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Yusuf – Tell ‘Em I’m Gone

Posted on 25 November 2014 by Julian

Yusuf Islam Cat Stevens 2014

Ein Yusuf-Album, das zum Teil von Rick Rubin produziert wurde? Da wird der alte Cat-Stevens-Fan neugierig. Nachdem Yusuf viele Jahre lang die Musik aufgegeben hatte, sich den religiösen Themen widmete und sich ganz der Wohltätigkeitsarbeit hingab veröffentlichte er bereits vor einigen Jahren wieder ein paar Alben, die jedoch nicht wirklich überzeugen, nicht mit den alten, perfekten, Klassikern mithalten konnten. Die Songs wirkten gefällig, besaßen keine Ecken und Kanten, waren zu glatt und wenig einprägsam. Man hörte die Alben und pfiff hinter her die Klassiker der 1970er Jahre. Heute erinnert man sich kaum noch an sie. Mit Tell ‘Em I’m Gone kehrt Yusuf jedoch nicht zu seinen Wurzeln zurück, wie man es vermuten würde, wenn man die Arbeitsweise Rubins kennt, sondern versucht etwas völlig neues, was man ihm so sicher nicht zugetraut hätte. Es ist ein R&B, Country und Roots Album geworden, eines, das den Hörer zu den Wurzeln der amerikanischen Popmusik führt und sich erstaunlich gut anhört. Zu seinen Mitstreitern zählen dieses Mal keine geringeren als Richard Thompson, Tinariwen, Charlie Musselwhite, Bonnie ‚Prince‘ Billy und der South African Vocal Choir, Musiker also, die man mit Yusuf nicht in Verbindung bringen würde. Yusufs Stärken sind hier so präsent wie schon lange nicht mehr. Seine Stimme klingt immer noch ausgezeichnet, nur um wenige Jahre gealtert, sein Gitarrenspiel hat immer noch die einfühlsame Note von einst. Bei einigen Stücken nimmt sicher der Künstler sogar die Freiheit, die Melodien abzuändern, persönlich einzufärben, was schließlich dazu führt, dass man schnell vergisst, dass es sich hier nicht um Yusuf-Originale handelt. Dying To Live, geschrieben von Edgar Winter, wird den Hörer gefangen nehmen, ihn nicht mehr loslassen. Es scheint, als wäre der Song für niemand anderen als Yusuf geschrieben worden, als hätte die Musikwelt nur auf diese, übrigens selbstproduzierte, Aufnahme gewartet. Yusuf gelingt es mit Tell ‘Em I’m Gone an die Magie früherer Alben anzuknüpfen, ohne sich dabei zu plagiieren.

Erschienen bei Sony Music / Legacy.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★☆☆ 

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Mrs. Greenbird – Postcards

Posted on 11 November 2014 by Julian

Mrs_Greenbird_Postcards

Kennt man eigentlich noch Mrs. Greenbird? Jenes Duo, das bei einer dieser unzähligen Castingshows völlig unerwartet gewann? Unerwartet deshalb, weil Sarah Nücken und Steffen Brückner tatsächlich Charme, Witz und Talent besitzen (was man z.B. auf ihrem recht gelungen Beitrag zur Leonard Cohen Cover-CD Poem nachhören konnte). Der seriöse Musikkritiker, der folkaffine Journalist, ignoriert solche Musiker natürlich, will nichts mit Castingshows zu tun haben (völlig egal, dass die Band bereits als eingespieltes Team antrat und sich nicht erst durch die Show konstituierte). Es ist ja auch ein durchaus nachvollziehbarer Reflex. Auch auf unserer Seite gab es Vorbehalte. Im Blindtest (wieder Poem) gefiel uns die Band jedoch ziemlich gut. Die neue Single von Mrs. Greenbird zündete hingegen sofort. Produziert von Marshall Altman (Brooke Fraser, William Fitzsimmons, Amy Grant), dem es zum Glück nicht gelang, Nücken und Brückner die etwas naiven Texte auszutreiben, bietet Postcards jede Menge sympathische Ohrwürmer, in einem angenehm authentischen Sound, dem jedwede Castingvergangenheit abhanden gekommen ist. Der Overly-Manly-Countryfan rümpft natürlich reflexartig die Nase, wenn er Good Ole Ricky hört – ein Song über ein Eichhörnchen. Wir hingegen, die selbst eine beträchtliche Zeit des Lebens mit einem Eichhörnchen mit Namen Eichendorf zusammenlebten, verstehen, was Nücken und Brückner meinen, wenn sie die Zeilen „whenever we are hoe ole ricky‘s there / even when it rains he doens’t care / enjoying life is his philosophy / that’s why he means so much / so much to me // ricky ricky / feels like home to me / every time i see you / that’s where i wanne be“ singen. Postcards ist voll von solchen Texten, schönen Folk & Countryarrangements, die professionell eingespielt wurden. Mrs. Greenbird sind auf dem Weg in die richtige Richtung. Ein wichtiger Schritt nach vorn, vielleicht gelingt es ihnen bald, die Schatten der Vergangenheit abzulegen und ganz und gar autenthisch zu wirken. Ein wirklich schönes Wohlfühlalbum (mit einem m.E. missglückten Cover – besonders im Vergleich zum Singleartwork).

