Wieder einmal eine bekannte unbekannte Band. Jeder kennt die Musiker, keiner kennt die Band. Keyboarder Paul Raymond spielt bei UFO, Nigel Olsson trommelte für Elton John, die Spencer Davis Group, Uriah Heep, Rod Stewart und Leo Sayer, Mick Grabham stieg als Gitarrist bei Procol Harum ein und Sänger Brian Keith hatte mit English Congregation eine Hit Single aufgenommen. Doch was erwartet uns bei Plastic Penny? Currency ist ein Album, das an Emerson Lake And Palmer, Procol Harum und Trace (die Band, die Rick van der Linden nach Ekseption gründete) erinnert. Eine fette Hammond Orgel, Melodien, die einem im Kopf bleiben und eine melancholische Grundstimmung betören von der ersten Minute an, dabei geht’s auch mal etwas heftiger zur Sache wie bei der Interpretation des Easy Listening Klassikers McArthur Park, das als Ballade anfängt und sich zu einem Hammondmonster aufbäumt. Irre. Turn To Me, ein Stück von Benny Taupin und Elton John, zeichnet sich durch eine starke Melodie aus und entwickelt sich zum Ohrwurm der aller ersten Güte. Sour Suite: Ein echter Progressive Rock Track, wie er auch von Trace oder Procol Harum stammen könnte. Ausladende Keyboardsoli, gute Gitarrenarbeit. Auch ein Elvis Presley Cover hat es auf das Album geschafft: Hound Dog bleibt dabei aber so eigenständig, wie es nur sein kann. Man erkennt es nicht wirklich wieder und so passt es perfekt auf ein Album, das mit teils komplexem Material aufwartet. Leider löste sich die Band nach diesem Album bereits wieder auf – startete man als Balladenband versucht man auf Currency, sich dem Sound der Zeit anzupassen, wurde aggressiver und komplexer. Kaum auszudenken, was da noch hätte kommen können.
Magmas Emehntehtt – Rê schließt eine Veröffentlichungslücke. Als dritter Teil der Köhntarkösz Trilogie konzipiert (bestehend aus Köhntarkösz, Köhntarkösz Anteria und Emehntehtt – Rê) liegt nun das Finale vor. War der erste Teil besonders im rhythmischen Grundgerüst etwas überkomplex (was jedoch im ersten Moment nicht auffällt), bot der zweite Teil Magmas fröhlichstes Werk, so ist der dritte Teil wieder fester Bestandteil des dunklen Universums. Aufgeteilt in sechs Stücke beginnt ER I ruhig, steigert sich in ekstatische Lobpreisung (ER II – IV) und endet mit den zwei wohl unheimlichsten Stücken Magmas: Funehrarium Kanht und Sêhe. Auf der beiliegenden DVD erlaubt uns überdies Zebehn Strain de Geustaah Einblick in die Arbeit mit seinen Kollegen Tauht Zaia, Enör Zanhka, Hervé Aknin, Benoit Alziary, Staiiss Esslehnt‘, Bruno Ruder, Gehnohr Dügohnn‘ und den Paganotti Geschwistern, die leider aus der Band ausgestiegen sind. Ansonsten gilt wie immer: Zeuhl Is De Hundin! Christian Vander in Bestform.
James Last gilt gemeinhin als weichgespülter Easy Listening Müll á la Non Stop Dancing und anderer Verbrechen. Dass er auch anders kann, hat er mit Best Kept Secret, Voodoo Party und Russland Erinnerungen bewiesen. Seit längerer Zeit stand nun Hair auf der Einkaufsliste. Gewöhnlich kostet die Platte um die 20 €, in den USA können auch 50 – 100 € fällig werden. Zur Erinnerung: Die 08/15 James Last Platte kostet 50 Cent – 1 €. Hair lastet leider der Ruf des 70er Jahre Filmsoundtracks an, der irgendwo zwischen glatter Diskoproduktion und Hippieglückseligkeit taumelt. Ein fürchterliches Erlebnis. Was habe ich gelacht, als ich mit Grateful Dead Uniform im Plattenladen stand und die Lastversion sah. Ich griff lieber zu Heaven & Hell von Black Sabbath. Ein Fehler, denn der Antiquar wollte nur 10 € für die Last Platte haben. Nahezu 10 Jahre später halte ich sie nun in meinen Händen und erfreue mich an ungemein fetzig – groovigen Songs, die der Hippiementalität näher kommen, als jede andere Aufnahme des Musicals. Ganz großer Stoff!
