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Sheryl Crow – Feels Like Home

Posted on 06 Februar 2014 by Julian

Sheryl Crow

Mal ehrlich: Hätte irgendjemand wirklich geglaubt, dass Sheryl Crow nochmal ein rundum überzeugendes Album vorlegt? Zwar war 100 Miles from Memphis solide, aber mehr als ein paar Hördurchgänge überlebte ihr Soul-Tribut nicht. Ihre Kollaborationen mit Willie Nelson strapazierten die Nerven und ihr Privatleben hätte auch gerne da bleiben sollen, wo es hingehört: ins Private. Denke ich heute an Sheryl Crow, so bringe ich nicht unbedingt Musik mit ihr in Verbindung. Doch das war nicht immer so: In den 1990er Jahren war sie die Untermalung, wenn ich mit meinem Vater abends durch die Stadt gefahren bin und wir Computerspiele kauften. Ihr zweites Album habe ich geliebt, trage ich noch heute auf Händen. Feels Like Home setzt nun endlich da an, wo Sheryl Crow 1996 aufhörte, interessant zu sein. Country, der war immer schon präsent, wir spürten ihn auch in späteren Alben. Er schimmerte durch, durfte aber nie die Oberhand gewinnen. Und jetzt? Jetzt liegt uns eine Country-Rock-Platte vor, die seit Tagen in meinem CD-Player rotiert. Musikalisch spitze, aber auch lyrisch stark zeigt sich eine optisch wie musikalisch kaum gealterte Sheryl Crow, wie man sie seit Jahren vermisst. So singt sie in Crazy Ain’t Original von den Irrungen und Wirrungen unserer Zeit: „Well those neighbors we all tried to stay away from / twelve kids were not enough, they had thirteen / what everybody used to call a freak show / well now we call reality TV“, drückt in Waterproof Mascara auf unnachahmliche Nashville-Art auf die Tränendrüsen (ich muss mich an dieser Stelle mal als Fan solcher Songs outen) und schüttelt einfach so einen Song wie Homecoming Queen aus dem Ärmel. Keine Hymne an jene Feier zum Ende einer Sportsaison, sondern ein trauriger Abgesang auf amerikanische Rituale, die auf ungeschönte Realität treffen: „Twenty-eight shouldn’t look this old / but the last ten years sure took their toll / on the girl in the picture with the plastic crown / that sequined dress wouldn’t fit her now / like it did before the kids [...] she swore she wouldn’t get stuck in this town / now she’s cuttin’ coupons two doors down [...] yeah too bad life ain’t a local parade / in your uncle’s corvette on a Saturday [...] you don’t know that you won’t always be / homecoming queen”. Amerikanisches Kleinstadtleben, wunderbar auf den Punkt gebracht. Kein Mensch ist sein Leben lang Homecoming Queen oder Footballstar, das Leben verändert die Menschen, zerstört ihre Träume und Hoffnungen. Mit Feels Like Home macht Sheryl Crow nach langer Zeit endlich mal wieder alles richtig, zeigt, dass sie immer noch unglaublich gut schreiben kann, wenn sie denn will, ohne dabei ihren Hörern als Gutmensch auf die Nerven zu gehen. Wenn ich jetzt mal wieder mit meinem Vater durch die Nacht cruisen sollte, darf Sheryls Neue nicht fehlen!

Erschienen bei Warner.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 


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She & Him – I Could’ve Been Your Girl

Posted on 22 Mai 2013 by Julian

Zooey Deschanel und M.WardPhotocredit by Autumn De Wilde

Passend zum neuen She & Him Album Volume 3 erscheint heute das Musikvideo I Could’ve Been Your Girl. Diesmal war es Deschanel persönlich, die den Clip konzeptionierte und Regie führte. Dabei habe sie Wert darauf gelegt, möglichst vielen ihrer Lieblingsmusicals Tribut zu zollen.

She & Him – I Could’ve Been Your Girl (Official… von domino

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V. A. – Songs Of Anarchy: Music From Sons Of Anarchy Seasons 1 – 4

Posted on 10 April 2013 by Julian

SAMCRO Sons Of Anarchy

Wenn es im Moment zwei Serien gibt, bei denen ich es kaum erwarten kann, dass neue Folgen ausgestrahlt werden, dann sind es Homeland (mit Claire Danes und der wunderbaren Morena Baccarin) und Sons Of Anarchy. Gutes Storytelling trifft auf Antihelden, denen man einerseits wünscht, sie würden in den Knast kommen und bei denen man andererseits erpicht darauf ist, zu sehen, welche Dreistigkeit sie sich als nächstes herausnehmen. Deren unmoralisches Handeln dafür sorgt, dass die Welt in ihrem Ort noch einigermaßen in Ordnung ist. Eine Serie die den großen amerikanischen Freiheitsgedanken verkörpert, wie keine andere und die unverblümt zeigt, welche Gefahren der Kapitalismus und Gentrifizierung birgt. Mit der wunderbaren Katey Sagal, die vielen noch als Peggy Bundy bekannt sein dürfte und hier zur Höchstform aufläuft, immer wieder für grandiose Szenen sorgt (z. B. die mit dem Skateboard in Season 1). Der Soundtrack verkörpert die Serie perfekt. Nahezu alle Stücke wurden mit der Band The Forest Rangers neu eingespielt, was trotz verschiedener Sänger für Geschlossenheit sorgt. Unter den Interpreten finden sich u. a. Curtis Stigers, dessen Serienthema ein wahres Highlight ist, Katey Sagal, die wirklich gut singen kann oder die wunderbare Audra Mae. Stücke von Anvil (der sympathischsten Metalband überhaupt), The Lions, Battleme, Franky Perez und The New Roses runden das Paket ab, lediglich Alison Mossharts Interpretation von What A Wonderful World wirkt aufgesetzt (was man nicht erwarten würde) und Los Tiempos Van Cambiando von Franky Perez (ein Dylan-Cover) wirkt beim ersten Hören etwas kraftlos, entwickelt aber seinen ganz eigenen Charme. Songs Of Anarchy hält was es verspricht und bietet, dank Katey Sagal, eine gelungene Überraschung. Fans der Serie sollten zugreifen.

