John Williams – Indiana Jones: The Soundtracks Collection (Teil 1)

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Indiana Jones, der Held meiner Kindheit. Ich weiß noch genau, wann und wo ich ihm zum ersten Mal begegnet bin: Ich war mit meinen Eltern auf Mallorca und schaute mir an der Rezeption den kleinen Goldmann Taschenbuchständer an. Ich sah einen Mann mit Hut und die Figuren der Osterinseln und wusste, noch ehe ich den Titel („Indiana Jones und das Geheimnis der Osterinseln“ – im Übrigen ein eher schlechtes Buch aus der Reihe) gelesen hatte, dass ich es haben musste. Nun, leider weigerten sich meine Eltern, da sie der Meinung waren, es wäre noch nichts für mich. Aber in der Mitte der Ferien besuchte uns ein Arbeitskollege meines Vaters, der selbst Indiana Jones Fan war und er schenkte mir eben dieses Buch. Was war ich stolz. Blöd nur, dass mir das Buch damals so gar nicht gefiel (was mir aber mit allen Büchern Wolfgang Hohlbeins bis heute so geht). Kaum aus dem Urlaub zurück bekam ich von eben diesem Arbeitskollegen das Adventure zum Film „…und der letzte Kreuzzeug“ geschenkt. Nach der Schule musste ich fortan erst einmal mindestens eine Stunde spielen, bis ich auch nur im Entferntesten bereit dazu war, Hausaufgaben zu machen. Es war der Wahnsinn. Doch Indiana Jones wurde durch ein allgemeines Interesse an Geschichte und Archäologie abgelöst, bis ich ihn in der 6. Klasse wiederentdeckte (in der Chronik des Films). Bald schon sollte ich zum ersten Mal „Indiana Jones und der Letzte Kreuzzug“ sehen. War das toll! Bis heute habe ich diesen Film an die 20-mal gesehen, wenn nicht öfter. Ich kann die Texte mitsprechen, die Musik (dank meiner Musikalität) mitsummen und weiß sogar, wie viele Minuten Indiana Jones nach dem ersten Treffen mit Elsa Schneider dazu benötigt, sie zu verführen (es sind 15). Der Satz „Die Suche nach dem Gral ist die Suche nach dem göttlichen in uns allen“, den Henry Jones Senior zu Indiana, Marcus Brody und Sallah am Ende des Filmes sagt, ist meines Erachtens einer der besten Sätze, die jemals in irgendeinem Drehbuch standen. Die anderen Filme sollten mich ähnlich, wenn auch nicht ganz so sehr begeistern. Die Spiele habe ich mir wenig später gekauft und 220px-indianajonesunddasgeheimnisderosterinselnbis heute unendlich oft durchgespielt. Schon bald werde ich mit das neue Spiel kaufen und auch „Die Legende der Kaisergruft“ wird irgendwann noch mal über Ebay ersteigert. Ja, Indiana Jones hat einen großen Teil meines Lebens mitbestimmt. Doch etwas fehlte immer. Zwar hatte ich die tolle DCC / Silver Screen Ausgabe von „Raiders Of The Lost Ark“ und die (grottige) Warner Version von „…und der letzte Kreuzzug“, doch Teil 2 war nicht zu bekommen und jetzt, da es Internet gibt, bezahlt man dafür ein Vermögen. Gut, als Bootlegs noch legal zu kaufen waren, habe ich natürlich zugegriffen, aber die Soundqualität ist eine Frechheit – aber dazu später mehr. Als nun endlich Teil 4 in die Kinos kam (der mal abgesehen von den Aliens und der Hochzeit wirklich nicht sooo schlecht war) gab es plötzlich die Pressemitteilung, das Ende 2008 die Soundtracks komplett veröffentlich werden sollten. Geil! Das Ding wurde gleich bestellt. Ja, jetzt ist der Moment gekommen, wo es wirklich nur um das Boxset geht. Ich bewerte die CDs in der Reihenfolge, in der ich sie gehört habe.

