Christoph Israel Wintermärchen

(Review) Christoph Isreal – Ein Wintermärchen. Weihnachtslieder aus Deutschland

Vor ein paar Tagen begab es sich, dass mein ziemlich guter Kopfhörer zerbrach. Eine ziemlich dumme Angelegenheit, denn der Erstattungsvorgang zieht sich hin und nun muss ich eine so ausgezeichnete Produktion wie Ein Wintermärchen von Christoph Israel (und i.Ü. auch A Very Kacey Christmas – es macht einen Verrückt) tatsächlich durch meine viel schlechteren Ersatzkopfhörer hören. Aber warum erzähle ich davon? Nun, Ein Wintermärchen klingt immer noch herausragend. Trotz schlechtetet Audiowiedergabe überzeugt der Klang und es bleibt dem Hörer möglich, in einem wunderbaren Klangteppich zu versinken.

Dieser Umstand ist nicht zuletzt dem Filmorchester Babelsberg zu verdanken, der eine Reihe wunderbarer Weihnachtslieder aus hiesigen Landen perfekt umsetzt. Haftet ihnen (also den Weihnachtsliedern) sonst immer eine gewisse Muffigkeit an, erstrahlen sie hier in neuem Glanz, denn Christoph Israel schuf keine andächtige Weihnachtsplatte, wie man sie von den seltsamen LPs der Eltern zu kennen pflegt. Vielmehr wurden die Stücke zu einer Art Suite arrangiert, sie gehen nahtlos ineinander über, wirken entrückt-märchenhaft, verzaubern die Hörerschaft. Dies gelingt durch einen eher progressiven Kompositionsansatz. Er steht der Filmmusik definitiv näher als der klassischen Musik – erinnert eher an Edward mit den Scherenhänden als an die Schubert’sche Winterreise (die man allerdings auch hören sollte).

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die gesungenen Lieder. Es treten auf: Max Raabe, Gregor Meyle, Katharina Thalbach, Cassandra Steen und Thomas Quasthoff. Erneut zeigt sich, dass eher klassische Stimmen wie Raabe oder Quasthoff (eindrucksvoll!) zu dieser Art von Musik passen und die Popsänger zwar gut singen, zu Weihnachtsliedern jedoch überhaupt nicht passen wollen. Eine andere Sache ist das Lied mit Katharina Thalbach. Ich mag die Frau und ihre Stimme kommt herrlich verschroben daher. Allerdings passt ihr Stück so gar nicht zum sonstigen, eher besinnlichen Tenor der CD. Besonders Eltern sollten sich das Stück vllt. vor dem heiligen Abend einmal anhören, ehe sie es ihren Kindern vorspielen … der hiesige Rezensent hätte vermutlich ordentlich verstört unter dem Weihnachtsbaum gesessen.

Alles in allem gelang Christoph Israel mit Ein Wintermärchen. Weihnachtslieder aus Deutschland ein kleines Meisterwerk. Es wurde zur idealen Weihnachts-CD, zu einem Tonträger, der das Zeug zum Klassiker besitzt und den Stunden unterm Tannenbaum den richtigen Klangteppich hinzufügt. Lediglich das finale Stück wirkt auf mich zu überdreht, zerstört die weihnachtliche Stimmung – würde aber als Single durchaus funktionieren. Beeindruckend übrigens die isntrumentalen Fähigkeiten Meesun Hong-Colemans, Albrechtr Mayers (seine Soloplatten werden hiermit ausdrücklich empfohlen) und Andreas Blaus.

Erschienen bei Universal.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil. Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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