Erschienen bei Sony Music.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★☆☆ 

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Larkin Poe & Thom Hell – The Sound Of The Ocean Sound

Posted on 14 März 2013 by Julian

Larkin Poe Ocean Sound

Aufmerksamen Lesern wird es nicht entgangen sein: Larkin Poe zählt zu den Bands, die uns besonders gut gefallen. Als vor drei Jahren ihre erste EP Spring erschien, war bereits deutlich heraushören, dass die beiden Schwestern aus Georgia äußerst talentiert sind, ob nun Long Hard Fall, Fairbanks, Alaska oder Burglary – das Material war außergewöhnlich stark und wurde mit viel Leidenschaft eingespielt. Hinzu kam eine Stimme, die selbst die kälteste Seele erwärmen kann. Mit The Sound Of The Ocean Sound erscheint nun nach fünf EPs und einer Live DVD das erste ‚richtige‘ Album. Fünf EPs in nur 3 Jahren ist eine beträchtliche Leistung, bedenkt man die hohe Qualität, auf der sich die Songs bewegen. Das gemeinsame Album mit Thom Hell schafft es dennoch, das bisher eingespielte zu überbieten (oder zumindest der Spring-EP das Wasser zu reichen, dem bisher besten Album der Songwriterinnen). Insbesondere Megan Lovell, die immer ein wenig im Schatten ihrer Schwester stand, aber nichtsdestotrotz solide Song schrieb (und als Co-Autorin so oder so voll und ganz zu überzeugen wusste), erblüht als Songwriterin. I Can Almost, Wait For Me und Shoulder To Shoulder (zusammen mit Braden Taylor geschrieben) gehören zu ihren besten Songs und stechen auch auf Sound Of The Ocean Sound heraus. Rebecca Lovell überzeugt insbesondere mit ihren Songs Widow’s Walk, I Belong To Love und P. S. I Love You, ein Duett mit Thom Hell. Lovell versteht es einfach, interessante Geschichten zu eingängigen Melodien zu schreiben. Die Idee ein Album mit einem weiteren Songwriter aufzunehmen, erweist sich als Glücksfall, denn Hells Stimme passt perfekt zu der Stimme Lovells, seine Kopfstimme erzeugt Gänsehaut und hat nicht weniger Soul als sein weiblicher Gegenpart. Die Plate ist gut produziert und überzeugt auch im Sound, der in den besten Momenten klingt, als stamme er aus einem Cameron Crowe Film. Apropos Crowe: Russell ‚Gladiator‘ Crowe hat anscheinend auch einen Narren an den Damen aus Georgia gefressen. Man kann es ihm nicht verübeln.

Erschienen bei Edvins Record / Sds – Alive.

Subjektiv:

 ★★★★★ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 

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VA – Django Unchained

Posted on 20 Januar 2013 by Julian

django-unchained

Es gibt selten Filme, die mich dazu bewegen, ins (Mainstream-)Kino zu gehen. Bei Filmen von Quentin Tarantino überlege ich mir hingegen immer zweimal, ob ich mich nicht doch aufraffen sollte. Zu oft hat der Mann sein Gespür für perfektes Recycling bewiesen. Nun, ich bin kein typischer Tarantino-Fan. Meine Lieblingsfilme sind Jackie Brown, Death Proof und Kill Bill (insbesondere Vol. 2), nicht gerade die Filme, die der Mainstream liebt. Der erste zu gediegen, der zweite mit zu vielen Dialogen, der dritte Film wird oft als unnötiger Nachklapp empfunden (was – bedenkt man, dass es bei Kill Bill eigentlich nie einen zweiten Teil gegeben hat und man den Film nur ob der Sehgewohnheiten teilte – falscher nicht sein könnte). Dennoch bereitet mir Tarantino immer wieder große Probleme. Das liegt vor allem in der kulturellen Wahrnehmung des jeweiligen Genres, dass er in seinen Filmen verwurstet. Galten Django, Keoma, Il Grande Silencio und Navajo Joe gestern noch als Nischenfilme (wenn auch als stilprägende Nischenfilme!), so sind sie spätestens nach der Kinopremiere gesellschaftlich aufgewertet. Gleiches gilt für die Musik der Filme. Plötzlich hören meine Mitmenschen Leonard Cohen oder The Delfonics, Musik die nicht erst seit ihrer Zweitverwertung gut ist. Und nun, nachdem Tarantino einen Haufen Filmmusik direkt von Vinyl auf CD gepresst hat, wird wohl plötzlich analoges Rauschen – mehr als bisher – en vogue sein. Kulturelle Aufwertungsstrategien, die ich nicht verstehen will, die mir auch Pierre Bordieu nicht zufriedenstellend erklären kann. Gut ist gut und bleibt gut, auch ohne ein massenmediales Echo. Man lese nur mal die Kommentare auf dem Django-Unchained-Soundcloud-Account. „Boah, toller Song!“, „Grandios!“, „Morricone ist der beste Komponist“. Dinge, die auch schon vor Tarantino klar waren. Oder auf Youtube. Da steht dann bei einem Film, dessen Musik im Soundtrack verwendet wurde: „DJANGO UNCHAINED!“ Gut, für seine Fans – oder besser: den Hipstern unter seinen Fans – kann der Meister natürlich nichts und ich halte ihm zu Gute, dass er Trashkultur konserviert. Ohne ihn gäbe es zig Filme nicht auf DVD, viele Soundtracks wären nicht wieder aufgelegt worden etc. Zudem sind seine Arbeiten einfach gut. Da kann man sagen, was man will. Und sein aktueller Soundtrack? Schlägt ein wie eine Bombe. Das gab es seit Kill Bill nicht mehr. Insbesondere Inglourious Basterds bildete da den traurigen Höhepunkt (und das trotz des grandiosen Films, aber das Kriegsfilmgenre gibt musikalisch leider wenig anderes her). Nun ist der Mann aber wieder musikalisch ganz bei sich. Über die Dialogfetzen kann man nach wie vor streiten (ich mag sie nicht, sie stören den Hörfluss), die Musik jedoch ist fantastisch. Luis Bacalov, der mit Il Postino, dem Concerto Grosso der New Trollz und seinen Astor Piazolla-Bearbeitungen unvergessen bleiben wird, liefert einige seiner besten Stücke. Das Django Thema und Lo Chiamavano King (gesungen von der wunderbaren Edda Dell’Orso), aber auch La Corsa sind musikalische Monolithen. Unverwüstlich. Im Westerngenre zog ich ihn immer Morricone vor, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Überdies gibt es noch alte Tracks von Riz Ortolani, Ennio Morricone oder Jerry Goldsmith (Nicaragua ist ein fantastisches Stück Musik). Dazu neue Stücke von Anthony Hamilton, der medial mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, Rick Ross und Jamie Foxx, James Brown und 2Pac, Dege Legg (entstand allerdings nicht extra für den Film) und Ennio Morricone himself. Für mich die große Enttäuschung der CD. Nicht, dass die Musik schlecht wäre, aber Elisa Toffoli ist einfach zu sehr in den Vordergrund gemischt und kann dem Vergleich mit Edda Dell’Orso oder Milva nicht standhalten. Sie versteht es leider nicht, die italienische Eleganz alter Filmballaden einzufangen. Gerade aus der Zusammenarbeit Tarantino/Morricone hätte ich mir mehr erhofft. Dennoch, schlecht ist das Stück nicht. Aber kein Vergleich zu alten Arbeiten des Meisters. Andererseits: Kann man die Erwartungen erfüllen, die eine solche Zusammenarbeit hervorruft? Jetzt mal ehrlich, ohne die mitschwingende Euphorie? Die Zutaten sind jedenfalls alle dabei – ob Hammondorgel oder Westerngitarren. Die Überraschung des Soundtracks ist jedoch der fast vergessene Jim Croce. I Got A Name ist eines dieser ganz besonderen Lieder von erhabener Qualität. Und Tarantino hat noch etwas mehr zu bieten: Mit Franco Micalizzis Trinity (Titoli) findet sich ein Teil der Filmmusik aus Die rechte und die linke Hand des Teufels, der ersten echten Spencer/Hill Westernkomödie – auf einem Soundtrack zu einem Film, der sich mit der Sklaverei befasst! Leider fehlt jedoch u. a. die Musik aus dem Django Trailer, Ain’t No Grave von Johnny Cash. Schade drum.
Django Unchained ist einer dieser Soundtracks der eigentlich alles richtig macht. Ein Sampler, der viele gute Stücke vereint und lediglich durch die Dialogfetzen etwas zerfahren wirkt. Die Verpackung stört doch sehr, wir haben es wieder einmal mit einem Digipak der bösen Sorte zu tun. Anscheinend ist das jetzt die neue Mode. Wozu muss eine CD auch Kratzfest verpackt sein, wenn man an 50 Cent Verpackung sparen kann? Und doch bleibt eine Frage: Wo ist Track 24? Ode To Django von RZA? Man wird es wohl nie erfahren.