Diese feine Aufnahme stammt aus dem Jahre 1968 und ist der Soundtrack zum durchaus sehenswerten Film Slogan. Es handelt sich um eine 45er Single, der Sound ist glorreiches Mono. Zu hören gibt es also zwei Tracks. Das wunderschöne Evelyne und das Titellied La Chanson De Slogan. Interessant ist die Platte vor allem da sie nicht auf CD veröffentlicht wurde – was allerdings nicht heißt, dass die Stücke nicht bereits auf CD zu haben sind. Nur gibt es die Songs nicht als einzelnen Soundtrack zu kaufen. Da gibt es z.B. das Box Set Serge Gainsbourg Les 100 Plus Belles Chansons (auf dem Je T’Aime fehlt) auf dem La Chanson De Slogan zu hören ist, auf Le Cinema De Serge Gainsbourg, ebenfalls ein Box Set, ist dann neben dem Titellied auch Evelyne zu finden. Warum also zur Single greifen, die mit 11€ – 20€ fast genauso viel kostet wie das zuletzt genannte Box Set? Fetischismus. Liebhaberei. Suchtverhalten. Ein gestörtes Verhältnis zur Ästhetik. Das könnte es sein.
Habe ich vor einiger Zeit bereitsNoctambulevorgestellt, widme ich mich jetzt der schönen CD Nachtmahr. Diese ist übrigens mindestens genauso gut wie das Vorgängeralbum. Der Unterschied ist vor allem, dass die Platte eigene (oder eigens für Becker geschriebene) Texte enthält und ein Studioalbum ist. Wer Noctambule textlich schon bedenklich fand oder beim Genuss düsterer Texte an sich befürchtet, sein Seelenwohl empfindlich in Ungleichgewicht zu bringen, sollte von dieser CD Abstand nehmen.
Zu meinen Favoriten zählen die Stücke Vive La Trance, Geistesgestört, Das Blanke Wesen und die großartige Ballade Vom Kleinen Meretlein (basiert auf einem Text von Gottfried Keller), in der Ziehvater Otto Sander (was für eine stimmliche Präsenz) spricht und den Hörer erschauern lässt. Was mich immer wieder wundert ist die Tatsache, dass die Platte wirklich sehr gefragt ist, obwohl es sich dabei beinahe um (Neue) Klassische Musik handelt. Wer jetzt neugierig ist, braucht glücklicherweise kein Vermögen mehr auszugeben (50€ originalverpackt), da die Musik (endlich) als Mp3 regulär bei Amazon erhältlich ist.
Über Mike Oldfield kann man denken was man will, man kann sich z. B. fragen ob es sinnvoll ist , dass er seit Jahren nur noch Ibiza-Schrott produziert (mit wenigen Ausnahmen) oder ob es wirklich so toll ist, alle analogen Synths zu verkaufen und nur noch mit Software zu arbeiten. Auch die hundertste Neuaufnahme von Tubular Bells nervt. Jedoch war und ist Mike Oldfield, wenn er denn will, zu Großem fähig (Amarok, Music of the Spheres). Im Boxset Boxed finden sich die großartigen Alben Tubular Bells, Hergest Ridge und Ommadawn wieder, als Zusatz gibt es einen Sampler mit Collaborations. Das Boxset enthält zudem die original 4-Kanal-Vinyl-Aufnahmen. Zudem markiert das Album einen Wendepunkt: Alle Aufnahmen wurden neu bearbeitet und sind hinterher nur noch im neuen Mix erhältlich. Das Boxset ist folglich die letzte Chance (Ausnahme: Das neue TB-Set) die Originalmixe zu bekommen. Das Set kostet zwischen 10 und 80 Euro und sollte ein Booklet enthalten, der Zustand des Kartons variiert je nach Preis.
Die LP, die nach eigenen Angaben A fantastic selection of the coolest classics by Ennio Morricone ist, enthält tatsächlich einige der tollsten Stücke von selbigem. Die 18 Stücke aus 18 verschiedenen Filmen reichen von Eurobossa bis hin zu scheinavantgardistischen Kompositionen; es gibt Ausschnitte aus den Soundtracks zu Todesmelodie, einem Bud-Spencer-Film und Argento-Obskuritäten. Die Platte selbst kostet um 20 Euro. Das Cover ist in rot-weiß-blauen Pastelltönen gehalten. Bisher habe ich die Platte lediglich einmal im Plattenladen gesehen. Für Einsteiger in den Klangkosmos Morricone ist vieles sicher zu obskur, wer aber bereits 5 % seines Werks (Western) kennt oder sich für Eurotrash interessiert, kann bedenkenlos zugreifen. Meines Wissens wurde der Cinevox-Tonträger auch auf CD veröffentlicht.
