Bobby Gentry – Ode To Bobby Gentry

bobbygNashville Records / Capitol / Emi

Mississippi Delta / Fancy / Son Of A Preacher Man / Ode To Billy Joe / Touch ‘Em With Love / You’ve Made Me So Very Happy / The Girl From

Cincinatti / In The Ghetto / Hushabye Mountain / I Wouldn’t Be Surprised / Apartment 21 / He Made A Woman Out Of Me / Find Em, Fool Em,

Forget Em / Skip Along Sam / Show Off / I’ll Never Fall In Love Again / Stormy / Chickasaw County Child / Big Boss Man / Ace Insurance Man /

Reunion

Die portugiesischstämmige Sängerin Bobby Gentry (ihr richtiger Name ist Roberta Streeter) ist eine amerikanische Sängerin, die in Amerika nur einen Hit hatte und danach nach Europa ging. Ok, das war jetzt ein bisschen schnell, fasst aber im Grunde ihren Werdegang zusammen. Zwischenzeitig arbeitet sie noch mit Glen Campbell zusammen und gewann ein paar Preise. Keiner weiß, was sie im Moment macht. Ihr Hit war „Ode To Billy Joe“ und das Stück ist eines ihrer schlechtesten. Besser sah es in Europa aus, wo sie mit dem Klassiker „I’ll Never Fall In Love Again“ einen Top Ten Hit hatte. Es folgte eine Fernsehsendung in der BBC, wo sie sang und andere Künstler einlud, wie den begnadeten Folkmusiker James Taylor, dessen Debüt sie als das schönste Album bezeichnete, was sie je gehört hatte.
Die Vorliegende CD präsentiert eine relativ gelungene Auswahl ihrer Capitol Aufnahmen. Ich will gleich vorweg sagen, dass es sich definitiv lohnt, ihre regulären Platten zu kaufen, wenn man sie den findet, was bei einer Flut von „Best Of“ Veröffentlichung schier unmöglich gestaltet. Auch zu empfehlen sind die Bootlegs ihrer BBC Show. Die CD startet mit dem geilen „Missisippi Delta“. Bei dem Stück handelt es sich um richtig tollen 60s Beat mit Bläsern, Gitarren, Mundharmonika und einem treibenden Schlagzeug. Bobbys Stimmt ist sehr kratzig und kommt super zur Geltung. Das Stück haut einen um. Es folgt ihr beinahe Hit „Fancy“. Hier geht es deutlich ruhiger zu, wenn auch nicht zu ruhig. Erzählt wird eine wunderbar unemanzipierte Geschichte, die aus den 50ern stammen könnte. Der Hörer kommt bei Zeilen wie „Be nice to the gentleman Fancy and they’ll be nice to you“ ins schmunzeln. Lustiger weise spielt die Story in einem Trailerpark. Die Mutter versucht quasi ihre Tochter zu verhökern. Ziemlich lustig. Wieder gibt es tolle Bläserarrangements. „Son Of A Preacher Man“ beweist, dass Dusty Springfield durchaus an die Wand gesungen werden kann. Ich höre diese Version viel lieber. Vielleicht liegt es an dem klaren Mix? Oder ist es doch die sexy Stimme von Bobby Gentry? Das nächste Highlight ist „You’ve made me so very happy“. Wir kennen es alle vom grandiosen zweiten Album der Jazzkombo „Blood Sweat & Tears“. Auch die Vorliegende Version haut einen um. Das macht gutes Songwriting aus: Der Song ist unzerstörbar, man kann ihn tausendmal hören. Gleiches gilt für „The Girl From Cincinatti“. Scheiße ist der Mittelteil (mit Chor!) grandios! Treibend, irgendwie sakral. Text? Egal. Songwriter? Unbekannt! Wie kann so jemand unbekannt sein? Das gibt’s doch nicht. Wahrscheinlich ist der Komponist völlig verarmt gestorben. Was ist das eigentlich genau? Beat? Country? Soul? „In the Ghetto“ kann man völlig vergessen. Das ist wirklich ein Elvis Song durch und durch. Danach ein weiterer Knaller: „Hushabye Mountain“. Bobbie Gentry singt mit einer Stimme, neben der man aufwachen möchte. Die Arrangements sind auf Schlafzimmer ausgelegt, es herrscht eine Stimmung wie bei einigen Sarah Vaughan Stücken. Wohlklang auf höchstem Niveau. Lustig ist „I wouldn’t be surprised“. Ein ähnliches Stück komponierte ich vor Jahren, nicht so perfekt aber dennoch nahezu identisch – doch kannte ich es nicht. Naja, es war eine meiner schlechteren Stücke. Mehr muss ich nicht sagen, oder? „I’ll never fall in love again“, der Bacharach Klassiker erstrahlt in völlig neuem Licht. Ein ohnehin sehr tolles Stück ist hier nahezu in Perfektion vertreten. Energetischer als andere Versionen und doch schön relaxt. Muss man gehört haben. Auch als Bossa Nova Sängerin in „Stormy“ macht sich Bobby ganz ausgezeichnet. Klar, kein Vergleich zu Sylvia Telles oder Astrud Gilberto aber doch – das ganze hat was. Sehr intensiv, leider fehlt die Intimität anderer Interpreten. Aber da hat der Produzent Kely Gordon versagt, denn ein Sänger ist nur so gut, wie sein Produzent. „Chickasaw County Child“, eine weitere Gentry Komposition ist herrlich locker swingend, der Text kindlich naiv. Hier hat Jimme Haskell super Arrangements geschrieben. Da sieht selbst James Last, der Arrangementgott, alt aus. Die CD schließt mit „Reunion“. Ich gebe es zu: Ich hätte nicht gewusst, dass Bobby Gentry diesen Klassiker geschrieben hat. Ich kannte es bisher nur von diversen Easy Listening Platten und natürlich als Medley der „Les Humphy Singers“. Und so werde auch ich nochmal überrascht.

subjektiv4sterne

objektiv3sterne

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.