Erschienen bei Columbia / Sony Music.

Subjektiv:

 ★★★☆☆ 

Objektiv:

 ★★★☆☆ 

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Marianne Dissard – The Cat. Not Me

Posted on 23 August 2014 by Julian

The Cat. Not Me.

Marianne Dissard geht mit ihrem offiziellen dritten Album The Cat Not Me einen besonders mutigen Weg: Anstatt auf CD erscheint es nur als Schallplatte und Digitaler Download. Kommerzielle Verträglichkeit sieht anders aus. Andererseits: Sowohl digitale Downloads als auch Schallplatten verkaufen sich immer besser, die Zahlen steigen, während CD-Verkäufe immer weiter zurückgehen. Ob es der richtige Schritt war, zumal das neue Album nicht mehr beim alten Label LePop erscheint, sondern über Vacant zu beziehen ist, wird sich zeigen. Anders sieht es auf der musikalischen Seite aus. Hier muss nicht groß diskutiert werden, The Cat Not Me ist das beste Album der Musikerin. Nehmen wir Pomme. Ein düsterer Text trifft auf einen meisterlich komponierten Song. Zentnerschwere Pianoklänge (auf dem Album allgegenwärtig), von Bläsern begleitet, der Gesang wechselt zwischen erhabenem Vortrag und kindlicher Naivität, letztere begleitet von Tamburin und Oboe. Dann die Bridge: Als hätte Brian Wilson persönlich Hilfestellung geleistet (auf dem Teaservideo ab 4:30 zu hören). Harmoniegesang, wieder die Oboe, Windchimes, dann ein kurzes Finale. Großartig! Oiseau schöpft aus Dissards Americana-Erfahrung, erinnert noch am ehesten an ihre amerikanisierten Chansons des Debüts. Neben den üblichen Zutaten überrascht ein Mundharmonika-Solo, unverkennbar gespielt von Mickey Raphael, jenem Willie-Nelson-Mitstreiter, dessen gefühlvoller Stil immer wieder begeistert.

Marianne Dissard hat ihren Stil deutlich weiterentwickelt. Noch immer vermischt sie Einflüsse aus den verschiedensten Genres. Von Surfmusik über Country bis hin zum Chanson oder Industrial findet sich hier wirklich alles Mögliche. Entrückt-schräge Töne (z.B. Melodica), fieberhafte Passagen (das Accordion auf La Partie De Puzzle Du Jardin A La Francaise!) und Sampleediting (exzessiv auf dem enorm stimmungsvollen Doll Circa – was für eine verlassene, kühle Atmosphäre!) treffen auf geerdete Sounds, es wird experimentiert und doch niemals ziellos musiziert. Schubladen waren immer schon etwas für die Anderen.

Ich zeigte mich vom letzten Album etwas enttäuscht, habe es seit damals auch nicht mehr oft gehört. The Cat Not Me jedoch präsentiert eine meisterliche Partnerschaft zweier Songwriter, einen musikalischen Glücksfall, eine Wiedergeburt. Sergio Mendoza und Marianne Dissard liefern ihr Meisterwerk ab, ziehen ihre Hörer in eine düstere Welt hinein (Heureusement Sans Heurt - man höre sich den Text sehr genau an), weit entfernt vom Sound des Debütalbums. Die Zeiten haben sich geändert.

