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Interview mit Patty Moon

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Interview mit Patty Moon

Posted on 14 Mai 2012 by Julian

Die Illustratorin und Sängerin Judith Heusch und der Arrangeur Tobias Schwab veröffentlichen seit Jahren intelligent-entrückte Platten unter dem Bandnamen »Patty Moon«.

Photocredit (c) by Britt Schilling

Die Standardfrage zu Erst: Wie habt ihr zu eurem Bandnamen gefunden?

Judith Heusch: Patty Moon kommt vom Song »Peppermint Patties«. Vor gut 10 Jahren sind wir mal auf einem Festival aufgetreten – eines der ersten Festivals auf dem wir spielen durften – und dann wollte man von uns wis-sen, wie man uns ankündigen soll. Bis zum Auftritt hatten wir noch 5 Minuten Zeit und da mussten wir uns rasch entscheiden. Wir haben dann einfach zwei Songs von uns, »Peppermint Patties« und »Me And The Moon«, kombiniert. »Me And The Moon« ist übrigens einer der Songs, die wir auf der ersten Platte mit Streichern aufgenommen haben.

Tobias Schwab: Wir haben uns damals überlegt, dass es cool wäre, einen Bandnamen zu haben, der einerseits als Künstlername – man kann sich also vorstellen, Judith sei Patty Moon – andererseits aber auch als Bandname funktioniert.

Judith Heusch: Und genau das ist eine Sache, die wir bis heute nicht so genau definiert haben: Bin ich Patty Moon oder sind wir Patty Moon. Eine Identitätskriese.

Tobias Schwab: Dieses undefinierte Verhältnis finde ich aber sehr gut. Also auf den Platten schreiben wir ja auch immer drauf: »Patty Moon – Vocals«. Eine kleine Spielerei.

Also ähnlich wie bei »Blondie«, wo »Blondie« eigentlich Debbie Harry ist und nicht »Blondie«.

Tobias Schwab: Oder eben doch! Wir würden uns übrigens als Duo definieren.

Judith Heusch: Genau. Wir sind die zwei Macher. Komposition uns Arrangement ist immer unsere Sache. Wir haben aber auch schon viel mit anderen Musikern gearbeitet, aber der Kern der Band sind wir.

Tobias Schwab: Man kann es so beschreiben, dass wir ein Künstlerduo sind, das sich je nach Platte oder Auftrittsmöglichkeit seine Musiker sucht. Das sind dann immer so Phasen, wo dann ein Schlagzeuger mit auf Tour geht etc.

Judith Heusch: Wir hatten auch mal eine Zeitlang zwei Schlagzeuger dabei, die Festivals der jüngsten Vergangenheit wurden von einem Streichquartett begleitet, das war super, aber bei sowas kommt es immer auf die Größe des Festivals an. Ob man sich das leisten kann. Meistens kann man das gar nicht. Im Moment ist uns die Zweisamkeit irgendwie am liebsten.

Tobias Schwab: Was aber die Studioarbeit angeht: Da entstehen die Songs zwischen uns beiden und alles was da dann dazu kommt, wird angemietet, also wenn wir sagen, wir hätten als Begleitung gerne ein Streichquartett dabei – oder eine Trompete.

Judith Heusch: Ich bringe es mal auf den Punkt: Wir würden es nicht ertragen, wenn jemand anderes noch mitbestimmen würde. Wir zwei sind ziemliche Eigenbrötler. Ich schreibe die Songs am Klavier, Tobias bekommt dann die Urversionen und beginnt, sich an die Arrangements zu setzen, produziert und macht auch die Zwischenteile oder schreibt mal ein Teil um oder so. Wir sind schon beide ziemliche Dickköpfe und da würde es mit weiteren Personen nur Schwierigkeiten geben. Wenn jemand da versucht reinzureden, gibt es nur Probleme!

Ihr habt diesen »Peanuts« Bezug im Namen und der taucht ja folglich auch im Song »Peppermint Patties« auf – habt ihr ein besonderes Verhältnis zu den »Peanuts«?

Judith Heusch: Ich liebe die »Peanuts«! Stundenlang kann ich die lesen, sie sind großartig! Charles M. Schulz ist für mich einer der größten Zeichner überhaupt… Ich finde diese 4-Panel Sache, diesen Minimalismus, der aber alles aussagt, fantastisch. Was da alles für Typen bei sind! Gut, die Mädchen schneiden ein bisschen schlecht ab, das sind immer die fiesen Schwestern… Also die sind doch wirklich fies, oder? Sally und die doofe Lucy – wahrscheinlich hat Schulz unter einer großen Schwester gelitten. Und dann gibt es da auch noch Snoopy, der ist so wunderbar größenwahnsinnig! Einer meiner Lieblingsstrips spielt mit diesem Größenwahn: Snoopy schreibt ein Buch und die erste Zeile lautet immer »Es war eine finstere und stürmische Nacht«, womit Schulz ihn Edward Bulwer-Lyttons Roman »Paul Clifford« zitieren lässt. Genial. Aber auch die anderen Berufe sind toll, z. B. wenn er als Anwalt arbeitet oder sich für den roten Baron hält. Von den »Peanuts« habe ich übrigens noch diese alten, orangenen, viereckigen Alben und ich liebe sie! Die sind heilig! Vor kurzem habe ich erst einen Strip gefunden wo Charly Brown seinem Hund Snoopy die Zeitung vorliest. Die Pointe lautet: »Es ist immer sinnvoll, einen guten Draht zur Presse zu haben!« Den habe ich dann einem befreundeten Journalisten geschickt. Ich finde es faszinierend, dass bei den »Peanuts« die Welt auf wenige Bilder reduziert ist.

