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Interview mit Patty Moon

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Interview mit Patty Moon

Posted on 14 Mai 2012 by Julian

Die Illustratorin und Sängerin Judith Heusch und der Arrangeur Tobias Schwab veröffentlichen seit Jahren intelligent-entrückte Platten unter dem Bandnamen »Patty Moon«.

Photocredit (c) by Britt Schilling

Die Standardfrage zu Erst: Wie habt ihr zu eurem Bandnamen gefunden?

Judith Heusch: Patty Moon kommt vom Song »Peppermint Patties«. Vor gut 10 Jahren sind wir mal auf einem Festival aufgetreten – eines der ersten Festivals auf dem wir spielen durften – und dann wollte man von uns wis-sen, wie man uns ankündigen soll. Bis zum Auftritt hatten wir noch 5 Minuten Zeit und da mussten wir uns rasch entscheiden. Wir haben dann einfach zwei Songs von uns, »Peppermint Patties« und »Me And The Moon«, kombiniert. »Me And The Moon« ist übrigens einer der Songs, die wir auf der ersten Platte mit Streichern aufgenommen haben.

Tobias Schwab: Wir haben uns damals überlegt, dass es cool wäre, einen Bandnamen zu haben, der einerseits als Künstlername – man kann sich also vorstellen, Judith sei Patty Moon – andererseits aber auch als Bandname funktioniert.

Judith Heusch: Und genau das ist eine Sache, die wir bis heute nicht so genau definiert haben: Bin ich Patty Moon oder sind wir Patty Moon. Eine Identitätskriese.

Tobias Schwab: Dieses undefinierte Verhältnis finde ich aber sehr gut. Also auf den Platten schreiben wir ja auch immer drauf: »Patty Moon – Vocals«. Eine kleine Spielerei.

Also ähnlich wie bei »Blondie«, wo »Blondie« eigentlich Debbie Harry ist und nicht »Blondie«.

Tobias Schwab: Oder eben doch! Wir würden uns übrigens als Duo definieren.

Judith Heusch: Genau. Wir sind die zwei Macher. Komposition uns Arrangement ist immer unsere Sache. Wir haben aber auch schon viel mit anderen Musikern gearbeitet, aber der Kern der Band sind wir.

Tobias Schwab: Man kann es so beschreiben, dass wir ein Künstlerduo sind, das sich je nach Platte oder Auftrittsmöglichkeit seine Musiker sucht. Das sind dann immer so Phasen, wo dann ein Schlagzeuger mit auf Tour geht etc.

Judith Heusch: Wir hatten auch mal eine Zeitlang zwei Schlagzeuger dabei, die Festivals der jüngsten Vergangenheit wurden von einem Streichquartett begleitet, das war super, aber bei sowas kommt es immer auf die Größe des Festivals an. Ob man sich das leisten kann. Meistens kann man das gar nicht. Im Moment ist uns die Zweisamkeit irgendwie am liebsten.

Tobias Schwab: Was aber die Studioarbeit angeht: Da entstehen die Songs zwischen uns beiden und alles was da dann dazu kommt, wird angemietet, also wenn wir sagen, wir hätten als Begleitung gerne ein Streichquartett dabei – oder eine Trompete.

Judith Heusch: Ich bringe es mal auf den Punkt: Wir würden es nicht ertragen, wenn jemand anderes noch mitbestimmen würde. Wir zwei sind ziemliche Eigenbrötler. Ich schreibe die Songs am Klavier, Tobias bekommt dann die Urversionen und beginnt, sich an die Arrangements zu setzen, produziert und macht auch die Zwischenteile oder schreibt mal ein Teil um oder so. Wir sind schon beide ziemliche Dickköpfe und da würde es mit weiteren Personen nur Schwierigkeiten geben. Wenn jemand da versucht reinzureden, gibt es nur Probleme!

Ihr habt diesen »Peanuts« Bezug im Namen und der taucht ja folglich auch im Song »Peppermint Patties« auf – habt ihr ein besonderes Verhältnis zu den »Peanuts«?

Judith Heusch: Ich liebe die »Peanuts«! Stundenlang kann ich die lesen, sie sind großartig! Charles M. Schulz ist für mich einer der größten Zeichner überhaupt… Ich finde diese 4-Panel Sache, diesen Minimalismus, der aber alles aussagt, fantastisch. Was da alles für Typen bei sind! Gut, die Mädchen schneiden ein bisschen schlecht ab, das sind immer die fiesen Schwestern… Also die sind doch wirklich fies, oder? Sally und die doofe Lucy – wahrscheinlich hat Schulz unter einer großen Schwester gelitten. Und dann gibt es da auch noch Snoopy, der ist so wunderbar größenwahnsinnig! Einer meiner Lieblingsstrips spielt mit diesem Größenwahn: Snoopy schreibt ein Buch und die erste Zeile lautet immer »Es war eine finstere und stürmische Nacht«, womit Schulz ihn Edward Bulwer-Lyttons Roman »Paul Clifford« zitieren lässt. Genial. Aber auch die anderen Berufe sind toll, z. B. wenn er als Anwalt arbeitet oder sich für den roten Baron hält. Von den »Peanuts« habe ich übrigens noch diese alten, orangenen, viereckigen Alben und ich liebe sie! Die sind heilig! Vor kurzem habe ich erst einen Strip gefunden wo Charly Brown seinem Hund Snoopy die Zeitung vorliest. Die Pointe lautet: »Es ist immer sinnvoll, einen guten Draht zur Presse zu haben!« Den habe ich dann einem befreundeten Journalisten geschickt. Ich finde es faszinierend, dass bei den »Peanuts« die Welt auf wenige Bilder reduziert ist.

Und warum hast du dir für den Song ausgerechnet Peppermint Pattie ausgesucht?

Judith Heusch: Das Lied ist eine Loosergeschichte und Peppermint Pattie verkörpert die Looserin perfekt. In der Schule schlittert sie immer gerade so an einer 5 vorbei, sie trägt blöde Schuhe und hat sich obendrein auch noch in Charly Brown verliebt. Ich meine das prägt doch für das ganze Leben… Was hast du noch für Chancen, wenn du dich in den verliebt hast? Und dann nennt sie ihn auch noch ständig »Chuck«!

Tobias Schwab: Marcy sagt zu ihr immer „Schätzchen“, oder?

Judith Heusch: Marcy sitzt in der Klasse hinter Patty und sagt immer »Chef« zu ihr. Das ist so ein Schwachsinn! Das ist genial. Diese Art von Mobbing bleibt über Jahre und in der ganzen Zeit checkt sie das nicht…

Ich liebe ja Lucy, die Charly Brown hänselt und ihn anschließend therapiert! Grandiose Gesellschaftskritik!

Judith Heusch: Fein, oder?

Tobias Schwab: Subtil…

Den guten Song erkennt man immer daran, dass man ihn ganz unterschiedlich begleiten kann.


Die Gesellschaft, die einen krank macht und gleichzeitig eben die Psychotherapien verordnet.

Judith Heusch: Ich mein das sind so Menschen mit zwei Gesichtern. Bei den »Peanuts« ist einfach alles vertreten – wie die Menschen sich gegenseitig fertig machen und danach lustig sind… Und um auf den Song »Peppermint Patties« zurückzukommen, der handelt von einem Freund den ich hatte, bei dem ich gemerkt habe, dass ich da nichts wert bin. Da habe ich nur gedacht: Ich halt bei der Welt nicht mit. Partys usw. Da halt ich nicht mit. Da habe ich nichts mit am Hut.

Judith, woher kommen die Inspirationen für deine Songs?

Judith Heusch: Ich schreib nur, wenn irgendwas da ist. Was das genau ist, kann ich gar nicht so genau fassen. Ich setz mich jetzt nicht in allen Stimmungen ans Klavier und klimpere und gucke, was dabei herauskommt. Dass ich das auch kann, habe ich bei meinen jüngsten Arbeiten fürs Fernsehen und Kino gemerkt. Es funktioniert, genau wie ich auch Songs auf Deutsch schreiben kann, die üb-rigens ziemlich gut ankommen, aber mit denen möchte ich mich gar nicht so sehr identifizieren, denn auf Deutsch schreibe ich nicht so gerne. Generell kann man sagen, dass bei mir von zwanzig Ideen eine übrig bleibt, die genau ausdrückt, was ich sagen will. Wenn man mal bedenkt, dass wir mit der Musik kein Geld machen – die letzten Jahre waren in finanzieller Hinsicht ein Verlustge-schäft, das Finanzamt hat uns jetzt Liebhaberei bestätigt – dann geht man da auch viel gelassener ran und zwingt sich nicht. Die Filmmusik hat im Übrigen dafür gesorgt, dass ich inzwischen deutlich schneller arbeiten kann, wenn ich denn möchte. Die Mu-sik ist für mich ein Medium, das ich nutze, um etwas darzustellen, was man sonst nirgends finden kann. Du kannst eben manche Sachen nur in einem Gedicht oder einem Bild oder einer Komposition finden. Aus diesem Grund ist die Musik für mich eine tiefe Befriedigung. Für die Musik brauche ich übrigens, im Vergleich zum Text, nicht lang. Bei den Texten dauert es, ehe ich sage: »Die Zeile lass ich so.« Das wird auch immer schlimmer. Man muss auch einfach damit leben, dass die Musik plötzlich einfach da ist. Manche Stücke sind wie fremdbestimmt. Für die neue Platte habe ich im Moment acht Fetzen, bei denen ich weiß, um was es gehen wird und eine ungefähre Ahnung von der Musik habe ich auch bereits, aber noch nichts Konkretes. Das entsteht dann beim Spazierengehen oder Abspülen, da kommt dann der besondere Moment, wo man weiß, was wie zusammengehört. Welche Landschaft da hinein gehört. Es ist schon eine gewisse Erkenntnis, man setzt sich schon mit Dingen auseinander und möchte bestimmte Situationen treffen. Das ist musikalisch eine lange Entwicklung. Bei den Kinosachen konnte ich wirklich unter Druck schreiben. Das hat mich gewundert. Ich wusste nicht, ob ich in zwei Wochen einen Song schreiben kann, der dann auch für mich passt. Mit den Texten bin ich jetzt nicht so ganz zufrieden, aber es ging tatsächlich. Doch mich selbst möchte ich nicht unter Druck setzen. Es ist viel besser, wenn es wächst.

Wie lange arbeitet ihr dann an den Songs?

Judith Heusch: Bei mir kann es einen Tag oder ein Jahr dauern. Manchmal geht es ganz schnell, da habe ich alles an einem Mittag zusammen und ich weiß ganz genau, was es ist. Aber ich habe keine Ahnung, woher das Stück gekommen ist.

Tobias Schwab: Für Arrangements gilt dasselbe. Es kann sein, dass ich eine Idee habe und einen ersten Entwurf vorspiele, der es genau trifft – oder man arbeitet mehrere Monate. Dann kann es auch passieren, dass es mir gefällt und Judith nicht, dann reiht sich eine Version an die andere.

Judith Heusch: Die Filmmusik war das Erste, wo wir wirklich auf Anschlag fertig sein mussten und es geklappt hat. Es geht auch sofort, das weiß man jetzt.