Erschienen bei Vacant.

Subjektiv:

 ★★★★★ 

Objektiv:

 ★★★★★ 

‘The Cat. Not Me’ – Album teaser – Marianne Dissard from Marianne Dissard on Vimeo.

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Crosby, Stills, Nash & Young – CSNY 1974 (Blu-ray Audio)

Posted on 14 August 2014 by Julian

Crosby Stills Nash Youn 1974

Seit einigen Wochen ist das Boxset von Crosby, Stills, Nash & Young nun bereits auf dem Markt. 3 CDs und eine DVD (bzw. in unserem Fall: Eine Blu-ray und eine DVD), ein historisch wertvolles Dokument der Stadiontour von 1974, jener Tour, die der ohnehin bereits durch Woodstock populären Gruppe endgültig Legendenstatus zusicherte, sie zu einem nicht greifbaren Etwas stilisierte. Ursprünglich als Supergroup aus David Crosby (Byrds), Stephen Stills (Buffalo Springfield) und Graham Nash (Hollies gegründet, stieg irgendwann Neil Young ein und blieb vorerst. Nach den Aufnahmen zum legendären zweiten Album (bzw. ersten mit Neil Young) trennte man sich Anfang der 1970er Jahre, es folgte eine enorm einflussreiche Solokarriere für Young. Doch die Fans wollten mehr und so gelang es zwar bis 1988 nicht, ein neues Album aufzunehmen (auf American Dream hätte man allerdings durchaus verzichten können), doch im Rahmen der hier dokumentierten Tour verkaufte sich die von der Band wenig geliebte Kompilation So Far recht gut.

CSNY 1974 lässt nun die zu spät geborenen Fans Einblick nehmen in das Phänomen um die vier Musiker. 81 Stücke in hervorragender Klangqualität wurden im Laufe der letzten Jahre soundtechnisch aufbereitet, ein fast 200 Seiten starkes Begleitbuch angefertigt und eine bildtechnisch sehr durchschnittliche DVD zusammengestellt (unverständlich, warum gerade hier so wenig Zeit investiert wurde, sollte doch mit ordentlicher Nachbearbeitung noch einiges zu machen sein. Man schaue sich z.B. den Restaurationsprozess von Jodorowskys Holy Mountain an, der auf ähnlich schlechtem Material basiert. Andererseits wohnt den Aufnahmen ein gewisser Charme inne). Etwas negativ fällt ins Gewicht, dass die mehrstimmigen Gesänge nicht immer perfekt miteinander harmonieren. Von Harmoniegesang kann stellenweise keine Rede sein, man kennt das Problem bereits von den Livealben der Beach Boys. Davon abgesehen gelang es den Produzenten Graham Nash und Joel Bernstein (dank den ständigen Verbesserungsvorschlägen Neil Youngs) den perfekten Klang zu erschaffen. Alles klingt direkt und warm, die Möglichkeiten des Mediums Blu-ray wurden perfekt ausgelotet. Zwar bietet 4-Way-Street sicher den besseren (und auf Seiten der Harmoniegesänge sicher auch stimmigeren) Einstieg, jedoch finden sich hier einige Neil Young Solosongs, die sonst nirgendwo zu finden sind. Ein Mammutwerk, für Fans unverzichtbar und doch mit Schwächen.

Erschienen bei Rhino.

Subjektiv:

 ★★★☆☆ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 

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Zooey Deschanel: Neues Album im Herbst

Posted on 13 August 2014 by Julian

Zooey Deschanel She & Him

Photocredit by Sam Jones

Dass Zooey Deschanel neben ihrer Schauspielkarriere auch als Musikerin aktiv ist, hat sich in den letzten Jahren rumgesprochen. Nach den ersten beiden She & Him Alben Vol. 1 und Vol. 2 folgte A Very She & Him Christmas, ein Weihnachtsalbum mit diversen Klassikern, sowie das etwas überproduzierte und melodisch eher beliebige Vol. 3. Eine EP mit abgespeckten Songs richtete aber den negativen Eindruck des Albums und ließ auf ein gutes Vol. 4 hoffen. Doch M.Ward und die New-Girl-Schauspielerin Deschanel gehen andere Wege: Im Herbst, so verkündete man jüngst auf der eigenen Facebookseite,  erscheint nun das Coveralbum Classics, auf dem die Lieblingssongs von Deschanel und Ward interpretiert werden. Nach den geglückten Coverversionen der letzten Alben klingt diese Entscheidung doch zumindest vernünftig,  oder? diekopfhoerer sind jedenfalls gespannt.