Die Geschichte von Pavlov’s Dog ist schon irgendwie tragisch… Sie wurden bei ABC für 650.000$ unter Vertrag genommen, der Betrag war für die damalige Zeit extrem hoch, bedenkt man, dass es sich um eine Newcomerband handelte, es gab sogar einen kleinen Hit (Julia) aber nach dem zweiten Album wurde die Band dann fallengelassen. Zu speziell war die Stimme David Suhrkamps (wir reden hier von einer hohen Männerstimme. Ich meine WIRKLICH hoch), zu erfolglos die Band. Wie dem auch sei, heute ist Pavlov’s Dog eine jener Bands, die auf der ganzen Welt von Plattensammlern verehrt werden. Bei der Musik handelt es sich um Progressiverock mit Hardrockversatzstücken. Die LPs sind in Deutschland, England, Frankreich und Australien relativ leicht zu bekommen, mehr als 15€ sollte man dafür aber nicht ausgeben. Ich kann jedem empfehlen, die Band mal anzuhören. Sicher, man braucht eine hohe Toleranzgrenze, was Männerstimmen angeht. Ich selbst habe mehrere Jahre und unzählige Anläufe gebraucht, bis ich die Band zu schätzen wusste. Inzwischen möchte ich die Platte jedoch nicht mehr missen.
Ich muss gestehen, dass mir Help! immer besser gefallen hat als Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band. Das liegt u.a. daran, dass die Band hier eine Brücke schlägt zwischen den Banalitäten wie man sie noch auf Beatles For Sale hört und den Großtaten von Rubber Soul. Man erkennt deutlich den Weg, den die Band einschlagen wird, dennoch ist man seinem alten Sound treu geblieben. Für mich geht es in der Beatles Discographie jetzt eigentlich richtig los und man arbeitet ohne Pause zum genialen Abbey Road vor, dem letzten Album der Band (Let It Be wurde ein Jahr zuvor aufgenommen, sollte aber erst nicht veröffentlicht werden). Ich möchte an dieser Stelle eigentlich gar nicht auf einzelne Songs eingehen oder mich näher mit der Musik beschäftigen, über die bereits alles schon einmal gesagt worden ist. Der Preis der LP ist auch nicht so exorbitant hoch wie bei anderen LPs (zum Vergleich einfach mal nach Fortheringay googlen), man kommt mit 15 – 30€ locker hin. Dennoch sei die LP jedem ans Herz gelegt der die Beatles mag. Wer dann mehr hören will, sollte sofort zu Abbey Road und Revolver greifen, mit Rubber Soul macht man aber auch nichts falsch. Eine Fundgrube für alle Songwriter unter uns!
Nun ist es doch nicht Lieder aus Kunst Und Honig geworden – das liegt vor allem daran, dass das Cover zu Musik Im Eimer viel grandioser ist und einfach mehr Beachtung verdient. Musikalisch gibt es bei Insterburg und Co ja nicht allzu großer Unterschiede. Die LP verlangt einem wirklich eine Menge ab. Es gibt ein Wiedersehen mit Knut Wuchtig, Ich Bin Berliner ist textlich wirklich ganz ausgezeichnet („Ich lebe in Hamm / Ich bin ein Hammer / Ich bin ein Hammer / Ich bin behämmert… Ich lebe in London / Ich bin ein Londoner / Ich lebe in Paris / Ich bin – kein Londoner“) und Massagesalon bietet einen gut aufgelegten Ingo Insterburg an der Geige, die er Live meist mit den Füßen spielt. Das Stück erinnert an Django Reinhardt. Karl Dalls singt Ich bin der Liebling der Frauenwelt, auf Heut ist Wandertag gibt es einen sozialistischen Jugendchor zu hören („Wir wandern durch den Harz / Uns qualmen schon die Socken / Doch plötzlich geht’s nicht weiter / Vor uns liegt ein harter Brocken / Wir wandern durch die Börde / Bergauf und schwitzen sehr / Einer ruft vom Schloss herunter / Ich Magdeburg nicht mehr“). Die Platte ist ganz schöner harter Stoff, aber: Ich habe gelacht. Verklagt mich doch bei der Humorpolizei!
P.S.: Und was singen Insterburg und Co am Ende der Platte? “Ich halt’ das nicht mehr aus… Aufhören! Aufhören! Aufhören!”