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Interview mit Patty Moon

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Interview mit Patty Moon

Posted on 14 Mai 2012 by Julian

Die Illustratorin und Sängerin Judith Heusch und der Arrangeur Tobias Schwab veröffentlichen seit Jahren intelligent-entrückte Platten unter dem Bandnamen »Patty Moon«.

Photocredit (c) by Britt Schilling

Die Standardfrage zu Erst: Wie habt ihr zu eurem Bandnamen gefunden?

Judith Heusch: Patty Moon kommt vom Song »Peppermint Patties«. Vor gut 10 Jahren sind wir mal auf einem Festival aufgetreten – eines der ersten Festivals auf dem wir spielen durften – und dann wollte man von uns wis-sen, wie man uns ankündigen soll. Bis zum Auftritt hatten wir noch 5 Minuten Zeit und da mussten wir uns rasch entscheiden. Wir haben dann einfach zwei Songs von uns, »Peppermint Patties« und »Me And The Moon«, kombiniert. »Me And The Moon« ist übrigens einer der Songs, die wir auf der ersten Platte mit Streichern aufgenommen haben.

Tobias Schwab: Wir haben uns damals überlegt, dass es cool wäre, einen Bandnamen zu haben, der einerseits als Künstlername – man kann sich also vorstellen, Judith sei Patty Moon – andererseits aber auch als Bandname funktioniert.

Judith Heusch: Und genau das ist eine Sache, die wir bis heute nicht so genau definiert haben: Bin ich Patty Moon oder sind wir Patty Moon. Eine Identitätskriese.

Tobias Schwab: Dieses undefinierte Verhältnis finde ich aber sehr gut. Also auf den Platten schreiben wir ja auch immer drauf: »Patty Moon – Vocals«. Eine kleine Spielerei.

Also ähnlich wie bei »Blondie«, wo »Blondie« eigentlich Debbie Harry ist und nicht »Blondie«.

Tobias Schwab: Oder eben doch! Wir würden uns übrigens als Duo definieren.

Judith Heusch: Genau. Wir sind die zwei Macher. Komposition uns Arrangement ist immer unsere Sache. Wir haben aber auch schon viel mit anderen Musikern gearbeitet, aber der Kern der Band sind wir.

Tobias Schwab: Man kann es so beschreiben, dass wir ein Künstlerduo sind, das sich je nach Platte oder Auftrittsmöglichkeit seine Musiker sucht. Das sind dann immer so Phasen, wo dann ein Schlagzeuger mit auf Tour geht etc.

Judith Heusch: Wir hatten auch mal eine Zeitlang zwei Schlagzeuger dabei, die Festivals der jüngsten Vergangenheit wurden von einem Streichquartett begleitet, das war super, aber bei sowas kommt es immer auf die Größe des Festivals an. Ob man sich das leisten kann. Meistens kann man das gar nicht. Im Moment ist uns die Zweisamkeit irgendwie am liebsten.

Tobias Schwab: Was aber die Studioarbeit angeht: Da entstehen die Songs zwischen uns beiden und alles was da dann dazu kommt, wird angemietet, also wenn wir sagen, wir hätten als Begleitung gerne ein Streichquartett dabei – oder eine Trompete.

Judith Heusch: Ich bringe es mal auf den Punkt: Wir würden es nicht ertragen, wenn jemand anderes noch mitbestimmen würde. Wir zwei sind ziemliche Eigenbrötler. Ich schreibe die Songs am Klavier, Tobias bekommt dann die Urversionen und beginnt, sich an die Arrangements zu setzen, produziert und macht auch die Zwischenteile oder schreibt mal ein Teil um oder so. Wir sind schon beide ziemliche Dickköpfe und da würde es mit weiteren Personen nur Schwierigkeiten geben. Wenn jemand da versucht reinzureden, gibt es nur Probleme!

Ihr habt diesen »Peanuts« Bezug im Namen und der taucht ja folglich auch im Song »Peppermint Patties« auf – habt ihr ein besonderes Verhältnis zu den »Peanuts«?

Judith Heusch: Ich liebe die »Peanuts«! Stundenlang kann ich die lesen, sie sind großartig! Charles M. Schulz ist für mich einer der größten Zeichner überhaupt… Ich finde diese 4-Panel Sache, diesen Minimalismus, der aber alles aussagt, fantastisch. Was da alles für Typen bei sind! Gut, die Mädchen schneiden ein bisschen schlecht ab, das sind immer die fiesen Schwestern… Also die sind doch wirklich fies, oder? Sally und die doofe Lucy – wahrscheinlich hat Schulz unter einer großen Schwester gelitten. Und dann gibt es da auch noch Snoopy, der ist so wunderbar größenwahnsinnig! Einer meiner Lieblingsstrips spielt mit diesem Größenwahn: Snoopy schreibt ein Buch und die erste Zeile lautet immer »Es war eine finstere und stürmische Nacht«, womit Schulz ihn Edward Bulwer-Lyttons Roman »Paul Clifford« zitieren lässt. Genial. Aber auch die anderen Berufe sind toll, z. B. wenn er als Anwalt arbeitet oder sich für den roten Baron hält. Von den »Peanuts« habe ich übrigens noch diese alten, orangenen, viereckigen Alben und ich liebe sie! Die sind heilig! Vor kurzem habe ich erst einen Strip gefunden wo Charly Brown seinem Hund Snoopy die Zeitung vorliest. Die Pointe lautet: »Es ist immer sinnvoll, einen guten Draht zur Presse zu haben!« Den habe ich dann einem befreundeten Journalisten geschickt. Ich finde es faszinierend, dass bei den »Peanuts« die Welt auf wenige Bilder reduziert ist.

Und warum hast du dir für den Song ausgerechnet Peppermint Pattie ausgesucht?

Judith Heusch: Das Lied ist eine Loosergeschichte und Peppermint Pattie verkörpert die Looserin perfekt. In der Schule schlittert sie immer gerade so an einer 5 vorbei, sie trägt blöde Schuhe und hat sich obendrein auch noch in Charly Brown verliebt. Ich meine das prägt doch für das ganze Leben… Was hast du noch für Chancen, wenn du dich in den verliebt hast? Und dann nennt sie ihn auch noch ständig »Chuck«!

Tobias Schwab: Marcy sagt zu ihr immer „Schätzchen“, oder?

Judith Heusch: Marcy sitzt in der Klasse hinter Patty und sagt immer »Chef« zu ihr. Das ist so ein Schwachsinn! Das ist genial. Diese Art von Mobbing bleibt über Jahre und in der ganzen Zeit checkt sie das nicht…

Ich liebe ja Lucy, die Charly Brown hänselt und ihn anschließend therapiert! Grandiose Gesellschaftskritik!

Judith Heusch: Fein, oder?

Tobias Schwab: Subtil…

Den guten Song erkennt man immer daran, dass man ihn ganz unterschiedlich begleiten kann.


