Bear Family Records, die uns immer wieder mit tollen Werkschauen deutscher und internationaler Künstler beglücken, gelingt es mit der Serie Deutsche Filmkomponisten auf ganzer Linie zu überzeugen. Begeistert Franz Grothe noch mit den Musiken zu Heimatfilmen wie Das Wirtshaus Im Spessart, Die Trapp-Familie In Amerika oder Der Letzte Fußgänger, so wendet sich Gerhard Heinz den etwas zwielichtigeren Filmen wie Melody In Love, Josefine Mutzenbacher, Geissel Des Fleisches und Die Säge Des Todes zu. Auch seine Wurzeln liegen im Wirtschaftswunderfilm und doch ist es die Internationalität seiner Musik, die begeistert. So ist die Untermalung von Der Schrei Der Schwarzen Wölfe auf italienischem Westernniveau und Musik, Musik – Da Wackelt Die Penne ist bester deutscher Beat. Spätestens Lolita Am Scheideweg und Die Säge Des Todes, ihres Zeichens Begleitmusik zu Jess Franco Filmen, sollten in keiner Rarebeatsammlung fehlen. Eine Veröffentlichung auf Crippled Dick/Hot Wax Niveau mit ausgezeichneten Booklet.
Für viele von uns sind die Muppets neben ALF und He-Man die Erinnerung an eine glückliche Kindheit in den 80er Jahren. Wer könnte sich auch dem Charme des schelmischen Frosches Kermit entziehen? Es gibt singende Hühner, das Monster, Bären, Schweine und Figuren, die man am besten als “Etwas” bezeichnen könnte. Und es gibt Mah-Ná Mah-Ná. Ein Stück, nicht einmal ein Muppets-Original, das mit der Schaumstofftruppe synonym ist. Nun endlich der neue Film und der dazugehörige Soundtrack, den man selbstverständlich im Original genießen sollte. 31 Stücke geballter, hochunterhaltsamer Schwachsinn, der keine Minute langweilig wird. Amy Adams singt solide (wir erinnern uns an den Happy Working Song), Jason Segel charmant (wir erinnern uns an Nie Wieder Sex Mit Der Ex… Dracula Musical!) und auch die Muppets geben alles. Die Eigenkompositionen sind wirklich enorm gut, sie funktionieren trotz der eingeschränkten Sangeskunst der Comedytruppe, Man or Muppet verdient seine Oscarnominierung zu Recht. Ob nun Camilla & The Chickens‘ Forget You, Smells Like Teen Spirit vom Muppet Barbershop Quartett oder Kermits Pictures In My Head – sie bestehen neben Klassikern wie Me And Julio Down By The Schoolyard, und We Built This City – beide natürlich im Original. Sehr schön: Zwischen den Stücken gibt es immer wieder Filmdialoge zu hören. The Boys Are Back In Town! Und die Girls natürlich auch.
Erschienen bei EMI / Walt Disney Records/ Capitol (20.01.2012).
Meine Vorliebe für Amy Adams und die Muppets (insbesondere Kermit und Miss Piggy) ist hinreichend dokumentiert. Da am 19. Januar 2012 ein neuer Film in die Kinos kommt, will ich euch das erste Musikvideo zum Soundtrack nicht vorenthalten.
John Williams ist der moderne Meister der Filmkomposition. Was er anfasst wird zu Gold, sei es Indiana Jones, Star Wars oder Schindlers Liste. Und doch ist Tintin im ersten Moment seltsam. Ein Tim und Struppi Thema, wie man es aus der Serie oder den zahlreichen frankobelgischen Zeichentrick- und Realfilmen kennt, gibt es nicht und doch ist das leicht atonale Intro eine Komposition, an die man sich erinnert und die trotz fehlendem heroischem Heldenthemas comicartiger nicht sein könnte. Stücke wie Red Rackham’s Curse And The Treasure oder The Adventure Continues hätten so auch zu Indiana Jones gepasst, jenem ungewollten amerikansichen Tim und Struppi Imitat. Das mit Abstand beste Stück der CD ist indes The Milanese Nightingale, das die Eleganz des williamsschen Könnens unter Beweis stellt. Ihm folgt ein Stück von Rossini und Gounod, das sich stilistisch nahtlos anfügt. Ein größeres Kompliment wie der Vergleich zu den alten Meistern kann man Williams eigentlich nicht mehr machen. Tintin wächst beim wiederholten Hören und zeigt, das die Kombination Spielberg / Williams immer noch eine der besten Hollywoods ist. Ob Tintin 2 als Komponisten Howard Shore haben wird, steht noch in den Sternen, wäre aber wünschenswert.