Tobias Schwab: Bei der »Dream Up« – EP war es auch so, dass wir da erstmals eine ziemlich kurzfristige Deadline hatten. Es war eine sehr spontane Idee mit wenig Zeit zum überdenken und es ist witzig, dass der Promoter des Albums danach meinte, wir sollen immer so arbeiten. Das Direkte ist manchmal ganz gut.

Judith Heusch: Es ist dann auch so, dass viele den Unterschied zwischen den Versionen gar nicht erkennen. Tobias überlegt tagelang über einen Sound oder was auch immer und es bringt nichts, das haben wir schon so oft festgestellt. Das Spontane ist manchmal echt am besten. Den guten Song erkennt man immer daran, dass man ihn ganz unterschiedlich begleiten kann.

Tobias Schwab: Was bei uns manchmal zu Spannungen führt, ist, dass die Songs eigentlich alle gut sind, sie aber vielfältig arrangiert werden können und Judith dann die erste Idee nicht gefällt, sie ihren Song darin nicht wiederfinden kann und es aber doch ihr Stück ist. Das Arrangement würde funktionieren, aber es ist nicht ihr Sound, den sie sich vorstellt.

Du sagst, dass die Filmmusik dein Produktionstempo steigert. Fühlt ihr euch nicht eingeengt durch das Medium?

Judith Heusch: Ach, so große Filme waren das ja nicht!

Tobias Schwab: Zum anderen war das eine sehr freie Zusammenarbeit. Besonders die mit Geißendörfer da ging es ja nur um einen einzigen Film, wo wir wirklich konkret Filmmusik geschrieben haben und er hat uns da auch völlig freie Hand gelassen. Das war ganz lustig: Eigentlich war vom Regisseur aus nur ein Song geplant und da haben wir ihm dann zwei Songs vorgelegt, von dem er dann einen auswählen sollte. Doch er fand dann beide so toll, dass er den zweiten Song unbedingt unterbringen wollte. Also an einer anderen Stelle als eigentlich geplant war.

Die »Lindenstraße« und Patty Moon sollten auf gar keinen Fall verknüpft werden, das sind zwei unterschiedliche Betätigungsfelder.

Nach »In der Welt habt ihr Angst« hast du, Judith, ja auch in der »Lindenstraße« mitgespielt. Ist es dir denn mal passiert, dass dich mal jemand auf der Straße mit deinem Seriennamen angesprochen hat? So ein Spinal-Tap-Moment?

Judith Heusch: Nee. Oder doch! In unserem Dorf! Ich habe geparkt und wollte mit meinem Hund Gassi gehen. Da kam dann einer an und ich dachte, der will jetzt irgendwie rummotzen, weil ich blöd am Feldweg geparkt habe. Der ist mir dann hinterhergefahren und sagt plötzlich: »Sie sind doch…« Der war völlig begeistert, dass in so einem Kaff jemand wohnt, der sowas macht. Das war total lustig, aber auch leider das einzige Mal. Ich habe da ja auch nur in zwölf Folgen mitgespielt und vorher sehr lange gezögert und mir überlegt, ob ich das wirklich machen soll. Aber ich bin dann richtig zum Casting gegangen und habe mir nur gedacht: Wenn ich das jetzt überlebe, dann hab ich schon gewonnen. Ich hatte wirklich eine Riesenangst. Aber zu spielen hat was Erfüllendes, wie ich bald merken sollte. Du bist den ganzen Tag in Anspruch genommen. Auch wenn es die »Lindenstraße« ist – was ich mir eigentlich nicht angucke – hat es mir wirklich gefallen!

Aber die Rolle fördert doch so ein bisschen die Bekanntheit, oder?

Tobias Schwab: Für Patty Moon glaube ich gar nicht…

Judith Heusch: Das wollte ich auch nicht damit bezwecken. Die »Lindenstraße« und Patty Moon sollten auf gar keinen Fall verknüpft werden, das sind zwei unterschiedliche Betätigungsfelder. Aber es ist schon ganz lustig, wenn manchmal Fans vorbeikommen. Bei denen ich 30 Sachen unterschreiben soll. T-Shirts, Bücher etc.

Tobias Schwab: Autogrammjäger…

Judith Heusch: Davon gibt es wahnsinnig viele! Gestern z. B. waren ein paar beim Konzert, da habe ich mir eine Viertelstunde Zeit genommen, um Autogramme zu geben! Auf eine liebenswürdige Art spinnen die halt alle ein bisschen. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich.

Tobias Schwab: Es sind schon zwei verschiedene Welten, die sich nicht wirklich miteinander vermengen lassen.

Judith Heusch: Das merkt man auch an den Songs, die ich für die »Lindenstraße« geschrieben habe, die sind lustig und die finden auch viele gut, aber die sind doch sehr anders.

Habt ihr beide denn eigentlich Musik studiert oder ist das alles autodidaktisch erlernt?

Judith Heusch: Ich bin Autodidaktin.

Tobias Schwab: Ich habe studiert, aber streng genommen ist das Wichtige auch mehr autodidaktisch erlernt.

Judith Heusch: Wir haben beide nichts fertig studiert. Ich arbeite noch als Zeichnerin – aber ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Tobias Schwab: Wir haben beide wirklich nichts!

Judith Heusch: Ich bin ja auch drei Mal von der Schule geflogen. Dann habe ich ganz lange nur bedient und gesoffen und durch Zufall habe ich mich bei der »Micky Maus« beworben. Einfach so, aus Spaß. Ich habe mich selbst gemalt und der Chefredakteur war davon sehr begeistert. Er ist übrigens selbst von der Schule geflogen. Da war man sich gleich sympathisch! Später habe ich gesehen, dass ich gegen 120 Bewerber angetreten bin! Ein absoluter Traumberuf – eine meiner besten Zeiten. Genial.

Ich bin auch von der Schule geflogen.

Judith Heusch: Echt auch?

Ja, dann habe ich mich aber wieder gefangen. Es hat wohl an der Schulgesamtsituation gelegen. Manchmal passt es einfach nicht. Verschiedene Lebenswelten.

Judith Heusch: Es sind oft Situationen, weißt du, da geht es einfach nicht.

Tobias Schwab: Die ganze Notengebung ist ja auch so ein Quatsch.

Judith Heusch: Von der Schule halte ich bis heute nichts. Für Leute wie mich – keine Chance! Ich hab das gehasst!

Ich finde das lustig, wenn Leute von der Schule geflogen sind. Das ist wirklich herrlich, sehr ansprechend.

Judith Heusch: Es gibt so ein paar Leute in meinem Leben, wo ich mich nur bedanken kann, weil ich sonst vielleicht abgerutscht wäre. In der Zeit habe ich wirklich viel Blödsinn gemacht. Doch der Chefredakteur der »Micky Maus« hat mich gesehen und das war schon so eine kleine Rettung aus meiner damaligen Situation. Super, da war ich 20 oder so. War eine echt tolle Zeit. Wir schreiben uns auch heute noch. Bei der »Micky Maus« habe ich u. a. für die Zeichner in Spanien vorgezeichnet. Wir waren die Redaktion, haben uns nicht um die Geschichten gekümmert, sondern um Rätsel, Vorworte etc. Zu meinem Aufgabenbereich zählte auch die Gestaltung der Kategorie »Euer Micky«. Manchmal durfte ich auch an so Psychotests arbeiten. »Bist du fernsehsüchtig?« – sowas in der Art. Lustig, wirklich! Und dann habe ich eben den Spaniern immer erklärt, wie sie z. B. eine Rätselseite gestalten sollen. Dann habe ich das vorher skizziert. Auch heute lebe ich noch von Illustrationen die ich mache.

Was illustrierst du im Moment?

Judith Heusch: Im Moment illustriere ich Schulbücher. Um Geld zu verdienen. In der übrigen Zeit arbeite ich dann an Kindermusicals und Kindergeschichten. Erstere werden bereits von einem Verlag veröffentlicht.

Zurück zur Musik. Wie finanziert ihr eure CDs?

Tobias Schwab: Um die Kosten niedrig zu halten ist es einfach praktisch, wenn man für Instrumente arrangiert, die man selber spielen kann. Da fällt dann schon mal die Gage für weitere Musiker weg. Hinzu kommt, dass wir die Alben bei mir daheim produzieren, denn inzwischen habe ich alles, was wir zum Aufnehmen brauchen und was dann an Kosten noch dazu kommt sind externe Musiker wie das »Pellegrini-Quartett«.

Nehmt ihr analog auf?

Tobias Schwab: Die Instrumente sind in der Regel analog ohne Effektorgien etc. Auch auf Judiths Stimme sind wenig Effekte. Bei Sounds und speziellen Geräuschen versuche ich, so analog wir möglich zu bleiben, versuche aber auch den Klang eines speziellen Effekts zu erzeugen. So streiche ich z. B. ein Mikrofon über die Hose, was dann nach Meeresrauschen klingt.

Ich habe noch ein paar spezielle Fragen zu einigen Songs, die mir besonders gefallen haben. Worum geht es genau in »Singing Nurses«? Ich muss zugeben, dass ich es noch nicht so ganz verstanden habe.

Judith Heusch: Oh Gott, der ist ja uralt, der ist eigentlich auch nur so ein Nebensong gewesen!

Der ist aber ziemlich gut und ich finde es schade, dass ihr den nicht gespielt habt! Genau wie »The Raven« – das sind zwei Stücke, die wirklich außergewöhnlich sind und eine sehr eigene Stimmung besitzen..

Judith Heusch: Interessant! Da hat mich noch nie jemand drauf angesprochen. Das Stück ist für eine Freundin, die aus ganz fiesen Gründen in der Psychiatrie gelandet ist. Also ganz abstrus. Als wir die Platte aufgenommen haben, kam das alles wieder hoch und ich hatte auch wieder Kontakt zu der Freundin, der bis heute anhält. Das hat mich ziemlich berührt.

Tobias Schwab: Das wollte ich unbedingt auf dem Album haben. Da hab ich mich dann durchgesetzt. Also »Dream Up«, diese ganze CD, wurde von einem Journalisten ausgelöst, der bei einem Konzert dieses Lied »Dream Up« gehört hat und meinte, es sei eigentlich ein Verbrechen, dass es dieses Stück noch nicht auf CD gäbe. Er hat sich das dann als Aufnahme gewünscht und dann haben wir ge-dacht, dass er eigentlich Recht hat. Die ganze »Dream Up« – EP besteht aus ein paar alten Liedern, aus unserer Anfangsphase und von der Technik her waren sie noch schlecht produziert. Ein wenig stümperhaft arrangiert, aber eine gute Grundlage, um daraus was zu machen. In der Vorbereitungsphase zur EP haben wir überlegt, was es denn für alte Lieder gibt, die wir schon oft Live gespielt haben und die viele Leute schön fanden oder die uns besonders gut gefielen. Und da war mein Vorschlag eben »Singing Nurses«.

»Dream Up« war stark. Eine richtig gute Platte.

Judith Heusch: Echt? Mein Cousin ist virtuoser Orgelspieler, ein sehr guter Musiker, der mag die auch von allen Platten am liebsten… das ist doch verblüffend!

Was hat das mit »When You Go« auf sich? Ab diesem Stück wirkt das Al-bum »Mimi And Me« sehr konzeptionell.