Und warum hast du dir für den Song ausgerechnet Peppermint Pattie ausgesucht?

Judith Heusch: Das Lied ist eine Loosergeschichte und Peppermint Pattie verkörpert die Looserin perfekt. In der Schule schlittert sie immer gerade so an einer 5 vorbei, sie trägt blöde Schuhe und hat sich obendrein auch noch in Charly Brown verliebt. Ich meine das prägt doch für das ganze Leben… Was hast du noch für Chancen, wenn du dich in den verliebt hast? Und dann nennt sie ihn auch noch ständig »Chuck«!

Tobias Schwab: Marcy sagt zu ihr immer „Schätzchen“, oder?

Judith Heusch: Marcy sitzt in der Klasse hinter Patty und sagt immer »Chef« zu ihr. Das ist so ein Schwachsinn! Das ist genial. Diese Art von Mobbing bleibt über Jahre und in der ganzen Zeit checkt sie das nicht…

Ich liebe ja Lucy, die Charly Brown hänselt und ihn anschließend therapiert! Grandiose Gesellschaftskritik!

Judith Heusch: Fein, oder?

Tobias Schwab: Subtil…

Den guten Song erkennt man immer daran, dass man ihn ganz unterschiedlich begleiten kann.


Die Gesellschaft, die einen krank macht und gleichzeitig eben die Psychotherapien verordnet.

Judith Heusch: Ich mein das sind so Menschen mit zwei Gesichtern. Bei den »Peanuts« ist einfach alles vertreten – wie die Menschen sich gegenseitig fertig machen und danach lustig sind… Und um auf den Song »Peppermint Patties« zurückzukommen, der handelt von einem Freund den ich hatte, bei dem ich gemerkt habe, dass ich da nichts wert bin. Da habe ich nur gedacht: Ich halt bei der Welt nicht mit. Partys usw. Da halt ich nicht mit. Da habe ich nichts mit am Hut.

Judith, woher kommen die Inspirationen für deine Songs?

Judith Heusch: Ich schreib nur, wenn irgendwas da ist. Was das genau ist, kann ich gar nicht so genau fassen. Ich setz mich jetzt nicht in allen Stimmungen ans Klavier und klimpere und gucke, was dabei herauskommt. Dass ich das auch kann, habe ich bei meinen jüngsten Arbeiten fürs Fernsehen und Kino gemerkt. Es funktioniert, genau wie ich auch Songs auf Deutsch schreiben kann, die üb-rigens ziemlich gut ankommen, aber mit denen möchte ich mich gar nicht so sehr identifizieren, denn auf Deutsch schreibe ich nicht so gerne. Generell kann man sagen, dass bei mir von zwanzig Ideen eine übrig bleibt, die genau ausdrückt, was ich sagen will. Wenn man mal bedenkt, dass wir mit der Musik kein Geld machen – die letzten Jahre waren in finanzieller Hinsicht ein Verlustge-schäft, das Finanzamt hat uns jetzt Liebhaberei bestätigt – dann geht man da auch viel gelassener ran und zwingt sich nicht. Die Filmmusik hat im Übrigen dafür gesorgt, dass ich inzwischen deutlich schneller arbeiten kann, wenn ich denn möchte. Die Mu-sik ist für mich ein Medium, das ich nutze, um etwas darzustellen, was man sonst nirgends finden kann. Du kannst eben manche Sachen nur in einem Gedicht oder einem Bild oder einer Komposition finden. Aus diesem Grund ist die Musik für mich eine tiefe Befriedigung. Für die Musik brauche ich übrigens, im Vergleich zum Text, nicht lang. Bei den Texten dauert es, ehe ich sage: »Die Zeile lass ich so.« Das wird auch immer schlimmer. Man muss auch einfach damit leben, dass die Musik plötzlich einfach da ist. Manche Stücke sind wie fremdbestimmt. Für die neue Platte habe ich im Moment acht Fetzen, bei denen ich weiß, um was es gehen wird und eine ungefähre Ahnung von der Musik habe ich auch bereits, aber noch nichts Konkretes. Das entsteht dann beim Spazierengehen oder Abspülen, da kommt dann der besondere Moment, wo man weiß, was wie zusammengehört. Welche Landschaft da hinein gehört. Es ist schon eine gewisse Erkenntnis, man setzt sich schon mit Dingen auseinander und möchte bestimmte Situationen treffen. Das ist musikalisch eine lange Entwicklung. Bei den Kinosachen konnte ich wirklich unter Druck schreiben. Das hat mich gewundert. Ich wusste nicht, ob ich in zwei Wochen einen Song schreiben kann, der dann auch für mich passt. Mit den Texten bin ich jetzt nicht so ganz zufrieden, aber es ging tatsächlich. Doch mich selbst möchte ich nicht unter Druck setzen. Es ist viel besser, wenn es wächst.

Wie lange arbeitet ihr dann an den Songs?

Judith Heusch: Bei mir kann es einen Tag oder ein Jahr dauern. Manchmal geht es ganz schnell, da habe ich alles an einem Mittag zusammen und ich weiß ganz genau, was es ist. Aber ich habe keine Ahnung, woher das Stück gekommen ist.

