Blues Pills, Elin Larsson, Kadavar

(Konzertreview) Blues Pills & Kadavar – The Lady In Gold Tour 2016.

Blues Pills und Kadavar – beiden Bands haftet der Ruf an, ein unglaubliches Konzerterlebnis zu sein. So spielten Kadavar bereits in Übersee und den Blues Pills Releases liegt meist eine Live DVD bei, die von der Bühnenmagie der Band Zeugnis ablegen. All das war Grund genug, beide Bands einmal auf ihre tatsächlichen Livefähigkeiten zu testen. Wie durch ein Wunder gehen sie derzeit sogar zusammen auf Tour – eine Art Nuclear-Blast-Minifestival. Volltreffer. Also bin ich zum Konzert in Hannover gefahren. [Konzertfotogalerie am Ende des Artikels].

Stray Train

Der Abend wurde von der slowenischen Band Stray Train eröffnet, die mir zuvor völlig unbekannt war. Eine der Vorbands, denen man gerne zuhört, obwohl mir persönlich der starke 90er Jahre Grungeeinfluss nicht lag, denn besonders wenn die Band sich an den 70er Jahren orientiert, reißt sie das Publikum mit. Highlight des Konzert war sicher der letzte Song mit seinem die Härte durchbrechenden Gitarrenpart, der an Led Zeppelins Folkausflüge oder die akustischen Spielereien der Sabbath-Dio-Phase erinnerte. Hier sehe ich großes Potential und ich vermute, dass wir von Stray Trains noch einiges hören werden. Im Laufe ihres Sets sprang der Funken langsam über – etwas, was den wenigsten Support Acts gelingt.

Stray Train

Stray Train, Hannover 2016

Kadavar

Es folgten Kadavar mit einem knapp einstündigen Konzert, wie es intensiver kaum hätte ausfallen können. Nach einem Bühnenumbau befand sich das Schlagzeug direkt am Bühnenrand, der Aufbau rief Erinnerungen an die radikale Abmischung der  erste LP wach. Reduziert auf Gitarre/Schlagzeug/Bass/Gesang musizierten die Berliner Jungs ohne Rücksicht auf Verluste und bewiesen auch auf der Bühne, dass sie von musikalischer Radikalität getrieben werden. Ein Set, das mit solcher Wucht und Intensivität auf das Publikum niederprasselt, ohne dabei zu einer erdrückend-ermürdenden Erfahrung zu werden, findet man selten. Lupus, Tiger und Dragon steigerten im Laufe ihrers Sets die Intensität, die sich mit dem Beatles-Cover Helter Skelter (im Motörhead-Sound) in einem Blitgewitter entlud. Man hätte ihnen noch sehr lange zuhören können – es wäre nicht langweilig geworden. Lediglich mein persönlicher Favorit Reich der Träume (Nico) fehlte, sozusagen als emotionaler Ausgleich. Warum die Jungs aber auf die Idee kamen, man wäre nur wegen den Blues Pills gekommen – man weiß es nicht.

Kadavar

Kadavar, Hannover 2016

Blues Pills

Und doch: Ohne Frage wartete der gesamte Saal, dieses wunderbare Gemisch aus Metalfans, Hipstern und Altachtundsechzigern, auf die Hardrocksensation um die Schwedin Elin Larsson. Mit dem Debüt auf Platz 4 der Charts, mit Lady in Gold auf Platz 1 – in einem vom Schlagerwahnsinn geplagten Land anno 2016 eine mittelschwere Sensation. Gleich vorweg: Nein, es handelt sich hier keineswegs um einen Hype. Elin Larsson singt auch in natura wie auf den Alben und Dorian Sorriaux weiß genau, wie man eine Gitarre richtig spielt. Voller Hingabe zu seinem Instrument verschmilzt der Musiker mit seinem Instrument und entlockt ihm aberwitzige Töne. Jedes noch so kleine Solo überzeugt und es wundert ein wenig, dass die Blues Pills noch keinen Soloeskapaden verfallen. Besonders jetzt, wo man auf Tour von einem Organisten begleitet wird (eine absolut sinnvolle Ergänzung), würde es sich mehr als anbieten.

Blues Pills

Blues Pills, Hannover 2016

Die Setlist bestand größtenteils aus dem neuen Album Lady in Gold, allerdings spielte man auch diverse „Klassiker“ wie etwa High Class Woman oder das großartige Devil Man in seiner EP Version, einer Fassung, die Elin Larssons Stimme perfekt inszeniert und verdeutlicht, dass ein Vergleich mit Janis Joplin m.E. unangebracht erscheint (unterstrichen wurde dieser Eindruck übrigens durch das Tony Joe White Cover Elements and Thunder). Das Timbre stellt keine Kopie dar, es singt ein Original. Die erste Zugabe, I felt a change, zeigte dem Pubilkum noch eine andere Seite. Der sonst sehr extrovertierte Sängerin gelang es, Intimität aufzubauen und präsentierte sich zerbrechlich. Allein, sich selbst am Piano begleitend, wurde die Bühne zum Wohnzimmer. Ein definitives Highlight.

Falls Kadavar und die Blues Pills in eurer Stadt spielen: Geht hin. Meine wärmste Empfehlung!

  • Blues Pills, Hannover 2016
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Alle Photos: Photocredit by Julian Auringer, diekopfhoerer.eu

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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