Tobias Schwab: Die Idee, drei Versionen auf das Album zu packen, stammt eigentlich von einer Freundin. Ich glaube die zweite Version gab es schon länger. Ich habe dann gedacht, man könnte das Stück auch mal anders aufnehmen und so entstand diese verrückte Idee mit den zehn Gitarren und dem Schlagzeug, dann die Idee zur Tom-Waits-Version. Eigentlich waren das nur Angebote an Judith, die sich eine Version aussuchen sollte. Doch dann habe ich die Versionen einer guten Freundin vorgespielt und die konnte sich nicht für eine Version entscheiden. So kam dann die Idee auf, von einem Song drei Versionen zu benutzen, drei Arrangements. Das fand ich faszinierend.

Ja, das verstärkt den Eindruck eines Konzeptalbums.

Judith Heusch: Eigentlich war das gar nicht so gedacht. Die erste Version sollte aufs Album, denn die Plattenfirma war gegen Tobias’ Idee, aber ich fand das immer ganz toll, so ein bisschen entrückt. Man muss dazu auch anmerken, dass »Mimi And Me« unsere poppigste Platte ist. Nimm »Painting Horses«, damit hatte ich ein großes Problem – viel zu poppig für unsere Verhältnisse! Für mich war das ungewohnt, aber irgendwie bleibt es dann hängen und du verliebst dich in das Lied und bist damit verbunden. Die Platte war schon ein bisschen anders als die anderen.

Mich hat die Stimmung, insbesondere durch »When You Go« sehr an »The Lamb Lies Down On Broadway« von »Genesis« erinnert.

Tobias Schwab: Ein schöner Vergleich! Es stand so ja auch im Pressetext, aber witzigerweise hab ich das Album erst nach den Aufnahmesessions für mich entdeckt. Ich kannte von »Genesis« zwei Platten: »Foxtrott« und »Nursery Cryme«. Erst vor kurzem bekam ich von einem Freund die Remix Boxen geliehen und da habe ich die Platte dann erst kennengelernt. Seltsam, denn ich mag die ganze Progrockszene der 70er Jahre. »Yes«, »Kan-sas« etc., aber »Genesis« gingen total an mir vorbei. Komisch, oder?

Judith Heusch: Ich habe ihn auch immer gefragt, warum er die Platten nicht kennt. Peter Gabriel ist für mich auch so ein Musiker, der eine dieser Stimmen hat, die einen gleich mitnimmt, einen davonträgt. Einer der ganz großen Musiker unserer Zeit. Auch was seine Harmonien betrifft, die er verwendet. Einzigartig!

Besonders positive ist mir noch »The Raven« aufgefallen. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Literaturadaption?

Judith Heusch: Ich hatte einen Traum, in dem ein Rabe vorkam. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade viel Edgar Allen Poe gelesen, von ihm stammt ja das Gedicht – ich wusste übrigens nicht, das andere Musiker das schon vertont hatten – und ich hab es gelesen und sofort über ein Stück nachgedacht. Dann habe ich ge-schrieben und es hat alles gepasst. Als ich herausfand, dass es bereits von anderen Musikern bearbeitet wurde, wollte ich den Song eigentlich gar nicht mehr veröffentlichen. Doch ich mag diese anziehende Stimmung, den Text und die Kombination mit dem Stück und so ist es dann doch Teil des Albums geworden.

Das Gespräch führte Julian Auringer.

Das Interview als PDF.

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Interview mit Sebastian Lohse zum Album “Erfolg!”

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Interview mit Sebastian Lohse zum Album “Erfolg!”

Posted on 02 April 2012 by Julian

Sebastian Lohses Album „Erfolg!“ entwickelte sich in der hiesigen Redaktion zum Überraschungsalbum 2010. Mit Stilistischer Vielfalt und lyrischem Tiefgang überzeugt der Dresdener auf ganzer Linie.

Sebastian Lohse & Die Feine Gesellschaft
Photocredit by Michel Hinrichsen

Von „Letzte Instanz“ über „Cohen.live“ bis zum Sound des aktuellen Albums “Erfolg!” – War der Wechsel vom härteren Rock hin zur Singer-/Songwritermusik eine bewusste Entscheidung?

Die musikalische Entwicklung eines Künstlers hängt natürlich mit vielen Dingen zusammen. Mit dem Alter, womit man sich beschäftigt, mit welchen Menschen man es da zu tun hat usw. Ich habe irgendwann begonnen, mich mehr mit Texten und Inhalten auseinanderzusetzen und so ist die Musik natürlich textlastiger geworden. Das könnte man vllt. als Entwicklung festmachen. Andererseits haben sich meine musikalischen Vorlieben letztendlich gar nicht so sehr geändert. Ich höre und mache immer noch gerne Rockmusik. Ich versuche das jeweilige Thema adäquat umzusetzen und zu verdeutlichen, was ich ausdrücken will. Das gestaltet sich bei mir dann eigentlich recht vielfältig und deshalb ist meine Stilistik – oder die jeweiligen Mittel, die ich da auf musikalischer Ebene verwende – auch ganz breit gefächert! Also ich würde jetzt z. B. nicht sagen, dass ich mich nur in der Liedermacherschublade vergreife, sondern eben auch Rock-, Pop-, Chanson- und Klassikelemente nutze.

„In Medias Res“ war dann ein Zwischenschritt? Da hast du doch noch recht wenig geschrieben, oder?

Weniger als jetzt aber auch schon mehr als die Hälfte. Ich habe vor allem fertige Texte, z.B. Gedichte des Lyrikers Andreas Reimann vertont. Bei der “Erfolg!”-CD die Texte zu „Männer vor halbvollen Gläsern“ und „Keine Pille“ von jemand anderem, und zwar von Werner Karma, dem „Silly“-Poeten. Bei “In Medias Res” hatte ich durchaus Unterstützung, vor allem von Thea Elster, mit der ich eng zusammengearbeitet habe. Die hat mir auch damals bei den „Letzte Instanz“ – Texten zur Seite gestanden. Bei meiner Premiere führte sie Regie.

Du sprichst Thea Elster, deine Schauspiellehrerein an. Hatte dein Schauspielunterricht einen großen Einfluss auf die neue Musik?

Insgesamt: Ja! Thea Elster hat generell einen großen Einfluss auf mich ausgeübt, weil sie meine Mentorin war und mir viele Grundlagen und Methoden vermitteln konnte. Ich habe das alles viele Jahre mit ihr zusammen entwickelt. Das merkt man ja auch an der ersten CD “In Medias Res”, die, wie gesagt, unter ihrer Regie entstand.

Wie ist es denn zu deiner musikalischen Eigenständigkeit gekommen? Also weg von „Letzte Instanz“, die ja relativ erfolgreich sind, hin zu deinen eigenen Sachen, in eine Musikrichtung, die ein kleineres Publikum anspricht?

Man kennt das ja von vielen Musikern: Wenn sich bestimmte Bands aufgelöst haben machen die Mitglieder hinterher genau die gleiche Musik wie vorher. Aber für mich ging es gar nicht drum, irgendwas kommerziell erfolgreiches nachzumachen. Viel wichtiger war mit der andere, der nicht-kommerzielle Erfolg. Den kann man ja leider schlecht messen, insbesondere was die musikalisch-lyrische Qualität angeht … Ich wollte mich natürlich mit dem, was ich dann selber gemacht habe, vor allem selbst ausdrücken, mich einfach künstlerisch selbst finden. Das alles ist eine musikalische Findungsphase, ein Weg, wo alles seinen Sinn ergibt. Die „Letzte Instanz“ hat genau so viel damit zu tun, wie die Leonard Cohen Sachen, “In Medias Res” oder “Erfolg!”. Die ganzen musikalischen Stationen sind Bausteine zu meinem Jetzt und für mich ist letztendlich nur entscheidend, was ich daraus mache und wie es weitergeht. Die kommerzielle Verwertbarkeit war bei dem ganzen Prozess Nebensache. Hätte ich darauf geachtet, hätte ich wahrscheinlich was ganz anderes gemacht, vielleicht eher Musik mit brachialen Gitarren, wer weiß?

Mir fällt auf, dass du dich in deinen Texten viel mit der Natur, der Massengesellschaft und der Position des Individuums in beidem, aber auch mit dem entfesselten Kapitalismus beschäftigst – wie kommt das zustande, was ist die Botschaft dahinter? Dabei möchte ich gar nicht auf eine Deutung deiner Texte pochen …

Es gibt meines Erachtens durchaus einen Konflikt in dem der Einzelne gefangen ist. Man muss sich als Mensch, als Individuum in diesem ganzen Prozess erkennen, sich behaupten und versuchen, sich dabei nicht zu verlieren. Um es jetzt noch etwas blumiger zu formulieren: „Was will ich?“, „Was bin ich?“, „Wie komme ich meiner Natur in einer zivilisierten Welt auf die Spur?“. Das ist für mich ein spannendes Thema und damit beschäftige ich mich viel.

Mich hat „Das Brunnenlied“ in seiner Gesamtaussage sehr an den Identitätsdiskurs Heinrich Heines erinnert, der sich in der “Nordsee” mit ähnlichen Aussagen beschäftigt. War das eine direkte Inspiration?

Heines “Nordsee” gar nicht! Das muss ich mir dann aber mal durchlesen! “Das Brunnenlied” hängt eher mit der alten deutschen Schwankliteratur zusammen. Es gab ja vor vielen hundert Jahren eine Art Weiterentwicklung der Fabel. Aus dem Leben der einfachen Menschen wurden bestimmte Ereignisse oder Parabeln geformt, die man heute in sehr kurzer Form z.B. im Sprichwörterbuch findet. Viele kleine gesammelte Geschichte und Weisheiten. „Das Brunnenlied“ stammt eher aus dieser Richtung. Sprichwörter und Schwänke, der darin enthaltene Volkswitz, gefallen mir erstens sehr gut und zweitens denke ich, steckt da meistens wirklich viel „Gebrauchswert“ dahinter, was einem selbst heute noch ganz gut dienen kann.

Ich höre Musik ja immer nach zwei Maßstäben, also die Melodien, die bei dir ja sehr reichhaltig sind, und dann vor allem auch der Text, die Lyrik. Bei dir fällt auf, dass deine Texte sehr vielschichtig sind. Nimm “Chloris oder dir Göttin der blühenden Natur” – man denkt eingangs, dass es ein schönes Liebeslied ist und plötzlich merkt man, dass es als solches nicht vollständig funktioniert. Dann eröffnet sich eine zweite Ebene und die Bedeutung offenbart sich.

Das ist ja auch das Schöne – ich freue mich sehr, wenn sich jemand mit meinen Liedern beschäftigt! Bei „Chloris“ es für viele auf den ersten Blick einfach. Man muss dann immer erklären, dass es so doch gar nicht gemeint ist, oder es besser gesagt noch eine andere Ebene gibt. Letzten Endes geht es mir selbst auch so, also ich meine, wenn ich irgendeine Geschichte höre oder einen Film sehe, habe ich mehr Freude dran, wenn ich im Nachhinein auch mal was entdecken kann und es mir ein zweites Mal angucke und noch mehr entdecke.

