Tuomas Holopainen – The Life And Times Of Scrooge

Scrooge McDuck Holopainen

Dagobert Duck, in den USA als Scrooge Mc Duck bekannt, bekam in den 1990er Jahren vom Comicautor Don Rosa eine Biografie spendiert. Aus den wenigen Informationen, die in Carl Barks Werke über das Leben des reichsten Erpels der Welt (manchmal auch nur zweitreichstem Erpel – aber lassen Sie ihn das nur nicht hören) zu finden sind, erdachte der stilistisch einzigartige Zeichner eine großartige Biografie, die man nicht nur als Entenhausenfan gelesen haben sollte, denn sie gehört ohne Frage zu den Kernwerken des Comics. Ähnlich scheint das auch Nighwish-Komponist Tuomas Holopainen zu sehen. The Life And Times Of Scrooge. Ein Konzeptalbum über Dagobert Duck. Die Comicszene verfolgte die Entwicklung des Projekts mit Spannung. Als sich auch noch Don Rosa höchstpersönlich daran beteiligte, stiegen für viele die Erwartungen ins Unermessliche. Rosas Teil des Projekts geriet dann auch – wie erwartet – ganz ausgezeichnet.  Besonders die Vorzeichnungen, im Booklet abgedruckt, lohnen und lassen das Herz eines jeden Fans höher schlagen.

Auf musikalischer Seite sieht die Sache dann schon deutlich verhaltener aus. Alan Reid als Dagobert Duck stellt sich gleich in der ersten Minute als Fehlentscheidung heraus. Erwartet hätte man einen Sprecher a la Orson Welles oder Christoper Lee. