Von Soulsängern hört man ja leider recht wenig. Trotz Soulrevival. Schade eigentlich, denn mit Sängern wie Anthony Hamilton sind auch die Alben der Herrenriege zum Teil mehr als ausgezeichnet, können durchaus mit den Damen mithalten. So auch Michael Kiwanuka, der im Vergleich zu Anthony Hamilton jedoch nicht so widerspenstig daherkommt, etwas mehr die Seele streichelt. Stücke wie I’m Getting Ready oder Home Again bohren sich sofort in den Hippocampus, Flötenarrangements wie auf I’ll Get Along lassen Endorphine tanzen. Angenehm auch, dass nicht wieder einmal der alte Motownsound bemüht wurde – Home Again erinnert eher an Reverend Al Green. Wunderbar gelassene Soulfolktunes die viel besser sind, als es Adele, Duffy & Co sind.
Bei Alex Winston überschlägt sich das Promoinfo mit Lob und lockt uns doch auf die falsche Fährte. Soul der Motown-Ära? Girl Pop der 60er? Nun, das stimmt schon alles, aber doch hat sie ihren ganz eigenen Sound gefunden, der vielleicht Elemente borgt, sonst aber sehr eigenständig agiert. Alex Winstons Stimme erinnert ein wenig an Duffy, ist jedoch angenehmer und nicht so hochfrequent. King Con ist ein schönes, eckiges Popalbum geworden, für das man sich definitiv Zeit nehmen sollte, ein Album mit hohem Spaßfaktor. Eines dieser Aufnahmen, die, wenn man sie hört wirken, als kenne man es schon ewig, aber dennoch nach wenigen Minuten verhallen.
Passend zu Weihnachten lässt Duffy es sich nicht nehmen, sieben Songs eines Konzerts, dass sie ins Londoner Café De Paris führte, als Stream zu veröffentlichen. Duffys aktuelles Album Endlessly erschien vor ein paar Wochen und überzeugt vor allem durch die im Stil der 50er Jahre gehaltenen Balladen. Mit ihrem Debütalbum Rockferry eroberte sie die Herzen vieler Musikfans im Sturm.
Duffy hat sich auf Endlessly mit der Songwriterlegende Albert Hammond (It Never Rains In Southern California) und seiner Frau zusammengetan – beide waren von einem ihrer Auftritte dermaßen begeistert, dass Hammond seinen Ruhestand unterbrach. Er schrieb die Songs und stellte ihr die legendären The Roots an die Seite, seine Frau beriet Duffy vor allem im Styling, um möglichst authentisch zu wirken. Hier ein wenig mehr Selbstbewusstsein, dort ein wenig mehr Unschuld. Soweit die Geschichte. Klingt gut, aber ist es das dann auch? Teils, teils. Vorweg muss natürlich gesagt werden, dass Rockferry ein ziemlich gutes Retroalbum ist; es überzeugt vor allem durch traurige Balladen und die teils zerbrechliche Stimme der Waliserin. Endlessly klingt hingegen ein wenig unentschlossen. Femme Fatale, Unschuld vom Lande, 50s Balladen (Too Hurt To Dance) reihen sich an danceflooraffine Momente (Well Well Well). Akustische Momente stehen beinahe überproduzierte Songmonster gegenüber. Stücke wie Endlessly, Hard For The Heart und Too Hurt To Dance wirken ein wenig verloren zwischen dem Versuch, einer Chartplatzierung nachzulaufen. Quo vadis Duffy? So pendelt das ganze Album zwischen den 50er Jahren, den 60er Jahren und den 00ern hin und her, immer wieder gibt es Lichtblicke, die auf ganzer Linie überzeugen, die von anbiedernder Belanglosigkeit unterbrochen werden. Duffys Stärken, also Songs wie Don’t Forsake Me, Too Hurt To Dance oder Endlessly werden durch Britney Spears inspirierte Nichtigkeiten vom Schlage Lovestruck (hat trotzdem einen tollen Refrain sowie eine fantastische Basslinie) korrumpiert. Auffällig ist auch, dass ihre Stimme comichafter klingt, als noch zu Rockferry Zeiten. Festzuhalten bleibt: Mehr Balladen, weniger Dancefloor und wunderschöne Promofotos.
Im Vorfeld wurde Duffy immer wieder mit Amy Winehouse verglichen. Das hatte bei vielen (auch bei mir) zu Folge, dass man wirklich ein zweites Back To Black erwartete. Ist natürlich hanebüchener Unsinn. Während Amy Winehouse eher die Billy Holiday und Motown Fans anspricht, ist Duffy eher mit Dusty Springfield vergleichbar. Man sollte sich also von dem Vergleich freimachen, sonst wird das mit dem Album nichts. Für mich beginnt das Album eigentlich erst ab dem Stück Serious. Was danach folgt ist wirklich ganz groß und macht richtig Spaß. Selbstredend sind Warwick Avenue und Rockferry keine schlechten Stücke (man schaue sich die Songstruktur von Rockferry einmal genauer an – tolle Idee). Ein wenig störend ist eigentlich nur Duffys oft piepsige Stimme, die in den Höhen ab und zu unangenehm schneidet. Macht aber nichts, denn alles in allem haben wir es mit einem tollen Album zu tun, dass es zwar nicht mit Amy Winehouse aufnehmen kann (schon wieder dieser Vergleich!) aber dennoch durch Kreativität überzeugen kann. Duffy möchte sich übrigens in Richtung Mariah Carey weiterentwickeln. Bleibt zu hoffen, dass das nur ein Witz war. Ach ja: Delayed Devotion ist der Hammer!
Ok, vielleicht nervt meine Duffysucht ein wenig, aber heute ist die etwas einseitige Berichterstattung ausnahmsweise mal erlaubt. Zugegeben ist das Video qualitativ eher im unteren Bereich anzusiedeln, hat wohl jemand vom Fernseher abgefilmt, aber man bekommt das wichtigste mit.
In London werden heute abend die Brit Adwards verliehen. Duffy und die Band Coldplay sind für den renommierten britischen Musikpreis jeweils vier Mal normiert. Duffy kann auf Auszeichnung in den Kategorien “Bestes Album” , “Beste Single”, “Beste Solo-Künstlerin” und “Bester Newcomer” hoffen und Coldplay auf “Beste Gruppe” ,” Bester Live-Act” sowie für die “Beste Single” und “Bestes Album”.
In den internationalen Kategorien sind unter anderem ACDC, The Killers und Kings of Leon normiert.