Ich halte das für enorm wichtig, denn in der aktuellen Songwriterszene sind die Texte doch oft relativ platt. Ist es für dich denn komplizierter, Texte zu schreiben oder hält sich das die Waagschale mit der Musik?

Ja, viele Texte sind einfach eins zu eins. Ich bin ja ein alter Andre Heller Fan und dessen Texte kann man sich ruhig öfter anhören, der war sehr vielschichtig. Obwohl es auch andere Liedermacher gibt, die gut texten können, das steht ja außer Frage. Wenn ich meine Songs schreibe und sowohl für den Text als auch für die Musik verantwortlich bin, ist der Text meistens schwieriger zu fassen. Ich lese wirklich viel, suche immer wieder neue Dichter, versuche da was zu vertonen, aber da besteht eben die Schwierigkeit, dass Texte mir selbst natürlich auch entsprechen müssen. Nicht zuletzt muss man das Geschriebene auch singen können. Eine Gradwanderung. Die Texte zu schreiben fällt mir also schwerer, weil ich zwar einen gewissen Anspruch habe und ein gewisses Niveau schätzen gelernt habe, es trotzdem ja nicht verkomplizieren möchte, denn ich suche nach dem einfachen, was man dennoch schwer ausdrücken kann. So sind die musikalischen Ideen für meine neue CD mehr oder weniger gesammelt und jetzt quäle ich mich mit den Texten. Und das dauert.

Du hast Andre Heller erwähnt – Siehst du dich denn in der Tradition von Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker, den traditionellen Liedermachern?

Ich hege für die auf jeden Fall Sympathie, obwohl ich nie versucht habe, sie zu kopieren. Zu Konstantin Wecker habe ich persönlich Kontakt und der erste Gedichtband, den ich geschenkt bekam, war von ihm. Reinhard Mey ist mir vor allem aus meiner Kinderzeit bekannt – bei Konstantin Wecker war das schon eher ein küstlerisches Interesse. Er ist ein sehr guter Dichter, ein toller Liedschreiber, den ich als Mensch bewundere, den ich aber, wie gesagt, nicht kopieren möchte.

In wenigen Tagen hast du ein Osterkonzert mit deiner Band – Wie wird das aussehen? Macht ihr da irgendwas anders als sonst?

Wir hüpfen dann als Osterhasen über die Bühne! Nein, also wir spielen unser „Erfolgs-Programm“ mit allem was dazugehört – „Erfolg für alle!“ – und mehr möchte ich eigentlich nicht verraten. Es wird auf jeden Fall unterhaltsam!

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Interview mit Götz Alsmann zum Album “In Paris”

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Interview mit Götz Alsmann zum Album “In Paris”

Posted on 16 Januar 2012 by Julian

Götz Alsmanns neues Album „In Paris“ widmet sich voll und ganz dem französischen Chanson. Der promovierte Musikwissenschaftler und Honorarprofessor, der seine Musik gerne auf einem alten japanischen Hammondorgelimitat spielt, ging nach Paris, um in einem der wohl berühmtesten Studios Frankreichs, in dem bereits Serge Gainsbourg, Charles Aznavour aber auch Black Sabbath Musikgeschichte schrieben, ein fantastisches Album aufzunehmen.

Götz Alsmann In Paris
Photocredit: Jérome Bonnet, (c) by EMI Music Germany

Julian Auringer: Ein Interview um 9.30 Uhr – Sind sie ein Frühaufsteher oder haben sie im Moment Tourneestress?

Götz Alsmann: Ich bin notgedrungen Frühaufsteher. Als Familienvater kommt man ja fast nicht drumherum.

Ach so! Was hat sie denn dazu bewegt, ein Album mit eingedeutschten Chansons aufzunehmen?

Die einfache, technokratische Antwort wäre: Wir haben auf verschiedenen Platten immer wieder versucht, Klassiker der französischen Unterhaltungsmusik einzudeutschen und zu singen. Es war jetzt mal an der Zeit, das zu bündeln und ein ganzes Konglomerat französischer Nummern zu machen. Zumal der Wunsch auch stark war, ein Albumkonzept, also ein nachvollziehbares, programmatisches Grundkonzept zu entwickeln. Das bot sich dermaßen organisch und natürlich an, dass wir einfach zugreifen mussten. Und natürlich war die Aussicht sehr reizvoll, das Album in Paris einzuspielen. Das war von vornherein Teil des Plans.

Warum ausgerechnet Paris?

Ein Album mit französischen Chansons nimmt man nicht in Reykjavik auf.

Sie haben dort im „Studio Ferber“ aufgenommen. Hat man da so einen gewissen Respekt vor, oder nehmen sie sowas nicht mehr wahr?

Ich war im Februar da, ein paar Monate, bevor wir mit den Aufnahmen begannen und habe mir das mal angeschaut. Der Respekt… Ich will nicht sagen der Respekt schwindet, aber er relativiert sich, wenn man sieht, was das für eine Bude ist. Es ist eigentlich mehr das Bewusstsein für die historischen Stätte. Klar, man denkt sich: „An dem Flügel hier haben schon Aznavour und Bécaud gesessen… Dieses Mischpult wurde schon in Gang gesetzt bei uralten Trenet und Henri Salvador Aufnahmen.“ – Man denkt schon darüber nach, zwar nicht die ganze Zeit, aber hin- und wieder.

Die Kompromisslosigkeit dem reinen Schlager gegenüber ist teilweise schon erschreckend.

Und nicht zuletzt hat da auch der große Serge Gainsbourg aufgenommen. Der hat dort ja quasi sein zu Hause gehabt…

Ja, der hat mehr oder weniger darin gewohnt.

Obwohl er ja dann immer im Ausland aufgenommen hat. In England…

Später, viel später!

Stimmt, das waren ja die ersten Platten. Nach welchem Auswahlkriterium haben sie die Chansons zusammengestellt? Wie entstanden dann die Arrangements und die deutschen Übersetzungen?

Ein Teil des Materials bestand wirklich aus alten Lieblingstücken, die wir immer schon mal machen wollten, gerade die beiden Gainsbourg-Stücke gehören dazu. Dann ist es natürlich auch so, dass man, um das Konzept auch zu verdeutlichen, nicht nur obskure Stücke nehmen kann. Uns war schon von vornherein klar, dass wir auch tatsächliche – ich möchte nicht Gassenhauer sagen – aber eben auch Standards, die sofort eine Assoziation zum Thema Frankreich, gerade Paris, hervorrufen, nehmen müssen. Dann entstehen die Arrangements, bei mir immer ganz traditionell am Schreibtisch. Zu Hause, in aller Ruhe. Gelegentlich hastet man dann auch mal zum Flügel und probiert aus, ob das alles so stimmt…

Mit Stift und Papier…

Genau. Ich bin jemand, der noch traditionell richtige Arrangements mit Noten schreibt. Also mit Bleistift und Notenpapier. Aber um auf ihre Frage zurückzukommen: Der richtige Weg, ein Chanson zu Übersetzen ist, erst mal den Inhalt zu verstehen. Denn bei englischen und amerikanischen Liedern wurde oft sehr kurz gegriffen. Zeile für Doppelzeile – irgendwie wird’s schon gehen. Da die französischen Lieder wirklich Geschichten erzählen, oder doch sehr ausweitend Zustände beschreiben, wär‘ es doch schön, das Gesamtsortiment erst mal vorher verstanden zu haben, bevor man dann die Sache angeht. Das geht bei den französischen Liedern tatsächlich ganz gut, wenn man sie sich Zeile für Zeile vornimmt.

Bevorzugen sie die Easy-Listening-Variante des Chansons, also diese Bossa-Nova-Richtung oder eher die brummeligen Romantiker wie z. B. Brassens?

Als Konsument teilen sich meine Vorlieben relativ gleich auf, als Interpret liegt mir sicherlich die erste Variante mehr.

Haben sie eigentlich Vorbilder?

Mehr Inspirationen als Vorbilder. Natürlich haben mich als junger Bursche alle klavierspielenden Sänger sehr beeindruckt. Nat King Cole, den fand ich wirklich immer am besten…

Unter welchen Gesichtspunkten wurde das Aufnahmeteam für das neue Album zusammengestellt? Von der Stammband einmal abgesehen geht es mir da eher um das technische Personal.

Es ist natürlich so gewesen, dass diese ganze Geschichte von Blue Note Records organisiert wurde, das ist die Firma, bei der ich unter Vertrag stehe – die sind weltweit vertreten. Es gibt ein sehr aktives französisches Standbein von Blue Note und die haben das Team, zusammengestellt. Die haben sich um den richtigen Tonmeister gekümmert, um den richtigen Produzenten bemüht…

Blue Note standen also komplett hinter dem Projekt?

Absolut. Der Produzent Régis Ceccarelli, der ist vor etwa fünfzehn Jahren auch als Sänger für Blue Note tätig gewesen und als Schlagzeuger entstammt er einer wirklich berühmten Dynastie französischer Drummer. Aber er hat sich dann komplett aufs Produzieren verlegt und seine Spezialität sind eben, neben vielen anderen Dingen, auch diese jazzhaften, traditionsgebundenen Musikstile.

Wie stehen sie zum Nouvelle Chanson? Also Benjamin Biolay, Coralie Clément…

Soweit ich das mitbekomme gefällt es mir. Eine popmusikalische Erneuerungsbewegung, auch ein Rückbesinnen auf bestimmte Qualitäten und musikalische Traditionen, im komponieren, arrangieren, im runterfahren des Aufwandes – etwas, was in unserem Schlager ja teilweise durchaus auch passiert. Auch inspiriert durch die Franzosen.

Aber in Deutschland haben wir ja eine ganz andere Einstellung zu unseren traditionellen Liedern, als die Franzosen. Wenn Franzosen „La Mer“ hören, ist das ein ganz anderer Zugang als die hiesige Rezeption eines Stückes von Hildegard Knef…

Ja, das ist leider so. Das hängt u. a. auch damit zusammen, dass sich bei uns der Generationenkonflikt in den 60er und 70er Jahre weniger über die Musik, als vielmehr über die benutzte Sprache ausgedrückt hat. Aber Hildegard Knef ist ein Beispiel, das noch ganz gut funktioniert. Die Kompromisslosigkeit dem reinen Schlager gegenüber ist teilweise schon erschreckend.

Es gibt ja nun ein paar Interpreten, die es schaffen, das die Menschen wieder zuhören, das finde ich sehr schön.

Ich freue mich zumindest, dass es für mich jetzt schon so lange funktioniert. Aber diese Problematik, die Sie ansprechen, ist manchmal entmutigend, gerade wenn man vor allem im Rundfunk versucht Spurenelemente dieses neuen Lieds/Schlagers/Chansons – wie sie das auch immer nennen wollen – in Deutschland zu finden. Man hört fast nichts davon.

Nun, falls alle Stricke reißen, können sie ja immer noch als Musikwissenschaftler arbeiten, die Professur haben sie ja vor wenigen Monaten verliehen bekommen.

Ja, aber erst im Februar werde ich anfangen. Allerdings: Es handelt sich um eine Honorarprofessur und das heißt im Gegensatz zu diesem schön klingenden Wort: Man bekommt nichts dafür, sondern versucht einfach sein Wissen als akademischer Quereinsteiger weiterzugeben.

Das Gespräch führte Julian Auringer für diekopfhoerer.eu.