Erschienen bei Sony Classical.
Tipp: Für Nostalgiker bietet sich die von Play-Time veröffentlichte Kollektion der alten Tintin-Kompositionen an, ihr Titel lautet Tintin au cinéma.
Dass der Soundtrack zum Film Your Highness auf dieser Seite erwähnt wird, liegt nicht zuletzt daran, dass Zooey Deschanel im Film mitspielt und auch auf einem Song singen darf. Der erwähnte Song heißt The Greatest Most Beautifullest Love Song In All The Land und ist trotz seines reichlich bescheuerten Titels sogar recht gut geworden, bis zu dem Punkt, wo sie mit ihrem Filmpartner im Duett singt. Denn diesem ist gesangliches Talent leider völlig versagt. Steve Jablonskys Score ist überdies als relativ gelungen zu betrachten, wirkt wie eine Mischung aus Mittelalterfilm und Fluch der Karibik. Die thematische Ausarbeitung ist gelungen, wenn auch reichlich actionlastig und einige Stücke erinnern an Sitcommusik, was den Hörfluss behindert.
Harry Gregson-Williams ist für seine fantasievollen, thematisch reichen Filmmusiken für Filme wie z.B. Shrek, Sindbad, Chicken Run, Der König von Narnia oder Königreich der Himmel bekannt. Sein Stil galt lange Zeit als qualitativ hochwertig und innovativ, er bereicherte Filme wie es sonst nur wenige aktuelle Komponisten können. Seine Musik konnte Filme retten, ganz so, wie es bereits Trevor Jones gelang. Und auch Cowboys & Aliens reiht sich hier ein. Doch schwächelt der Score an manchen Stellen gewaltig. Er punktet durch fantasievolle Einarbeitung einiger typischer Westernelemente. Leider werden die meisten Themen nicht konsequent entwickelt. Eine sich einprägende Melodie wie man sie z. B. aus Shrek kennt, fehlt, obwohl gutes Material vorhanden ist, wie z. B. in Attack & Abduction zu hören ist.. Das ist sehr schade, denn Gregson-Williams hat Talent, vielleicht mehr als Hans Zimmer es je haben wird. Es wird interessant sein zu beobachten, wie und ob sich seine Arbeitsweise in den nächsten verändern wird. Ein Score unter seinen Möglichkeiten, der zu stark an die stakkatohaften, fiepigen Zimmer-Arbeiten der Batman Filme erinnert.
Mit dem neuen Teil der Planet der Affen Saga verhält es sich wie mit dem letzten Teil: Die Musik zu einer meiner Lieblings-Sci-Fi Sagas stammt von einem meiner Lieblingsfilmkomponisten. Patrick Doyle, der vor allem für seine Shakespeare-Soundtracks bekannt ist, hat einen ganz ausgezeichneten, eigenen Stil entwickelt, der sich durch Melodienreichtum, klassische Kompositionsstrukturen und einer unglaublichen Vielschichtigkeit auszeichnet, die Ihresgleichen sucht. Wir erinnern uns an Much Ado About Nothing oder Hamlet V. Soundtracks, die auch abseits vom Film funktionieren, einmalige Musik mit hohem Wiedererkennungswert. Leider sind die jüngeren Werke des Komponisten zu sehr im Mainstream angekommen und so sind die Themen aus Thor oder Planet Of The Apes zwar immer noch sehr individuell und von erhabener Schönheit, doch versteckt sich diese hinter hollywoodtypischen Breitwandsounds. Doyle beherrscht ihn ganz ausgezeichnet, doch Planet Of The Apes ist immer dann besonders gut, wenn die Melodien in den Vordergrund treten – wie etwa Caesars Thema. Alles in allem ist Rise Of The Planets Of The Apes ein guter Soundtrack, jedoch nicht annähernd so hervorragend, wie Doyles alte Arbeiten.
