Fanfare Ciocărlia, eine zwölfköpfige Blasmusikkapelle aus Zece Prajini in Rumänien, die jüngst zusammen mit dem Boban & Marko Marković Orchestra die LP Balkan Brass Battle aufgenommen haben, kamen, spielten und siegten. Vieles an diesem Konzert war merkwürdig. Da waren die verstärkten Blasinstrumente, die auch ohne Verstärker den Saal hätten füllen können (man kann sich nicht vorstellen, wie laut die Kombination Tuba und Tenor Horn sein kann, ohne es einmal erlebt zu haben!). Da war die irrsinnige Geschwindigkeit, die jedem klassisch ausgebildeten Mitteleuropäer um den Atem gebracht hätte und da war eine Kapelle, die auch nach gut zwei Stunden kurz von der Bühne ging, anschließend unplugged erschien und spielend durch den Saal marschierte, um im Foyer einfach weiterzuspielen (und Geld zu sammeln… irgendwie dreist, aber liebenswürdig!). Ob Devla, I Am Your Gummy Bear, Asfalt Tango oder Dances From The Monastery Hills – Fanfare Ciocărlia zeigten erneut, wo der Hammer hängt und man darf vermuten, dass sie mehr für die Rettung der Blasmusik tun, als alle Volksmusiksendungen und Musikhochschulen gemeinsam. Dafür nimmt man dann auch gerne eine partielle Taubheit in Kauf. Nach zwei Stunden wäre die anschließende Balkanparty dann definitiv zu viel gewesen, denn das 24 Stunden Deo machte bereits nach 5 Minuten schlapp. Um meine Begleitung zu zitieren: „Wer hätte gedacht, dass Blasmusik einmal cool sein würde!“
My Little Pony gehören sicher zu den interessantesten Twee- und Folkbands der Gegenwart. Ihre Texte sind durchsetzt von Absurditäten (Do you really love me or am I just in your network), beschäftigen sich auch schon mal mit dem 80er Jahre Phänomen MacGyver und fragen ganz offen, wie wir ohne ihn leben können. Bei ihnen ist Andrew Bird ein alter Mann und auch sonst laufen die Uhren bei den Norwegern, die ein klein wenig so klingen wie Belle & Sebastian, anders als bei anderen Musikern, denn die Gruppe um Songwriter Ola Innset ist die Antithese zu allem, was eine Band gemeinhin ausmacht: Die 3 Jungs und 2 Mädchen wirken, als würden sie geradewegs von einer Germanistikvorlesung kommen, sie sehen so unfassbar normal aus und sind herrlich selbstironisch – ihnen fehlt jedwede Arroganz, die manch‘ anderen Musikern schon vor der Gründung einer Band ins Blut übergeht und sich auf Konzerten ins Unermessliche steigert. My Little Pony sind bewusst uncool und gefallen sich in ihrer Rolle. Wer an diesem Abend bei Feinkost Lampe Gast und Band war, lässt sich nur an den Instrumenten erahnen. Die Setlist, mit etwas über einer Stunde Spielzeit (inklusive Zugaben) enorm kurz, gab sich repräsentativ, die Ansagen zwischen den Songs hatten Comedypotential und alles in allem werden sich die Besucher noch lange Zeit an die sympathische Band aus Norwegen erinnern. Wenn es im Musikbusiness auch nur ein kleines bisschen Gerechtigkeit gibt, wird man von My Little Pony noch viel hören.
Meinen Herzlichen Dank an Different Stars von Lie In The Sound, die My Little Pony zuerst entdeckt hat (und sich die Band schnellsmöglichst anschauen sollte!).