Tobias Schwab: Für Arrangements gilt dasselbe. Es kann sein, dass ich eine Idee habe und einen ersten Entwurf vorspiele, der es genau trifft – oder man arbeitet mehrere Monate. Dann kann es auch passieren, dass es mir gefällt und Judith nicht, dann reiht sich eine Version an die andere.

Judith Heusch: Die Filmmusik war das Erste, wo wir wirklich auf Anschlag fertig sein mussten und es geklappt hat. Es geht auch sofort, das weiß man jetzt.

Tobias Schwab: Bei der »Dream Up« – EP war es auch so, dass wir da erstmals eine ziemlich kurzfristige Deadline hatten. Es war eine sehr spontane Idee mit wenig Zeit zum überdenken und es ist witzig, dass der Promoter des Albums danach meinte, wir sollen immer so arbeiten. Das Direkte ist manchmal ganz gut.

Judith Heusch: Es ist dann auch so, dass viele den Unterschied zwischen den Versionen gar nicht erkennen. Tobias überlegt tagelang über einen Sound oder was auch immer und es bringt nichts, das haben wir schon so oft festgestellt. Das Spontane ist manchmal echt am besten. Den guten Song erkennt man immer daran, dass man ihn ganz unterschiedlich begleiten kann.

Tobias Schwab: Was bei uns manchmal zu Spannungen führt, ist, dass die Songs eigentlich alle gut sind, sie aber vielfältig arrangiert werden können und Judith dann die erste Idee nicht gefällt, sie ihren Song darin nicht wiederfinden kann und es aber doch ihr Stück ist. Das Arrangement würde funktionieren, aber es ist nicht ihr Sound, den sie sich vorstellt.

Du sagst, dass die Filmmusik dein Produktionstempo steigert. Fühlt ihr euch nicht eingeengt durch das Medium?

Judith Heusch: Ach, so große Filme waren das ja nicht!

Tobias Schwab: Zum anderen war das eine sehr freie Zusammenarbeit. Besonders die mit Geißendörfer da ging es ja nur um einen einzigen Film, wo wir wirklich konkret Filmmusik geschrieben haben und er hat uns da auch völlig freie Hand gelassen. Das war ganz lustig: Eigentlich war vom Regisseur aus nur ein Song geplant und da haben wir ihm dann zwei Songs vorgelegt, von dem er dann einen auswählen sollte. Doch er fand dann beide so toll, dass er den zweiten Song unbedingt unterbringen wollte. Also an einer anderen Stelle als eigentlich geplant war.

Die »Lindenstraße« und Patty Moon sollten auf gar keinen Fall verknüpft werden, das sind zwei unterschiedliche Betätigungsfelder.

Nach »In der Welt habt ihr Angst« hast du, Judith, ja auch in der »Lindenstraße« mitgespielt. Ist es dir denn mal passiert, dass dich mal jemand auf der Straße mit deinem Seriennamen angesprochen hat? So ein Spinal-Tap-Moment?

Judith Heusch: Nee. Oder doch! In unserem Dorf! Ich habe geparkt und wollte mit meinem Hund Gassi gehen. Da kam dann einer an und ich dachte, der will jetzt irgendwie rummotzen, weil ich blöd am Feldweg geparkt habe. Der ist mir dann hinterhergefahren und sagt plötzlich: »Sie sind doch…« Der war völlig begeistert, dass in so einem Kaff jemand wohnt, der sowas macht. Das war total lustig, aber auch leider das einzige Mal. Ich habe da ja auch nur in zwölf Folgen mitgespielt und vorher sehr lange gezögert und mir überlegt, ob ich das wirklich machen soll. Aber ich bin dann richtig zum Casting gegangen und habe mir nur gedacht: Wenn ich das jetzt überlebe, dann hab ich schon gewonnen. Ich hatte wirklich eine Riesenangst. Aber zu spielen hat was Erfüllendes, wie ich bald merken sollte. Du bist den ganzen Tag in Anspruch genommen. Auch wenn es die »Lindenstraße« ist – was ich mir eigentlich nicht angucke – hat es mir wirklich gefallen!

Aber die Rolle fördert doch so ein bisschen die Bekanntheit, oder?

Tobias Schwab: Für Patty Moon glaube ich gar nicht…

Judith Heusch: Das wollte ich auch nicht damit bezwecken. Die »Lindenstraße« und Patty Moon sollten auf gar keinen Fall verknüpft werden, das sind zwei unterschiedliche Betätigungsfelder. Aber es ist schon ganz lustig, wenn manchmal Fans vorbeikommen. Bei denen ich 30 Sachen unterschreiben soll. T-Shirts, Bücher etc.

Tobias Schwab: Autogrammjäger…

Judith Heusch: Davon gibt es wahnsinnig viele! Gestern z. B. waren ein paar beim Konzert, da habe ich mir eine Viertelstunde Zeit genommen, um Autogramme zu geben! Auf eine liebenswürdige Art spinnen die halt alle ein bisschen. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich.

Tobias Schwab: Es sind schon zwei verschiedene Welten, die sich nicht wirklich miteinander vermengen lassen.

Judith Heusch: Das merkt man auch an den Songs, die ich für die »Lindenstraße« geschrieben habe, die sind lustig und die finden auch viele gut, aber die sind doch sehr anders.

Habt ihr beide denn eigentlich Musik studiert oder ist das alles autodidaktisch erlernt?

Judith Heusch: Ich bin Autodidaktin.

Tobias Schwab: Ich habe studiert, aber streng genommen ist das Wichtige auch mehr autodidaktisch erlernt.

