbeplakat, nur ohne Schrift). Die CD selbst wurde mit dem jeweiligen filmspezifischen Artefakt bedruckt. Sehr schön. Dabei kommt die Bundeslade am besten zur Geltung. Das Slipcase ist optisch nicht so toll geraten. Vorne drauf findet sich das Logo, dass auch auf dem Boxset prangt – nur leider als Popartdruck, was bei Indiana Jones gar nicht passt (und auch schon auf der CD Erstveröffentlichung von „Last Crusade“ völlig deplatziert wirkte). Man merkt, dass es sich hier um eine Bonus CD handelt (auch was die Klangqualität betrifft, aber dazu habe ich ja schon geschrieben). Das beiliegende Heft ziert ebenfalls ein Popartaufdruck in Form eines alten Flugzeugs, unten rechts prangt die Unterschrift des Indiana Jones. Hier gibt es endlich vernünftige Linear Notes von Laurent Bouzereau, die aber leider auch nicht die schon erwähnten Fragen klärt. Anstelle von den gewünschten Partituren enthält das Heft viele Bilder aus den Indiana Jones Filmen. Zusätzlich gibt es einige Storyboardzeichnungen, von denen ich mir mehr gewünscht hätte (und die schon einmal in der alten „Raiders“ Ausgabe zu finden waren). Was mich enorm stört, sind die Bilder von Marion aus dem Film „Crystal Skull“. Die Frau ist einfach alt. Ich weiß, das ist kein wirkliches Wertungskriterium, aber ihr Charakter war einfach fehl am Platz. Das Gespann Mutt / Indiana Jones hätte gereicht. Am Rande noch eine Bemerkung zum letzten Film: Alle Figuren, sowohl Oxley als auch Indianas Freund sind nicht etwa neu eingeführte Personen, sondern Figuren, die aus der Serie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ bekannt waren. Trotzdem bleibt die Frage, warum man gerade nach dem Kristall Schädel sucht. Im Ernst: Es gab zig Script Entwürfe und ich bezweifele, dass da kein besseres dabei war (auch wenn man bedenkt, was für eine tolle Story „The Fate Of Atlantis“ hatte. Ging zwar auch irgendwie um Außerirdische nur das es da alles passte). Aber das hat ja nicht wirklich etwas mit dem Box Set zu tun. Eigentlich kann man sich, mal von den erwähnten Punkten abgesehen, nicht mehr wünschen. Doch kann man: Ein Box Set der Indiana Jones Serie (Soundtrack und Serie) aus den 90er Jahren.

Abschließende Wertung:

subjektiv4sterne

objektiv4sterne

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.