Landesfunkhaus Niedersachsen, Hannover. Gespielt wurde Gubaidulinas Märchen-Poem, Liszts Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur S 125 und Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 f-moll op. 36. Ersteres und letzteres wurde fantastisch interpretiert, soll hier aber nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Viel interessanter und mit Hochspannung erwartet wurde Klassiknewcomerin Olga Scheps, die in den letzten Wochen durch verschiedene TV Sendungen gereicht wurde. Diese spielte Liszt technisch und emotional nahezu perfekt, sie selbst schien emotional enorm befangen zu sein. Ihr hübsches Gesicht kommt einem Spiegel gleich, der die Partitur wiedergibt, die dramatischen und ruhigen Momente sieht man dort vorüberziehen. Oft sind klassische Musiker innerhalb kürzester Zeit verbraucht, ihr Gesicht zeigt nur noch das Abbild einer beinahe unmenschlichen Übemaschine, jegliche positive Emotion ist blanker Verbissenheit gewichen und es wurde eine Trennlinie zwischen Technik und empathischem Einfühlungsvermögen gezogen. Olga Scheps fehlt die Freude am Spiel nicht, der minutenlange Applaus wurde von ihr nahezu ehrfürchtig dankend entgegengenommen, sie wirkte, als sei sie hier nicht Gegenstand des Geschehens. Alles Eigenschaften, die sie ungeheuer sympathisch erscheinen lassen. Franz Liszts Klavierkonzert wurde bravourös interpretiert, als Zugabe spielte sie eine Nocturne von Chopin. Neben der erwähnten technischen Perfektion, war es eben das Emotionale, was die Aufführung emporhob. Die vermeintliche Leichtigkeit ihres Spiels sprang auf das Publikum über wie ein musikalisches Feuer, das zwar die männlichen Besucher etwas mehr entflammte, als die Weiblichen; Keiner konnte jedoch von sich weisen, einem besonderen Moment beizuwohnen. Zum Ende blieb eine Verzückung, die man nur selten erlebt.
Wäre ich an Alison Sudols Stelle gewesen, wäre ich sicherlich in Anbetracht der Unkenntnis vieler Konzertbesucher, die lediglich ihre Ballade Almost Lover kannten, geplatzt. Das Publikum schien hoffnungslos Single-fixiert zu sein. Da muss der Opener Electric Twist wie die sprichwörtliche Bombe im Vogelkäfig eingeschlagen sein. Die wenigen Hardcore-Fans hatten aber dennoch viel Spaß. Gerade technische Mängel wie penetrante Rückkoppungen (Alison weigerte sich mit diesen im Programm fortzufahren) oder ausfallenden Instrumenten sorgten für spontane Improvisation der Frontfrau; nachdem sie erst vor sich hinträllerte, alle ihr bekannten deutschen Städte abfragte und plötzlich nicht mehr weiter wusste, begann sie den Stripclubklassiker Fever zu singen, wobei ihr dann auch noch der Text entglitt. Sowohl die alten Stücke, als auch die Neuen wurden ausgiebig gespielt, in einer Zugabe war ein Solostück zu hören und am Ende wurden Autogramme verteilt. Schlussendlich waren wirklich alle zufrieden. Sicher war dies nicht das beste Konzert aller Zeiten (das überlasse ich den Jungs von Black Rust) aber eines der sympathischten. Lediglich den Jack-White Mitgrölsong Seven Nation Army hätte man sich sparen können. Weitere Infos und Bilder gibt es auf NJoy.de
Am 10.Juni waren die Nu-Metal-Pioniere von Papa Roach im Modernes in Bremen. Obwohl das neue Album “Metamorphosis” nicht wirklich mein Ding war, ist Papa Roach live immer ein Highlight. Live gehen die Jungs immer richtig ab und rocken ihre Fans die Ohren weg. So hat auch dieses Mal Jacoby schon nachdem ersten Lied so geschwitzt, dass man als Fotograf im Graben schon fast einen Regenschirm brauchte. Leider waren die Vorbands Filter und Buckcherry eher schlecht und haben das Konzerterlebnis etwas getrübt. Gut das Publikum war auch ziemlich jung und ich habe mich schon etwas alt gefühlt. Aber die Kids waren echt richtig dabei und feierten mit Jacoby einen Riesenparty. Jeden Refrain konnte das Publikum mitsingen ob nun altes Song oder Hit vom neuen Album. Alles im Allem ein geiler Abend und eine schöne Erfahrung auch mal Last Ressort live zu hören.