Judith Heusch: Wir haben beide nichts fertig studiert. Ich arbeite noch als Zeichnerin – aber ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Tobias Schwab: Wir haben beide wirklich nichts!

Judith Heusch: Ich bin ja auch drei Mal von der Schule geflogen. Dann habe ich ganz lange nur bedient und gesoffen und durch Zufall habe ich mich bei der »Micky Maus« beworben. Einfach so, aus Spaß. Ich habe mich selbst gemalt und der Chefredakteur war davon sehr begeistert. Er ist übrigens selbst von der Schule geflogen. Da war man sich gleich sympathisch! Später habe ich gesehen, dass ich gegen 120 Bewerber angetreten bin! Ein absoluter Traumberuf – eine meiner besten Zeiten. Genial.

Ich bin auch von der Schule geflogen.

Judith Heusch: Echt auch?

Ja, dann habe ich mich aber wieder gefangen. Es hat wohl an der Schulgesamtsituation gelegen. Manchmal passt es einfach nicht. Verschiedene Lebenswelten.

Judith Heusch: Es sind oft Situationen, weißt du, da geht es einfach nicht.

Tobias Schwab: Die ganze Notengebung ist ja auch so ein Quatsch.

Judith Heusch: Von der Schule halte ich bis heute nichts. Für Leute wie mich – keine Chance! Ich hab das gehasst!

Ich finde das lustig, wenn Leute von der Schule geflogen sind. Das ist wirklich herrlich, sehr ansprechend.

Judith Heusch: Es gibt so ein paar Leute in meinem Leben, wo ich mich nur bedanken kann, weil ich sonst vielleicht abgerutscht wäre. In der Zeit habe ich wirklich viel Blödsinn gemacht. Doch der Chefredakteur der »Micky Maus« hat mich gesehen und das war schon so eine kleine Rettung aus meiner damaligen Situation. Super, da war ich 20 oder so. War eine echt tolle Zeit. Wir schreiben uns auch heute noch. Bei der »Micky Maus« habe ich u. a. für die Zeichner in Spanien vorgezeichnet. Wir waren die Redaktion, haben uns nicht um die Geschichten gekümmert, sondern um Rätsel, Vorworte etc. Zu meinem Aufgabenbereich zählte auch die Gestaltung der Kategorie »Euer Micky«. Manchmal durfte ich auch an so Psychotests arbeiten. »Bist du fernsehsüchtig?« – sowas in der Art. Lustig, wirklich! Und dann habe ich eben den Spaniern immer erklärt, wie sie z. B. eine Rätselseite gestalten sollen. Dann habe ich das vorher skizziert. Auch heute lebe ich noch von Illustrationen die ich mache.

Was illustrierst du im Moment?

Judith Heusch: Im Moment illustriere ich Schulbücher. Um Geld zu verdienen. In der übrigen Zeit arbeite ich dann an Kindermusicals und Kindergeschichten. Erstere werden bereits von einem Verlag veröffentlicht.

Zurück zur Musik. Wie finanziert ihr eure CDs?

Tobias Schwab: Um die Kosten niedrig zu halten ist es einfach praktisch, wenn man für Instrumente arrangiert, die man selber spielen kann. Da fällt dann schon mal die Gage für weitere Musiker weg. Hinzu kommt, dass wir die Alben bei mir daheim produzieren, denn inzwischen habe ich alles, was wir zum Aufnehmen brauchen und was dann an Kosten noch dazu kommt sind externe Musiker wie das »Pellegrini-Quartett«.

Nehmt ihr analog auf?

Tobias Schwab: Die Instrumente sind in der Regel analog ohne Effektorgien etc. Auch auf Judiths Stimme sind wenig Effekte. Bei Sounds und speziellen Geräuschen versuche ich, so analog wir möglich zu bleiben, versuche aber auch den Klang eines speziellen Effekts zu erzeugen. So streiche ich z. B. ein Mikrofon über die Hose, was dann nach Meeresrauschen klingt.

Ich habe noch ein paar spezielle Fragen zu einigen Songs, die mir besonders gefallen haben. Worum geht es genau in »Singing Nurses«? Ich muss zugeben, dass ich es noch nicht so ganz verstanden habe.

Judith Heusch: Oh Gott, der ist ja uralt, der ist eigentlich auch nur so ein Nebensong gewesen!

Der ist aber ziemlich gut und ich finde es schade, dass ihr den nicht gespielt habt! Genau wie »The Raven« – das sind zwei Stücke, die wirklich außergewöhnlich sind und eine sehr eigene Stimmung besitzen..

Judith Heusch: Interessant! Da hat mich noch nie jemand drauf angesprochen. Das Stück ist für eine Freundin, die aus ganz fiesen Gründen in der Psychiatrie gelandet ist. Also ganz abstrus. Als wir die Platte aufgenommen haben, kam das alles wieder hoch und ich hatte auch wieder Kontakt zu der Freundin, der bis heute anhält. Das hat mich ziemlich berührt.

Tobias Schwab: Das wollte ich unbedingt auf dem Album haben. Da hab ich mich dann durchgesetzt. Also »Dream Up«, diese ganze CD, wurde von einem Journalisten ausgelöst, der bei einem Konzert dieses Lied »Dream Up« gehört hat und meinte, es sei eigentlich ein Verbrechen, dass es dieses Stück noch nicht auf CD gäbe. Er hat sich das dann als Aufnahme gewünscht und dann haben wir ge-dacht, dass er eigentlich Recht hat. Die ganze »Dream Up« – EP besteht aus ein paar alten Liedern, aus unserer Anfangsphase und von der Technik her waren sie noch schlecht produziert. Ein wenig stümperhaft arrangiert, aber eine gute Grundlage, um daraus was zu machen. In der Vorbereitungsphase zur EP haben wir überlegt, was es denn für alte Lieder gibt, die wir schon oft Live gespielt haben und die viele Leute schön fanden oder die uns besonders gut gefielen. Und da war mein Vorschlag eben »Singing Nurses«.

