Etwas Neues lernen: Piano

Wie man effektiv etwas Neues lernt

Kennst du das auch? Du möchtest etwas können, glaubst aber, dass du es niemals lernen wirst? Weil es zu umfangreich erscheint, dir wenig Zeit zur Verfügung steht, oder du einfach das Gefühl hast,  nicht der Schlag Mensch zu sein, dem dieses Vorhaben gelingen kann? Doch anstatt es zu versuchen, fängst du erst gar nicht an?

Seit Jahren steht z.B. ein Klavier in deiner Wohnung, ein altes Erbstück. Jeden Tag gehst du daran vorbei und denkst bei dir: „Wenn ich doch nur wüsste, wie man darauf spielt!“ So vergeht ein Tag nach dem anderen, aus Tagen werden Jahre und deine Situation hat sich nicht geändert.

Dabei ist es gar nicht so schwer, etwas Neues zu lernen. Du darfst nur nicht den gleichen Fehler machen, den 95% aller Menschen scheitern lässt: Es gar nicht erst versuchen. Ich werde dir nun zeigen, wie es dir gelingen wird, dein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Bleiben wir bei unserem eingangs genannten Beispiel: du hast ein Klavier und willst lernen, wie man darauf spielt. Unmengen Tasten, dazu Pedale … Wo fängst du also an? Bevor du dir über dein Vorgehen bewusst wirst, solltest du dir zwei Grundsätze vor Augen führen:

1. Zeit ist relativ.

Noch einmal: Zeit ist relativ. Was ist schon ein Jahr, ein Jahrzehnt? Was bedeuten Jahre, wenn am Ende ein Erfolg steht? Wenn du Michael Endes „Momo“ gelesen hast, wirst du dich sicher an Beppo  Straßenkehrer erinnern (wenn du es nicht kennst – hole es nach!). Beppo kehrt viele Straßen, doch er macht immer nur einen Besenschwung auf einmal. Auf diese Weise scheint seine Arbeit kurzweilig zu sein. Anstatt daran zu denken, dass die Straße endlos ist, fokussiert er sich auf den Moment. Erst als er von den grauen Herren über die Wichtigkeit der Zeit informiert wird, sieht er die ganze Straße und plötzlich scheint es so, als wäre seine Arbeit unmöglich zu bewältigen. Was lernen wir also von Beppo?

–> Schau immer nur auf das, was du jetzt erledigen musst. Denke in kleinen Einheiten.

Zeit

Zeit ist relativ!

2. Andere Menschen werden versuchen, dich von deinem Vorhaben abzubringen.

Warum sie das tun? Es gibt viele Gründe. Doch die Lust am Scheitern anderer Personen, Gleichmacherei und Neid sind die drei größten Faktoren. Halte dir immer vor Augen, warum TV-Formate, die Menschen beim Scheitern zeigen, so erfolgreich sind. Menschen, die einen anderen beim Scheitern sehen, können so ihr eigenes Handeln (oder besser: Nicht-Handeln) rechtfertigen. Der Regisseur und Autor Alejandro Jodorowsky umschrieb es einst poetisch mit den Worten: „Vögel, die in Käfigen geboren wurden, halten das Fliegen für eine Krankheit.“ Was lernen wir daraus?

–> Du bestimmst über dein Leben. Schaffe dir ein Ideal und höre nicht auf negative Stimmen.

Wenn du diese beiden Punkte realisierst, verinnerlichst, hast du schon die halbe Arbeit hinter dir. Punkt 2 befreit dich allerdings nicht von einer gehörigen Portion Selbstkritik. Du solltest dir schon deiner Selbst bewusst sein. Wenn du kein Talent zu dem hast, was du dir vornimmst … Tja, dann solltest du das möglichst zu Beginn realisieren. Wenn du Klavier spielen lernst und nach 4 Wochen immer noch an den vier Akkorden C Am F G scheiterst … Neues Hobby.

Zu scheitern bedeutet nichts, es zeigt dir nur nur neue Wege.

~ Alejandro Jodorowsky

Doch es gibt noch andere Menschen. Sie werden dich ermuntern. Dazu eine kleine Geschichte: Als ich noch zur Schule ging, kritzelte ich in einer Vertretungsstunde vor mich hin. So entstand ein einfaches Stillleben, ohne Qualität. Es war eben Gekritzel. Einer meiner Sitznachbarn hielt es jedoch für große Kunst. Als der Kunstlehrer meine Sicht der Dinge bestätigte, also erklärte, dass es sich hier nicht um Kunst handelt, sagte mein Sitznachbar ermutigend: „Er ist nur neidisch auf dein Talent“. Der Mann, der selbst ausstellte, war also neidisch? Wohl kaum. Und wie oft sieht man bei Castingshows Menschen, die nicht singen können, aber von Freunden und Familie als Jahrhunderttalent gepriesen werden?

