Lord Of Misrule Alia O'Brien

(Review) Blood Ceremony – Lord Of Misrule

Blood Ceremony sind meine Favoriten unter den aktuellen Retrobands, von den Blues Pills einmal abgesehen. Nach einem eher durchschnittlichen Debüt, mit dem ich bis heute nicht warm werde, besonders der Gesang von Alia O’Brien wies hier noch einige Schwächen auf – folgten zwei Alben, die eine Band zeigten, deren Entwickung einen großes Sprung gemacht hatte. Mit Oliver Haddo, Daughter Of The Sun aber auch Lord Summerisle, The Magician und Goodbye Gemini überholte man ziemlich schnell das große Vorbild Jethro Tull (von den 1970er Jahren abgesehen). Inzwischen erwartete ich ein Album von Blood Ceremony sehnsüchtiger, als ein neues Ian-Anderson-Output.

Blood Ceremony, Alia O'Brien

Blood Ceremony: Photocredit by Ester Segarra

Mit Lord Of Misrule hingegen habe ich nun einige Probleme. Der einzige Longtrack des Albums, The Devil’s Widow, erinnert mich zu stark an bereits existierende Songs. Zudem fällt mir wieder einmal auf, dass Alia O’Briens Gesang hier nicht immer hundertprozentig korrekt ausfällt, besonders deutlich wird dieses Manko bei diversen Glissandi. Der Titeltrack Lord Of Misrule hingegen überzeugt mich wieder auf ganzer Linie. Zwar erinnert der Song ebenfalls an bereits existierende Songs, liefert aber schöne Gitarrenfills, guten Gesang und jene entrückte, unheimliche Stimmung mit ordentlich Flötenarbeit, die ich an Blood Ceremony mag. The Weird of Finistere – auch hier fühle ich mich wieder an alte Songs erinnert (Lord Summerisle) – bildet den Ruhepunkt des Albums. Ein netter Song – wenig innovativ, dafür mit eingängigem Refrain, der mir aus unerklärlichen Gründen besser gefällt, als er es eigentlich sollte.

Lord Of Misrule positioniert sich im Bandgefüge hinter seinen beiden Vorgängern. Dem Debüt überlegen finden sich hier alle Trademarks der Band – lediglich ein guter Longtrack und neue Ideen fehlen. Blood Ceremony scheinen derzeit festzustecken. Als Fan hätte ich mir gewünscht, dass man den Weg, den man mit The Eldritch Dark einschlug, weitergehen würde. Dennoch darf man gespannt sein, wie sich die Band entwickelt: Stillstand kann auch andeuten, dass man nach neuen Ideen sucht, neue Wege beschreiten will, die Möglichkeiten aber noch fehlen.

Erschienen bei Rise Above.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil. Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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