»Dream Up« war stark. Eine richtig gute Platte.

Judith Heusch: Echt? Mein Cousin ist virtuoser Orgelspieler, ein sehr guter Musiker, der mag die auch von allen Platten am liebsten… das ist doch verblüffend!

Was hat das mit »When You Go« auf sich? Ab diesem Stück wirkt das Al-bum »Mimi And Me« sehr konzeptionell.

Tobias Schwab: Die Idee, drei Versionen auf das Album zu packen, stammt eigentlich von einer Freundin. Ich glaube die zweite Version gab es schon länger. Ich habe dann gedacht, man könnte das Stück auch mal anders aufnehmen und so entstand diese verrückte Idee mit den zehn Gitarren und dem Schlagzeug, dann die Idee zur Tom-Waits-Version. Eigentlich waren das nur Angebote an Judith, die sich eine Version aussuchen sollte. Doch dann habe ich die Versionen einer guten Freundin vorgespielt und die konnte sich nicht für eine Version entscheiden. So kam dann die Idee auf, von einem Song drei Versionen zu benutzen, drei Arrangements. Das fand ich faszinierend.

Ja, das verstärkt den Eindruck eines Konzeptalbums.

Judith Heusch: Eigentlich war das gar nicht so gedacht. Die erste Version sollte aufs Album, denn die Plattenfirma war gegen Tobias’ Idee, aber ich fand das immer ganz toll, so ein bisschen entrückt. Man muss dazu auch anmerken, dass »Mimi And Me« unsere poppigste Platte ist. Nimm »Painting Horses«, damit hatte ich ein großes Problem – viel zu poppig für unsere Verhältnisse! Für mich war das ungewohnt, aber irgendwie bleibt es dann hängen und du verliebst dich in das Lied und bist damit verbunden. Die Platte war schon ein bisschen anders als die anderen.

Mich hat die Stimmung, insbesondere durch »When You Go« sehr an »The Lamb Lies Down On Broadway« von »Genesis« erinnert.

Tobias Schwab: Ein schöner Vergleich! Es stand so ja auch im Pressetext, aber witzigerweise hab ich das Album erst nach den Aufnahmesessions für mich entdeckt. Ich kannte von »Genesis« zwei Platten: »Foxtrott« und »Nursery Cryme«. Erst vor kurzem bekam ich von einem Freund die Remix Boxen geliehen und da habe ich die Platte dann erst kennengelernt. Seltsam, denn ich mag die ganze Progrockszene der 70er Jahre. »Yes«, »Kan-sas« etc., aber »Genesis« gingen total an mir vorbei. Komisch, oder?

Judith Heusch: Ich habe ihn auch immer gefragt, warum er die Platten nicht kennt. Peter Gabriel ist für mich auch so ein Musiker, der eine dieser Stimmen hat, die einen gleich mitnimmt, einen davonträgt. Einer der ganz großen Musiker unserer Zeit. Auch was seine Harmonien betrifft, die er verwendet. Einzigartig!

Besonders positive ist mir noch »The Raven« aufgefallen. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Literaturadaption?

Judith Heusch: Ich hatte einen Traum, in dem ein Rabe vorkam. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade viel Edgar Allen Poe gelesen, von ihm stammt ja das Gedicht – ich wusste übrigens nicht, das andere Musiker das schon vertont hatten – und ich hab es gelesen und sofort über ein Stück nachgedacht. Dann habe ich ge-schrieben und es hat alles gepasst. Als ich herausfand, dass es bereits von anderen Musikern bearbeitet wurde, wollte ich den Song eigentlich gar nicht mehr veröffentlichen. Doch ich mag diese anziehende Stimmung, den Text und die Kombination mit dem Stück und so ist es dann doch Teil des Albums geworden.

Das Gespräch führte Julian Auringer.

Das Interview als PDF.

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Tonträger der Woche: Vinicio Capossela – Marinai, Profeti e Balene

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Tonträger der Woche: Vinicio Capossela – Marinai, Profeti e Balene

Posted on 14 Mai 2012 by Julian

CD Cover Marinai, Profeti e Balene

Manchmal gibt es Musiker, die in ihrem Heimatland bereits Unmengen an Alben aufgenommen und verkauft haben, die hierzulande aber unbekannt sind. Vinicio Capossela gehört zu ihnen. Ursprünglich in Hannover geboren, zog seine Familie nach Italien zurück, wo er bereits in jungen Jahren alles las, was ihm vor die Augen kam. Angeblich soll sich die literarische Vielfalt in seinen Texten ausdrücken und ja, die Texte sind definitiv komplexer als der 08/15 Italoschmonz, den einem übereifrige Promoter gerne einmal unterjubeln wollen (Muttertags CD von Giovanni Zarella!). Dennoch fehlt dem italienisch unkundigen Hörer natürlich die Verständnisebene, was man bereits sehr früh merkt. Mehr als nur Amore. Die Musik ist hingegen auch ohne Textverständnis wahnsinnig gut. Irgendwo zwischen Shanty, Melody Nelson Grabgesängen und Tom-Waits-Verschrobenheit (vergleich greift nur gefühlt!) hat sich Capossela seinen ganz eigenen Stil geschaffen, in dem er eher rezitiert denn singt und trotzdem auf zwei CDs keine einzige Minute langweilt. Zu bezaubernd ist der Sog der Musik; Wenn uns der Musiker als Seemann verkleidet vom Plattencover aus angrummelt und man aufmerksam zuhört, spürt man das Meer durch die Wohnung sausen.