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Taylor Swift: Worldwide Livestream am 18.08.2014

Posted on 12 August 2014 by Julian

Taylor Swift 2012

Photo Credit by Universal Music

Wenig bekannter Fakt: Der hiesige Autor steht ziemlich auf Taylor Swift und ihre Musik. Vor allem die Countryarrangements ihrer Musik haben es ihm angetan. Es ist interessant zu beobachten, wie es der Musikerin gelingt, poppige Songs derart umzugestalten, dass sie auch in ernsteren Genres funktionieren und es zeigt sich, was für eine talentierte Autorin hinter den Songs steckt. Texte wie Red lassen darüber hinaus ein deutliches Talent für die Verwendung von Worten erkennen, die vielgeschmähten Beziehungsthemen bieten Einblick in das Seelenleben einer Frau Anfang 20, was in dieser Form (Autor = Performer) selten in der Popmusik zu finden ist. Am 18. August 2014 findet nun unter diesem Link ein weltweiter Konzert-Livestream statt, der sich sicher lohnt. Die Show beginnt um 23 Uhr (bzw. 5 PM ET / 2 PM PT).

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Larkin Poe – Kin

Posted on 03 August 2014 by Julian

Larkin Poe

Kin – ein amerikanisches Wort für Familie und Verwandschaft. Ein Wort, ein Albentitel, der von den Megan und Rebecca Lovell mit Bedacht gewählt wurde, beschreibt es doch das enge Band, welches zwischen den Schwestern geflochten ist und alle Alben, angefangen beim inzwischen beinahe vergessenen Debüt When Forever Rolls Around (damals noch mit der dritten Schwester Jessica aufgenommen) durchzieht. Unter dem Namen Larkin Poe traten die Schwestern erstmals nach dem Split der Lovell-Sisters-Band auf. Es folgten die Jahreszeiten-EPs, die EPs Thick As Thieves und Kiling Time (letztere zusammen mit Blair Dunlop), eine Live-DVD sowie das Thom Hell Kollaborationsalbum The Sound Of The Ocean Sound. Kontinuierlich steigerte sich dabei das Songwriting, nach und nach trat Rebecca Lovells Mandoline zu Gunsten ihrer mintblauen Gitarre in den Hintergrund (auf Kin verziert sie trotzdem noch Stubborn Love und Crown Of Fire). Zahllose, umjubeltem Liveshows später, nahm man Anfang des Jahres in Los Angeles endlich das Debütalbum auf. Neu war, dass nun alle Songs zusammen geschrieben wurden. Wo zuvor noch jeder für sich komponierte, ein Wettstreit zwischen Schwestern um den besseren Song bestand, weicht dieser freundschaftliche Kampf nun der Verschmelzung der gemeinsamen Stärken. Vergleicht man den Sound von Kin mit der Debüt-EP Spring, so springt sofort der sehr viel elektrischere Sound ins Ohr. Man vergleiche die Fassungen des Songs We Intertwine miteinander – die Veränderungen treten deutlich hervor. Warum hingegen ausgerechnet dieser Song erneut aufgenommen wurde wird ein Rätsel bleiben. Zwar gehört er durchaus zu den guten Songs der Band, doch hätte Mad As A Hatter, ein bisher nur live präsentierter Song, deutlich besser im Albenkontext funktioniert. Spätestens bei der Zeile „Off with their heads“ wird deutlich, welcher Song den Hörern hier entgeht.