Die Gesellschaft, die einen krank macht und gleichzeitig eben die Psychotherapien verordnet.

Judith Heusch: Ich mein das sind so Menschen mit zwei Gesichtern. Bei den »Peanuts« ist einfach alles vertreten – wie die Menschen sich gegenseitig fertig machen und danach lustig sind… Und um auf den Song »Peppermint Patties« zurückzukommen, der handelt von einem Freund den ich hatte, bei dem ich gemerkt habe, dass ich da nichts wert bin. Da habe ich nur gedacht: Ich halt bei der Welt nicht mit. Partys usw. Da halt ich nicht mit. Da habe ich nichts mit am Hut.

Judith, woher kommen die Inspirationen für deine Songs?

Judith Heusch: Ich schreib nur, wenn irgendwas da ist. Was das genau ist, kann ich gar nicht so genau fassen. Ich setz mich jetzt nicht in allen Stimmungen ans Klavier und klimpere und gucke, was dabei herauskommt. Dass ich das auch kann, habe ich bei meinen jüngsten Arbeiten fürs Fernsehen und Kino gemerkt. Es funktioniert, genau wie ich auch Songs auf Deutsch schreiben kann, die üb-rigens ziemlich gut ankommen, aber mit denen möchte ich mich gar nicht so sehr identifizieren, denn auf Deutsch schreibe ich nicht so gerne. Generell kann man sagen, dass bei mir von zwanzig Ideen eine übrig bleibt, die genau ausdrückt, was ich sagen will. Wenn man mal bedenkt, dass wir mit der Musik kein Geld machen – die letzten Jahre waren in finanzieller Hinsicht ein Verlustge-schäft, das Finanzamt hat uns jetzt Liebhaberei bestätigt – dann geht man da auch viel gelassener ran und zwingt sich nicht. Die Filmmusik hat im Übrigen dafür gesorgt, dass ich inzwischen deutlich schneller arbeiten kann, wenn ich denn möchte. Die Mu-sik ist für mich ein Medium, das ich nutze, um etwas darzustellen, was man sonst nirgends finden kann. Du kannst eben manche Sachen nur in einem Gedicht oder einem Bild oder einer Komposition finden. Aus diesem Grund ist die Musik für mich eine tiefe Befriedigung. Für die Musik brauche ich übrigens, im Vergleich zum Text, nicht lang. Bei den Texten dauert es, ehe ich sage: »Die Zeile lass ich so.« Das wird auch immer schlimmer. Man muss auch einfach damit leben, dass die Musik plötzlich einfach da ist. Manche Stücke sind wie fremdbestimmt. Für die neue Platte habe ich im Moment acht Fetzen, bei denen ich weiß, um was es gehen wird und eine ungefähre Ahnung von der Musik habe ich auch bereits, aber noch nichts Konkretes. Das entsteht dann beim Spazierengehen oder Abspülen, da kommt dann der besondere Moment, wo man weiß, was wie zusammengehört. Welche Landschaft da hinein gehört. Es ist schon eine gewisse Erkenntnis, man setzt sich schon mit Dingen auseinander und möchte bestimmte Situationen treffen. Das ist musikalisch eine lange Entwicklung. Bei den Kinosachen konnte ich wirklich unter Druck schreiben. Das hat mich gewundert. Ich wusste nicht, ob ich in zwei Wochen einen Song schreiben kann, der dann auch für mich passt. Mit den Texten bin ich jetzt nicht so ganz zufrieden, aber es ging tatsächlich. Doch mich selbst möchte ich nicht unter Druck setzen. Es ist viel besser, wenn es wächst.

Wie lange arbeitet ihr dann an den Songs?

Judith Heusch: Bei mir kann es einen Tag oder ein Jahr dauern. Manchmal geht es ganz schnell, da habe ich alles an einem Mittag zusammen und ich weiß ganz genau, was es ist. Aber ich habe keine Ahnung, woher das Stück gekommen ist.

Tobias Schwab: Für Arrangements gilt dasselbe. Es kann sein, dass ich eine Idee habe und einen ersten Entwurf vorspiele, der es genau trifft – oder man arbeitet mehrere Monate. Dann kann es auch passieren, dass es mir gefällt und Judith nicht, dann reiht sich eine Version an die andere.

Judith Heusch: Die Filmmusik war das Erste, wo wir wirklich auf Anschlag fertig sein mussten und es geklappt hat. Es geht auch sofort, das weiß man jetzt.

Tobias Schwab: Bei der »Dream Up« – EP war es auch so, dass wir da erstmals eine ziemlich kurzfristige Deadline hatten. Es war eine sehr spontane Idee mit wenig Zeit zum überdenken und es ist witzig, dass der Promoter des Albums danach meinte, wir sollen immer so arbeiten. Das Direkte ist manchmal ganz gut.

Judith Heusch: Es ist dann auch so, dass viele den Unterschied zwischen den Versionen gar nicht erkennen. Tobias überlegt tagelang über einen Sound oder was auch immer und es bringt nichts, das haben wir schon so oft festgestellt. Das Spontane ist manchmal echt am besten. Den guten Song erkennt man immer daran, dass man ihn ganz unterschiedlich begleiten kann.

Tobias Schwab: Was bei uns manchmal zu Spannungen führt, ist, dass die Songs eigentlich alle gut sind, sie aber vielfältig arrangiert werden können und Judith dann die erste Idee nicht gefällt, sie ihren Song darin nicht wiederfinden kann und es aber doch ihr Stück ist. Das Arrangement würde funktionieren, aber es ist nicht ihr Sound, den sie sich vorstellt.

Du sagst, dass die Filmmusik dein Produktionstempo steigert. Fühlt ihr euch nicht eingeengt durch das Medium?

Judith Heusch: Ach, so große Filme waren das ja nicht!

Tobias Schwab: Zum anderen war das eine sehr freie Zusammenarbeit. Besonders die mit Geißendörfer da ging es ja nur um einen einzigen Film, wo wir wirklich konkret Filmmusik geschrieben haben und er hat uns da auch völlig freie Hand gelassen. Das war ganz lustig: Eigentlich war vom Regisseur aus nur ein Song geplant und da haben wir ihm dann zwei Songs vorgelegt, von dem er dann einen auswählen sollte. Doch er fand dann beide so toll, dass er den zweiten Song unbedingt unterbringen wollte. Also an einer anderen Stelle als eigentlich geplant war.

Die »Lindenstraße« und Patty Moon sollten auf gar keinen Fall verknüpft werden, das sind zwei unterschiedliche Betätigungsfelder.

Nach »In der Welt habt ihr Angst« hast du, Judith, ja auch in der »Lindenstraße« mitgespielt. Ist es dir denn mal passiert, dass dich mal jemand auf der Straße mit deinem Seriennamen angesprochen hat? So ein Spinal-Tap-Moment?