Erschienen bei La Cupa / Ponderosa Music & Art.

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Tonträger der Woche (13): Kira – Memories Of Days Gone By

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Tonträger der Woche (13): Kira – Memories Of Days Gone By

Posted on 27 April 2012 by Julian

Kira Skov Memories Of Days Gone By

Ein Billie Holiday Tributalbum? „Nicht schon wieder!“ mag man spontan rufen. Und doch ist Memories Of Days Gone By eine ganz andere Nummer… Weder Ideenlosigkeit noch Selbstüberschätzung waren der Antrieb hinter Kira Skovs neuem Album. Ihre Stimme erinnert auch nicht direkt an Lady Day, ist aber dennoch – oder gerade deswegen – besonders. Man höre sich einmal die Eigenkomposition Am I Mad? an. Was für eine Stück! Wer bei dieser Stimme, diesen Bläsersätzen keine Gänsehaut bekommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Absolute Perfektion. Wenn man sich an ein Stück dieses Albums erinnert, wird es Am I Mad? sein. Doch auch die Coverversionen wissen zu überzeugen, lediglich All Of Me, bereits auf Stardust kongenial von Willie Nelson eingesungen, fällt ein wenig ab, wirkt bieder, kraftlos. Doch der Star des Albums ist neben Kira Skov auch der Produzent Nicolai Munch-Hansen, im STC Studio in Kopenhagen aufgenommen verpasste er dem Album einen Sound, der nach Jazzclub klingt, luftig und verführerisch und da sind wir dann wieder ganz bei Billie Holiday, über die Frank McCourt einmal schrieb: „Oh, Billie, Billie, I want to be in America with you and all that music, where no one has bad teeth, people leave food on their plates, every family has a lavatory, and everyone lives happily ever after.“

Erschienen bei Stunt Records.

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 ★★★★★ 

Obbjektiv:

 ★★★★☆ 

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Album der Woche (12): Tobias Preisig – In Transit

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Album der Woche (12): Tobias Preisig – In Transit

Posted on 14 April 2012 by Julian

CD Cover In Transit

Tobias Preisig ist einigen vielleicht als klassischer Violinist bekannt. Doch auf In Transit ist von klassischer Musik wenig zu hören. Lediglich Transforming ist von Gabriel Faurés Après un rêve beeinflusst und Hallelujah hat auch weniger mit Klassik als mit dem allseits bekannten Leonard Cohen Stück zu tun. Dieses Mal deutlich vom durchschnittlich orientierungslosen Castingmüll entfernt und in der Avantgarde daheim. In Transit ist kein einfaches Werk, Produzent Christian Zehnder, sonst eher als Obertonsänger bekannt, hat ganze Arbeit geleistet und einen musikalischen Koloss geschaffen, den es zu entdecken gilt. Das alles ist schon ein bisschen durchgeknallt, man könnte es auch mit den allseits beliebten Worten: „Befreit den Kraken“ zusammenfassen. Heftig!

Erschienen bei Traumton.

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 ★★★★☆ 

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 ★★★★☆ 

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Album der Woche (11): Jethro Tull´s Ian Anderson – Thick As A Brick 2

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Album der Woche (11): Jethro Tull´s Ian Anderson – Thick As A Brick 2

Posted on 02 April 2012 by Julian

TAAB 2

Als bekannt gegeben wurde, dass Ian Anderson plant, eine Fortsetzung zu Thick As A Brick zu veröffentlichen, gingen beim hiesigen Redakteur in spontan Hysterie alle Lichter aus. Das hatte folgende Gründe: Zum einen ist das Uralbum sein Lieblingsalbum, zum anderen scheint es unübertrefflich genial zu sein. Zu groß die Angst vor einer üblen Enttäuschung. Seien wir einmal ehrlich: In den letzten 20 Jahren, seit mit Roots To Branches das letzte gute Tull-Album erschien (Über Dot Com schweigen wir einfach, ok?), veröffentlichte die Band bzw. ihr Komponist Schrott, der seinen Höhepunkt im vollkommen überflüssigen Plays The Orchestral Jethro Tull, einer Tortur in Form eines Doppelalbums, fand. Es folgten unzählige Hitkollektionen. Andersons Stimme klang fürchterlich. Ein Progalbum schien unmöglich, denn der allseits bekannte Flötist machte keinen Hehl daraus, dass er die Musikrichtung ebenso sehr verachtete, wie auch Surroundmixe seiner Alben. Warum kein neues Album erschien: Die Musiker hätten inzwischen andere Hobbys. Dass Anderson diese Ausreden in früheren Zeiten als Kündigungsgrund betrachtete, lies darauf schließen, dass bestimmte Elemente keine Lust mehr hatten. Warum sich also mit Altlasten abgeben? Doch nun erscheint TAAB 2 mit der kompletten Tull-Mannschaft, minus Martin Barre und Doanne Perry. Sie hätten anderes zu tun, Tull sei nicht aufgelöst, so sagt man. Wer´s glaubt … Es bleibt der Eindruck, dass es Barre war, der seit Jahren den Blues (in vielerlei Hinsicht!) in die Band schleppte. Wie soll man es sich auch anders erklären, dass nun ein grandioses Alterswerk vorliegt, ein Progalbum mit Surroundmix, das voller Melodien ist, dessen Gesang überzeugt (und in den heiklen Passagen einen zweiten Sänger bemüht) und auf dem weder der alte Drummer noch der alte Gitarrist fehlen? Trotz aller nostalgischer Gefühle insbesondere Barre gegenüber, kann man den Neuen an der Gitarre, Florian Opahle, nur loben. Er macht einen ebenso guten Job, gleiches kann man über John O´Hara an der Hammondorgel sagen (auch als Arrangeuer David “Dee” Palmer ebenbürtig). Einzige Kritikpunkte: Im Gegensatz zu TAAB 1 handelt es sich nicht um einen Longtrack und das neue Album klingt auch nicht ganz so jugendlich. Doch beschrieb das Original die Gefühle eines Zehnjährigen, der Nachfolger die eines Fünfzigjährigen. Passt also. In allen vorgeschlagenen Biografien des Gerald Bostocks wendet sich das Blatt irgendwie zum Guten. So verhält es sich auch mit Ian Anderson. Nach langer Sinnsuche folgt nun das wohl sinnigste Vermächtnis des Schotten. Hoffentlich ramponiert er es nicht wieder. Anmerkung zur Bewertung: Eigentlich sollte man ob des Cover und Inner Sleeve Designs einen Punkt abziehen.