Die N-Joy Starshow war nicht mehr als sieben Stunden Regen und Kälte. Die 25.000 Fans stört es nicht, sie feierten ihre Idole unermütlich.
Den Auftritt der “Newcomerband” Trick Seventeen verbrachte ich aus Angst vor schlechtem Wetter und (offen gestanden auch schlechter Musik) in der Hotellobby des Presseempfangs. Erst bei Stefanie Heinzmann wagte ich mich kurz vor die Tür und kurz ein paar Fotos zu schießen. Klar man muss die junge Heinzmann nicht mögen und ihr Outfit war durchaus etwas affig. Aber ihre Show war ok und die Teeniefans waren absolut aus dem Häuschen.
Ihr folgte dann Thomas D., Deutschland HipHop-Opa mit Glatze und Brille. Sein Auftritt war echt gut und sehr cool gemacht. Ich bin und bleibe einfach Fanta Vier Fan zurecht…
Farin Urlaub und sein Racing Team mussten leider dran glauben, da meine Kleidung zunehmens nasser wurde und ich beschloss mir neue Sachen von zuhause zu holen und zu Peter Fox wieder am Start zu sein.
Peter Fox und seine Stadtaffen waren wohl für viele das Highlight des regnerischen Konzerttages. Klar Peter Fox bot die erwartet tönende Show, die Trommeler von Cold Steel und sein mitgebrachter Affe taten ihr Bestes. Aber irgendwie wollte bei mir persönlcih der Funke nicht ganz überspringen. Ich habe echt schon bessere Konzerte oder Festivals erlebt und werde hoffentlich auch dieses Jahr noch bessere erleben.
Schon allein der Name „Gisbert zu Knyphausen“ klingt interessant und ungewöhnlich. Dass auch seine Musik erfrischend neu und unkonventionell ist, bewies der Songwriter am Freitag im Kulturpalast Linden. Ein Geheimtipp ist der 30-jährige, seitdem er es im Mai auf das Cover des Rolling Stone Magazin schaffte, allerdings nicht mehr.
Dementsprechend gut gefüllt war auch der Kulturpalast. Das überwiegend studentische Publikum saß vor Gisbert zu Knyphausen auf dem Boden. Tanzbar ist die Musik kaum, stattdessen singt man mit geschlossenen Augen tief in Gedanken versunken mit.
Knyphausens Texte sind nicht politisch oder dramatisch, sondern eher melancholisch. Sie handeln von Beziehungsproblemen wie in „kleine Ballade“ und Orientierungslosigkeit wie in „So seltsam durch die Nacht“, ohne dabei je kitschig zu werden. Mit seinem zerzausten Haar und der Akustikgitarre in der Hand sieht er einfach authentisch und trifft mit seinen Texten den Nerv des jungen Publikums. Was bleibt ist der Eindruck eines sehr privaten Auftritts. Gisbert zu Knyphausen an diesem Abend hätte auch der Gast auf einer Studentenparty sein können, der zufällig seine Gitarre mitgebracht hat.
Eins ist klar, von Gisbert zu Knyphausen wird man nicht, nur wegen seinem ungewöhnlichen Namen, noch einiges hören in der nächsten Zeit.