Das Problem heutiger Filmscores (ein Problem, dass durchaus schon seit Ende der 90er Jahre besteht) ist die Form der Präsentation und in vielen Fällen auch der Komposition an sich. Während die Komposition von Michael Giacchino stimmig ist, sich vom durchschnittlichen Actionscore unterscheidet und durch schöne Melodien auffällt, die auch ohne den dazugehörigen Film bestehen könnten, ist die Präsentation eine einzige Katastrophe. Wir erinnern uns an Lord Of The Rings. Howard Shores Musik gehört sicher zum Besten, was in der Filmmusik bisher geschrieben wurde. Leider fehlten auf dem Score wichtige Cues, manches war übel zusammengeschnitten – eine befriedigende Veröffentlichung folgte erst mit dem 3 CD + 1 DVD Set. Während es zu Star Wars und Italowestern Zeiten normal war, dem Komponisten eine Möglichkeit zu geben, seine Musik als Suite zu präsentieren, krankt Super 8 daran, Stückwerk zu sein. Giacchinos Score enthält 33 Stücke, (davon zwei Tracks, die es nicht in den Film geschafft haben), davon viele Cues unter der 60 Sekunden Grenze. 28 Sekunden? Wirklich? Die Größe des Scores wird so erst zum Ende des Tonträgers deutlich. Wer nicht bereits vorher gefrustet die CD in die Ecke gepfeffert hat, entdeckt als Track 32 die Super 6 Suite, eine immerhin fast sechsminütige Suite, in der die wichtigsten Cuts des Scores sinnvoll arrangiert ein stimmiges Ganzes ergeben, einen Score, der an Fülle und Melodienreichtum an Harry Gregson-Williams oder John Williams erinnert. Es bleibt zu hoffen, dass man Giacchino die Möglichkeit bietet, den Score erneut aufzunehmen, besser abgemischt (die Streicher klingen teils gesampelt – was sie jedoch nicht sind) und als klassische Suite arrangiert.
Erschienen bei Colosseum / Varèse Sarabande / AL!VE.
Popol Vuh, eine Band, zu der man kaum noch Worte verlieren muss. Eine Krautrockband, die immer wieder die Musik zu den Filmen Werner Herzogs produzierte, unter ihnen Aquirre – Der Zorn Gottes, Nosferatu, Herz aus Glas und Cobra Verde, eine Band, deren Alben experimentell und doch zugänglich sind. Mit dem Soundtrack zu Aquirre schufen sie einen der wohl schönsten Soundtracks der Filmgeschichte, der auch ganz wunderbar ohne Film funktioniert. Mit Revisited & Remixed 1970-1999 erscheint zum zehnten Todestag Florian Frickes eine Doppel-CD, die auf CD 1 ein paar der interessantesten Tracks der Band versammelt, während CD 2 einen Querschnitt der Remixe, die über die Jahre hinweg von Musikern wie Kruder & Dorfmeister, The Orb oder Stereolab angefertigt wurden, bietet. Dabei wird es den Traditionalisten womöglich schwerfallen, Zugang zu ihnen zu finden, aber für Fans elektronischer Musik stellt die Doppel-CD eine gute Möglichkeit dar, die Musik einer der einflussreichsten Bands Deutschlands kennenzulernen. Um ein persönliches Urteil abzugeben: Mir gefallen die Originale deutlich besser als die Remixe, jedoch ist es auch interessant zu sehen, was aus den Originalen alles herausgeholt werden kann.
Disney – ein Teil unserer aller Kindheit. Bereits auf Everybody Wants To Be A Cat – Disney Jazz Volume 1 bewiesen eine vielzahl von Musikern, unter ihnen der inzwischen über 80jährige Brubeck, was so alles in den vermeintlichen Kinderliedern steckt. Doch bereits ein halbes Jahrhundert zuvor war er es, der mit Dave Digs Disney die Melodien von den Plastikpressungen der Disneyfilmmusiken dem Jazzpublikum zugänglich machte. Das 1957 erschienene Album bedient sich dabei vor allem bei den Filmen Alice In Wonderland und Snow White. Die ohnehin großartigen Stücke gewinnen bei ihm hinzu, es fällt kaum auf, dass es keinen disneytypischen Gesang mehr gibt. CD 1, die das Monoalbum enthält, wird mit den Bonustracks Very Good Advice (Alice in Wonderland) und So This Is Love (Cinderella) abgerundet. Die Sensation hingegen auf CD 2. Bereits bei den Sessions wurde eine Stereoversion erstellt, die hier zum ersten Mal veröffentlicht wird, damals mangels Abspielmöglichkeiten aber zurückgehalten wurde. Dabei sind die Stücke oft identisch, teils aber auch länger und im Setup verschieden. Aufmerksame Hörer werden bemerken, dass die Instrumente Stück um Stück ihre Position wechseln. Zudem gibt es einige gute alternative Tracks, die aber auch verdeutlichen, warum sie nicht den Weg aufs fertige Album geschafft haben. Es sind dort vor allem die Kleinigkeiten, die das fertige Stück in der Wirkung abmildern. Dave Digs Disney sollte neben Time Out in keiner Sammlung fehlen. Besonders Disneyfans können hier einiges entdecken.