Filmkritiken: Jason Auric, Owley

Erschienen bei Universal.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

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 ★★★★☆ 

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Hannes Wader – Nah dran

Posted on 26 August 2012 by Julian

Aufmerksame Leser wissen es bereits: Hannes Wader ist auf dieser Seite so etwas wie der deutsche Säulenheilige. Eine unumstößliche Legende, der für die deutsche Musikszene mehr getan hat, als alle Bendzkos, Nenas und Naidoos gemeinsam. Messerscharfe Texte, den Finger immer in die Wunden legenden, Missstände aufzeigend – dabei immer gerade heraus mit der angenehmsten Stimmen unter den Liedermachern. So wie Hannes Wader klang noch keiner. Und mit Nah dran liegt nun endlich wieder ein Album vor. Das gute vorweg: Hannes Wader klingt auch noch im hohen Alter überaus angenehm, die Stimme hat nur etwas in den Höhen gelitten. Mit Stücken wie Nah dran, Mahlzeit, Boulevard St. Martin und Lied vom Tod finden sich vier interessante Stücke, die an die besten Zeiten des Barden anknüpfen. Textzeilen wie „Da ist dann auch so ein Typ mit ner Gitarre aufgetreten / Uschi ist fast ausgerastet als der anfing zu singen / um ‚Heute hier morgen dort‘ von Reinhard Mey zu bringen“ oder „Nehmen wir mal an ich würde so wie Gunther Sachs dement / müsste ich den Mut aufbringen im entscheidenden Moment / mir die Kugel zu geben es nicht noch so weit rauszuschieben / das ich es vergesse zwar wär mir dann alles egal / doch die Verantwortung, die Sorgen um mein Wohlergehen sie blieben / an meiner Familie hängen und am Pflegepersonal“ hätten so auch aus den 1970er Jahren stammen können und zeigen heutigen Songwritern, was Selbstironie und Galgenhumor bedeutet. Dennoch hinterlässt das Album einen bitteren Nachgeschmack. Da wären z. B. die Arrangements. Sie funktionieren leider nicht bei jedem Song, wie Seit Ewigkeiten oder auch Ich werd‘ es überstehn beweisen. Gerade die Countryarrangements wirken unnötig, denn am besten ist Wader immer dann, wenn nur er und seine Gitarre zu hören sind. Kommen dann noch Schlagzeug und Bass dazu, ist weniger oft mehr, wie Die welken Blätter eindrucksvoll beweist. Hier stört dann auch das Akkordeon nicht. Generell wirkt Nah dran so, als versuche man bei Mercury, alle Hörerschaften zu bedienen. Volkslied, Musette, Coverversion und zynischer Longtrack: keiner geht leer aus. Das mag man nun werten wie man möchte. Ich persönlich hätte auf Dass wir so lang leben dürfen, Jeder Traum (trotz meiner Degenhardt Vorliebe), Alter Freund und Seit Ewigkeiten verzichten können und würde ein kantigeres Album bevorzugt. Alles in allem ist Nah dran jedoch ein schönes, etwas zu langes, Album geworden, das niemanden so richtig enttäuschen wird. Wie Wader klingt eben nur Wader – und selbst das ist hier nicht hundertprozentig sichergestellt.

Erschienen bei Mercury / Universal.

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 ★★★★☆ 

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 ★★★★☆ 

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Punch Brothers – Who’s Feeling Young Now?

Posted on 26 August 2012 by Julian

Punch Brothers - Who's Feeling Young Now

So kann es gehen: Gestern noch im Interview als Tipp bekommen, heute schon in der Post, direkt vom Promoter. Die Punch Brothers, deren Mondolinist Chris Thile zu den besten seiner Zunft zählt, haben einen äußerst interessanten Klangkosmos geschaffen. Ja, die Instrumentierung, mit Gitarre, Bass, Banjo, Mandoline und Fiddle, schreit nach Bluegrass. Aber die Punch Brothers covern auch Kid A, ein Stück der Progressive-Rock Band Radiohead. Im akustischen Gewand, ohne dabei ein Gefühl der Entfremdung beim Hörer zu erzeugen. Radiohead scheint generell ein Referenzpunkt der Punch Brothers zu sein, denn Stücke wie Movement and Location, Clara oder New York City bedienen sich sehr an der Soundästhetik der Briten. Andere Stücke wie Flippen oder This Girl lassen sich hingegen definitiv dem Bluegrass zuordnen. Ein interessanter Soundmix, von dem Who’s Feeling Young Now profitiert und aus dem ein äußerst hörenswertes Album entstanden ist. Wie weit man es mit akustischer Instrumentierung treiben kann, erlebt man hier wohl am deutlichsten.

Erschienen bei Nonesuch / Warner.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

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 ★★★☆☆ 

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Tonträger der Woche: Carolina Chocolate Drops – Leaving Eden

Posted on 09 August 2012 by Julian

Caroline Chocolate Drops Leavin Eden

Alte Musik hat etwas Verführerisches an sich. Wer Oh Brother, Where Art Thou oder Unterwegs nach Cold Mountain gesehen, die Musik vernommen hat, weiß um die Kraft traditioneller amerikanischer Musik. Carolina Chocolate Drops spielen die Musik vergangener Tage jedoch nicht einfach nach. Leaving Eden lebt von modernen Versatzstücken. Hip Hop und Jazz treffen auf Traditionals. So steht Ruby, Are You Mad at Your Brother mit Beatboxingbegleitung neben dem unbearbeiteten Boodle-De-Bum-Bum, Country Girl ist mit leichten elektronischen Beats unterlegt und spielt mit dem Einsatz von (stimmlich imitierten) Turntables. Doch der skurrile Stilmix funktioniert ganz ausgezeichnet, denn der Einsatz moderner Elemente ist nie selbstzweckhaft oder ironisch, sie bereichern den Sound anstatt ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Aber auch „nackte“ Stücke, reduziert auf die Stimmen der Band, ziehen den Hörer in ihren Bann. Carolina Chocolate Drops zeigen mit Leaving Eden, wie traditionelle Musik heute klingen kann, vielleicht sogar klingen sollte. Unterstützt wird die unglaubliche Spielfreude von einem Sound, der weniger nach Studio denn nach alter Hütte klingt. Ziemlich heißer Stoff!

