Galley Beggar Heathen Hymns Cover

(Review) Galley Beggar – Heathen Hymns

Erinnert sich noch jemand an Circulus? Jene Band, die mit Alben wie The Lick On The Tip Of An Envelope Yet To Be Sent oder Clocks Are Like People die Folk- und Progfans ab 2005 gleichermaßen verzückte? Eine Band, deren Sound, wie bereits angedeutet, Fans verschiedener Genres zu begeistern wusste? Galley Beggar, ebenfalls aus England stammend, rufen Erinnerungen an die Freakfolker hervor und unterscheiden sich doch sehr von ihnen.

Heathen Hymns vermischt zwar auf eine recht ähnliche Weise verschiedene Genres – jedoch entziehen sie dem Freakfolk der Kollegen das freakige und wenden sich eher der Psychedelic der 60er Jahre sowie dem Heavy Rock zu. Durchgeknalltheiten wie Miri It Is sucht man vergebens, bowohl – und das muss hervorgehoben werden – sie hier auch nicht fehlen.

Besonders interessant: Galley Beggar spielen über weiteste Strecken akustisch; dennoch gelingt es ihnen, ziemlich hart zu rocken, wie etwa direkt im ersten Stück, Salome, deutlich wird. Über weite Strecken folkig, gesellt sich im Laufe der Zeit eine E-Gitarre hinzu. Das letzte Viertel überrascht mit einem sehr rockigen, an arabische Musik erinnernden, Violinenostinato. Erinnerungen an Pentangle werden wach, ein wenig muss man auch an Jethro Tulls Folkphase denken.

Galley Beggar

Galley Beggar. Photocredit 2017 by Ester Segarra

Auf der anderen Seite stehen Stücke wie Lorelei. Ein ausgesprochen schönes Folkstück von einnehmender Schönheit, die Maria O’Donnells Stimme perfekt inszeniert. Allein diese Komposition rechtferigt bereits den Kauf von Heathen Hymns. Eine wunderbare Verschrobenheit der Briten findet sich in der Abmischung einiger Akustikinstrumente. So wird die Violine Celine Marshalls hin und wieder durch einen Verstärker geschleift, was den Sound auf angenehme Art verfremdet.

Alles in allem gehört Galley Beggar zu jenen Bands, die man als Retro-Rock oder Folk Fan gehört haben sollte. Sie lassen die frühen1970er Jahre auferstehen, widmen sich dem Sound damals gängiger Folkacts an der Schnitstelle zu Rock und Prog wie Fairport Convention, Steelye Span oder Lindisfarne (erstes Album!). Ein ausgesprochen tighter Sound, der Genregrenzen überwindet aber doch organisch klingt.

Erschienen bei Rise Above Records. Galley Beggar im Web.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil. Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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