Bright Side Lenka

Lenka – The Bright Side

Lenka gehört zu den Musikern, die ich seit Gründung des Blogs verfolge. Damals zufällig entdeckt, traf ihr fröhlicher Sound einen gewissen Nerv und kontrastierte meine damalige Stimmung ideal. Kurz auf dem Weg in die Uni gehört – oder, was häufiger vorkam – in einer der endlosen Nächte des Jahres 2009, und die Stimmung wurde schlagartig besser. Somit verbinde ich mit Lenka einige schöne Momente. Zudem war ihre Musik immer gut produziert, wenn auch etwas glatt. Aber diese Glattheit, der durchweg positive Sound, war immer Teil des Konzepts. Wer auf seiner Webpage einen Bastelkurs anbietet tickt eben etwas fröhlicher als der Durchschnitt. Somit verstand ich nie die Ablehnung, die der Sängerin von anderen Kritikern entgegenschlug.

Vom Debüt über  Shadows bin hin zu The Bright Side: Alle vier Alben önderten auch immer ein wenig den Sound. War Shadows die bisher größte Änderung – Lenka schrieb einige Schlaflieder für ihr Kind – finden sich auf The Bright Side vermehrt elektronische Elemente, die sich allerdings gut in den Gesamtsound einfügen. Von einer Anbiederung an Trends kann man bei ihr also nicht sprechen. Interessant übrigens auch der Titel: Nach Shadows folgt The Bright Side. War Shadows (Schatten) das (für ihre Verhältnisse!) bisher düsterstes Album, folgt nun die helle, die strahlende Seite. Was man nicht nur am Sound merkt, denn die Schatten werden hier schnell wieder vertrieben.

Neben einigen gewohnt fluffigen Songs sticht besonders Unique hervor, getragen von Ukulele, Bassdrum und Gitarre bewegt sie sich im selbstgewählten Sound. Auch das Piano taucht hier wieder auf. Leider scheitert der Song am Text. Bei Zeilen wie:

„I’m living in my own world everyday / I party by myself in my own way / might look a little funny but that’s okay / ‚Cause I am me and that’s unique“

muss man mit dem Kopf schütteln. Nein, man selbst zu sein, macht einen noch nicht einzigartig. Darüber hinaus lesen sich Lenkas Worte wie Zeilen aus dem Poesiealbum einer 12-jährigen Schülerin. „Dance like nobody is watching!“ schießt einem unweigerlich in den Kopf. Tja, ich sehe ein wenig seltsam aus, aber cool, bin ich halt einzigartig. Was mich stört – ich assoziere hier mal: der Versuch, alle Menschen als einzigartig zu charakterisieren. Problematisch ist das natürlich nicht, doch wenn der Text die Sängerin ausgerechnet hier schnippisch klingen lässt (generell wäre das ja gar nicht mal so schlecht)… suboptimal. Ähnlich geht es mir übrigens mit dem Text zu We are powerful:

„We are invincible, we are unique / we are incredible, we are free / we are beautiful, we are a dream / we are wonderful, you and me“

Was sind wir alle wieder multifunktional. In der Konsumtheorie wird übrigens diese Multifunktionalität äußerst negativ bewertet. Zudem fällt auf: WIR sind einzigartig. Wir. Einzigartig. Erinnert mich an Monty Python: „Wir sind alle Individuen.“ … „Ich nicht!“. Der Sound hingegen setzt ganz auf Rhythmus, überrascht mit einem ausgeklügelten Arrangement.

Besonders die erste Single Blue Skies (siehe Video) gefällt besonders gut. Verhältnismäßig dunkle Synthesizer treffen auf eine interessante Strophe. Was im ersten Moment wie eine Hinwendung zum Mainstream (ergibt das bei Lenka Sinn?) wirkt, entpuppt sich als intelligente Modernisierung und Verschmezung vorheriger Sounds.

Alles in allem bietet Lenka hier wie immer gute Arrangements und auch die neuen, elektrischeren Klänge wissen zu gefallen. Die Songs sind eingängig wie immer und doch bleiben sie nicht lange hängen. Was das Album abwertet sind die teils zu positiv-naiven Texte, die selbst im Vergleich zu Lenkas sonstigen Songs noch heftiger ausfallen. Zu erwarten war das nicht unbedingt, boten Two und Shadows doch Ansätze in Text und Sound, die düsterer ausfielen. Dennoch kann man, so man denn Fan der Sängerin ist, mit dem Album nict viel falsch machen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass insbesondere Fans, denen Shadows weniger gefiel, hier etwas versöhnt werden.

Erschienen bei Sony Music.

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.