Mit Songs wie Jailbreak, Don’t (geht unglaublich gut ins Ohr!), Crown Of Fire, Elephant, Sugar High, Banks of Allatoona – viele schon von der letzten Tour bekannt, zeigt sich darüber hinaus, dass die Produzenten Chris Seefried (Lana Del Rey) und Damien Lewis (Rihanna) den Sound der Schwestern behutsam behandelten und der Verlockung wiederstanden, aus den beiden Mädchen 08/15 Popstars zu formen. Chris Seefried schrieb immerhin an Jailbreak, Don’t, Sugar High und Jesse mit, die so auch von früheren Sessions hätten stammen können. Den großen Mehrwert der Produzenten spürt man jedoch besonders auf Seiten des Sounds. Direkt, rockig und modern erinnert er mehr an The Sound Of The Ocean Sound denn an die A Band For All Seasons EPs. Besonders erfreulich auch der überdeutliche Blueseinfluss – man höre sich Elephant, High Horse, Sugar High oder Jailbreak an – der Rebecca Lovells Stimme seit jeher besonders schmeichelte (man denke an Burglary oder Fairbanks, Alaska von der Spring EP). Wo wir bereits von Sangesqualitäten schreiben: Mit Overachiever gelingt es ihr, einen unglaublich ehrlichen und direkten Song zu präsentieren, das perfekte Finale für ein ohnehin großartiges Album. Warum ein ähnlicher Song bisher noch nicht aufgenommen wurde? Wir wissen auf diese Frage leider keine Antwort.

Erschienen bei RH Music.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 

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Sheryl Crow – Feels Like Home

Posted on 06 Februar 2014 by Julian

Sheryl Crow

Mal ehrlich: Hätte irgendjemand wirklich geglaubt, dass Sheryl Crow nochmal ein rundum überzeugendes Album vorlegt? Zwar war 100 Miles from Memphis solide, aber mehr als ein paar Hördurchgänge überlebte ihr Soul-Tribut nicht. Ihre Kollaborationen mit Willie Nelson strapazierten die Nerven und ihr Privatleben hätte auch gerne da bleiben sollen, wo es hingehört: ins Private. Denke ich heute an Sheryl Crow, so bringe ich nicht unbedingt Musik mit ihr in Verbindung. Doch das war nicht immer so: In den 1990er Jahren war sie die Untermalung, wenn ich mit meinem Vater abends durch die Stadt gefahren bin und wir Computerspiele kauften. Ihr zweites Album habe ich geliebt, trage ich noch heute auf Händen. Feels Like Home setzt nun endlich da an, wo Sheryl Crow 1996 aufhörte, interessant zu sein. Country, der war immer schon präsent, wir spürten ihn auch in späteren Alben. Er schimmerte durch, durfte aber nie die Oberhand gewinnen. Und jetzt? Jetzt liegt uns eine Country-Rock-Platte vor, die seit Tagen in meinem CD-Player rotiert. Musikalisch spitze, aber auch lyrisch stark zeigt sich eine optisch wie musikalisch kaum gealterte Sheryl Crow, wie man sie seit Jahren vermisst. So singt sie in Crazy Ain’t Original von den Irrungen und Wirrungen unserer Zeit: „Well those neighbors we all tried to stay away from / twelve kids were not enough, they had thirteen / what everybody used to call a freak show / well now we call reality TV“, drückt in Waterproof Mascara auf unnachahmliche Nashville-Art auf die Tränendrüsen (ich muss mich an dieser Stelle mal als Fan solcher Songs outen) und schüttelt einfach so einen Song wie Homecoming Queen aus dem Ärmel. Keine Hymne an jene Feier zum Ende einer Sportsaison, sondern ein trauriger Abgesang auf amerikanische Rituale, die auf ungeschönte Realität treffen: „Twenty-eight shouldn’t look this old / but the last ten years sure took their toll / on the girl in the picture with the plastic crown / that sequined dress wouldn’t fit her now / like it did before the kids […] she swore she wouldn’t get stuck in this town / now she’s cuttin’ coupons two doors down […] yeah too bad life ain’t a local parade / in your uncle’s corvette on a Saturday […] you don’t know that you won’t always be / homecoming queen”. Amerikanisches Kleinstadtleben, wunderbar auf den Punkt gebracht. Kein Mensch ist sein Leben lang Homecoming Queen oder Footballstar, das Leben verändert die Menschen, zerstört ihre Träume und Hoffnungen. Mit Feels Like Home macht Sheryl Crow nach langer Zeit endlich mal wieder alles richtig, zeigt, dass sie immer noch unglaublich gut schreiben kann, wenn sie denn will, ohne dabei ihren Hörern als Gutmensch auf die Nerven zu gehen. Wenn ich jetzt mal wieder mit meinem Vater durch die Nacht cruisen sollte, darf Sheryls Neue nicht fehlen!