Judith Heusch: Nee. Oder doch! In unserem Dorf! Ich habe geparkt und wollte mit meinem Hund Gassi gehen. Da kam dann einer an und ich dachte, der will jetzt irgendwie rummotzen, weil ich blöd am Feldweg geparkt habe. Der ist mir dann hinterhergefahren und sagt plötzlich: »Sie sind doch…« Der war völlig begeistert, dass in so einem Kaff jemand wohnt, der sowas macht. Das war total lustig, aber auch leider das einzige Mal. Ich habe da ja auch nur in zwölf Folgen mitgespielt und vorher sehr lange gezögert und mir überlegt, ob ich das wirklich machen soll. Aber ich bin dann richtig zum Casting gegangen und habe mir nur gedacht: Wenn ich das jetzt überlebe, dann hab ich schon gewonnen. Ich hatte wirklich eine Riesenangst. Aber zu spielen hat was Erfüllendes, wie ich bald merken sollte. Du bist den ganzen Tag in Anspruch genommen. Auch wenn es die »Lindenstraße« ist – was ich mir eigentlich nicht angucke – hat es mir wirklich gefallen!

Aber die Rolle fördert doch so ein bisschen die Bekanntheit, oder?

Tobias Schwab: Für Patty Moon glaube ich gar nicht…

Judith Heusch: Das wollte ich auch nicht damit bezwecken. Die »Lindenstraße« und Patty Moon sollten auf gar keinen Fall verknüpft werden, das sind zwei unterschiedliche Betätigungsfelder. Aber es ist schon ganz lustig, wenn manchmal Fans vorbeikommen. Bei denen ich 30 Sachen unterschreiben soll. T-Shirts, Bücher etc.

Tobias Schwab: Autogrammjäger…

Judith Heusch: Davon gibt es wahnsinnig viele! Gestern z. B. waren ein paar beim Konzert, da habe ich mir eine Viertelstunde Zeit genommen, um Autogramme zu geben! Auf eine liebenswürdige Art spinnen die halt alle ein bisschen. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich.

Tobias Schwab: Es sind schon zwei verschiedene Welten, die sich nicht wirklich miteinander vermengen lassen.

Judith Heusch: Das merkt man auch an den Songs, die ich für die »Lindenstraße« geschrieben habe, die sind lustig und die finden auch viele gut, aber die sind doch sehr anders.

Habt ihr beide denn eigentlich Musik studiert oder ist das alles autodidaktisch erlernt?

Judith Heusch: Ich bin Autodidaktin.

Tobias Schwab: Ich habe studiert, aber streng genommen ist das Wichtige auch mehr autodidaktisch erlernt.

Judith Heusch: Wir haben beide nichts fertig studiert. Ich arbeite noch als Zeichnerin – aber ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Tobias Schwab: Wir haben beide wirklich nichts!

Judith Heusch: Ich bin ja auch drei Mal von der Schule geflogen. Dann habe ich ganz lange nur bedient und gesoffen und durch Zufall habe ich mich bei der »Micky Maus« beworben. Einfach so, aus Spaß. Ich habe mich selbst gemalt und der Chefredakteur war davon sehr begeistert. Er ist übrigens selbst von der Schule geflogen. Da war man sich gleich sympathisch! Später habe ich gesehen, dass ich gegen 120 Bewerber angetreten bin! Ein absoluter Traumberuf – eine meiner besten Zeiten. Genial.

Ich bin auch von der Schule geflogen.

Judith Heusch: Echt auch?

Ja, dann habe ich mich aber wieder gefangen. Es hat wohl an der Schulgesamtsituation gelegen. Manchmal passt es einfach nicht. Verschiedene Lebenswelten.

Judith Heusch: Es sind oft Situationen, weißt du, da geht es einfach nicht.

Tobias Schwab: Die ganze Notengebung ist ja auch so ein Quatsch.

Judith Heusch: Von der Schule halte ich bis heute nichts. Für Leute wie mich – keine Chance! Ich hab das gehasst!

Ich finde das lustig, wenn Leute von der Schule geflogen sind. Das ist wirklich herrlich, sehr ansprechend.

Judith Heusch: Es gibt so ein paar Leute in meinem Leben, wo ich mich nur bedanken kann, weil ich sonst vielleicht abgerutscht wäre. In der Zeit habe ich wirklich viel Blödsinn gemacht. Doch der Chefredakteur der »Micky Maus« hat mich gesehen und das war schon so eine kleine Rettung aus meiner damaligen Situation. Super, da war ich 20 oder so. War eine echt tolle Zeit. Wir schreiben uns auch heute noch. Bei der »Micky Maus« habe ich u. a. für die Zeichner in Spanien vorgezeichnet. Wir waren die Redaktion, haben uns nicht um die Geschichten gekümmert, sondern um Rätsel, Vorworte etc. Zu meinem Aufgabenbereich zählte auch die Gestaltung der Kategorie »Euer Micky«. Manchmal durfte ich auch an so Psychotests arbeiten. »Bist du fernsehsüchtig?« – sowas in der Art. Lustig, wirklich! Und dann habe ich eben den Spaniern immer erklärt, wie sie z. B. eine Rätselseite gestalten sollen. Dann habe ich das vorher skizziert. Auch heute lebe ich noch von Illustrationen die ich mache.

Was illustrierst du im Moment?

Judith Heusch: Im Moment illustriere ich Schulbücher. Um Geld zu verdienen. In der übrigen Zeit arbeite ich dann an Kindermusicals und Kindergeschichten. Erstere werden bereits von einem Verlag veröffentlicht.

Zurück zur Musik. Wie finanziert ihr eure CDs?

Tobias Schwab: Um die Kosten niedrig zu halten ist es einfach praktisch, wenn man für Instrumente arrangiert, die man selber spielen kann. Da fällt dann schon mal die Gage für weitere Musiker weg. Hinzu kommt, dass wir die Alben bei mir daheim produzieren, denn inzwischen habe ich alles, was wir zum Aufnehmen brauchen und was dann an Kosten noch dazu kommt sind externe Musiker wie das »Pellegrini-Quartett«.

Nehmt ihr analog auf?

Tobias Schwab: Die Instrumente sind in der Regel analog ohne Effektorgien etc. Auch auf Judiths Stimme sind wenig Effekte. Bei Sounds und speziellen Geräuschen versuche ich, so analog wir möglich zu bleiben, versuche aber auch den Klang eines speziellen Effekts zu erzeugen. So streiche ich z. B. ein Mikrofon über die Hose, was dann nach Meeresrauschen klingt.

Ich habe noch ein paar spezielle Fragen zu einigen Songs, die mir besonders gefallen haben. Worum geht es genau in »Singing Nurses«? Ich muss zugeben, dass ich es noch nicht so ganz verstanden habe.

Judith Heusch: Oh Gott, der ist ja uralt, der ist eigentlich auch nur so ein Nebensong gewesen!