Erschienen bei EMI / Chrysalis.

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 ★★★★☆ 

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 ★★★★☆ 

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Album der Woche (10): Deutsche Filmkomponisten Folge 9 – Gerhard Heinz

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Album der Woche (10): Deutsche Filmkomponisten Folge 9 – Gerhard Heinz

Posted on 27 März 2012 by Julian

Gerhard Heinz CD Cover

Bear Family Records, die uns immer wieder mit tollen Werkschauen deutscher und internationaler Künstler beglücken, gelingt es mit der Serie Deutsche Filmkomponisten auf ganzer Linie zu überzeugen. Begeistert Franz Grothe noch mit den Musiken zu Heimatfilmen wie Das Wirtshaus Im Spessart, Die Trapp-Familie In Amerika oder Der Letzte Fußgänger, so wendet sich Gerhard Heinz den etwas zwielichtigeren Filmen wie Melody In Love, Josefine Mutzenbacher, Geissel Des Fleisches und Die Säge Des Todes zu. Auch seine Wurzeln liegen im Wirtschaftswunderfilm und doch ist es die Internationalität seiner Musik, die begeistert. So ist die Untermalung von Der Schrei Der Schwarzen Wölfe auf italienischem Westernniveau und Musik, Musik – Da Wackelt Die Penne ist bester deutscher Beat. Spätestens Lolita Am Scheideweg und Die Säge Des Todes, ihres Zeichens Begleitmusik zu Jess Franco Filmen, sollten in keiner Rarebeatsammlung fehlen. Eine Veröffentlichung auf Crippled Dick/Hot Wax Niveau mit ausgezeichneten Booklet.

Erschienen bei Bear Family Records.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Obbjektiv:

 ★★★★☆ 


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Tonträger der Woche (09): Ensemble Du Verre – The Contemporary Cowboy

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Tonträger der Woche (09): Ensemble Du Verre – The Contemporary Cowboy

Posted on 11 März 2012 by Julian

Comtemporary Cowboy CD Cover

Das Ensemble Du Verre haben wir lange genug übersehen. Plötzlich sind sie uns in die Hände gefallen und es hat lange gedauert, ehe die Worte für dieses wunderbare Album gefunden wurden. Zwei Schlagzeuger, das gefällt uns seit jeher ganz gut. Seien es Genesis in der Seconds Out Ära oder Marble Sheep, zwei Schlagzeuger sorgen für ungeahnte Möglichkeiten. Kommt dann noch ein Fender Rhodes, ein Melotron und ein guter Bassist (Marc Muellbauer vom Julia Hülsmann Trio) hinzu, kann es eigentlich so richtig losgehen. Und auf The Contemporary Cowboy machen Ensemble Du Verre genau das. Die Musik treibt, sprüht vor Einfallsreichtum, erschafft Stimmungen und ist einfach rundum perfekt. Jazz und Elektronik – es werden zwei scheinbar völlig entgegengesetzte Musikrichtungen vermischt: Es entsteht ein wahrhaft episches Album . Großartig.

Erschienen bei Batterie.

Subjektiv:

 ★★★★★ 

Obbjektiv:

 ★★★★☆ 

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Tonträger der Woche (08): Loane – Le Lendemain

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Tonträger der Woche (08): Loane – Le Lendemain

Posted on 04 März 2012 by Julian

Loanes Le Lendemain liegt hier nun schon seit Monaten auf dem Tisch und wartet darauf, bearbeitet zu werden. Eins Vorweg: Ein tolles Album! Loane versteht es, Stimmungen zu erzeugen und Hits zu schreiben. On S’En Fout, tanzbarer Melancholie a la Frantic (dem Roman Polanski Film), mit englischem Refrain, befremdlich und vertraut zu gleich – wunderbar. Boby (mit Christophe) hingegen könnte so auch von Mark Ronson oder dem neuen Benjamin Biolay Album stammen. Schneidende Retrokeyboards, wunderbare Melodien, tolles Sounddesign, treibende Beats. Und so fährt das Album fort: Gute Songs reihen sich aneinander, lediglich Lenny Kravitz als Gaststar erschließt sich einfach nicht. Würde er nicht in den Credits von Save Us stehen – bemerkt hätte ihn sicher niemand. Überdies ist gerade Save Us einer der schwächsten Tracks auf Le Lendemain. Loane hat ihre ganz eigene Interpretation des Chansons geschaffen, mischt ihn mit Elektroeinflüssen, gibt sich aber auch fragil, nur von Pianoklängen und einem Engelschor begleitet. Selbst der versteckte Bonustrack besitzt Mehrwert. So dürfen gerne mehr Alben klingen.

