Lea W. Frey in der Aegidienkirche Hannover, 08.08.2014

Lea W. Frey, Hannover

Immer wieder gerne hören wir die Musik von Lea W. Frey, einer Künstlerin, deren Repertoire sich auf Coverversionen stützt. Das musikalische Spektrum könnte kaum größer ausfallen, reicht es doch von Nick Drake über die Buggles bis hin zu den Smashing Pumpkins. Sie verzichtet dabei auf eine Rockband und nähert sich den Stücken mit den Ohren einer popkulturell gebildeten Jazzsängerin, interpretierte auf ihren Alben folglich im Trio mit Peter Meyer (Gitarre) und Bernhard Meyer (Bass). Trotz der oft kühlen Sounds wohnte den Stücken eine wohlige Wärme inne, ausgehend von Freys hervorragender Stimme. Zum ersten Mal seit dem 2011er Debüt We Can’t Rewind (4/5) und der zweiten CD How Soon Is Now (4/5) von 2013 führte sie nun endlich ein Konzert nach Hannover, im Rahmen der Konzertreihe Jazz GUTunterwegs (# 14). Neu in der Band: Schlagzeuger Andi Haberl, dessen filigranes Rhythmusgerüst den Stücken den letzten Feinschliff verpasst und der sich ganz hervorragend in den Bandkontext einfügt. Seine Rhythmusarbeit erdet die entrückten Interpretationen Lea W. Freys. Es wirkte, als hätten die Interpretationen nie anders geklungen.

Lea W. Freys Mut, sich den fremden Stücken zu nähern, sie sich anzueignen, kann gar nicht genug gelobt werden. Kate Bush, John Lennon, The Verve – nichts wirkt seltsam oder unpassend, gar aufgesetzt. Gelungene Arrangements, der Kern eines Songs immer erkennend und bewahrend, diese Klasse zeichnet sie (und ihre Band) aus. Wenn sogar das reichlich (und oftmals schlecht) gecoverte Bye, bye Blackbird zum Highlight wird, kann man nur von einem rundum gelungenen Konzert sprechen. Die wunderbar ausgeleuchtete Ruine der Aegidienkirche sorgte darüber hinaus für eine einmalige Stimmung. Besonders schön war, wie bereits auf den Alben, ihre Art, Nick Drake zu singen. Things Behind The Sun, das man auf so verschiedene Weise ruinieren könnte, erstrahlte an diesem Abend in neuem Glanz. Auf instrumentaler Ebene ließ hingegen ein kleines Zwischenspiel aufhorchen: Das Bindeglied zwischen How Soon Is Now (The Smith) und Video Killed The Radio Star (The Buggles) bestand aus experimentellen, abgefahren Sounds, wie wir sie von den Meyers besonders schätzen. Als Zugabe dann John Lennons verwegene Liebeserklärung an seine Mutter Julia, im Original bereits ein wunderbarer Song und ein großartiger Abschluss für eines der stimmungsvollsten Konzerte des Jahres.

  • Lea W. Frey, 08.08.2014, Hannover
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Setlist:

Oh my Love (John Lennon, Yoko Ono)
Weeping Willow (The Verve)
Where did you sleep last night (Trad. / Nirvana)
It aint me Babe (Bob Dylan)
How soon is now (The Smith)
Video killed the Radiostar (The Buggles)
Bye Bye Black Bird (Ray Henderson, Mort Dixon)
Things behind the Sun (Nick Drake)
Running up That Hill (Kate Bush)
Zugabe:
Julia (John Lennon, Paul McCartney)

 

Lea W. Frey auf Tour:

22.11.2014 Brelingen, Brelinger Mitte
23.11.2014 Detmold, Red Horn District
25.11.2014 Bielefeld, Bunker: Ulmenwall
30.11.2014 Berlin, B-Flat
Alle Fotos: Photocredit (c) 2014 by Julian Auringer für diekopfhoerer.eu.

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

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