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(Review) Stephanie Nilles – Murder Ballads

Vor drei Jahren entdeckte ich zufällig Stephanie Nilles. Seither gehört die Musikerin, die man als Schnittmenge zwischen Tom Waits und Mary Ocher beschreiben könnte (wobei ich Nilles gegenüber Ocher deutlich vorziehe), zu jenen Künstlerinnen, die mich sehr begeistern und deren Alben ich unter großer Spannung erwarte. Murder Ballads liegt nun bereits seit einigen Monaten auf meinem Schreibtisch, denn es fällt schwer, die dort präsentierte Musik in Worte zu fassen. Die Schwierigkeit besteht schlicht darin, dass sie zugänglich und verschroben zugleich ausfällt, einfacher strukturiert wurde, also so manche hier besprochene Jazzplatte und doch voller Details steckt, die es zu entdecken gilt. Hinzu kommt Nilles Stimme, deren jazziges Timbre von einem extremen Vibrato beseelt ist, einer jener Stimmen, die man sich erarbeiten muss, die einen dann aber nicht mehr in Ruhe lassen.

Stephanie Nilles Murder BalladsMurder Ballads setzt nahtlos an ihr letztes Album … takes a big ship an, verzichtet dieses Mal allerdings auf die Zusammenarbeit mit Zach Brook, von Open Season einmal abgesehen. Der Sound der Platte überzeugt erneut durch seine Direktheit, es klingt eher nach Jazzclub denn nach Studio. Eine echte Band, ohne produktionstechnische Verrenkungen. Mir gefällt diese Art sehr. Der Hörer setzt den Kopfhörer auf und entflieht so in eine völlig andere Welt. Stephanie Nills bleibt sich indes treu. Alles ein wenig verrückt und versehen mit jener Eingängigkeit, die man auch von Frank Zappa kennt. Melodien, die erst undurchdringbar erscheinen und einen im Handumdrehen bis spät in die Nacht verfolgen. Ein durchweg spannendes Album voller Mörderballaden, abseitigen Geschichten also, die selbst dann voller Spannung sind, wenn ein Song 13 Minuten dauert (und eigentlich noch viel länger war, ehe er für das Album gekürzt wurde).

Erschienen bei Tradition & Moderne.

Website von Stephanie Nilles.

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

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