Erschienen bei Nonesuch / Warner Music.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

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 ★★★★☆ 

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Interview mit Rebecca und Megan Lovell von Larkin Poe

Posted on 01 August 2012 by Julian

Larkin Poe Bear & Deer

Photocredit by Brian Hall Photography

Ein klein wenig aufgeregt war unser Redakteur ja schon, als er sich zum Interview mit Rebecca und Megan Lovell von Larkin Poe traf. Englisch sprechen und das mit zwei überaus hübschen Frauen aus den Südstaaten der USA? Wenn da mal nicht die Englischkompetenz versagt…

Rebecca, Megan – ihr stammt aus den amerikanischen Südstaaten? Wie ist das Wetter bei euch zu Hause?

Rebecca: Das stimmt. Wir sind in Georgia aufgewachsen. Dort ist es im Moment sehr viel heißer als in Deutschland.

Megan: … die Durchschnittstemperatur liegt bei 42 Grad!

Rebecca: Dazu ist es dann noch unglaublich schwül, also mussten wir quasi nach Europa fliehen, wo es ja deutlich kälter ist.

Ist das Leben in eurer Heimat – von den klimatischen Unterschieden einmal abgesehen – anders als in Deutschland?

Rebecca: Weißt du, das ist es wirklich! Ich glaube im Großen und Ganzen sind die Menschen überall auf der Welt relativ identisch. Selbstverständlich gibt es in jedem Land Unterschiede. Hier in Europa habt ihr z. B. so viele schöne alte Sachen, tolle Architektur usw. In den USA hingegen ist alles sehr viel neuer, denn wir sind ja auch eine recht junge Nation. Es ist folglich immer toll, nach Europa zu reisen, wo es so viele schöne Burgen, Schlösser und Kathedralen zu entdecken gibt.

Megan: Und eure Geschichte! Hier gibt es so viel Historisches!

Welche anderen europäischen Länder habt ihr bereits bereist?

Rebecca: Diese Tournee führt uns zum siebten Mal nach Europa, wir haben also schon viel gesehen: Norwegen, Deutschland, Dänemark – vor ein paar Tagen waren wir zum ersten Mal dort –, Irland, Schottland, England …

Megan: … die Schweiz …

Rebecca: … und wir haben in fast allen Hauptstädten gespielt, z. B. in Amsterdam. Das ist wirklich großartig!

Gibt es denn verschiedene Reaktionen auf eure Musik? Wie nehmen die unterschiedlichen Nationen eure Musik wahr?

Megan: Ah, das ist wirklich interessant!

Rebecca: Da gibt es in der Tat große Unterschiede. Gerade wenn man die Vereinigten Staaten mit Europa vergleicht. In unserer Heimat wird im Radio beinahe ständig Popmusik gespielt, meistens Katy Perry, Britney Spears oder Justin Bieber. Sowas in der Art. Unsere Musik ist aber eher Rootsmusik, uramerikanische Musik, eher Delta Blues als Mainstreampop und sowas wird im Radio fast vollständig ignoriert. Unsere Musik führt in den USA also eher ein Schattendasein. Wenn man dann durch die Städte reist, trifft man plötzlich eine Subkultur, die sehr interessiert an unserer Musik ist. Diese Menschen sind nur gekommen, um uns zu hören und um Spaß an der Musik zu haben. Nicht etwa um sich zu betrinken! In Europa bemerken wir eine ganz andere Wertschätzung der amerikanischen Musik. Sie wird hier sehr viel mehr gewürdigt als in ihrem Ursprungsland – kannst du dir das vorstellen? Wir kommen hier her und spielen amerikanische Songs, die in den Staaten niemals im Radio gespielt werden. Es ist auch schön, vor einem Publikum aufzutreten, das uns zu schätzen weiß und versteht, wofür unsere Musik steht. In Europa denkt man nicht abwertend über alte Musikstile, was sehr erholsam ist. Roots Musik ist wahrscheinlich das tollste auf der Welt aber es ist definitiv nicht hip und cool, vor allem nicht in den USA. Für viele Menschen ist das ein Grund, uns nicht zu beachten. Qualitativ anspruchsvolle Musik wird leider oftmals unter den Teppich gekehrt.