3. Nichts erzwingen, Denkmuster ändern.

Ja, wenn man lernt, sollte man Spaß an der Sache haben. Wenn dich eine andere Person zwingen muss, vergiss es! Wenn du dir aber einen deiner Lieblingssongs  beibringen möchtest, musst du auch täglich üben. Nur 15 Minuten. Du willst ja nicht Glenn Gould werden (aber auch der hat vermutlich mal klein angefangen). Das kann auch bedeuten, dass du mal gar keine Lust hast. Dann machst du es aber trotzdem, denn wenn du nachgiebig bist, hast du bereits verloren. Oder wie Miguel de Unamuno sagte: „Wer mit der Versuchung diskutiert, hat ihr bereits nachgegeben.“

4. Die kleinste Einheit finden.

Du erinnerst dich an Punkt 1 und Beppo? Beppo teilt die Straße in kleine Einheiten ein. Du unterteilst dein Piano (um bei unserem Beispiel zui bleiben – es lässt sich aber universell anwenden). Zu Beginn erscheint es dir sehr schwer. Du möchtest möglichst schnell und mit wenig Aufwand viel lernen. Wenn du jedoch zu schnell voranschreitest, wirst du hinfallen, denn dir fehlt die Sicherheit. Teile also ein. Wenn du Piano lernst, wirst du bald merken, dass du es nur mit 12 Tasten in verschiedenen Tonhöhen/Oktaven zu tun hast. Doch es geht noch kleiner: Tatsächlich bestehen diese 12 Tasten aus 7 weißen und 5 schwarzen. Überdies basieren viele Songs nur auf 4 Akkorden (und das sind bereits ‚komplexe‘ Popsongs). Wie das Klavier oder Popsongs ist alles im Leben unterteilbar. Du musst nur die kleinste Einheit finden. Ist sie gefunden, hast du die Struktur begriffen.

Hat sogar nur zwei Akkorde: Fallin‘ von Alicia Keys

5. Durchhalten. (Kombiniert 1, 2, 3 und 4).

Dieser Punkt kombiniert alles vorher Gesagte und geht noch ein wenig darüber hinaus. Wenn du etwas lernen willst, so wird der Prozess niemals abgeschlossen sein. Sei dir also darüber bewusst:  Heute triffst du eine Entscheidung. Diese Entscheidung wird dein Leben verändern. Besiege deine innere Stimme, die dir sagt: „Ein Tag Pause – was soll da schon geschehen?“ Höre nicht auf sie. Gehe jeden Tag einen Schritt zurück und einen nach vorn. Versichere, dass du die Informationen des Vortags begriffen hast und anwenden kannst.

Fazit

Wenn du die 5 Punkte befolgst, kannst du alles schaffen. Du musst dich nur trauen. Denke immer daran: Zeit ist relativ. Was ist schon Zeit? Und was, wenn es 10 Jahre dauert, etwas zu lernen, du jeden Tag nur eine Seite liest, einen Akkord lernst etc.? Wenn es dir wichtig ist, sind 10 Jahre keine lange Zeit. Vor allem ist sie nicht verloren. Verloren ist die Zeit, in der du untätig bist.

In Michael Endes „Momo“ findet sich übrigens noch eine interessante Figur. Sie heißt Kassiopeia und ist eine Schildkröte. Folglich schreitet sie sehr langsam voran und während sie mit der Heldin Momo flieht, offenbart sie eine Weisheit: Der Weg liegt in ihr. Sie muss ihn selbst gehen, wird sie getragen, kann sie nicht ankommen. Der Weg liegt also in uns selbst. Keiner kann ihn uns abnehmen.

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

4 thoughts on “Wie man effektiv etwas Neues lernt

  1. Toller Beitrag! Ab und zu wäre es auch nicht verkehrt den Mitmenschen nichts mitzuteilen, damit Punkt 2 nicht eintreffen kann.
    Ich hasse es, wenn man etwas vorhat und andere machen sich nur darüber lustig, weil sie selbst keine Ambitionen haben. Aber so sind einige nun mal, was wirklich traurig ist!

  2. Danke. Vielleicht verfasse ich demnächst einen Artikel, wie man mit negativen Stimmen umgeht. Da gibt es so 2 bis 3 Ansätze, teils auch recht radikal.

  3. Schön geschrieben! Die meisten unterschätzen tatsächlich den Zeitfaktor und dass man nur mit kontinuierlichem Lernen weiterkommt – „durchhalten“ trifft es auf den Punkt :-).

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