Rick Wakeman – Journey To The Centre Of The Earth / Return To …

Rick Wakeman Journey

Progressiverock ist nicht jedermanns Sache. Aufgeblasen, zu klassisch, zu schräg, jenseits der Form: Die Liste der Gründe, warum die filigranste aller popmusikalischer Subgenres im Mainstream wenig Beachtung findet ist lang. Rick Wakeman hingegen, der immer wieder gerne mit langer, goldener Mähne und einem Glitzerumhang nicht nur Yes unsicher machte, sondern auch Solo sein Unwesen trieb bzw. immer noch treibt und auch vor aufblasbaren Dinosauriern nicht zurückschreckt, gehört selbst innerhalb der Szene zu den eher fragwürdigen Gestalten. Nicht zuletzt seine christliche- , seine Ich-bin-König-Arthus-, seine Quitschekeyboard- oder seine Easy-Listening-Phase sind manchem Hörer einfach zu viel des Guten. Aber es gab eine Zeit, da war Rick Wakeman ein Weltstar. Frisch von Yes getrennt, veröffentlichte er einige sehr gute Soloalben, zu ihnen gehörten Six Wifes Of Henry VIII, Journey To The Centre Of The Earth und The Myth And Legends Of King Arthur And The Knights Of The Round Table. Besonders ersteres und letzteres sind auch heute noch gut hörbar – wenn auch teilweise sehr pathetisch. Journey hingegen krankte an seiner Unvollkommenheit. Wakeman gelang es damals nicht, genug Geld aufzutreiben, um neben der selbstfinanzierten Liveversion auch eine Studioversion einzuspielen, zudem musste das Konzert aufgrund der LP-Kapazität beschnitten werden. Der Sound der Liveaufnahme wirkte verstaubt, wenig direkt, aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß. Nun begab es sich 2012, dass Rick Wakeman die Originalnoten wiederfand und restaurieren ließ. Dem Classic-Rock-Presents-Prog-Magazin lag nun eine Neuaufnahme bei, nun auch einzeln erhältlich, auf dem die ganze Sache vollständig und in bester Tonqualität beilag. Eingespielt vom Orion Symphony Orchestra, dem English Chamber Choir und unter der Leitung von Guy Protheroe. Einziges Manko: Ashley Holt (Rick-Wakeman-Band, Warhorse) singt nur noch Teile des Werks, als Hauptstimme wurde Hayley Sanderson engagiert, die etwas zu sehr in Richtung Musical intoniert. Dennoch macht sie ihre Sache ordentlich. Lediglich einige neue Passagen durchbrechen die Grenze zum Kitsch endgültig, was aber letztendlich am Material liegt. Journey gehört somit zu den besten Veröffentlichungen Wakemans seit Retro und der King Henry VIII Neuaufnahme. Ein Gipfeltreffen des orchestralen-poppigen Kitsches und als solches Unverzichtbar.

Return To The The Centre Of The Earth zu bewerten fällt deutlich schwerer aus. Bereits 1999 war das groß geplante Comebackalbum des funkelnden Keyboardzauberers extrem aufgeblasen, kompositorisch durchwachsen und in vielerlei Hinsicht schlecht durchdacht. Zu den besten Entscheidungen gehörte es damals jedoch, den Star-Trek-Veteranen Patrick Stewart als Sprecher zu engagieren. Richtig programmiert ist es nämlich möglich, das Album als reines Hörbuch mit Musikuntermalung zu hören. Stewarts Stimme hätte ich mir persönlich auch auf der Journey Neuaufnahme gewünscht. Ein echter Meister seines Fachs und der Hauptgrund, Return sein Eigen zu nennen. Abgesehen von ihm treten auch noch einige weitere Gaststars in Erscheinung: Justin Hayward, Ozzy Osbourne, Trevor Rabin und Bonnie Tyler. Sie alle agieren sehr durchschnittlich, der English Chamber Choir wird als reiner Effekt genutzt, das London Symphony Orchestra doppelt fast durchgängig die Rockband. Als direkter Nachfolger zum Original eine kleine Katastrophe. Wakeman scheiterte aber vor allem an der Veröffentlichungspolitik des damaligen Labels, die es nicht unbedingt für nötig hielt, das Album international zu veröffentlichen. Diverse Bootlegs weisen auf eine durchaus vorhandenen Käuferschicht hin. Doch trotz allem liebt der hiesige Kritiker Return sehr. Warum ist ihm selbst nicht klar, wahrscheinlich liegt es an Wakemans Talent, bestimmte Urinstinkte musikalisch anzusprechen. Wie dem auch sei: Journey To The Centre Of The Earth gehört in jede gute Musiksammlung, Return To The Centre Of The Earth eher nicht. Obwohl es definitiv seine guten Momente hat und jedes Yes-Album der letzten Jahre (ab 1990)  in den Schatten stellt.

Erschienen bei Rykodisc/Warner.

Journey:

Rating: ★★★★☆ 

Return:

Rating: ★★☆☆☆ 

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil. Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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