Der ist aber ziemlich gut und ich finde es schade, dass ihr den nicht gespielt habt! Genau wie »The Raven« – das sind zwei Stücke, die wirklich außergewöhnlich sind und eine sehr eigene Stimmung besitzen..

Judith Heusch: Interessant! Da hat mich noch nie jemand drauf angesprochen. Das Stück ist für eine Freundin, die aus ganz fiesen Gründen in der Psychiatrie gelandet ist. Also ganz abstrus. Als wir die Platte aufgenommen haben, kam das alles wieder hoch und ich hatte auch wieder Kontakt zu der Freundin, der bis heute anhält. Das hat mich ziemlich berührt.

Tobias Schwab: Das wollte ich unbedingt auf dem Album haben. Da hab ich mich dann durchgesetzt. Also »Dream Up«, diese ganze CD, wurde von einem Journalisten ausgelöst, der bei einem Konzert dieses Lied »Dream Up« gehört hat und meinte, es sei eigentlich ein Verbrechen, dass es dieses Stück noch nicht auf CD gäbe. Er hat sich das dann als Aufnahme gewünscht und dann haben wir ge-dacht, dass er eigentlich Recht hat. Die ganze »Dream Up« – EP besteht aus ein paar alten Liedern, aus unserer Anfangsphase und von der Technik her waren sie noch schlecht produziert. Ein wenig stümperhaft arrangiert, aber eine gute Grundlage, um daraus was zu machen. In der Vorbereitungsphase zur EP haben wir überlegt, was es denn für alte Lieder gibt, die wir schon oft Live gespielt haben und die viele Leute schön fanden oder die uns besonders gut gefielen. Und da war mein Vorschlag eben »Singing Nurses«.

»Dream Up« war stark. Eine richtig gute Platte.

Judith Heusch: Echt? Mein Cousin ist virtuoser Orgelspieler, ein sehr guter Musiker, der mag die auch von allen Platten am liebsten… das ist doch verblüffend!

Was hat das mit »When You Go« auf sich? Ab diesem Stück wirkt das Al-bum »Mimi And Me« sehr konzeptionell.

Tobias Schwab: Die Idee, drei Versionen auf das Album zu packen, stammt eigentlich von einer Freundin. Ich glaube die zweite Version gab es schon länger. Ich habe dann gedacht, man könnte das Stück auch mal anders aufnehmen und so entstand diese verrückte Idee mit den zehn Gitarren und dem Schlagzeug, dann die Idee zur Tom-Waits-Version. Eigentlich waren das nur Angebote an Judith, die sich eine Version aussuchen sollte. Doch dann habe ich die Versionen einer guten Freundin vorgespielt und die konnte sich nicht für eine Version entscheiden. So kam dann die Idee auf, von einem Song drei Versionen zu benutzen, drei Arrangements. Das fand ich faszinierend.

Ja, das verstärkt den Eindruck eines Konzeptalbums.

Judith Heusch: Eigentlich war das gar nicht so gedacht. Die erste Version sollte aufs Album, denn die Plattenfirma war gegen Tobias’ Idee, aber ich fand das immer ganz toll, so ein bisschen entrückt. Man muss dazu auch anmerken, dass »Mimi And Me« unsere poppigste Platte ist. Nimm »Painting Horses«, damit hatte ich ein großes Problem – viel zu poppig für unsere Verhältnisse! Für mich war das ungewohnt, aber irgendwie bleibt es dann hängen und du verliebst dich in das Lied und bist damit verbunden. Die Platte war schon ein bisschen anders als die anderen.

Mich hat die Stimmung, insbesondere durch »When You Go« sehr an »The Lamb Lies Down On Broadway« von »Genesis« erinnert.

Tobias Schwab: Ein schöner Vergleich! Es stand so ja auch im Pressetext, aber witzigerweise hab ich das Album erst nach den Aufnahmesessions für mich entdeckt. Ich kannte von »Genesis« zwei Platten: »Foxtrott« und »Nursery Cryme«. Erst vor kurzem bekam ich von einem Freund die Remix Boxen geliehen und da habe ich die Platte dann erst kennengelernt. Seltsam, denn ich mag die ganze Progrockszene der 70er Jahre. »Yes«, »Kan-sas« etc., aber »Genesis« gingen total an mir vorbei. Komisch, oder?

Judith Heusch: Ich habe ihn auch immer gefragt, warum er die Platten nicht kennt. Peter Gabriel ist für mich auch so ein Musiker, der eine dieser Stimmen hat, die einen gleich mitnimmt, einen davonträgt. Einer der ganz großen Musiker unserer Zeit. Auch was seine Harmonien betrifft, die er verwendet. Einzigartig!

Besonders positive ist mir noch »The Raven« aufgefallen. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Literaturadaption?

Judith Heusch: Ich hatte einen Traum, in dem ein Rabe vorkam. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade viel Edgar Allen Poe gelesen, von ihm stammt ja das Gedicht – ich wusste übrigens nicht, das andere Musiker das schon vertont hatten – und ich hab es gelesen und sofort über ein Stück nachgedacht. Dann habe ich ge-schrieben und es hat alles gepasst. Als ich herausfand, dass es bereits von anderen Musikern bearbeitet wurde, wollte ich den Song eigentlich gar nicht mehr veröffentlichen. Doch ich mag diese anziehende Stimmung, den Text und die Kombination mit dem Stück und so ist es dann doch Teil des Albums geworden.

Das Gespräch führte Julian Auringer.

Das Interview als PDF.

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Ab 21 Uhr: WOODKID Live (Special Engagements Konzert) Wiederholung

Ab 21 Uhr: WOODKID Live (Special Engagements Konzert) Wiederholung

Posted on 25 Januar 2012 by Julian

Woodkid Promofoto

diekopfhoerer lieben Paris, diekopfhoerer lieben epische Videos und abgefahrene Musik. Bereits im Juni des letzten Jahres entdeckten wir auf dem wunderbaren Blog des Kollegen Owley das fantastische Video zu Woodkids Iron, das wirklich schon fast etwas zu episch ist. Man denke an Sucker Punch meets Magma oder so ähnlich. Woodkid hat das gewisse Etwas, Woodkid geht seinen Weg. Heute Abend haben wir also das Vergnügen, in Zusammenarbeit mit VICE, Dell und Intel im Rahmen der Special Engagements Reihe ein Konzert direkt vom Eiffelturm (hatten wir die Epicness der Sache erwähnt?) zu streamen.

Gestern hats ja nicht geklappt, aber heute ab 21 Uhr sollte alles funktionieren!!!