Erschienen bei EMI / Galileo Music Communication.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Obbjektiv:

 ★★★★☆ 

Loane – “Sans” (teaser) from LOANE on Vimeo.

Loane – “Rien de commun” (teaser) from LOANE on Vimeo.

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Tonträger der Woche (07): Bebe – Un Pokito De Rocanrol

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Tonträger der Woche (07): Bebe – Un Pokito De Rocanrol

Posted on 25 Februar 2012 by Julian

Un Pokito De Rocanrol Bebe Cover

Bebe ist in Spanien ein ziemlich großes Ding. Ihr letztes Album Y stieg direkt auf dem ersten Platz der Charts ein und wurde für mehrere Preise nominiert, unter anderem auch dem Latin Grammy. Un Pokito De Rocanrol hat es verdient, den Erfolg zu wiederholen, wenn nicht sogar zu übertrumpfen. Der Sound ist wirklich schwer zu beschreiben, er ist rau, wild, ungestüm, in-your-face, ein klein wenig geistesgestört und doch Massenkompatibel. Bebe bedient sich bei den verschiedensten Stilrichtungen, mal meint scheint La Mala Rodriguez mit den Ting Tings zu spielen (K.I.E.R.E.M.E.), dann wieder ein wenig Chairlift (ABC), aber auch zu Herzen gehende Singer- / ist Songwriterkunst ist für die Spanierin kein Fremdwort (Sabrás). Un Pokito De Rocanrol ist ein überaus farbenfrohes, eigenwilliges Album geworden, das eigentlich in keiner Sammlung fehlen sollte. Ein Album voller wunderbarer Songs, das sich jedoch nicht eignet, um die spanische Rechtschreibung zu erlernen. Beinahe hätten wir es übersehen!

Erschienen bei EMI.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Obbjektiv:

 ★★★★☆ 

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Tonträger der Woche (06/12): Christoph Stiefel & Lisette Spinnler – Bima Sakti

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Tonträger der Woche (06/12): Christoph Stiefel & Lisette Spinnler – Bima Sakti

Posted on 12 Februar 2012 by Julian

Spinnler Stiefel Bima Sakti

Kennt noch jemand den Country- und Dolly-Parton-Klassiker Jolene? Ein wirklich tolles Stück, bei dem man sich unweigerlich fragt, wie die besungene Frau wohl aussehen mag, denn Dolly Parton war anno 1974 eine hübsche Frau, All-American-White-Trash-Girl sozusagen und diese singt nun über eine Frau, die so hübsch ist, dass sie ihr den Mann mit einem Fingerschnippen auszuspannen vermag? Seltsame Dinge mussten im Trailerpark geschehen sein. Jolene ist übrigens das Eröffnungsstück auf Stiefel und Spinnlers Bima Sakti. Zerbrechlicher hat man das Stück sicher noch nicht gehört. Intensiv ohne Ende. Und auch kein bisschen beschwingt. Viel glaubwürdiger als die Originalversion. Auf Bima Sakti gibt es einiges auf die Ohren, kaum zu glauben, dass es sich dabei wirklich um ein Duo (Klavier / Gesang) handelt. Es klingt nach John Cages Präpariertem Klavier (nicht die einzige entliehene Idee der Neuen klassischen Musik), nach den entlegensten Plätzen unserer Erde, Spinnlers klare Stimme ist die Sirene in diesem Meer aus Klang. Insbesondere das Titelstück Bima Sakti/Isorhythm #25, aber auch In ferne Himmel (Gesanglich ein wenig an Yma Sumac erinnernd) überzeugen und so schaffen es Christoph Stiefel und Lisette Spinnler, dass Eigenkompositionen neben Parton, N’Dour und Sakamoto stehen, ohne dabei zerrissen zu wirken. Intonierte Freiheit.

Erschienen bei Traumton.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Obbjektiv:

 ★★★★☆ 

 

21.02.2012 CH-Zürich, Moods : CD-Release
22.02.2012 DE-München, Unterfahrt
23.02.2012 DE-Berlin, A-Trane
24.02.2012 DE-Fulda, Jazzfreunde
25.02.2012 DE-Villingen, Jazz Club
26.02.2012 CH-Bern, bee-flat
27.02.2012 CH-Baden, Isebähnli
16.03.2012 CH-La Chaux-de-Fonds, les Murs du Son
31.03.2012 Ch-Solothurn, Kreuz
26.04.2012 CH-Brugg, Mittagsmusik am Gleis 19, 12’30h – 13’15h
28.04.2012 DE-Herrischried, Rotmooshalle
03.05.2012 CH-Basel, Jazzfestival
11.05.2012 CH-Rifferswil, Jazz in Rifferswil
30.09.2012 DE-Frauenfeld, Generations Festival

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