Erschienen bei Warner.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 


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She & Him – I Could’ve Been Your Girl

Posted on 22 Mai 2013 by Julian

Zooey Deschanel und M.WardPhotocredit by Autumn De Wilde

Passend zum neuen She & Him Album Volume 3 erscheint heute das Musikvideo I Could’ve Been Your Girl. Diesmal war es Deschanel persönlich, die den Clip konzeptionierte und Regie führte. Dabei habe sie Wert darauf gelegt, möglichst vielen ihrer Lieblingsmusicals Tribut zu zollen.

She & Him – I Could’ve Been Your Girl (Official… von domino

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V. A. – Songs Of Anarchy: Music From Sons Of Anarchy Seasons 1 – 4

Posted on 10 April 2013 by Julian

SAMCRO Sons Of Anarchy

Wenn es im Moment zwei Serien gibt, bei denen ich es kaum erwarten kann, dass neue Folgen ausgestrahlt werden, dann sind es Homeland (mit Claire Danes und der wunderbaren Morena Baccarin) und Sons Of Anarchy. Gutes Storytelling trifft auf Antihelden, denen man einerseits wünscht, sie würden in den Knast kommen und bei denen man andererseits erpicht darauf ist, zu sehen, welche Dreistigkeit sie sich als nächstes herausnehmen. Deren unmoralisches Handeln dafür sorgt, dass die Welt in ihrem Ort noch einigermaßen in Ordnung ist. Eine Serie die den großen amerikanischen Freiheitsgedanken verkörpert, wie keine andere und die unverblümt zeigt, welche Gefahren der Kapitalismus und Gentrifizierung birgt. Mit der wunderbaren Katey Sagal, die vielen noch als Peggy Bundy bekannt sein dürfte und hier zur Höchstform aufläuft, immer wieder für grandiose Szenen sorgt (z. B. die mit dem Skateboard in Season 1). Der Soundtrack verkörpert die Serie perfekt. Nahezu alle Stücke wurden mit der Band The Forest Rangers neu eingespielt, was trotz verschiedener Sänger für Geschlossenheit sorgt. Unter den Interpreten finden sich u. a. Curtis Stigers, dessen Serienthema ein wahres Highlight ist, Katey Sagal, die wirklich gut singen kann oder die wunderbare Audra Mae. Stücke von Anvil (der sympathischsten Metalband überhaupt), The Lions, Battleme, Franky Perez und The New Roses runden das Paket ab, lediglich Alison Mossharts Interpretation von What A Wonderful World wirkt aufgesetzt (was man nicht erwarten würde) und Los Tiempos Van Cambiando von Franky Perez (ein Dylan-Cover) wirkt beim ersten Hören etwas kraftlos, entwickelt aber seinen ganz eigenen Charme. Songs Of Anarchy hält was es verspricht und bietet, dank Katey Sagal, eine gelungene Überraschung. Fans der Serie sollten zugreifen.

Erschienen bei Sony Music.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★☆☆ 

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Larkin Poe & Thom Hell – The Sound Of The Ocean Sound

