Albert Hammond

(Review) Albert Hammond – In Symphony

Albert Hammond gehört zu jenen Musikern, die zwar jeder kennt, der aber – abgesehen von seinen Hits It Never Rains In Southern California und The Free Electric Band – eher als Songwriter für andere Musiker erfolgreich war (und dessen Alben man sich dennoch unbedingt mal anhören sollte). Auf seine Kappe gehen Songs wie etwa To All The Girls I’ve Loved Before (Willie Nelson & Julio Iglesias), Nothing’s Gonna Stop Us Now (Jefferson Starship) und natürlich The Air That I Breath (The Hollies). Und dann gibt es da noch diesen einen Song, der für Whitney Houston ein großer Erfolg war: One Moment In Time.

I’m A Train

In Symphony, Hammonds neues Album, nimmt sich der alten Hits an und interpretiert sie mit Orchester und Band. Orchesterinterpretationen von großen Hits gehen ja oft ziemlich in die Hose und zumindest in diesem Bereich muss man Albert Hammond loben, denn die Arrangements sind größtenteils interessant, wie etwa I’m A Train oder auch When I Need You. Hinzu kommt, dass Hammond noch recht gut singen kann, wenn auch etwas die Kraft zu fehlen scheint. Kraftlosigkeit gehört dann auch zu den Hauptproblemen einiger Songs. So überkommt einen unweigerlich das Gefühl, dass über die alten Songs ein Schleier gelegt wurde, der sie zwar durchschimmern lässt – doch irgendwas fehlt, ist anders, änderte sich.

Ein Song wie Alejate etwa überzeugt durch sein Orchesterarrangement, doch sobald das unfassbar unpassende Schlagzeug einsetzt, kippt die Stimmung und erholt sich erst wieder in den vom Schlagzeug befreiten Passagen. Die ungünstige Wahl des Schlagwerks lässt viele Songs ins Beliebige kippen, macht den großen Unterschied zwischen Begleitcombo und guter Orchesteradaption aus (ein Phänomen, das dem hiesigen Rezensenten bisher auch bei anderen Alben anderer Künstler auffiel).

To All The Girls I’ve Loved Before

Apropos Begleitcombo: To All The Girls I’ve Loved Before … Für mich Tiefpunkt in Willie Nelsons Discografie. Fürchterlicher 80er Sound, nahe am Schlager. Und tatsächlich: Als Song jetzt nicht unbedingt herausragend. Hier jedoch absolut erträglich und trotz Orchester weniger Kitschig als die Iglesias/Nelson Version. Auch eine Leistung, die anerkannt werden muss.

Richtig bitter hingegen wirds bei The Air That I Breath. Das orchestrale Intro lässt einen noch hoffen. Doch dann wird diese Hoffnung brutal erstickt. 5 Minuten und 34 Sekunden dauert dieser Song, der selbst bei den Hollies schon eher gewöhnungsbedürftig ausfiel. Hammond versetzt seinem eigenen Song den Todesstoß. Dem hiesigen Rezensenten fiel es schwer, das Lied am Stück zu hören. Wenn von In Symphony ein Song als Kitsch bezeichnet werden darf, dann dieser. Hier stimmt gar nichts. Dagegen erscheint das für diese Art von Hitrevue übliche Medley aus When You Tell Me That You Love Me / One Moment In Time wie große Kunst.

Albert Hammonds In Symphony kann man vieles vorwerfen. Es gibt gute und schlechte Momente, interessante und belanglose Versionen seiner Songs. Alles in allem wirkt das Album unnötig – aber über Notwendigkeit einer Orchesterinterpretation zu diskutieren wäre sinnlos. Eins wird jedoch sehr deutlich: Hammond ist und bleibt ein herausragender Songwriter, dessen Songs selbst in üblen Versionen Lust auf die alten Aufnahmen machen.

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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