Megan: Hinzu kommt, dass in Europa alles sehr viel kompakter ist, die Länder viel kleiner sind. Die Vereinigten Staaten sind sehr weitläufig und dort leben so viele Menschen. Selbstverständlich ist es dadurch schwer, den Durchbruch zu schaffen, denn es gibt zahlreiche Bands. Wenn man durch Europa tourt, hat man Möglichkeiten, die in den USA so nicht ohne weiteres bestehen, z. B. in verschiedenen Ländern zu spielen, ohne sich dabei zu verausgaben.

Wann habt ihr mit der Musik angefangen?

Megan: Als wir noch sehr jung waren haben unsere Eltern uns klassische Violine lernen lassen. Mit vier oder fünf Jahren fingen wir mit der Violine an, es kam Klavierunterricht dazu. Irgendwann als Teenager haben wir dann Bluegrass gehört und das hat uns völlig überwältigt. Wir haben die alten Instrumente stehen lassen und uns an Bluegrassinstrumente gewagt. Rebecca hat Gitarre und Mandoline gelernt, ich Dobro und von da an hat sich unsere Musik dann langsam entwickelt. Seit ich die Lapsteel spiele, wurden wir elektrischer, sind etwas vom traditionellen Bluegrass abgewichen.

Rebecca: Inzwischen spielen wir mehr Folkrock als die Leute von uns erwarten. Wie Megan bereits sagte sind wir jetzt sehr viel elektrischer geworden, haben die akustischen Momente deutlich reduziert. Seit wir vor zwei Jahren Larkin Poe gegründet haben, begannen Megan und ich damit, unsere eigenen Songs zu schreiben. Da mischt sich dann alles zusammen, was uns immer umgeben hat. Klassische Musik ebenso sehr wie Rockmusik – seien es die Rolling Stones, Fleet Foxes, Mumford and Sons oder amerikanische Urgesteine, z. B. Bob Dylan, Fleetwood Mac oder The Band. Als wir klein waren, wurde bei uns zu Hause so viel verschiedene Musik gespielt. Unsere Musik hat die verschiedensten Einflüsse, wird aber oft als Folkrock kategorisiert. Trotz der überdeutlichen Blues, R’n’B und Souleinflüsse. Wir sind da äußerst amerikanisch geprägt, denn wenn man im Süden der USA aufwächst, ist man von wahnsinnig viel Musik umgeben. Besonders in Georgia und Tennessee. Wir sind stolz darauf, in diesem musikalischen Schmelztiegel aufgewachsen zu sein.

 

Ihr geht fast euer ganzes Leben lang auf Tournee. Früher als „The Lovell Sisters“, zusammen mit eurer Schwester Jessica, heute als „Larkin Poe“. Habt ihr neben eurer musikalischen Karriere ein normales Teenieleben führen können?

Rebecca: Wir mussten eigentlich auf nichts verzichten, weil wir unsere Arbeit wirklich lieben. Wenn man professioneller Musiker ist, gibt es immer diese falsche Vorstellung anderer Menschen, dass man etwas tun muss, was man nicht wirklich tun will, ein Zwang dahinter steht. Aber für uns ist Musik alles auf der Welt. Wenn wir nach Hause kommen, schreiben wir neue Songs, wir üben und machen eigentlich ständig Musik. Für uns funktioniert das völlig einwandfrei. Ich würde sagen, dass Musik mein Leben ist und nichts anderes zählt. Wie siehst du das, Megan?

Megan: Definitiv. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht.

Rebecca: Unsere Leidenschaft! Also als Musiker hat man eigentlich kein Leben außerhalb der Musik – aber das ist ja etwas Gutes. Wenn man wirklich liebt was man tut, hat man damit nicht das geringste Problem. Fast jeder Mensch sucht im Leben etwas, das er liebt und wünscht sich einen Job, den er mit Leidenschaft ausüben kann. Für uns ist es ein großer Segen, als Musiker Erfolg zu haben, denn es füllt uns völlig aus.

Megan: Oder wolltest du wissen, wie man als junger Mensch mit dem Tourstress zu Recht kommt?

Es scheint immer so, als gingen die Menschen in einen Raum, wenden einen Voodoozauber an und haben dann einen neuen, fertigen Song geschrieben.

Ja. Genauer gesagt möchte ich wissen, wie man die Schule etc. damit vereinbaren kann.

Rebecca: Oh! Wir wurden zu Hause von unserer Mutter unterrichtet.

Megan: Später haben wir dann auch studiert, allerdings meist online.

Das ist interessant, denn in Deutschland gibt es eine Schulpflicht und nicht, wie in den USA, eine Beschulungspflicht, Unterricht zu Hause ist also fast unmöglich, außer mit einer Sondergenehmigung.

Rebecca: Nun, das funktioniert eigentlich auch nur, wenn man dafür geschaffen ist. Dann ist es toll. Aber für uns war es schon schwierig. Wenn man viel unterwegs ist, hat man für so etwas wenig Zeit und dann muss man seine Abschlussarbeiten plötzlich auf einer Fähre schreiben oder wo auch immer. Das ist natürlich sehr stressig, aber Gott sei Dank sind wir damit inzwischen fertig. Selbstverständlich werden die Arbeiten extern korrigiert, eine Kooperation mit verschiedenen Universitäten in den Staaten. Dort gibt es verschiedene Onlineprogramme. So haben wir das alles gut unter einen Hut bekommen.