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Tonträger der Woche: Fjoralba Turku – Serene

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Tonträger der Woche: Fjoralba Turku – Serene

Posted on 15 Januar 2012 by Julian

 Fjoralba Turku Serene

Die alte Bandbesetzung Hermenau (p), Schäfer (b) und Jahn (dr) ist nicht mehr. An ihrer Stelle finden sich nun Trübsbach (sax, cl, fl), Balshai (p), Cardoso (b) – war auch als Gast auf Joshua zu hören – und Burgwinkel (dr). Und auch auf kompositorischer Seite hat sich einiges getan: War Joshua noch von diversen Coverversionen und Andreas Hermenau Kompositionen geprägt, stammen die neuen Stücke hauptsächlich von Paulo Cardoso und Fjoralba Turku höchstselbst. Trotz des neuen Teams und dem Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten ist Serene jedoch kein bisschen schlechter geraten, als der überaus interessante Vorgänger. Geschlossener kommt es daher, Stücke wie There Be None Of Beauty’s Daughters, She Walks In Beauty aber auch Marrakech (das in einigen Tönen deutliche Parrallelen zu Andrew Lloyd Webbers Memory erkennen lässt, dieses vermutlich ungewollte Zitat glücklicherweise aber nicht weiter ausbaut und sich ganz einer faszinierend getriebenen Stimmung hingibt) beweisen Turkus Gespür für die richtige Komposition. Hier sollte sie sich vllt. noch mehr auf sich selbst verlassen. Aber auch die Cardoso Stücke fallen kein bisschen ab. Joyfully, Living, Just Living und Indian Summer (Dismal) geben der Sängerin genug Spielraum, um die Fascetten ihrer Stimme freien Lauf zu lassen. So singt sie in letzterem Stück einen kleinen Teil acapella – Bezaubernd! Ein wenig schade jedoch, dass man dem Albanischen nicht mächtig ist. Überhaupt sind die traditionellen Lieder wieder einmal ungemein faszinierend. Kno My Qyqe Se Po Vjen Behari und Lulzoj Fusha sind ganz heißer Stoff,  bis in die Fingerspitzen emotional. Serene überzeugt auf ganzer Linie, vom Artwork über die Kompositionen bis hin zur ausgezeichneten Band. Ein Must-Have für den neugierigen Jazzer und die Boheme.

Erschienen bei Traumton.

04.02.2012 Bayreuth (Jazzforum)
09.02.2012 Leverkusen (Jazzclub)
02.06.2012 Berlin (Schlot)
tbc.

Subjektiv:

 ★★★★★ 

Obbjektiv:

 ★★★★★ 

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The Muppets: Bald erscheint der Soundtrack zum Film

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The Muppets: Bald erscheint der Soundtrack zum Film

Posted on 13 Januar 2012 by Julian

The Muppets

Für viele von uns sind sie mehr als nur eine schöne Kindheitserinnerung: Die Muppets, jene Puppentruppe um Kermit den Frosch, Miss Piggy und Fozzy Bear. Dank des Engagements des Schauspielers und Drehbuchautors Jason Segel (Nie wieder Sex mit der Ex, How I met your mother) wurden die überdrehten Puppen aus dem Ruhestand geholt und sind wieder in einem Film zu sehen. Besonders schön auch, dass die  zauberhafte Amy Adams mitspielt. Wer sich schon einmal auf den Film einstimmen möchte, dem seien die SAT 1 Comedy Wiederholungen der Serie (Mo – Fr, 19.45 Uhr) und der fantastische Soundtracks zum Film ans Herz gelegt, der sowohl auf englisch als auch auf deutsch ab dem 20.01.2012 über Walt Disney Records / EMI erhältlich sein wird und neben den filmexklusiven Songs (u. a. gibt es eine fantastische Coverversion von Smells Like Teen Spirit und Mah Ná Mah Ná ist natürlich ebenfalls drauf) auch Songs von Paul Simon, Starship und Andrew Bird zu bieten hat.

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Vollkommen. Anders. Der Citroën Musikwettbewerb

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Vollkommen. Anders. Der Citroën Musikwettbewerb

Posted on 20 Dezember 2011 by Julian

Citroen Musikwettbewerb

Citroën hat in Zusammenarbeit mit dem Rolling Stone und dem Musikexpress einen Musikwettbewerb ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, die passende Musik zum Citroën DS5 zu schaffen. Ab dem 16.12.2011 stellt Citroën auf www.DS5-Sound.de diverse Musikstücke vor. Die Teilnehmer werden nun dazu aufgerufen, die Stücke völlig umzugestalten. So kann z. B. Klassik mit Country gemischt werden, oder Romantik mit Jazz etc. Dabei soll aus bekannten Melodien etwas völlig Neues geschaffen werden.

Die Neuinterpretationen werden anschließend online eingereicht und ab dem 15.01.2012 zur Bewertung durch andere User freigegeben. Der ganze Vorgang wird in mehreren 14-tägigen Staffeln wiederholt, am Ende steht dann ein Publikumssieger. Eine Jury (u. a. Götz Alsmann, Joachim Hentschel) entscheiden dann darüber, welche Interpretationen auf die CD-Beilagen des Rolling Stone und des Musikexpress’ kommen. Vielleicht habt ihr ja Lust, am Wettbewerb teilzunehmen, oder abzustimmen?

Für Teilnehmer gibt es interessante Preise:

- Ein Jahr den neuen Citroën DS 5 oder Citroën Jumpy fahren

- Equipment-Gutscheine für die Publikumssieger á 1000 €

- Die ersten 50 Beiträge erhalten je einen 100 € Equipment-Gutschein

- Der Gewinnersong der Jurywertung wird auf den Heft CDs vom Rolling Stone und Musikexpress veröffentlicht

Termine:

- 16.12.2011: Eine Auswahl an Klassikern steht zur Neuinterpretation bereit

- 15.01.2012: Die ersten Interpretationen werden veröffentlicht

- 14-tägige Wahl des Publikumssieger

- Ende März: Ende der Abstimmung und Wahl des Gesammtsiegers. Jurywertung.

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The Beach Boys – Reunion und Bandjubiläum

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The Beach Boys – Reunion und Bandjubiläum

Posted on 20 Dezember 2011 by Julian

The Beach Boys Reunion
Photocredit by Capitol Records

In den Fanforen wurde es schon seit geraumer Zeit gemunkelt, doch nun ist aus der Vermutung Gewissheit geworden: Die Beach Boys, eine der erfolgreichsten und wichtigsten Bands Amerikas (Pet Sounds / Smile), haben sich, quasi in Urbesetzung, wieder zusammengefunden. Nun, Urbesetzung ist vielleicht das falsche Wort, denn Dennis und Carl Wilson sind bereits verstorben. Dennoch sind in der Besetzung Brian Wilson, Mike Love, Al Jardine, Bruce Johnston und David Marks alle noch lebenden Musiker der Urbesetzung vertreten (Bruce Johnston ersetzte später Brian Wilson bei Liveauftritten, David Marks war als Gitarrist auf den ersten 4 Beach Boys Alben zu hören). Neben einer neuen CD, für die Brian Wilson einige Lieder geschrieben hat und dessen erster veröffentlichter Song der Klassiker Do It Again ist – der übrigens fantastisch klingt – wird es eine 50 Konzerte umspannende Tournee geben, deren ersten Konzert beim New Orleans Jazz & Heritage Festival stattfindet. Überdies wird es ein neues Greatest Hits Album geben und ein Box-Set mit allen Alben der Band ist auch geplant.

