Almost Famous – “Look under your bed. It’ll set you free.”

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Die Band, die Groupies und William

Ein Musikfilm über die 70er? Nein danke. Ich kann meinen Abend durchaus besser verbringen und muss nicht einem Haufen Hippies dabei zusehen, wie sie kiffen. Weit gefehlt! Weder geht es in Almost Famous um Drogen, noch wird eine Horde Hippies portraitiert. Vielmehr hat der begnadete Regisseur Cameron Crowe (Elizabethtown, Vanilla Sky) seine Jugend verfilmt. War er es doch, der als 15 Jähriger für das Rolling Stone Magazin schreiben sollte. Ich kenne diesen Film nun seit er 2001 im Kino lief und habe ihn seitdem endlose Male gesehen, eine Hausarbeit über ihn geschrieben und mich schlussendlich in ihn verliebt. Es gibt kaum einen Film, der so ehrlich mit sich selbst ist. Man stelle sich einmal vor, man drehe einen Film über seine leicht psychotische Mutter und diese stehe bei den Dreharbeiten ständig am Set. Dazu braucht man Mut. Cameron Crowes Alter Ego William Miller durchlebt in diesem einzigartigen Film eine nicht normale Fahrt durch die wilden 70er, eine Fahrt voller böser Überraschungen. Mir ist kaum ein Coming-Of-Age Film bekannt, der so

gnadenlos über verratene Ideale und die Zerstörung der Rockmusik referiert wie es hier der Fall ist. Es gibt die Seite der Rockstars, Groupies und Roadcrew, die strahlende Glamourwelt, die doch nur dazu dient, eine Fassade aufrecht zu erhalten, um die eigene Unfähigkeit zu verstecken. Wie oft sagt Williams heimliche Liebe Penny Lane den Satz „Wenn das hier das richtige Leben wäre…“. Doch es ist die richtige Welt, in der sie lebt und so kann keine der Figuren ihrem Schicksal entgehen. Die andere Seite besteht aus den Realisten. So zum Beispiel Williams Mutter Elaine, eine Professorin, die es am liebsten hätte, dass ihr Sohn Anwalt und Verfechter der Frauenrechte wird. Sie gebiert sich direkt psychotisch, so erfahren wir von Williams Schwester Anita (kongenial verkörpert durch die wunderbare Zooey Deschanel), dass sie Mehl, Motorräder, kommerzialisierte Weihnachten, Rockmusik und Zucker ablehnt. Sie durchlebt ihre Phasen, in der immer ein anderes Feindbild existiert. Der Film ist immer dann am schönsten, prallen diese beiden Seiten aufeinander, wenn z.B. Elaine ein Gespräch mit Russel Hammond, dem Gitarristen der Band Stillwater führt, die William begleitet. Ein Mann wie Russel, der nichts zu erzählen hat und nur mit Worthülsen um sich wirft trifft auf eine hochgebildete Frau mittleren Alters, die ihn natürlich sofort durchschaut und ihn davor warnt, ihren Sohn zu enttäuschen.

Der Film hat genau drei Höhepunkte: Williams Entjungferung, ein wunderbarer Traum, dem Ernüchterung folgt, Penny Lanes Selbstmordversuch und die anschließenden Turbulenzen im Tourflugzeug sowie das finale Gespräch zwischen William und Russel. Williams Entjungferung ist der Traum eines jeden Mannes. Er hat immerhin Sex mit drei wunderschönen Frauen – doch seine große Liebe Penny Lane verlässt den Raum und verbringt die Nacht bei Russel. Am nächsten Tag muss William erfahren , dass er nur entjungfert wurde, da es sonst nicht zu tun gab („In jeder andern Stadt wärst du immer noch Jungfrau“). Penny Lane wird im Laufe des Films an die Band Humble Pie verschachert. Sie trifft im Laufe des Films noch einmal auf Russel, der sie jedoch verleugnet. Penny will sich umbringen, William wird sie retten. Die Band bemerkt davon nichts und zieht es vor, die Nacht mit Bob Dylan im legendären Max Kansas City zu verbringen, dem Legendären Club, in dem auch Andy Warhol Stammgast war. Während die Band feiert, bricht sich Penny Lane die Seele aus dem Leib. Ich muss anmerken, dass ich noch nie einen Menschen gesehen habe, der sich so würdevoll übergibt. Am nächsten Tag wird die Band von Penny Lanes versuchtem Selbstmord erfahren und dies ist auch der Moment, in dem sämtliche Geheimnisse offenbart werden. Russels Freundin ist in Wirklichkeit nicht so bieder, wie sie sich gibt, hat sie doch mit Jeff Bebe, dem Leadsänger geschlafen. Der neue Manager beging Fahrerflucht, der alte betrog die Band um Geld. So ziemlich jeder hatte mit jedem Sex. Nach dieser Szene trennen sich die Wege von William und der Band. William trifft auf seine Schwester, Russel wird William verraten. Der Film endet damit, dass Russel seien Fehler korrigiert und zu William hält. Sie treffen sich noch einmal (durch einen Trick Penny Lanes) und finden auf magische Weise zueinander.

William,

William, Anita und Elaine

Es ist einfach unglaublich, mit welcher Detailverliebtheit Cameron Crowe seinen Film gedreht hat. Selbstverständlich sind ihm kleine Zeitfehler unterlaufen aber das fällt nicht weiter ins Gewicht, fallen sie doch nur großen Musikfans auf (so sind einige der im Film vorhandenen Platten zum Zeitpunkt der Handlung noch gar nicht erschienen). Der Soundtrack ist schlichtweg genial, sei es der Score seiner Ehefrau Nancy Wilson (von der Band „Heart“) oder die einzelnen Rockklassiker. Selbst Led Zeppelin haben ihre Stücke zum ersten Mal in der Filmgeschichte freigegeben. Liegt das vielleicht auch daran, dass Crowe und die Band seit den 70er Jahren so eng befreundet sind, dass er für sie sogar Linear Notes schreiben darf? Egal.

Nun zu den Schauspielerischen Leistungen. Patrick Fugit, der William spielt überzeugt auf ganzer Linie. Die größten Entdeckungen des Films sind jedoch Zooey Deschanel („Weeds“, „The Happening“), Kate Hudson („How To Get And Loose Him in 10 Days“), Jason Lee („Malrats“, „My Name Is Earl“) und Anna Paquin („X-Men”, „Finding Forrester”). Auch Fairuza Balk (“American History X”) ist großartig. Von Frances McDormand und Philip Seymoure Hoffman möchte ich gar nicht erst anfangen. Man erinnere sich: 2000, als der Film in die amerikanischen Kinos kam, waren die meisten Schauspieler noch unbekannt, Crowe musste um seine Schauspieler kämpfen und konnte den Film nur realisieren, weil er kurz zuvor den Oscar für den viel schlechteren Film „Jerry Maquire“ gewonnen hatte.

subjektiv5sterne

objektiv5sterne

Der Trailer enthällt auffallend viele Szenen des Extended Cuts…

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.