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Interview mit Liebe Minou

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Interview mit Liebe Minou

Posted on 17 Dezember 2011 by Julian

Liebe Minou
Photocredit (c) by Steffen Böttcher

Liebe Minou, die eigentlich Ama Hellhammer heißt, ist die gute Fee des deutschen Chansonpops. Ihr Album „Ich“ atmet die bittersüße Fröhlichkeit, die auch schon in Jean-Pierre Jeunets Film „Die Fabelhafte Welt der Amélie allgegenwärtig war. Liebe Minou über Kekse, Musik und geheime Botschaften.

Julian Auringer: Liebe Minou, wie läuft es denn so bei dir?

Liebe Minou: Ganz toll! Die Sonne scheint heute endlich mal wieder und da bin ich ganz froh drüber! Ich war beim NDR in der Sendung DAS! Zu Gast und beim Großen Hafenfest in Bremerhaven habe ich auch gespielt – begleitet von einer Melodica, die schön nach Akkordeon klingt und gut zum Hafen passt. Dann haben wir noch ein etwas größeres Kekskonzert bei der Hamburg Sounds in den Fliegenden Bauten gegeben. Im August wurde ich von der Sterneköchin Léa Linster zu einem Gourmettag eingeladen, da gab’s viel zu Schmecken und ich habe auch gebacken und ein Kekskonzert gespielt.

Julian Auringer: Das klingt wirklich sehr positiv. Wo hast du denn Léa Linster kennengelernt und was ist unter dem Kompositum „Kekskonzert“ zu verstehen?

Liebe Minou: Oh das war bei der NDR Talkshow! Über ihre Einladung habe ich mich sehr gefreut. Sie ist eine ganz tolle Persönlichkeit, eine Wahnsinns Köchin! Was sie so zaubert muss man wirklich mal probiert haben. Toll! Tja und Kekskonzerte sind Konzerte, die an so kleinen Orten stattfinden, dass man sie fast schon Plätzchen nennen könnte. Auf den Kekskonzerten gibt es aber auch immer selbstgebackene Kekse.

Julian Auringer: Ist das nicht eine wahnsinnige Arbeit, gerade jetzt, wo alles etwas größer wird?

Liebe Minou: Das ist eine Herausforderung, ja. Früher waren die Kekskonzerte wirklich klein und da haben die Kekse dann auch immer gereicht. Ja, und jetzt wird das immer mehr und ich muss meine Schwestern animieren. Die machen auch schon fleißig mit. Ich möchte einfach die beste Kekskonzertistin der Welt werden!

Julian Auringer: Ach, da gibt’s noch mehr?

Liebe Minou: Ich hoffe doch! Das weiß man ja nicht. Die verstecken sich wahrscheinlich noch alle hinter kleinen Keksen. Das ist zwar meine Erfindung aber man muss doch immer der oder die Beste sein, in dem, was man macht.

Julian Auringer: Du scheinst Kekse zu mögen – backst du denn gerne?

Liebe Minou: Ja! Das mache ich wirklich gern. Mit dem Backen ist es wie mit dem Basteln. Beides gehört irgendwie zu mir. Manchmal, da stürmt es über einen herein, da hat man das Gefühl: „Jetzt muss ich etwas basteln oder backen!“ Und wenn ich irgend eine Idee hab‘, dann möchte ich die natürlich auch gerne umsetzten. Tja, das ist genau wie mit dem Liederschreiben. Irgendwie ist das ein Überbleibsel aus der Kindheit.

Julian Auringer: Apropos Kindheit: Als ich klein war, habe ich immer die Sesamstraße geschaut und da gab es das Krümelmonster, dass immer Kekse gegessen hat. Das hast du sicherlich auch gemocht, oder?

Es gibt auch Tage, an denen steht man auf, schaut in den Spiegel und einem stehen die Haare zu Berge. Dann denkt man sich: „Oh je… Was wird das jetzt heute?“

Liebe Minou: Oh ja! Das mag ich wirklich! Und dann gab es da noch diese tollen Lieder mit Kermit und seiner Band – von der habe ich den Namen leider vergessen. Aber die Sesamstraße war schon sehr lustig und ich habe das auch immer mit meinen Schwestern geschaut.

Julian Auringer: Ich habe mal bei einem Malwettbewerb gewonnen, da war ich noch klein. Da durfte ich mir dann eine Figur aus der Sesamstraße aussuchen – es wurde natürlich das Krümelmonster!

Liebe Minou: Ahhh! Und hast du das noch?

Julian Auringer: Ja klar! Du musst wissen, dass ich Kekse sehr mag – lieber als Kuchen – und man an sich wunderbar arbeiten kann, wenn man nur Kekse, Gummibärchen und einen guten Tee hat.

Liebe Minou: Sehr gut! Das ist auch echt meins. Ich freu‘ mich da auch manchmal einfach so über die grünen Gummibärchen. Dass sie so selten sind macht sie irgendwie besonders.

Julian Auringer: Sag mal, mir ist aufgefallen, dass du eine sehr positive, wenn man so will, fast kindliche Ausstrahlung hast. Wie konntest du dir das bewahren?

Liebe Minou: Das weiß ich nämlich eigentlich auch nicht! Der Theaterregisseur Max Reinhardt hat mal gesagt: „Ein Schauspieler ist ein Mensch, dem es gelungen ist, seine Kindheit in die Tasche zu stecken und sie bis an sein Lebensende darin aufzubewahren“ und irgendwie ist es doch genauso. Man steckt sich seine Kindheit in die Tasche und bewahrt sie dort auf. Das will ich nicht missen müssen. Meine Kindheit, die trag‘ ich immer in der Tasche bei mir. Wenn ich die Texte zu meinen Liedern schreibe, dann ist das ganz ähnlich und ich sehe ganz viele Bilder von mir und es kommen viele Erinnerungen ins Bewusstsein. Man hat einfach die Chance, diese zu behalten und sich die positiven Dinge in den Kopf zurückzurufen. Meine positive Seite ist generell ein großer Einfluss auf meine Arbeit, meine Persönlichkeit. Nimm z. B. meinen Namen „Liebe Minou“. Seit ich ein Kind bin mag ich Milch-Nougat-Schokoladenkekse. Ich liebe Milch-Nougat-Schokoladenkekse… Und das wurde dann zu meinem Spitznamen und stand dann auch Pate für den Albentitel.

Julian Auringer: Ah! Jetzt wird mir einiges klar! Ist denn Liebe Minou privat ein anderer Mensch oder ist sie ein Teil von dir?

Liebe Minou: Also das ist sozusagen meine bereits erwähnte gute Seite. Jeder hat die ja irgendwo, wenn auch verborgen. Es gibt sicher auch Tage, an denen steht man auf, schaut in den Spiegel und einem stehen die Haare zu Berge. Dann denkt man sich: „Oh je… Was wird das jetzt heute?“ Aber dann habe ich immer noch die gute Seite und ich muss an die Bühne denken, an meine Lieder und ans singen. Also ich bin das schon, Liebe Minou ist ein Teil von mir. Die gute Seite!

Julian Auringer: Wie wurdest du eigentlich entdeckt?

Liebe Minou: Also ich mache schon ziemlich lange Musik – naja, solange auch wieder nicht, ich bin ja erst 22 Jahre alt, aber ich habe schon mit 3 Jahren angefangen Klavier zu spielen und später habe ich dann auch gesungen und mir Bühnen gesucht. Mit 19 Jahren hatte ich dann das Glück, Achille Fonkam vorsingen zu dürfen. Dann hat sich alles gefügt und so sind wir ein musikalisches Team geworden. Er ist wirklich ein sehr inspirierender Produzent!

Julian Auringer: Da warst du beim Vorsingen sicher nervös?

Liebe Minou: Ein wenig, ja, aber man muss dann auch in dem Moment einfach an sich glauben. Man darf dann überhaupt nicht an sich zweifeln. Erst steht man dann natürlich vor einem imaginären Berg und denkt sich: „Oh! Da muss jetzt viel kommen!“ Aber da muss man da einfach rauf und dann schafft man das auch.

Julian Auringer: Wie entstehen deine Kompositionen?

Liebe Minou: Das ist immer ganz verschieden und ich hab‘ da eigentlich keine richtige, immer wiederkehrende Vorgehensweise. Manchmal träume ich sogar von Melodien und dann wache ich auf und geh‘ ans Klavier und schreibe anschließend Texte. An anderen Tagen habe ich mal ein gutes Buch gelesen und das inspiriert mich dann. Da will man dann einfach drauflos texten. Wenn ich anfange zu schreiben oder Musik zu machen, bin ich wie ein kleines Kind, das in ein Schaufenster guckt in dem kleine Süßigkeiten drin wohnen und wo alles bunt und fröhlich ist. Auch das Kompositionsinstrument ist immer verschieden – teils tagesabhängig. Wenn z. B. gutes Wetter ist oder ich gute Laune habe oder traurig bin, beeinflusst das meine Wahl. Ab und zu spiele ich auch Klavier oder singe einfach, wenn ein Freund auf der Gitarre improvisiert. Auch was das Arrangement betrifft, rauscht es mit dem Lied ganz unbewusst aufs Papier oder Tonband. Wie ein Einfall einfällt, fällt dann ein Lied ein und manchmal ist es dann so gut, wie es ist. Auch mein Produzent Achille Fonkam hat da immer tolle Ideen.

Julian Auringer: Wie ist denn der Song „Wiedersehen“ entstanden? Den finde ich sehr gut.

Liebe Minou: Oh, Danke! Es gibt wirklich viele Menschen, die ich so gerne wiedersehen möchte und bei einigen ist es vielleicht in diesem Leben nicht mehr möglich. Aber man kennt das ja: Die Telefonnummer ist verloren gegangen und man hat das Gefühl, dass einem die Person sehr nahe ist und man keine Möglichkeit hat, sie wiederzufinden. Aus diesem Gefühl heraus ist es entstanden. „Wiedersehen“ ist übrigens eines dieser herüberrauschenden Stücke, die sehr geschwind entstanden sind. Es ist eines dieser Lieder, die ich dann den ganzen Tag vor mir hergesungen hab‘.

Julian Auringer: Wenn du Fremdkompositionen singst, also z. B. von Beatrice Reszat, welche Position als Sängerin hast du dann gegenüber der Komposition?

Liebe Minou: Besonders die Arbeit mit der von dir angesprochenen Beatrice Reszat war ganz spannend! Ich bin damals zu ihr an den Starnberger See gefahren und dort wo sie wohnt, ist es ganz märchenhaft. Wie sie schreibt und lebt, das passt einfach! Da stimmt alles und sie hat mir einige Lieder vorgespielt, die fand ich unglaublich toll und die sollten dann auch aufs Album drauf. Generell suche ich mir Lieder aus, die mich wirklich berühren und wenn sie das schaffen verinnerliche ich sie und singe sie dann auf meine Art! Dann ist es so, als hätte ich sie selbst geschrieben. Du kennst das vielleicht: Wenn man ein Lied im Radio hört – oder wo auch immer – es mitsingt, da stecken ja auch viele eigene Emotionen drin, da taucht man ein und das ist dann der magische Moment der Musik.