Dieses Jubiläum ist etwas ganz Besonderes für mich, denn ich habe die Jungs vermisst und es wird für mich sehr spannend, mit ihnen eine neue Platte zu machen und wieder auf der Bühne zu stehen. — Brian Wilson

Nachtrag: Inzwischen wurde bekannt, dass die Beach Boys für zwei Konzerte nach Deutschland kommen.

THE BEACH BOYS – “Celebration – The Beach Boys’ 50”

featuring Brian Wilson, Al Jardine, Mike Love, Bruce Johnston, David Marks & Band

 03.08.2012 Berlin, o2 Arena (Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr)

04.08.2012 Stuttgart, Schleyerhalle (Einlass: 19Uhr, Beginn: 20Uhr)

 Karten von € 30.– bis € 90.–  - zuzüglich Gebühren!

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Interview mit Liebe Minou

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Interview mit Liebe Minou

Posted on 17 Dezember 2011 by Julian

Liebe Minou
Photocredit (c) by Steffen Böttcher

Liebe Minou, die eigentlich Ama Hellhammer heißt, ist die gute Fee des deutschen Chansonpops. Ihr Album „Ich“ atmet die bittersüße Fröhlichkeit, die auch schon in Jean-Pierre Jeunets Film „Die Fabelhafte Welt der Amélie allgegenwärtig war. Liebe Minou über Kekse, Musik und geheime Botschaften.

Julian Auringer: Liebe Minou, wie läuft es denn so bei dir?

Liebe Minou: Ganz toll! Die Sonne scheint heute endlich mal wieder und da bin ich ganz froh drüber! Ich war beim NDR in der Sendung DAS! Zu Gast und beim Großen Hafenfest in Bremerhaven habe ich auch gespielt – begleitet von einer Melodica, die schön nach Akkordeon klingt und gut zum Hafen passt. Dann haben wir noch ein etwas größeres Kekskonzert bei der Hamburg Sounds in den Fliegenden Bauten gegeben. Im August wurde ich von der Sterneköchin Léa Linster zu einem Gourmettag eingeladen, da gab’s viel zu Schmecken und ich habe auch gebacken und ein Kekskonzert gespielt.

Julian Auringer: Das klingt wirklich sehr positiv. Wo hast du denn Léa Linster kennengelernt und was ist unter dem Kompositum „Kekskonzert“ zu verstehen?

Liebe Minou: Oh das war bei der NDR Talkshow! Über ihre Einladung habe ich mich sehr gefreut. Sie ist eine ganz tolle Persönlichkeit, eine Wahnsinns Köchin! Was sie so zaubert muss man wirklich mal probiert haben. Toll! Tja und Kekskonzerte sind Konzerte, die an so kleinen Orten stattfinden, dass man sie fast schon Plätzchen nennen könnte. Auf den Kekskonzerten gibt es aber auch immer selbstgebackene Kekse.

Julian Auringer: Ist das nicht eine wahnsinnige Arbeit, gerade jetzt, wo alles etwas größer wird?

Liebe Minou: Das ist eine Herausforderung, ja. Früher waren die Kekskonzerte wirklich klein und da haben die Kekse dann auch immer gereicht. Ja, und jetzt wird das immer mehr und ich muss meine Schwestern animieren. Die machen auch schon fleißig mit. Ich möchte einfach die beste Kekskonzertistin der Welt werden!

Julian Auringer: Ach, da gibt’s noch mehr?

Liebe Minou: Ich hoffe doch! Das weiß man ja nicht. Die verstecken sich wahrscheinlich noch alle hinter kleinen Keksen. Das ist zwar meine Erfindung aber man muss doch immer der oder die Beste sein, in dem, was man macht.

Julian Auringer: Du scheinst Kekse zu mögen – backst du denn gerne?

Liebe Minou: Ja! Das mache ich wirklich gern. Mit dem Backen ist es wie mit dem Basteln. Beides gehört irgendwie zu mir. Manchmal, da stürmt es über einen herein, da hat man das Gefühl: „Jetzt muss ich etwas basteln oder backen!“ Und wenn ich irgend eine Idee hab‘, dann möchte ich die natürlich auch gerne umsetzten. Tja, das ist genau wie mit dem Liederschreiben. Irgendwie ist das ein Überbleibsel aus der Kindheit.

Julian Auringer: Apropos Kindheit: Als ich klein war, habe ich immer die Sesamstraße geschaut und da gab es das Krümelmonster, dass immer Kekse gegessen hat. Das hast du sicherlich auch gemocht, oder?

Es gibt auch Tage, an denen steht man auf, schaut in den Spiegel und einem stehen die Haare zu Berge. Dann denkt man sich: „Oh je… Was wird das jetzt heute?“

Liebe Minou: Oh ja! Das mag ich wirklich! Und dann gab es da noch diese tollen Lieder mit Kermit und seiner Band – von der habe ich den Namen leider vergessen. Aber die Sesamstraße war schon sehr lustig und ich habe das auch immer mit meinen Schwestern geschaut.

Julian Auringer: Ich habe mal bei einem Malwettbewerb gewonnen, da war ich noch klein. Da durfte ich mir dann eine Figur aus der Sesamstraße aussuchen – es wurde natürlich das Krümelmonster!

Liebe Minou: Ahhh! Und hast du das noch?

Julian Auringer: Ja klar! Du musst wissen, dass ich Kekse sehr mag – lieber als Kuchen – und man an sich wunderbar arbeiten kann, wenn man nur Kekse, Gummibärchen und einen guten Tee hat.

Liebe Minou: Sehr gut! Das ist auch echt meins. Ich freu‘ mich da auch manchmal einfach so über die grünen Gummibärchen. Dass sie so selten sind macht sie irgendwie besonders.

Julian Auringer: Sag mal, mir ist aufgefallen, dass du eine sehr positive, wenn man so will, fast kindliche Ausstrahlung hast. Wie konntest du dir das bewahren?

Liebe Minou: Das weiß ich nämlich eigentlich auch nicht! Der Theaterregisseur Max Reinhardt hat mal gesagt: „Ein Schauspieler ist ein Mensch, dem es gelungen ist, seine Kindheit in die Tasche zu stecken und sie bis an sein Lebensende darin aufzubewahren“ und irgendwie ist es doch genauso. Man steckt sich seine Kindheit in die Tasche und bewahrt sie dort auf. Das will ich nicht missen müssen. Meine Kindheit, die trag‘ ich immer in der Tasche bei mir. Wenn ich die Texte zu meinen Liedern schreibe, dann ist das ganz ähnlich und ich sehe ganz viele Bilder von mir und es kommen viele Erinnerungen ins Bewusstsein. Man hat einfach die Chance, diese zu behalten und sich die positiven Dinge in den Kopf zurückzurufen. Meine positive Seite ist generell ein großer Einfluss auf meine Arbeit, meine Persönlichkeit. Nimm z. B. meinen Namen „Liebe Minou“. Seit ich ein Kind bin mag ich Milch-Nougat-Schokoladenkekse. Ich liebe Milch-Nougat-Schokoladenkekse… Und das wurde dann zu meinem Spitznamen und stand dann auch Pate für den Albentitel.