Posted on 14 März 2013 by Julian

Larkin Poe Ocean Sound

Aufmerksamen Lesern wird es nicht entgangen sein: Larkin Poe zählt zu den Bands, die uns besonders gut gefallen. Als vor drei Jahren ihre erste EP Spring erschien, war bereits deutlich heraushören, dass die beiden Schwestern aus Georgia äußerst talentiert sind, ob nun Long Hard Fall, Fairbanks, Alaska oder Burglary – das Material war außergewöhnlich stark und wurde mit viel Leidenschaft eingespielt. Hinzu kam eine Stimme, die selbst die kälteste Seele erwärmen kann. Mit The Sound Of The Ocean Sound erscheint nun nach fünf EPs und einer Live DVD das erste ‚richtige‘ Album. Fünf EPs in nur 3 Jahren ist eine beträchtliche Leistung, bedenkt man die hohe Qualität, auf der sich die Songs bewegen. Das gemeinsame Album mit Thom Hell schafft es dennoch, das bisher eingespielte zu überbieten (oder zumindest der Spring-EP das Wasser zu reichen, dem bisher besten Album der Songwriterinnen). Insbesondere Megan Lovell, die immer ein wenig im Schatten ihrer Schwester stand, aber nichtsdestotrotz solide Song schrieb (und als Co-Autorin so oder so voll und ganz zu überzeugen wusste), erblüht als Songwriterin. I Can Almost, Wait For Me und Shoulder To Shoulder (zusammen mit Braden Taylor geschrieben) gehören zu ihren besten Songs und stechen auch auf Sound Of The Ocean Sound heraus. Rebecca Lovell überzeugt insbesondere mit ihren Songs Widow’s Walk, I Belong To Love und P. S. I Love You, ein Duett mit Thom Hell. Lovell versteht es einfach, interessante Geschichten zu eingängigen Melodien zu schreiben. Die Idee ein Album mit einem weiteren Songwriter aufzunehmen, erweist sich als Glücksfall, denn Hells Stimme passt perfekt zu der Stimme Lovells, seine Kopfstimme erzeugt Gänsehaut und hat nicht weniger Soul als sein weiblicher Gegenpart. Die Plate ist gut produziert und überzeugt auch im Sound, der in den besten Momenten klingt, als stamme er aus einem Cameron Crowe Film. Apropos Crowe: Russell ‚Gladiator‘ Crowe hat anscheinend auch einen Narren an den Damen aus Georgia gefressen. Man kann es ihm nicht verübeln.

Erschienen bei Edvins Record / Sds – Alive.

Subjektiv:

 ★★★★★ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 

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VA – Django Unchained

Posted on 20 Januar 2013 by Julian

django-unchained

Es gibt selten Filme, die mich dazu bewegen, ins (Mainstream-)Kino zu gehen. Bei Filmen von Quentin Tarantino überlege ich mir hingegen immer zweimal, ob ich mich nicht doch aufraffen sollte. Zu oft hat der Mann sein Gespür für perfektes Recycling bewiesen. Nun, ich bin kein typischer Tarantino-Fan. Meine Lieblingsfilme sind Jackie Brown, Death Proof und Kill Bill (insbesondere Vol. 2), nicht gerade die Filme, die der Mainstream liebt. Der erste zu gediegen, der zweite mit zu vielen Dialogen, der dritte Film wird oft als unnötiger Nachklapp empfunden (was – bedenkt man, dass es bei Kill Bill eigentlich nie einen zweiten Teil gegeben hat und man den Film nur ob der Sehgewohnheiten teilte – falscher nicht sein könnte). Dennoch bereitet mir Tarantino immer wieder große Probleme. Das liegt vor allem in der kulturellen Wahrnehmung des jeweiligen Genres, dass er in seinen Filmen verwurstet. Galten Django, Keoma, Il Grande Silencio und Navajo Joe gestern noch als Nischenfilme (wenn auch als stilprägende Nischenfilme!), so sind sie spätestens nach der Kinopremiere gesellschaftlich aufgewertet. Gleiches gilt für die Musik der Filme. Plötzlich hören meine Mitmenschen Leonard Cohen oder The Delfonics, Musik die nicht erst seit ihrer Zweitverwertung gut ist. Und nun, nachdem Tarantino einen Haufen Filmmusik direkt von Vinyl auf CD gepresst hat, wird wohl plötzlich analoges Rauschen – mehr als bisher – en vogue sein. Kulturelle Aufwertungsstrategien, die ich nicht verstehen will, die mir auch Pierre Bordieu nicht zufriedenstellend erklären kann. Gut ist gut und bleibt gut, auch ohne ein massenmediales Echo. Man lese nur mal die Kommentare auf dem Django-Unchained-Soundcloud-Account. „Boah, toller Song!“, „Grandios!“, „Morricone ist der beste Komponist“. Dinge, die auch schon vor Tarantino klar waren. Oder auf Youtube. Da steht dann bei einem Film, dessen Musik im Soundtrack verwendet wurde: „DJANGO UNCHAINED!“ Gut, für seine Fans – oder besser: den Hipstern unter seinen Fans – kann der Meister natürlich nichts und ich halte ihm zu Gute, dass er Trashkultur konserviert. Ohne ihn gäbe es zig Filme nicht auf DVD, viele Soundtracks wären nicht wieder aufgelegt worden etc. Zudem sind seine Arbeiten einfach gut. Da kann man sagen, was man will. Und sein aktueller Soundtrack? Schlägt ein wie eine Bombe. Das gab es seit Kill Bill nicht mehr. Insbesondere Inglourious Basterds bildete da den traurigen Höhepunkt (und das trotz des grandiosen Films, aber das Kriegsfilmgenre gibt musikalisch leider wenig anderes her). Nun ist der Mann aber wieder musikalisch ganz bei sich. Über die Dialogfetzen kann man nach wie vor streiten (ich mag sie nicht, sie stören den Hörfluss), die Musik jedoch ist fantastisch. Luis Bacalov, der mit Il Postino, dem Concerto Grosso der New Trollz und seinen Astor Piazolla-Bearbeitungen unvergessen bleiben wird, liefert einige seiner besten Stücke. Das Django Thema und Lo Chiamavano King (gesungen von der wunderbaren Edda Dell’Orso), aber auch La Corsa sind musikalische Monolithen. Unverwüstlich. Im Westerngenre zog ich ihn immer Morricone vor, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Überdies gibt es noch alte Tracks von Riz Ortolani, Ennio Morricone oder Jerry Goldsmith (Nicaragua ist ein fantastisches Stück Musik). Dazu neue Stücke von Anthony Hamilton, der medial mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, Rick Ross und Jamie Foxx, James Brown und 2Pac, Dege Legg (entstand allerdings nicht extra für den Film) und Ennio Morricone himself. Für mich die große Enttäuschung der CD. Nicht, dass die Musik schlecht wäre, aber Elisa Toffoli ist einfach zu sehr in den Vordergrund gemischt und kann dem Vergleich mit Edda Dell’Orso oder Milva nicht standhalten. Sie versteht es leider nicht, die italienische Eleganz alter Filmballaden einzufangen. Gerade aus der Zusammenarbeit Tarantino/Morricone hätte ich mir mehr erhofft. Dennoch, schlecht ist das Stück nicht. Aber kein Vergleich zu alten Arbeiten des Meisters. Andererseits: Kann man die Erwartungen erfüllen, die eine solche Zusammenarbeit hervorruft? Jetzt mal ehrlich, ohne die mitschwingende Euphorie? Die Zutaten sind jedenfalls alle dabei – ob Hammondorgel oder Westerngitarren. Die Überraschung des Soundtracks ist jedoch der fast vergessene Jim Croce. I Got A Name ist eines dieser ganz besonderen Lieder von erhabener Qualität. Und Tarantino hat noch etwas mehr zu bieten: Mit Franco Micalizzis Trinity (Titoli) findet sich ein Teil der Filmmusik aus Die rechte und die linke Hand des Teufels, der ersten echten Spencer/Hill Westernkomödie – auf einem Soundtrack zu einem Film, der sich mit der Sklaverei befasst! Leider fehlt jedoch u. a. die Musik aus dem Django Trailer, Ain’t No Grave von Johnny Cash. Schade drum.
Django Unchained ist einer dieser Soundtracks der eigentlich alles richtig macht. Ein Sampler, der viele gute Stücke vereint und lediglich durch die Dialogfetzen etwas zerfahren wirkt. Die Verpackung stört doch sehr, wir haben es wieder einmal mit einem Digipak der bösen Sorte zu tun. Anscheinend ist das jetzt die neue Mode. Wozu muss eine CD auch Kratzfest verpackt sein, wenn man an 50 Cent Verpackung sparen kann? Und doch bleibt eine Frage: Wo ist Track 24? Ode To Django von RZA? Man wird es wohl nie erfahren.

Filmkritiken: Jason Auric, Owley

Erschienen bei Universal.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 

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