Marianne Dissard – The Cat. Not Me

The Cat. Not Me.

Marianne Dissard geht mit ihrem offiziellen dritten Album The Cat Not Me einen besonders mutigen Weg: Anstatt auf CD erscheint es nur als Schallplatte und Digitaler Download. Kommerzielle Verträglichkeit sieht anders aus. Andererseits: Sowohl digitale Downloads als auch Schallplatten verkaufen sich immer besser, die Zahlen steigen, während CD-Verkäufe immer weiter zurückgehen. Ob es der richtige Schritt war, zumal das neue Album nicht mehr beim alten Label LePop erscheint, sondern über Vacant zu beziehen ist, wird sich zeigen. Anders sieht es auf der musikalischen Seite aus. Hier muss nicht groß diskutiert werden, The Cat Not Me ist das beste Album der Musikerin. Nehmen wir Pomme. Ein düsterer Text trifft auf einen meisterlich komponierten Song. Zentnerschwere Pianoklänge (auf dem Album allgegenwärtig), von Bläsern begleitet, der Gesang wechselt zwischen erhabenem Vortrag und kindlicher Naivität, letztere begleitet von Tamburin und Oboe. Dann die Bridge: Als hätte Brian Wilson persönlich Hilfestellung geleistet (auf dem Teaservideo ab 4:30 zu hören). Harmoniegesang, wieder die Oboe, Windchimes, dann ein kurzes Finale. Großartig! Oiseau schöpft aus Dissards Americana-Erfahrung, erinnert noch am ehesten an ihre amerikanisierten Chansons des Debüts. Neben den üblichen Zutaten überrascht ein Mundharmonika-Solo, unverkennbar gespielt von Mickey Raphael, jenem Willie-Nelson-Mitstreiter, dessen gefühlvoller Stil immer wieder begeistert.

Marianne Dissard hat ihren Stil deutlich weiterentwickelt. Noch immer vermischt sie Einflüsse aus den verschiedensten Genres. Von Surfmusik über Country bis hin zum Chanson oder Industrial findet sich hier wirklich alles Mögliche. Entrückt-schräge Töne (z.B. Melodica), fieberhafte Passagen (das Accordion auf La Partie De Puzzle Du Jardin A La Francaise!) und Sampleediting (exzessiv auf dem enorm stimmungsvollen Doll Circa – was für eine verlassene, kühle Atmosphäre!) treffen auf geerdete Sounds, es wird experimentiert und doch niemals ziellos musiziert. Schubladen waren immer schon etwas für die Anderen.

Ich zeigte mich vom letzten Album etwas enttäuscht, habe es seit damals auch nicht mehr oft gehört. The Cat Not Me jedoch präsentiert eine meisterliche Partnerschaft zweier Songwriter, einen musikalischen Glücksfall, eine Wiedergeburt. Sergio Mendoza und Marianne Dissard liefern ihr Meisterwerk ab, ziehen ihre Hörer in eine düstere Welt hinein (Heureusement Sans Heurt – man höre sich den Text sehr genau an), weit entfernt vom Sound des Debütalbums. Die Zeiten haben sich geändert.

Erschienen bei Vacant.

Subjektiv:

Rating: ★★★★★ 

Objektiv:

Rating: ★★★★★ 

‚The Cat. Not Me‘ – Album teaser – Marianne Dissard from Marianne Dissard on Vimeo.

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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