Genesis: 3-CD-Set „R-Kive“ löst Shitstorm aus

R-Kive CD Cover

Es hätte so schön sein können: Die Progurgesteine von Genesis melden sich auf ihrer Facebookseite zu Wort und kündigen „some exciting Genesis news“ an. Fans, besonders jene, denen der Umstand des 40-jährigen The-Lamb-Lies-Down-On-Broadway-Geburtstags bekannt ist, erwarten natürlich großartiges. Ein neues Album, eine Tour in Gabriel-Besetzung, wenigstens ein Jubiläumskonzert mit Lamb-Material, die lang angekündigten Soundboardtapes oder eine Neuveröffentlichung der Archive Boxen (warum sie nicht in die Boxsets der letzten Jahre integriert wurden … ein Rätsel) – es gäbe sicher genug um wirklich zu überraschen. Immerhin handele es sich um exciting news. Doch was dann kam, hätten sich sowohl Fans (Exiting News) als auch das Management (Reaktion der Fans) sicher nicht gedacht: Genesis kündigen eine neue Best-Of an. Mit einem Titel, der sich unglaublich an die Jugend anbiedert. R-Kive. Hinzu kommt ein sehr gewöhnungsbedürftiges Cover, welches die Band in keiner ihrer Inkarnationen repräsentiert. Ein Shitstorm bricht los. Nicht nur unter der Facebook-Hauptmeldung machen sich die Fans Luft, auch die Einzelprofile der Musiker Peter Gabriel, Steve Hackett, Phil Collins, Mike Rutherford und Tony Banks werden von wütenden Mitteilungen geflutet (wer nichts zu tun hat: Lesen. Es lohnt sich).

Nicht nur die enttäuschten Erwartungen scheinen zur leicht überreizten Stimmung beizutragen. Nach einem eigens für eine neue Banddokumentation angefertigten Promofoto (die Dokumentation erscheint demnächst auf Blu-ray und DVD) hätte mancher Fan mehr erwartet. Immerhin: Das neue CD-Set bietet neben den Bandsongs auch Solosongs der Hauptmitglieder, was nicht weniger problematisch erscheint, werden doch Anthony Phillips und Ray Wilson einfach so übersehen. Ein großer Fehler, denn beide prägten den frühen/späten Sound der Band erheblich. Aber auch die Trackliste ist im Vergleich zur nur zehn Jahre alten Platium Collection ein Witz. Teilweise sind die Songs natürlich absolut identisch (besonders im Direktvergleich der Stücke bis 1975, lediglich einige kleine Änderungen sind zu erkennen), andere Stücke, gute Stücke, wurden weggelassen wie z.B. Duchess, Los Endos, Firth Of The Fifth, dafür wird CD 1 mit Ace Of Wands sehr stimmungsvoll abgeschlossen. Zwar erfolgt die Aufarbeitung nun chronologisch, doch voller Lücken. Fans haben die Stücke so oder so. Wie denkt ihr darüber? Großartige Box oder Geldmacherei?

CD 1
The Knife
The Musical Box
Supper’s Ready
The Cinema Show
I Know What I Like
The Lamb Lies Down On Broadway
Back In NYC
The Carpet Crawlers
Ace of Wands (Hackett)

CD 2
Ripples
Afterglow
Solsbury Hill (Gabriel)
Follow You Follow Me
For A While (Banks)
Every Day (Hackett)
Biko (Gabriel)
Turn It On Again
In The Air Tonight (Collins)
Abacab
Mama
That’s All
Easy Lover (Collins)
Silent Running (Mike + The Mechanics)

CD 3
Invisible Touch
Land of Confusion
Tonight Tonight Tonight
The Living Years (Mike + The Mechanics)
Red Day on Blue Street (Banks)
I Can’t Dance
No Son of Mine
Hold On My Heart
Over My Shoulder (Mike + The Mechanics)
Calling All Stations
Signal To Noise (Gabriel)
Wake Up Call (Collins)
Nomads (Hackett)
Siren (Banks)

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

2 thoughts on “Genesis: 3-CD-Set „R-Kive“ löst Shitstorm aus

  1. Box-Sets sind doch immer schwierig, weil man den Spagat zwischen Kommerz (0815 aber bezahlbar) und einem Dank an die Fans (die ja eh schon alles kennen und haben, aber entsprechend investieren) bewältigen muss.

    Als Fan kauft man normale Greatest Hits-Alben ja nur der Vollständigkeit halber für’s Regal, aber hört sie doch nie. Dagegen, wenn ich eine Band kennenlernen will, kaufe ich Greatest Hits-Alben, um ein Bild von ihnen zu kriegen, ob mir die Bandbreite gefällt.

    Für richtig-gute Box-Sets muss man schon mehr investieren. Als alter Hardcore-U2-Fan war ich beispielsweise sogar sehr versucht, fast 600 € für die Super-Deluxe-Version von Achtung Baby (20th Anniversary) auszugeben! (Und wir reden hier von *einem* Album, nicht die gesamte Band-Historie) Aber im Grunde kenne ich auch alle Songs und Videos… die The Fly Sonnenbrille wäre es noch gewesen! Das steht dann eben nur schön im Regal rum… hab ich dann am Ende doch nicht gekauft. U2 brachten damals verschiedene Versionen raus, vielleicht ist das der Schlüssel. Das dickste Paket dann allumfassend und limitiert und nummeriert. Aber dann mit einem anderen Titel und Cover, ja! Die Notwendigkeit für ein neues 0815-Best-of sehe ich allerdings auch nicht.

    (Da ich gerade wieder realisiere, wie unterschätzt ich die Gabriel-Zeit habe, habe ich mir erst mal was zum Nachholen auf den Wunschzettel gepackt: Selling England By the Pound und The Lamb Lies Down on Broadway für den Anfang.)

  2. So ähnlich mache ichs auch. Oder genauer: Erst lese ich mir dir Kritiken auf allmusic durch und schaue dann, ob die gelobten Songs auf der Greatest Hits drauf sind. Obwohl ich in letzter Zeit eher zum besten Album greife.

    600 €? Das wäre selbst mir zu hart. Aber ich verstehe es natürlich. Bei King Crimson, den Beach Boys oder Serge Gainsbourg überlege ich schon, ob ein Boxset über 100 € lohnt oder nicht (KC hat da sehr extreme Boxen mit 13 CDs zu einem Album. Sämtliche Konzertbootlegs der dazugehörigen Tour inklusive). Genesis waren bei den SACD Boxen sogar recht vorbildlich: Bonus CDs mit Archivmaterial, je ein kleines Begleitbuch, Videos und hervorragende Surroundabmischungen. Auf „Lamb“ war sogar die Diashow der alten Tour vorhanden (leider mit fest eingeblendeten Songangaben, was nervt). Ein großes Manko war aber die Qualität der Bonusvideos, die es in Fankreisen oft in fantastischer Qualität gibt, auf der Box aber auf irgendwelchen x-te Generation Bootlegs basieren.

    Selling und Lamb sind ein guter Start. Toll sind auch die ersten 2 Alben ohne Peter Gabriel aber noch mit Steve Hackett.

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