Julian Auringer: Wie wichtig ist dir nach dieser anstrengenden Arbeit die Reaktion des Publikums?

Liebe Minou: Ich möchte einfach gerne Freude bringen! Ich möchte schöne Erinnerungen mit den Menschen teilen. Ich backe ja auch immer Kekse dazu und verteile die, weil die mich an die schönen Momente meiner Kindheit erinnern. Sonntags, da haben wir immer mit der ganzen Familie gebacken und der Geruch erinnert mich noch heute daran. Da verbindet man dann noch mehr mit der Musik und ihren Bildern. Es ist mir also schon wichtig, dass die Leute ihren Spaß haben. Ich freu‘ mich immer total, wenn Zuschauer mir schreiben und sagen, dass ich ihnen den Tag bereichert habe. Also davon geht mein Herz auf! Da freue ich mich richtig doll.

Julian Auringer: Hast du spezielle Einflüsse?

Liebe Minou: Ich habe keine Vorbilder, aber wie du schon bemerkst doch einige Einflüsse. Ich höre selbst gerne Aretha Franklin, Norah Jones, Edith Piaf – oder um ein paar deutsche zu nennen – Nina Hagen und Helge Schneider. Ich mag einfach Künstler, die irgendetwas Besonderes machen, auch abseits der Musik, wie die Lyrikerin Else Lasker-Schüler. Die schreibt ganz tolle Gedichte. Da geht mein Herz auf!

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Jasmin Tabatabai Promo Foto Eine Frau

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Interview mit Jasmin Tabatabai zum Album “Eine Frau”

Posted on 20 September 2011 by Julian

Jasmin Tabatabai wird in den Medien oft auf ihre Schauspielkarriere reduziert. Doch ist sie seit jeher auch Sängerin und Songwriterin, war Mitbegründerin der Band “Even Cowgirls Get The Blues”, veröffentlichte die Alben “Only Love” und “I Ran”, betreibt nebenbei das Plattenlabel “Polytrash” und hat nicht zuletzt den enorm erfolgreichen Soundtrack zum Film “Bandits” beigesteuert. Nun hat sie zusammen mit dem Schweizer Komponisten David Klein ihr erstes Jazzalbum “Eine Frau” aufgenommen.

Jasmin Tabatabai Promo Foto Eine Frau
Photo Credit 2011 by Felix Broede

Nach den beiden Rockalben und dem Soundtrack zu Bandits: Wie ist es zu Ihrem ersten Jazz-Album Eine Frau gekommen?

Nach den beiden Soloalben hatte ich einfach Lust darauf. Es hat mich gereizt, mal etwas zu machen, was anders ist, ruhiger als meine sonstigen Alben. Musik, die jazzig ist aber auch ein paar andere Musikrichtungen streift, mit hervorragenden Musikern zu arbeiten und mich ganz auf den Gesang zu konzentrieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Idee ist ja nun auch schon 10 Jahre alt, entstand zur Zeit der Dreharbeiten von Gripsholm, wo ich zum ersten Mal mit David Klein gearbeitet habe, der den Soundtrack komponiert hat. Seit dem haben wir immer mal wieder über eine gemeinsame Platte gesprochen.

Und warum hat das letztendlich so lange gedauert, bis Sie das Album aufgenommen haben?

David Klein und ich haben beide in der Zeit verschiedene Projekte verfolgt und ungefähr vor drei Jahren hat er mir die ersten Kompositionen und Demos geschickt. Seitdem haben wir dann konkret am Album gearbeitet. Die Entwicklung der Songs war auch irrsinnig! Die ersten Demos die bestanden wirklich nur aus Davids Demogesang und der Melodie und dann gab es so eine rudimentäre Instrumentierung am Computer. Wir haben uns die Tracks übers Internet hin- und her geschickt, ich habe ihm den Gesang aufgenommen, dann wollte er weiterarbeiten, hat die Stücke arrangieren lassen, sie mit Musikern aufgenommen und ich habe den Gesang nochmal aufgenommen. Später hat er alles noch einmal überarbeitet, die Instrumentaltracks von anderen Musikern einspielen lassen usw. So ging das immer hin- und her. Das war eine lange, lange Arbeit.

Das klingt sehr aufwendig. Haben Sie denn ein persönliches Interesse an Jazz und Chanson?

Ja, natürlich! Sonst würde ich das auch nicht machen. Jazz und Chanson sind ja vor allem Musikrichtungen, wo man die Persönlichkeit, die Lebenserfahrung des Sängers wahnsinnig genau spürt, der Gesang geht da sehr weit.

Wie kam denn damals die Auswahl der Stücke zu Stande?

Die haben David Klein und ich zusammen ausgesucht. Das sind teilweise Neukompositionen, teilweise völlig neu arrangierte Standards, teilweise sehr alte Texte, z. B. von Tucholsky, zu dem dann neue Musik komponiert wurde und nicht zuletzt auch Coverversionen – wie z. B. Reinhard Meys Herbstgewitter über den Dächern oder Jean-Loup Dabadies La Chanson d’Hélène, dass viele natürlich aus dem Romy Schneider Film Die Dinge des Lebens kennen. Besonders Reinhard Mey ist  für mich eine Entdeckung. Dass man seine Stücke covern kann – da kommt man irgendwie gar nicht drauf.

Wie sind Sie und David Klein denn an die Neuinterpretation von Stücken wie Oskar Straus‘ Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben herangegangen?

Ich habe ja schon immer sehr gerne gecovert z. B. auch damals bei den Cowgirls. Ich persönlich mache es so, dass ich das Original so wenig wie möglich höre, damit ich einen möglichst eigenen Zugang habe.

Bei den Eigenkompositionen, ist mir aufgefallen, dass sie sich nahtlos in die Coverversionen einfügen, auch stilistisch. Das Album geht ja sehr in Richtung Operettenlied, Chanson der 20er Jahre und der gleichen. Haben Sie versucht, das zu interpretieren und zu modernisieren? Wollten Sie dieses frivol-emanzipatorische übernehmen? Unter welchen Gesichtspunkten habe Sie das gemacht?

Ach, Gesichtspunkte gab es gar keine. Wie haben uns da nichts in der Richtung vorgenommen. Auch keine Message oder so… Das war ganz bewusst nicht mein Bestreben. Ich persönlich mag es nicht, wenn ich bei einem Kunstwerk das Gefühl habe, dass ich erzogen werden soll, oder mir irgendwie eine Message unter die Nase gerieben wird. Deswegen haben wir auch alles relativ neutral gehalten. Nimm den Titel Eine Frau: Da interpretieren die Leute dann alles Mögliche rein, aber das liegt natürlich einzig im Auge und Ohr des Betrachters, des Zuhörers. Ich mag das gar nicht, wenn alles zu genau erklärt wird oder ich das Gefühl habe, jetzt will mir jemand unbedingt eine Message mitteilen. Dementsprechend haben wir in dieser Hinsicht gar keinen Plan verfolgt, sondern einfach die Lieder genommen, die zu mir passen. Lieder die wir einfach mochten.

Beim Titel musste ich sofort an den Film Eine Frau ist eine Frau von Jean Luc Goddard denken!

Das ist auch eine schöne Assoziation. Für mich hat das Album so ein Gefühl von dieser Zeit, das hängt da auch irgendwie mit in der Luft.

“Das Album ist einfach aus absoluter Liebe zur Musik entstanden”

 

Jasmin Tabatabai

Wie würden Sie das Album in der aktuellen Musikszene positionieren?

Keine Ahnung! Wir sagen ja immer, es ist ein modernes Liederalbum geworden und ich habe keine Ahnung, wo das zu positionieren ist. Das müssen andere machen! Es ist einfach zeitlos geraten, sehr erwachsen. Welche Marktgruppe jetzt damit bedient wird und welche nicht kann ich nicht sagen. Da glaube ich eh nicht dran. Da wird immer so viel geschwätzt und so viele Leute wissen für welche Zielgruppe man was genau machen muss, um zu gefallen. Wie gesagt, wir haben einfach Lust gehabt Musik zu machen und uns Lieder ausgesucht die wir schön fanden.

Wie kam denn der Luxus zu Stande, dass Sie für die Aufnahmen ein unbegrenztes Budget hatten? Das ist doch eher ungewöhnlich…

David Klein, der Produzent dieser Platte, hat alles aus eigener Tasche finanziert! Da steckt kein fetter Deal von Seiten der Plattenfirma dahinter, die gesagt hat: „Yeah!“ Das hat er alles selber finanziert, teils über private Spenden. Das ist ein absolutes Liebhaberprojekt, auch ich habe noch keinen Pfennig daran verdient. Das Album ist einfach aus absoluter Liebe zur Musik entstanden, denn wir beide haben eine Vorstellung davon wie sie klingen sollte und David gibt damit sicherlich auch ein unbewusstes Statement ab, wie man seiner Meinung nach mit Musik umgehen sollte. Mit welcher Liebe und mit welchen Details man an ein Album rangehen sollte.

Das Album ist ja wirklich sehr warm geworden, es klingt sehr nach alten Hildegard Knef Aufnahmen, mal vom Gesang abgesehen.

Das ist natürlich auch von der Produktionsweise so gemacht worden, wie man heute nicht mehr arbeitet. Kaum jemand macht sich die Mühe oder trägt die Kosten, so etwas zu produziere. Alles mit echten Instrumenten, mit echtem Orchester einzuspielen, mit den besten Mikrofonen und den besten Aufnahmegeräten, digitalen Wandlern etc. zu arbeiten… Wenn man schon nicht analog aufnimmt, dann aber mit den besten digitalen Wandlern. Das hört man natürlich alles, auch der Laie.

Die Texte und die Musik sind ja diesmal nicht von Ihnen. Wie verschiebt sich da das Verhältnis von Schauspielerin und Sängerin?

Für mich war das eine ganz bewusste Entscheidung, die ich gefällt habe. Ich wollte mich bei dieser Platte ganz egoistisch nur auf das Singen konzentrieren. Wenn man schreibt, selber produziert oder aufnimmt, dann ist das immer noch so eine unglaubliche extra Arbeit, die viel mehr ist, als das was man eigentlich macht, nämlich singen. Automatisch gerät das dann völlig in den Hintergrund. Ich wollte mich hier einfach mal auf meinen eigentlichen Beruf konzentrieren, dass ich performe und singe und mich in dieser Richtung weiterentwickle. Nur zu singen war in dieser Hinsicht ehrlich gesagt eine Wohltat.

Man merkt das m. E. auch an Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben – das Stück klingt sehr relaxt und locker.

Ja, das sind die tollen Kompositionen, die stehen wirklich auch nach Jahrzehnten noch und man kann die Stücke immer wieder neu aufnehmen, ohne dass sie unmodern klängen. Sie haben immer noch etwas zu erzählen.

Diese Art der Musik wurde ja durch die NS-Zeit völlig verdrängt und durch gehaltlosen Schlager ersetzt, die jüdische Künstlerschaft komplett vertrieben. Damit hat die deutsche Musikszene unglaublichen Schaden genommen – so ist eine Entwickelung verwehrt geblieben, wie man sie aus Frankreich kennt.

Ja, das ist ein nicht wiedergutzumachender Verlust. Da ist natürlich ein unglaublicher Riss durch die Kultur gegangen und in jeglicher Hinsicht wahnsinnig viel zerstört worden, so wie die Städte und einfach alles, keine Frage. Alles wurde zerstört.