Julian Auringer: Ah! Jetzt wird mir einiges klar! Ist denn Liebe Minou privat ein anderer Mensch oder ist sie ein Teil von dir?

Liebe Minou: Also das ist sozusagen meine bereits erwähnte gute Seite. Jeder hat die ja irgendwo, wenn auch verborgen. Es gibt sicher auch Tage, an denen steht man auf, schaut in den Spiegel und einem stehen die Haare zu Berge. Dann denkt man sich: „Oh je… Was wird das jetzt heute?“ Aber dann habe ich immer noch die gute Seite und ich muss an die Bühne denken, an meine Lieder und ans singen. Also ich bin das schon, Liebe Minou ist ein Teil von mir. Die gute Seite!

Julian Auringer: Wie wurdest du eigentlich entdeckt?

Liebe Minou: Also ich mache schon ziemlich lange Musik – naja, solange auch wieder nicht, ich bin ja erst 22 Jahre alt, aber ich habe schon mit 3 Jahren angefangen Klavier zu spielen und später habe ich dann auch gesungen und mir Bühnen gesucht. Mit 19 Jahren hatte ich dann das Glück, Achille Fonkam vorsingen zu dürfen. Dann hat sich alles gefügt und so sind wir ein musikalisches Team geworden. Er ist wirklich ein sehr inspirierender Produzent!

Julian Auringer: Da warst du beim Vorsingen sicher nervös?

Liebe Minou: Ein wenig, ja, aber man muss dann auch in dem Moment einfach an sich glauben. Man darf dann überhaupt nicht an sich zweifeln. Erst steht man dann natürlich vor einem imaginären Berg und denkt sich: „Oh! Da muss jetzt viel kommen!“ Aber da muss man da einfach rauf und dann schafft man das auch.

Julian Auringer: Wie entstehen deine Kompositionen?

Liebe Minou: Das ist immer ganz verschieden und ich hab‘ da eigentlich keine richtige, immer wiederkehrende Vorgehensweise. Manchmal träume ich sogar von Melodien und dann wache ich auf und geh‘ ans Klavier und schreibe anschließend Texte. An anderen Tagen habe ich mal ein gutes Buch gelesen und das inspiriert mich dann. Da will man dann einfach drauflos texten. Wenn ich anfange zu schreiben oder Musik zu machen, bin ich wie ein kleines Kind, das in ein Schaufenster guckt in dem kleine Süßigkeiten drin wohnen und wo alles bunt und fröhlich ist. Auch das Kompositionsinstrument ist immer verschieden – teils tagesabhängig. Wenn z. B. gutes Wetter ist oder ich gute Laune habe oder traurig bin, beeinflusst das meine Wahl. Ab und zu spiele ich auch Klavier oder singe einfach, wenn ein Freund auf der Gitarre improvisiert. Auch was das Arrangement betrifft, rauscht es mit dem Lied ganz unbewusst aufs Papier oder Tonband. Wie ein Einfall einfällt, fällt dann ein Lied ein und manchmal ist es dann so gut, wie es ist. Auch mein Produzent Achille Fonkam hat da immer tolle Ideen.

Julian Auringer: Wie ist denn der Song „Wiedersehen“ entstanden? Den finde ich sehr gut.

Liebe Minou: Oh, Danke! Es gibt wirklich viele Menschen, die ich so gerne wiedersehen möchte und bei einigen ist es vielleicht in diesem Leben nicht mehr möglich. Aber man kennt das ja: Die Telefonnummer ist verloren gegangen und man hat das Gefühl, dass einem die Person sehr nahe ist und man keine Möglichkeit hat, sie wiederzufinden. Aus diesem Gefühl heraus ist es entstanden. „Wiedersehen“ ist übrigens eines dieser herüberrauschenden Stücke, die sehr geschwind entstanden sind. Es ist eines dieser Lieder, die ich dann den ganzen Tag vor mir hergesungen hab‘.

Julian Auringer: Wenn du Fremdkompositionen singst, also z. B. von Beatrice Reszat, welche Position als Sängerin hast du dann gegenüber der Komposition?

Liebe Minou: Besonders die Arbeit mit der von dir angesprochenen Beatrice Reszat war ganz spannend! Ich bin damals zu ihr an den Starnberger See gefahren und dort wo sie wohnt, ist es ganz märchenhaft. Wie sie schreibt und lebt, das passt einfach! Da stimmt alles und sie hat mir einige Lieder vorgespielt, die fand ich unglaublich toll und die sollten dann auch aufs Album drauf. Generell suche ich mir Lieder aus, die mich wirklich berühren und wenn sie das schaffen verinnerliche ich sie und singe sie dann auf meine Art! Dann ist es so, als hätte ich sie selbst geschrieben. Du kennst das vielleicht: Wenn man ein Lied im Radio hört – oder wo auch immer – es mitsingt, da stecken ja auch viele eigene Emotionen drin, da taucht man ein und das ist dann der magische Moment der Musik.

Julian Auringer: Wie wichtig ist dir nach dieser anstrengenden Arbeit die Reaktion des Publikums?

Liebe Minou: Ich möchte einfach gerne Freude bringen! Ich möchte schöne Erinnerungen mit den Menschen teilen. Ich backe ja auch immer Kekse dazu und verteile die, weil die mich an die schönen Momente meiner Kindheit erinnern. Sonntags, da haben wir immer mit der ganzen Familie gebacken und der Geruch erinnert mich noch heute daran. Da verbindet man dann noch mehr mit der Musik und ihren Bildern. Es ist mir also schon wichtig, dass die Leute ihren Spaß haben. Ich freu‘ mich immer total, wenn Zuschauer mir schreiben und sagen, dass ich ihnen den Tag bereichert habe. Also davon geht mein Herz auf! Da freue ich mich richtig doll.

Julian Auringer: Hast du spezielle Einflüsse?

Liebe Minou: Ich habe keine Vorbilder, aber wie du schon bemerkst doch einige Einflüsse. Ich höre selbst gerne Aretha Franklin, Norah Jones, Edith Piaf – oder um ein paar deutsche zu nennen – Nina Hagen und Helge Schneider. Ich mag einfach Künstler, die irgendetwas Besonderes machen, auch abseits der Musik, wie die Lyrikerin Else Lasker-Schüler. Die schreibt ganz tolle Gedichte. Da geht mein Herz auf!