Irgendwie hat es ja Tradition, am Himmelfahrtstag auf dem Trammplatz in Hannover zu erscheinen und Jazzmusik zu hören. Dieses Jahr war das Festival (ausgerichtet vom Jazzclub Hannover) durch die Anwesenheit des vielleicht besten deutschen Jazzschlagzeugers überhaupt geehrt. Unglücklicherweise traten die Bands nicht nach einem zeitlich festgelegten Schema auf und so kamen wir viel zu spät und wurden nur noch Zeuge eines sehr langen, aber nie langweiligen Schlagzeugsolo des Meisters, danach wurden noch ein paar Stücke gespielt und es gab natürlich eine Zugabe. Antolini scheint wirklich, rein technisch kaum gealtert zu sein, legt er doch ein irrwitziges Tempo vor, von dem sich so mancher Schlagzeuger eine Scheibe abschneiden könnte. Kommt denn dieser Mensch nie ins Schwitzen? Auch das Trompetenspiel von Bruce Adams war selbstverständlich überragend aber das ist bei einer Band, in der Antolini spielt bei jedem Musiker der Fall. Antolini wirkt sympathisch, keine Spur von dem oftmals überheblichen Jazzergehabes.
Nach den gelungenen Zugaben kochte der Trammplatz, doch als die Ankündigung kam, dass nun ein Gospelchor spielen würde, machten nicht nur wir uns aus dem Staub, nur um einer Schülerbigband in die Arme zu laufen, die viel lauter und vor allem schlechter spielten. Der Diletantismus‘ (sorry Jungs & Mädels) war so unerträglich, dass es kaum zum Aushalten war. Besonders übel wirkte die Rhythmussektion, der es nicht gelang, den Takt zu halten, geschweige denn, das Schlagzeug richtig zu stimmen. Tja, gegen Antolini kann eben auch keine übertriebene Lautstärke anstinken. Und so bleibt zu hoffen, dass der Jazzclub bald wieder durch Antolinis Anwesenheit geehrt wird.
Reebosound sah ich zum ersten Mal vor zwei oder drei Jahren im Chez Heinz im Rahmen des Omaha – Festivals. Mir fiel damals auf, dass es quasi mehr Musiker als Gäste gab und die Verstärker den kleinen Raum fast zur Hälfte füllten. Die Lautstärke, die schon hart am Limit war, wurde durch einen sauberen Mix und eine gut aufgelegte Band unterstützt.
Am letzten Samstag ist der Veranstaltungsort größer und es stehen deutlich mehr Menschen vor der Bühne, als auf ihr. Auch sind die Lautsprecher nicht mehr ganz so bedrohlich wie einst im Chez Heinz. Nachdem wir schon gegen 20 Uhr eintreffen, müssen wir uns noch einige Stunden die Zeit vertreiben, bis das Konzert anfängt. Gegen 11 geht das Konzert dann endlich los. Der Sound hat sich in den letzten Jahren etwas vom Punk entfernt und tendiert mehr in Richtung Postrock (a la Explosions In the Sky – nur deutlich kürzer) und frühe Garagepsychedelic (Iggy Pop trifft auf 13th Floor Elevator). Ich halte die Entwickelung für äußerst positiv. Das Set ist ebenfalls gut gewählt, es werden alle Songs der Myspace Seite gespielt, also auch mein persönlicher Favorit Old Friend From Planet Nine. Dazu kommen noch ein paar Stücke, die nicht auf der CD zu hören sind. Was jedoch enorm stört ist der Typ am Mischpult. Der war nämlich völlig fehlbesetzt. Der Bass und die Basedrum sind deutlich zu laut, ebenso die Backgroundsänger, die Missu gnadenlos übertönen. Auch die Ansagen sind leider unverständlich, mehrfach wechsele ich den Platz, um zu schauen, ob die Raumakustik eventuell schuld am Mix sei.
Das unangefochtene Highlight der Show ist sicherlich das letzte Stück vor der Zugabe, bei dem Missu ins Publikum steigt und während eines instrumentalen Solos wirklich alles gibt. Wie gesagt wird der Enthusiasmus der Band durch den schlechten Mix zerschreddert. Ende des Monats werden wir Reebosound noch einmal beim Omaha – Festival spielen sehen und wir hoffen, dass seine Spielfreude diesmal durch einen guten Mix gewürdigt wird.