Wie haben Sie sich denn auf den Jazzgesang vorbereitet? Haben sie Gesangsübungen oder ähnliches gemacht?

Nein, ich habe mich nicht durch traditionelle Gesangsübungen oder so vorbereitet. Das habe ich eh nie gemacht. Musik hat für mich etwas mit loslassen zu tun. Selbstverständlich bereitest du die Lieder sehr genau vor, dass die Melodien, der Text und der Rhythmus sitzen und im Studio nicht überlegt werden muss, aber vor allen Dingen ist es wichtig, total los- und lockerlassen zu können, weil das Singen sonst einfach nicht funktioniert. Sobald man zu viel macht oder zu verspannt ist, oder zu sehr in eine Richtung drängt, ist es sofort schlecht.

Sie hatten keine Schwierigkeiten, vom Rock auf Jazz zu wechseln?

Nein, für mich war das ehrlich gesagt eine schöne Herausforderung. Ich würde jetzt auch nicht sagen, dass ich die klassische Jazzsängerin bin, ich bin einfach nur Sängerin und habe ein Jazzalbum eingesungen. Ich weiß gar nicht – was ist eigentlich ein klassischer Jazzsänger? Das könnte ich gar nicht beantworten. Ich singe einfach. Für mich macht guter Jazzgesang aus, dass er immer nonchalant, unaufgeregt und unangestrengt klingt. So als würden die Leute nebenbei eine Whiskeyflasche öffnen oder den Abwasch machen. Der Gesang darf nicht ambitioniert klingen und muss locker sein. Sicherlich ist das nicht einfach und eine Herausforderung.

Wenn Sie auf Tournee gehen, was glauben Sie, wird anders sein als bei ihren bisherigen Auftritten?

Es kommen vielleicht Leute, die bisher noch nicht gekommen sind aber sicher werden auch welche kommen, die bisher auch immer zu den Konzerten kamen und ich glaube die werden genauso viel Spaß haben.

Noch eine letzte Frage: Vor ein paar Jahren haben Sie einen wunderbaren Weihnachtsfilm, (Meine Schöne Bescherung) mit Meret Becker, Martina Gedeck und Bjarne Mädel gedreht – ist sowas mal wieder in Planung?

Dieses Jahr habe ich einen Kinderweihnachtsfilm gemacht, der im Fernsehen kommt Beutolomäus – der Sack des Weihnachtsmannes. Alle Kinder kennen den! Der Film kommt dann Weihnachten. Da spiele ich die Böse. Eine richtig schöne, böse Rolle.

→ Das Album “Eine Frau” von Jasmin Tabatabai & dem David Klein Orchester ist bei edel: CONTENT erschienen und kostet 16.99€. Die Review findet ihr hier. Das Gespräch führte Julian Auringer von DieKopfhoerer.eu

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Interview: Anna Depenbusch, Hannover 05.05.2011 (inkl. Give-Away)

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Interview: Anna Depenbusch, Hannover 05.05.2011 (inkl. Give-Away)

Posted on 15 Mai 2011 by Julian

Am 05.05. habe ich Anna Depenbusch im Rahmen ihre aktuellen Tour, mit der sie ihr neues Album Die Mathematik der Anna Depenbusch promotet, getroffen. Das interessante Gespräch könnt ihr euch dieses Mal als PDF herunterladen (oder direkt unten eingebettet ansehen). Anna Depenbusch war so nett, uns ein Zweitausendeins Merkheft mit ihr als Covergirl zu signieren. Wer es gewinnen möchte, adde uns bei Facebook und schicke eine Mail mit dem Betreff Anna Depenbusch an verlosung@diekopfhoerer.eu. Einsendeschluss ist der 29.05.2011.

Anna Depenbusch Interview (8,3 MB, PDF)

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Interview mit Rebecca Lovell von Larkin Poe

Posted on 11 August 2010 by Julian

Als Teil der Lovell Sister kennt sie die ganze Bluegrassszene der USA. Nun ist Rebecca Lovell zusammen mit ihrer Schwester Megan als Larkin Poe zurück. Julian Auringer (DieKopfhoerer.de) sprach mit Rebecca über Verwandschaftsbeziehungen, den magischen Sog des Bluegrass und musikalische Experimente.

Rebecca und Megan Lovell

Was hast du zuletzt gegoogelt und welches Buch liest du gerade?

Zuletzt habe ich den Song I Saw God The Other Day von Victor Wooten gesucht. Der lief vor ein paar Tagen im Radio, als ich durch New York City fuhr. Den Text wollte ich noch einmal genauer anschauen! Was die Literatur betrifft – im Moment lese ich das Buch Ich und Du von Martin Buber. Es ist wirklich sehr interessant.

Wenn ich euren Bandnamen höre, muss ich sofort an die Poeten Philip Larkin und Edgar Allen Poe denken. Spielt Larkin Poe darauf an oder liege ich damit völlig falsch?

Larkin Poe ist der Name unseres Ur-Ur-Großvaters väterlicherseits. Unsere ganze Kindheit hindurch haben wir immer wieder Geschichten und Anekdoten über Larkin Poe gehört von unseren Großeltern, Tanten, Onkeln und dem Rest der Familie. Es heißt sogar, dass er wirklich ein entfernter Verwandter von Edgar Allen Poe war; eine Verwandschaftsbeziehung, die wir natürlich niemals abstreiten würden!

Wann habt ihr damit begonnen, Musik zu machen?

Es fing alles damit an, dass Megan und ich im Alter von 3 oder 4 Jahren begannen, klassische Violine und Piano zu lernen. Somit hat Musik seit jeher ein großer Einfluss auf unser Leben. In den frühen Teenagerjahren haben wir ein paar Freunde zu einem Bluegrassfestival in Tennessee begleitet und danach war es um uns geschehen! Wir haben unsere klassischen Musikstunden abgesagt und anstelle dessen Banjo, Mandoline, Gitarre und Dobro gelernt. Bluegrass war dann auch die Initialzündung, um mit unserer ältesten Schwester Jessica die Band The Lovell Sisters zu gründen. Mit der Band hatten wir dann bald enormen Erfolg. Wir sind 6 Jahre durch die Staaten und dann die ganze Welt getourt. Nachdem die Band 2009 zu pausieren begann [Anm. d. Red.: Jessica nahm eine Auszeit, um zu heiraten und zu studieren], haben Megan und ich entschieden, eine neue Band zu gründen.

„Das Leben kommt zum einen Ohr hinein und der Song zum Anderen wieder heraus!“

Rebecca Lovell

Und wo ist der Unterschied zwischen dem Larkin Poe und dem Lovell Sister Sound?

Die Lovell Sisters waren rein instrumental – das soll heißen: kein Schlagzeug, keine elektronischen Instrumente. Deshalb war der Sound eher im traditionellen Bluegrass verankert. Bei Larkin Poe ist definitiv mehr Blues und Rock vorhanden. Auch dass Jessica nicht mit dabei ist, hat seine Auswirkungen, so wie das immer der Fall ist, wenn sich eine Bandbesetzung ändert. Sei es in der Banddynamik, musikalisch oder in jeder erdenklichen anderen Weise. Ich vermisse den dreistimmigen Harmoniegesang!

Glaubst du, dass euren alten Fans euer neuer Sound gefallen wird?

Na das hoffe ich doch! Es gibt immer ein Risiko, Fans zu verlieren wenn man den Musikstil und den Bandnamen ändert, aber ich glaube,

dass die Veränderungen, die zwischen Larkin Poe und The Lovell Sisters gemacht wurden, insgesamt gute Veränderungen sind!

Erzähl mir bitte ein wenig über das Konzept hinter euren jahreszeitenbasierten Alben.

2010 werden wir vier EPs veröffentlichen: Spring, Summer, Fall und Winter. Megan und ich haben nach einem Weg gesucht, unsere Familie, Freunde

und Fans an unserer musikalischen Reise teilhaben zu lassen und ihnen zu zeigen, wie wir unseren Sound als Larkin Poe finden. Was ist dafür besser

geeignet, als so viel Musik wie möglich zu veröffentlichen und die Hörer an unseren Experimenten teilhaben zu lassen?

Letzte Frage: Sind eure Texte von eigenen Erfahrungen geprägt?

Ich glaube es ist unmöglich, Songs zu schreiben, die nicht irgendwie mit persönlichen Erfahrungen verbunden sind. In meinem Fall heißt das: Das Leben kommt zum einen Ohr hinein und der Song zum Anderen wieder heraus!

→ Das Album Larkin Poe “Spring” ist bei Edvins Records / SdS – Alive erschienen und kostet 14.99€. Die Review findet ihr hier.

[youtube 2jVvfqHWJ9U]

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Die Kopfhoerer – Das Magazin

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Die Kopfhoerer – Das Magazin

Posted on 14 Februar 2010 by Julian

Wie ihr im Sidebar sehen könnt, hatten wir eine neue Idee und so habe ich mich nach Weihnachten hingesetzt und eine Jahresausgabe unserer Interviews, Kritiken und Artikeln zusammengestellt. Das Ganze ist im Moment noch eher Fanzine als Magazin, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Tja, warum solltet ihr euch das Heft runterladen? Es gibt ein exklusives Interview mit K.I.Z, ein tolles Design, viele nette Reviews und natürlich Futter für euren E-Book-Reader. Und das tollste daran: Es ist kostenlos! Also, mit der rechten Maustaste im Sidebar auf das Icon klicken und mit Speichern Unter abspeichern! Viel Spaß damit!

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Interview mit Ödland

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Interview mit Ödland

Posted on 10 Januar 2010 by Julian

Unsere Stammleser haben es vielleicht bemerkt: Ödlands EP The Caterpillar ist mein persönliches Lieblingsalbum 2009. Grund genug um mit der Band über alte Photographien, Bandwürmer, das neue Album und leicht verrückte Liebeslieder zu sprechen.

Julian Auringer:

Fangen wir bei eurem Namen an. Ödland ist ein typisches deutsches Wort, das Einöde oder auch Wüste bedeutet. Wie seid ihr darauf gekommen und vor allem: Habt ihr den Namen aufgrund seiner melancholischen Onomatopoesie ausgesucht oder ging es euch um die tatsächliche Bedeutung?

Ödland:

Isabelle fand dem Namen in einer alten Skandinavischen Legende. Der Band gefiel der Name sofort, denn er appelliert an die Vorstellungskraft und passt zu unseren Experimenten. Später entdeckten wir seine Bedeutung, die du schon angesprochen hast. Das passt doch ganz ausgezeichnet in unser Universum, denn wir pflügen verdammte musikalische Regionen, Regionen, aus denen durchaus Neues entstehen kann.

Julian Auringer:

Was erwartet uns auf eurem neuen Album Ottocento?

