Dita Von Teese & Sebastien Tellier

(Review) Dita Von Teese – Dita Von Teese

Es gibt sie immer wieder, die Alben, bei denen der Musikjournalist Schnappatmung bekommt und in Ermangelung der Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu verschaffen, Alben ablehnt, ohne sie zuvor gehört zu haben. Wenn sich dann noch Ahnungslosigkeit mit größtmöglicher medialer Präsenz paart, sitzt der offene Hörer bisweilen kopfschüttelnd neben seiner Stereoanlage und wundert sich.

So geschehen bei Olga Scheps Scooter Album. Ungehört abgestraft, ohne Wissen um etwaige Mitwirkende, deren Unterstützung des Projekts evtl. für Qualität stehen könnte (nebenbei: Großartiges Album!). Und nun also Dita Von Teese. Nein, nicht der Dieter aus Taize, sondern die allseits bekannte Stripperin Burlesque Tänzerin, Schneewittchen der It Girls und Stilikone in Persona, die kein geringerer als Alejandro Jodorowsky vor einigen Jahren mit Marilyn Manson verheiratete (die Ehe ist inzwischen wieder geschieden).

Dita von Teese und Musik – man fragt sich, besonders ob der ex-ehelichen Verbindungen, warum da bisher noch nichts veröffentlicht wurde. Nun also das Debütalbum. Eins vorweg: Sie kann nicht singen. Ein paar Töne sind treffsicher gehaucht, sonst: Sprechgesang. Dass die Sache dennoch bestens funktioniert und nicht zu einer lächerlichen Katastrophe a la Fabio Lanzonis After Dark (ein Album, welches trotz seiner Lächerlichkeit gewisse erheiternde Qualitäten aufweist) verkommt, liegt vor allem an Tausendsassa Sébastien Tellier, der seiner schönen Chanteuse die Kompositionen auf den Leib schreibt.

Wie einst Serge Gainsbourg oder Benjamin Biolay gelingt es dem Komponisten, Dita Von Teese gut klingen zu lassen. Sparkling Rain, Erotic Rendezvous oder Bird Of Prey: eine schwülstige, verheißungsvoll erotische Atmosphäre durchdringt die Songs und überrascht mit Eingängigkeit und kompositorischem Tiefgang.

Sicher, einige wenige Songs erreichen, besonders zu zweiten Hälfte des Albums nicht die Qualität eines Bird Of Prey – das 8 1/2 minütige Discostück The Lunar Dance, mit hartem Beat etwas aus der Rolle fallend, beschließt die wunderbare Zusammenarbeit der beiden Künstler aber zufriedenstellend.

Ob es ein zweites Album geben wird und ob es noch einmal gelingen wird, Dita Von Teeses begrenzte Stimme so songdienlich einzusetzen, sei dahingestellt (allerdings gibt es durchaus Sängerinnen, die trotz mangelnder stimmlicher Fähigkeiten ganze Karrieren aufbauten). Porcelain weist hier den Weg in die Zukunft, denn die Kombination der Stimmen Dita Von Teeses und Sébastien Telliers erinnert wohlig an Serge Gainsbourg und seine zahlreichen Duettpartnerinnen.  Es bleibt eine großartige Obskurität, wie sie nur in Frankreich entstehen kann.

Erschienen bei Record Makers / Cargo.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.