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Rebekka Bakken September CD Cover

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Rebekka Bakken: Neues Album “September” kommt im September

Posted on 13 Juli 2011 by Julian

Rebekka Bakken Promofoto September

Photocredit © by Tina Axelsson

Am 16.09.2011 ist es endlich soweit: Jazzsängerin Rebekka Bakken veröffentlicht auf Emarcy Records ihr inzwischen fünftes Soloalbum. Bisher gibt es nur sehr rare Informationen zu der Veröffentlichung, lediglich ihre Mitmusiker (Bill Dillon, Gail Ann Dorsey, Bill “cupcake” Dobrow), ihr Produzent (Malcolm Burn), der Aufnahmeort (Kingston, New York) und das Coverartwork sind bekannt. Einen ersten, wie immer hochwertigen Song gibt es in einer Liveversion auf ihrer Facebookgruppe zu hören.

Rebekka Bakken war langezeit ein Geheimtipp – an der Seite von Wolfgang Muthspiel und Julia Hülsmann entstanden einige schöne Aufnahmen, ehe sie sich ihrer Solokarriere widmete und sich mit Alben wie Morning Hours und I Keep My Cool sowie unzähligen Konzerten und einem eigensinnigen Mix aus Jazz, Rock und Pop eine stetig wachsende Fangemeinde erspielte. Wer sich live von ihr ein Bild machen möchte hat ab November die Chace dazu.

Rebekka Bakken September CD Cover

 

11.11.2011 Essen (DE), Zeche Zollverein

12.11.2011 Mannheim (DE), Enjoy Jazz, Alte Feuerwache

13.11.2011 Mainz (DE), Frankfurter Hof

15.11.2011 Köln (DE), Kulturkirche

16.11.2011 Oldenburg (DE), Kulturetage

17.11.2011 Hamburg (DE), Fabrik

18.11.2011 Berlin (DE), FritzClub im Postbahnhof

19.11.2011 Schloss (Kiel, 24103, Dänische Str. 44)

22.11.2011 Erlangen (DE), E-Werk

02.02.2012 München (DE), Muffathalle

03.02.2012 Karlsruhe (DE), Tollhaus Kulturzentrum e.V.

04.02.2012 Stuttgart (DE), Theaterhaus (am Pragsattel)

19.04.2012 Lübeck (DE), MuK

20.04.2012 Worpswede (DE), Music Hall

21.04.2012 Hamm (), Open Air Festival (DE)

22.04.2012 Nürnberg (DE), Maritim

24.04.2012 Bonn (DE), Harmonie

25.04.2012 Magdeburg (DE), Karstadt Warenhaus AG

26.04.2012 Halle (Saale) (), Opernhaus

28.04.2012 Dresden (DE), Lukaskirche

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The Kills LP Cover

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Single Release: The Kills – Future Starts Slow (inkl. Verlosung)

Posted on 30 Juni 2011 by Julian

The Kills LP Cover

Letzten Freitag (24.06.2011) erschien auf Domino Records die neue Single von The Kills, der Band um Alison Mosshart und Jamie Hince (der zukünftige Ehemann von Supermodel Kate Moss). Future Starts Slow ist laut dem New Musical Express der beste Song der Band, wir würden ihn als düster, direkt und voller sexueller Energie bezeichnen, wunderbar vorgetragen von der verrucht-erotischen Alison Mosshart. Der Song erscheint auf Vinyl und als Download, die B-Seite ist der Song Raise Me.

Uns wurden 3 rare CD-Singles zur Verfügung gestellt, die nicht im Handel erhältlich sind und auf der nur Future Starts Slow vertreten ist. Um zu gewinnen, solltet ihr Fan unserer Facebook-Seite sein und bis zum 10. Juli 2011 eine Mail mit dem Betreff “The Kills” sowie eurer Adresse an verlosung@diekopfhoerer.eu senden. Viel Glück!

THE KILLS “Future Starts Slow” von domino

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Boban & Marko Marković Orchestra vs. Fanfare Ciocărlia – Balkan Brass Battle

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Boban & Marko Marković Orchestra vs. Fanfare Ciocărlia – Balkan Brass Battle

Posted on 21 Mai 2011 by Julian

Boban & Marko Markovic Fanfare Ciocarlia CD Cover

Irgendwie schaffen es die Gypsy Brass Bands immer wieder, dass sie einem nicht zum Halse raushängen. Spielerische Perfektion, die so an keiner Musikhochschule der Welt erlernt werden kann, Gespür für das richtige Timing, pure Lebensfreude und ein ganz kleiner Funken Irrsinn sind es, die diese Bands auszeichnen. Bei Balkan Brass Battle handelt es sich um eine Art blechgewordenen Sängerkrieg zwischen dem Boban & Marko Marković Orchestra und der Fanfare Ciocărlia, ein Kräftemessen zweier Blaskapellen. Neben einem Gegeneinander gibt es auch immer ein Miteinander, denn einige Stücke (James Bond Theme, Devla, Disco Džumbus, Asfalt Tango) werden auch zusammen vorgetragen, was eine besondere musikalische Gewalt offenbart. Doch welche der beiden Bands geht nun als Sieger hervor? Es ist wirklich schwer zu sagen und es sind vor allem die Ansprüche, die letztendlich bestimmen, wer nun gewonnen hat. Wer Geschwindigkeit liebt, wird sich vor allem an der Fanfare Ciocărlia erfreuen, was die Jungs auf Suita A La Ciobanas abliefern, gilt in manchen Bläserkreisen als unspielbar. Wer hingegen wuchtige Interpretationen schätzt, wird mit dem Boban & Marko Marković Orchestra vorlieb nehmen. Man vergleiche z.B. die zwei Interpretationen von Caravan. Beide Interpretationen tragen einen genialen Funken in sich. Und was die Fanfare Ciocărlia aus I Am Your Gummy Bear (vielen aus den MTV Mobiltelefonwerbungen bekannt) machen, ist der klanggewordene Irrsinn. Eine Platte, die in einer Pension in den entlegenen Wäldern Transylvaniens aufgenommen wurde und ein wenig so klingt, als würden die Jungs von Vlad Tepes höchstpersönlich verfolgt.

Erschienen bei Asphalt Tango Records.

Subjektiv:

 ★★★★☆ 

Objektiv:

 ★★★★☆ 

Tourdaten

24.05.2011 – Vienna (A) – Konzerthaus
25.05.2011 – Munich (D) – Muffathalle
26.05.2011 – Leipzig (D) – UT Connewitz
27.05.2011 – Berlin (D) – Huxleys Neue Welt
09.07.2011 – Karlsruhe (D) – Zeltival
10.07.2011 – Kassel (D) – Kulturzelt
12.07.2011 – St. Gallen (CH) – Kulturfestival
13.07.2011 – Jena (D) – Kulturarena
01.11.2011 – Cologne (D) – Kölner Philharmonie

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