CD 2: Indiana Jones Und Der Temple des Todes

„Temple Of Doom“ ist wohl der von Fans am meisten gesuchte Soundtrack, da er seit Mitte/Ende der 1980er Jahre erst nur noch in Japan und dann überhaupt nicht mehr erhältlich war. Zudem ist er der wohl experimentellste, wie z.B. das Liebesthema von Indy und Willie bezeugt, dass dann auch gleich mal fehlt. Was für ein Honk ist daran schuld? Man sollte ihm alle Haare ausreißen und ihn über die Weinberge jagen! Aber egal. Der Soundtrack ist auch ohne diesen Cue extrem toll. „Anything Goes“ wurde in der Original kantonesischen Version dargeboten, die man auch im Film hört (ja, Kate Capshaw singt und das gar nicht mal schlecht!). Es macht einfach Spaß, diesen alten Soundtrack in super gemastertem Ton hören zu dürfen. Die düsteren Gesänge des Kaliordens, das verspielte „The Scroll / The Pankot Palace“ und das majestätische „Short Round’s Theme“… fast alles, was sich Fans seit jeher in dieser Qualität wünschen. Ja, diese CD werde ich noch sehr oft hören.

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CD 3: Indiana Jones Und Der Letzte Kreuzzug

Wie schon gesagt hat dieser Film mir immer am meisten bedeutet. Ich habe versucht, zu ergründen, warum das so ist und die Antwort ist so simpel wie logisch: Der Film hat eine sakrale Atmosphäre, die fast vollständig auf der Musik basiert. Der Soundtrack von 1989 gehört allerdings zum miesesten, was neben „Tempel des Todes“ veröffentlich wurde: Schlechte Tonqualität (man muss sich mal überlegen, dass die Einspielung der City Of Prague Philharmonics besser klang!!!), über die Hälfte der Musik fehlt (vor allem wichtige Themen) und die Musik wurde laut John Williams so sortiert, dass sie am besten ins Ohr geht (und ab und an schnitt man einfach die Musik nach Belieben zusammen). Tja, Klassenziel verfehlt. Wo sind wir denn? Easy Listening gibt’s einen Raum weiter. Auch die Verpackung war ein Graus, alles wirkte so lieblos und ungeschickt. Ganz anders die aktuelle Version. Anstelle der willkürlich angeordneten 13 gibt es hier 19 Tracks, die Musik hält sich strikt an den Ablauf des Films und nein, das stört den hörfluss in keiner Weise. „Indy’s Very First Adventure“ ist endlich komplett drauf, die erste Version des Gral Themas fehlt zwar, ist aber später auf der Bonus CD zu finden. Die Tonqualität hat eindianajones460ndlich einen audiophilen Level erreicht. Es ist eine Freude. Was da vorher alles nicht zu hören war… das erinnert mich ein wenig an die Neuveröffentlichungen der Genesis CDs. Sehr entspannend ist auch der Fakt, dass der totgedudelte „Raiders March“ (ist inzwischen Standard einer jeden Bläserklasse diverser Integrierter Gesamtschulen geworden) fehlt. Steven Spielberg fand das auch schon in den 80ern anscheinend sehr toll, zumindest hat er diesen Umstand extra im Booklet vermerkt (ein Schelm wer denkt, dass er für den Rerelease neue Linear Notes geschrieben hätte…). Richtig schön wird es auf der CD ab Track 16 („The Canyon Of The Crescent Moon“). Wer die Star Wars Soundtracks für das Maß aller Dinge hält (oder gar Harry Potter) soll da einfach mal hinein hören. John Williams hat soviel mehr drauf. Ab 02:30 hört man im Rerelease plötzlich Themen, die einem vorher, dank des schon erwähnten miesen Mixes, bisher entgangen waren. Selbst ich als Hardcorefan musste überrascht aufhorchen. Sind meine Ohren wirklich so eingerostet, dass mir das Gral Thema in „The Penitant Man Will Pass“ entgangen ist? Oder war es wieder einmal der Mix? Ich glaube es muss dieser gewesen sein, denn im alten Mix klang einfach alles dumpf. Ja, das sind die Melodien, die ich seit dem ersten Sehen des Films verinnerlicht hatte. Ihr wollte das Sakrale, von dem ich vorhin geschrieben habe? Hier habt ihr es! Wer jetzt noch keine Gänsehaut bekommen hat, muss Gefühlskalt sein. „The Keeper Of The Grail“… auch hier ist der neue Mix grandios! Ein Album der Superlative!

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Hinweis: Alle Artikel wurden mir von der entsprechenden Plattenfirma / dem entsprechenden Verlag bzw. Verleih zwecks Rezension kostenlos zu Verfügung gestellt. Die Rezensionen sind demnach als Werbung zu betrachten.
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