Megan: Mit dieser Freiheit hatten wir genügend Zeit ausgiebig zu touren. Hätten wir zur Schule gehen müssen – wir hätten niemals die Zeit gefunden, fünf Jahre am Stück zu touren.

Rebecca: Stell dir mal vor, wir wären noch jeden Tag zur Schule oder zur Uni gegangen!

Was ist denn das Konzept hinter eurer „A Band For All Seasons“ Box?

Rebecca: Als wir vor zwei Jahren mit Larkin Poe begonnen haben, wollten wir uns selbst einem positiven, kreativen Druck aussetzen und in einem relativ kurzem Zeitraum viel Musik schreiben. Das hieß für uns: Wir hatten vor, vier Platten aufzunehmen, Spring, Summer, Fall, Winter und wir mussten diese Alben natürlich mit Musik füllen. Dadurch sind wir sehr schnell gewachsen, besonders als Songwriter.

Megan: Bis dahin haben wir eigentlich gar keine eigenen Songs geschrieben. Das war auch ganz ok für uns, denn so hatten wir die Möglichkeit, völlig befreit darauf loszuschreiben.

Rebecca: Daraus ist eine viel coolere Erfahrung geworden als wir am Anfang dachten. Mit jeder Jahreszeit habe ich mich verändert und als Komponistin entwickelt. Im Nachhinein finden wir, dass die Jahreszeiten spürbar werden, wenn man sich die Alben anhört. Die Menschen können sich hinsetzen und sich die EPs anhören und dabei die Veränderungen der Jahreszeiten spüren. So ist Spring sehr leicht und luftig dargestellt, Summer ist heiß und ab Fall wird es dann immer düsterer. Das hat viel Spaß gemacht.

Wie entstehen eure Lieder denn genau?

Megan: Wir beobachten beide sehr gerne andere Menschen, hören ihren Geschichten zu. Denn wir versuchen auch, Geschichten zu erzählen. Ich weiß gar nicht, ob der Text oder die Melodie zuerst da ist. Viele Menschen fragen uns danach aber ich denke, das variiert von Song zu Song. Rebecca, was denkst du darüber?

Rebecca: Als ich damit begonnen habe, Songs zu schreiben, war ich noch sehr nervös. Der ganze Prozess hat mit Angst gemacht. Es scheint immer so, als gingen die Menschen in einen Raum, wenden einen Voodoozauber an und haben dann einen neuen, fertigen Song geschrieben. Anfangs hat uns das sehr verunsichert. Aber wir haben herausgefunden, dass man die Fähigkeit, Songs zu schreiben trainieren kann. Je mehr man schreibt, desto besser wird man. Ich musste das richtig lernen. Und dann setzt man sich auch nicht immer hin und schreibt sofort. Dann muss man sich dazu zwingen. Wie gesagt ist es immer hilfreich, fremde Leute zu beobachten und man darf auch nicht meine Schwester unterschätzen: Wenn sie mir ihren neuen Song vorspielt, treibt mich das an.

Megan: Typische Geschwisterrivalität! Wenn man aufmerksam durch die Welt geht und viel liest, ist das übrigens enorm hilfreich. Da fliegt einem vieles zu. Nebenbei: Hast du schon unsere neue EP „Thick As Thieves“ gehört?

Ja klar! Ich finde sie ziemlich gut, besonders gefällt mir die Live-DVD. Das Ambiente des Konzerts war aber schon etwas sonderbar, oder?

Rebecca: Die Kostüme! Die Geschichte dahinter: Wir haben die DVD in Norwegen aufgenommen. Im nördlichen Teil Norwegens. Wir haben dort in einer Mittelalterkneipe gespielt wo es keine Elektrizität gibt, alles wird mit Kerzen beleuchtet, man isst mittelalterliches Essen und alle sind der Zeit entsprechend gekleidet. Die Besitzer des Ladens haben uns dann gefragt, ob wir nicht auch diese Kleider tragen wollen und wir haben gleich zugestimmt. Du hättest die Schuhe sehen sollen!

Megan: Oh ja, die Schuhe!

Rebecca: Die Zehenspitzen waren riesig. Und diese Ärmel. Richtig schwer, damit Mandoline zu spielen! Die waren wie Schmetterlingsflügel! Wir hatten so viel Spaß, aber es war schon ziemlich verrückt. Verrückt aber schön.

Ein älteres Interview mit Rebecca Lovell zur „Spring EP“ findet sich hier. Das Interview führte Julian Auringer von diekopfhoerer.eu.


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Larkin Poe – Thick As Thieves

Posted on 28 Juli 2012 by Julian

Larkin Poe Thick As Thieves CD Cover

Wir erinnern uns: 2010 überzeugte das Larkin Poe Debüt auf ganzer Linie. Nach dem zweiten Album verloren wir die Lovell Schwestern leider ein wenig aus den Augen. Nun erscheint mit Thick As Thieves die inzwischen fünfte EP, der auch gleich noch ein obskures Konzert aus dem kleinen Ort Sunnfjord in Norwegen beiliegt. Hier sehen wir eine Band ohne Bassisten in einer Mittelalterkneipe spielen. Akustisch hörenswert, optisch sehenswert. Leider etwas kurz geraten. Die neuen Songs schließen nahtlos an die älteren EPs an, Songs wie Play On und On The Fritz sind gewohnt starkes Material. Doch man hat sich auch weiterentwickelt. Die gemeinsamen Kompositionen sind filigraner geworden und rocken trotzdem. Nun gesellen sich auch Hammondorgeln und ein Sopransaxophone zum Klangbild hinzu. Alles in allem die stärkste Platte seit Spring.