Ödland:

Wir haben ehrlich gesagt keine Ahnung, wie das von den Fans aufgenommen wird. Entweder es wird geliebt oder keiner wird es beachten, denn wir haben etwas Neues probiert. Es gibt 16 Stücke, zum Teil sind diese sehr komplex, dann haben wir aber auch Popsongs geschrieben. Es geht um die Vorstellungskraft, Wissenschaft, Tod, Kindheit und Liebe. Eine Hälfte des Albums hat ein Konzept. Es handelt sich um eine kleine Oper die Alice Im Wunderland thematisiert. Das Zentrum dieser Oper ist die Teeparty des Verrückten Hutmachers. Wir haben uns auch wieder selbst um das Albendesign gekümmert, mit unseren Fotos und altem Dekokram. Nicht zu vergessen die Musikvideos die passend zum Veröffentlichungstermin erscheinen werden. Ja, es handelt sich wieder um ein Gesamtkunstwerk.

Julian Auringer:

Könnt ihr mir etwas über eure Einflüsse erzählen? Lieblingsbücher, Künstler, Musik, klassische Stücke?

Ödland:

Das 19te Jahrhundert, das Zeitalter der Romantik ist im weitesten Sinne unser größter Einfluss. Die Vermischung der Künste dieser Zeit ist unglaublich! Und wir lieben Dampfmaschinen, Ballettröckchen, Telefgrafen, Franz Liszt, Dampfer, Kleider, Paris, Lewis Caroll, Bandwürmer, Erik Satie, Holzschnitte, Spielzeugteeservices Georges Bizet, Indianer, Scott Joplin, die Nacht, Maurice Ravel, Einsamkeit und Photographie.

Julian Auringer:

Wie schreibt ihr eure Songs? Wo fangt ihr an? Rhythmus, Akkordgerüste fürs Piano oder doch mit einer Melodie?

Ödland:

Normalerweise mit den Texten. Das ist sehr wichtig, damit man die richtige Stimmung fassen kann. Dann wird am Piano komponiert. Sei es eine Gesangs-, Streicher- oder Pianomelodie. Wir müssen harmonisieren, also die Melodien an Akkorde anpassen und dann folgen die Arrangements für die anderen Instrumente und Geräusche. Es gibt also Partituren. Manchmal ist alles sehr frei, wir wollen überrascht werden, manchmal halten wir uns auch strikt an die Partituren. Die Freiheit in den Partituren kann einen Song völlig verändern. Das kann bedeuten, dass wir einen Song komplett umschreiben müssen, weil er uns nicht gefällt.

Julian Auringer:

Neben der Musik fällt vor allem euer schönes, vom Steampunk inspiriertes Artwork auf, das deutlich an das 19te Jahrhundert erinnert. Nehmen wir die Fotos oder die schönen Gemälde auf eurer Myspace Seite…

Ödland:

Isabelle und ich [Lorenzo] lieben Fotografie. Die ersten Fotografien des letzten Jahrhunderts haben uns sehr inspiriert. Sie passen sehr gut zu unserer Musik; Musik und Bild sind sich sehr ähnlich. Wenn wir fotografieren und alte Techniken benutzen ergibt das ein ganz eigensinniges Flair. Ein moderner Geist.

Das EP Cover ist eines meiner Lieblingsfotos. Ich glaube es beschreibt unsere Musik sehr gut. Alizée in den Wäldern mit einer Harfe und einem schwedischen Elfenhut. Man weiß nicht, wann das Foto aufgenommen wurde. Es befindet sich in einer eigenen Zeit zwischen dem Gestern und dem Jetzt. Sie könnte ein Kind sein, das im Wald spielt und gleichzeitig ein Mensch der Romantik, verloren in einer feindlichen Natur. Wie dem auch sei, wir arbeiten an unseren Bildern und plötzlich tauchen da neue Dinge auf.

Julian Auringer:

Kommen wir zu eurer Aufnahmetechnik. Wie nehmt ihr auf? Benutzt ihr einen Computer oder ein 8-Spur Gerät? Was für Mikrofone nutzt ihr? Mischt ihr selbst?

Ödland:

Ottocento haben wir komplett in meiner [Lorenzos] Wohnung aufgenommen. Wir haben uns monatelang Zeit genommen. Wir benutzen statische Mikrofone um die kleinsten Geräusche einfangen zu können und nahmen auf unserem Computer auf, wo wir dann auch selbst abmischen. Immer gleichzeitig, ohne Overdubs und niemals getrennt voneinander. Klar machen wir auch Fehler dabei, aber das bereichert unsere Musik. Wir streben nicht nach Perfektion sondern suchen etwas Echtes, Lebendiges. Ort und Art der Aufnahme beeinflussen uns enorm.

Julian Auringer:

Habt ihr Konzerte in Deutschland geplant?

Ödland:

Wir planen gerade eine Tour zwischen London, Paris und Berlin, die im Sommer stattfinden wird. Es werden ein paar Konzerte in Norddeutschland dabei sein und wir freuen uns sehr darauf! Wir hoffen, viele Menschen zu treffen wenn wir reisen. Seltsamerweise ist unsere Musik in Deutschland mehr gefragt als in Frankreich – wir wissen wirklich nicht woran das liegt. Vielleicht ist es unser Name?

Julian Auringer:

Bitte erzählt uns doch, worum es in euren Songs auf The Caterpillar eigentlich geht.

Ödland:

The Caterpillar ist unser erster Song und wurde vom gleichnamigen Kapitel aus Alice Im Wunderland inspiriert. Es geht ums Wachsen und Schrumpfen. Die Songstruktur war ein Experiment, etwas, dass wir in den anderen Stücken imitiert haben. Les yeaux de l’oiseau ist eine Liebesgeschichte, die neben einem IKEA spielt, an den ein Wald angrenzt. Katze und Vogel lieben sich, doch finden nicht zueinander, sowas ist immer traurig. La chanson du parasit ist ein anderes Liebeslied, allerdings handelt es dieses Mal von einem Mädchen und ihrem Bandwurm, der in ihr ist und ihr Essen verschlingt. Viele Menschen haben vor diesen Kreaturen Angst aber dieses Mädchen verliebt sich in ihn. Sur les murs de ma chambre handelt von Einsamkeit und Krankheit. Jemand liegt im Krankenhaus und langweilt sich zu Tode. Also erfindet diese Person eine imaginäre Welt. Und Mathilde Rossignol handelt von einer jungen Frau, die an ihrem Geburtstag stirbt. Sie wird zum Geist und tanzt mit anderen Geistern die an ihren Geburtstagen starben. Sie schreibt überdies Briefe an ihren Freund, der noch lebt.

Julian Auringer:

Meine letzte Frage stelle ich jeder französischen Band. Wurdet ihr in irgendeiner Form von meiner Lieblingsband Magma beeinflusst?

Ödland:

Sorry dear, but we aren’t.

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Kopfhörer-Interview mit Element of Crime

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Kopfhörer-Interview mit Element of Crime

Posted on 29 September 2009 by Birk

Sven RegenerSven Regener ist nicht nur ein erfolgreicher Autor, sondern auch ein begnadeter Musiker. Mit seiner Band Element of Crime bringt er im September sein neues Album raus. Grund genug für Birk Grüling mit Sven Regener und seiner Band zu sprechen.

Birk Grüling: Sven, inwiefern beeinflusst dein Erfolg als Autor den Erfolg von Element of Crime?
Sven Regener: Für mich gibt es da keinen zwingenden Zusammenhang. Allerding gibt es sicherlich Menschen, die durch meine Bücher zum ersten Mal von Element of Crime erfahren. Wir machen schon sehr lang Musik und das ja auch nicht ganz unbekannt. Vielleicht hören Menschen rein, aber man muss nicht deshalb unsere Musik ja nicht mögen.

Birk Grüling: Stört es die Band eigentlich, dass du so bekannt bist und die anderen kaum jemand kennt?
Sven Regener: Nein, sonst würde das ja gar nicht funktionieren. Wir sind seit 16 Jahre eine Band und haben zusammen 10 LPs gemacht. Außerdem ist es ganz normal, dass dem Sänger höhere Aufmerksamkeit geschenkt wird als dem Rest der Band.

Birk Grüling: Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen?
Sven Regener: Ich habe erst mit 24 Jahren angefangen Songs zu schreiben. Ohne die Punkbewegung wäre das aber undenkbar gewesen. Da hat keiner noch irgendeiner Referenz gefragt. Mir wurde manchmal gesagt, spiel einfach mal was und schon hatte ich einen Auftritt. Diese Zeit machte uns sehr selbstbewusst, auch wenn es manchmal sehr desolat klang, Seit dieser Zeit war ich für das richtige Leben verloren. Ich wollte nur noch Rock’n’Roll machen.

Birk Grüling: Bei Element of Crime gab es ja eine Pause. Dann hab ihr 2008 die Filmmusik zu „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ geschrieben. Jetzt kommt euer neues Album „Immer da wo du bist, bin ich nie“. Werdet ihr nicht müde Musik zu machen?
Sven Regener: Naja, es sah nur von außen aus wie eine Pause. Wir haben einige Festivalsauftritte gespielt und dann natürlich neue Songs geschrieben. Wir haben immer noch viel Spass an der Musik. Wir könnten zwar ganze Alben nur mit alten Songs machen, aber damit wären wir nicht glücklich. Bei Element of Crime gibt einen großen Grundsatz. „Alles kann, nichts muss“ Wir hören erst auf Musik zu machen, wenn wir nicht mehr lebendig sind und es kein Spass mehr macht. Sollte es mal soweit sein, werden wir aber keine langatmigen Abschiedstouren machen.

Birk Grüling: Eure Musik ist alles andere als massentauglich und klingt sehr melancholisch. Trotzdem reißt sich die Presse um euch, macht ihr jetzt Popmusik?
Sven Regener: Naja, wir waren letztens bei TV Total. Wir konnten da live spielen und Stefan Raab hat uns als alle musikalische Freiheit gegeben sollen. Wir machen unsere Musik und das kann man nicht einordnen.

Birk Grüling: Würdet ihr auch beim Bundesvisionsongcontest antreten wie z.B. der Songwriter Olli Schulz?
Sven Regener: Eher nicht, aber man soll ja nie nie sagen. Popmusik ist für mich kein Schimpfwort oder Tabu, solange man sich treu bleibt.

Birk Grüling: Worin liegt der Unterschied zwischen dem Schreiben von Büchern und Schreiben von Songs? Gibt es da Gemeinsamkeiten?
Sven Regener: Außer dass man schreibt, gibt es für mich keinen Zusammenhang. Schwimmen und Springreiten sind ja auch Sportarten, aber gemeinsam haben sie nicht viel. Ich trenne für mich die beiden Tätigkeiten klar. Bei Element of Crime schreibe ich die Texte ja zur Musik, und die Musik entwickeln wir  in der Band zusammen.

Birk Grüling: Wie sieht die Trennung genau aus?
Sven Regener: Ich habe ein grundsätzliches Prinzip. Ein Buch und ein Album werde ich nie gleichzeitig machen. Für mich ist das Schreiben ein freier Denkprozess. Aber Buchschreiben und Songwriting ist zu unterschiedlich um es zu vermischen. Beides gleichzeitig würde mich zu sehr aus dem Konzept bringen.

Birk Grüling: Wie bist du zum Schreiben gekommen als Musiker?
Sven Regener: Diese Frage beantworte ich heute nicht. Ich bin hier als Sänger von Element of Crime.

Birk Grüling: Ist das die Trennung zwischen Schriftsteller und Musiker?
Sven Regener (lacht): Ja genau.

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