Erschienen bei 2 Def Pig.

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 ★★★★☆ 

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 ★★★★☆ 

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Larkin Poe in der Blues Garage Isernhagen: In Georgia ist es sehr viel heißer!

Posted on 10 Juli 2012 by Julian

Larkin Poe

„In Georgia ist es jetzt sehr viel heißer!“ erzählte uns Rebecca Lovell im Interview. Ja, es scheint zu stimmen: Die Mädchen in Georgia sind wirklich ein klein wenig heißer als anderswo. Die beiden Frontfrauen Rebecca und Megan Lovell gründeten nach der Trennung ihrer Bluegrass-Band The Lovell Sisters (damals noch mit ihrer Schwester Jessica) Larkin Poe, eine fantastische Band mit unglaublichen musikalischen Fähigkeiten. Rebecca Lovells Finger fliegen nur so über das Griffbrett ihrer Mandoline, ihre Schwester Megan an der Lapsteel lässt die Funken fliegen. Aber auch die Backingband, bestehend aus Chad Melton (Schlagzeug), Rick Lollar (elektrischen Gitarre, Gesang) und Robby Handley (Bass) sind weit mehr als nur gesichtslose Sidemen. Wer sie solieren sieht, wird mitgerissen, muss die Musik ganz in sich aufnehmen. Und dann die Stimme Rebecca Lovells! Bestechend emotional, rockig und voller Soul, weit abseits gängiger Sangesklischees. Es ist den Schwestern hoch anzurechnen, dass sie trotz ihrer inzwischen 35 eigener Songs immer wieder Coverversionen spielen – sei es Teardrop (Massive Attack), Wade In The Water (Traditional), Gulf Coast Highway (Nanci Griffith), Bleeding Heart (Jimi Hendrix) oder Money (Barrett Strong). Denn hier zeigt sich erst Recht die Qualität der Band. Money, ein 4-Akkord-Song entwickelt sich da schon einmal zu einer Jam-Orgie. Weniger ausschweifend als The Grateful Dead, dafür umso treibender. Aber auch Wade In The Water war nicht weniger intensiv und verwandelte die Blues Garage in einen kleinen Club in den amerikanischen Südstaaten während Bleeding Heart vor allem Rick Lollar und Megan Lovell forderte. Man kann jedem Fan des amerikanischen Folkrocks nur raten, einmal in seinem Leben Larkin Poe gesehen zu haben. Spielfreude gepaart mit einer unfassbaren Bühnenpräsenz (Rebecca Lovell könnte die weibliche Version von Mick Jagger sein) und jeder Menge guter Songs (z. B. Long Hard Fall, Burglary, Play On) sieht man selten. Hingehen!

Bandseite Larkin Poe.

Photocredit by Julian Auringer, diekopfhoerer.eu


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Willie Nelson – Heroes

Posted on 14 Mai 2012 by Julian

CD Cover Heroes

Bereits der zweite Musiker diese Woche der über 70 Jahre alt ist, aber trotzdem noch Feuer im Hintern hat. In den letzten Jahren hat der auf Maui lebende Musiker (Willie Nelson lebt in einer beinahe autarken Umweltsiedlung, zu seinen Nachbarn gehört auch Kris Kristofferson) nur noch Musik gemacht, die ihm am Herzen lag. Leider war auch viel obskures dabei wie die unsägliche Stars And Guitars Reihe. Doch gab es auch immer wieder Volltreffer: Country Music, You Don’t Know Me, It Always Will Be (tolle Duette) und Countryman (das unterschätzte Reggaealbum) gehörten dazu. Heroes ist irgendwo dazwischen. A Horse Called Music schreckt dank denkbar danebenliegender Gesangsspur anfangs etwas ab, spätestens wenn Urgestein Merle Haggard dazu stößt entwickelt sich jedoch ein ganz wunderbares Stück Musik. Roll Me Up, die Kifferhymne mit Snoop Dogg, Kris Kristofferson und Jamey Johnson, ist Ohrwurm und gleichzeitig die Provokation des Albums (in Amerika wurde Nelson bereits von Politikern als kiffender Creep beschimpft). Die Überraschung ist jedoch der Sohnemann Lukas, dessen Stimme noch nasaler als die des Vaters klingt, dessen Songwritertalent aber definitiv ebenso vererbt wurde. Überhaupt ist die Platte wie ein Familientreffen. So ist auch Sheryl Crow dabei, jene Musikerin, die seit dem selbst betitelten Zweitling nicht mehr wirklich musikalisch erfolgreich war (im künstlerischen Sinn!). Lediglich Norah Jones fehlt. Wenn man von den aktuellen Stammgastmusikern spricht.

Erschienen bei Sony Music.

Subjektiv:

 ★★★☆☆ 

Obbjektiv:

 ★★★☆☆ 

Comments (1)

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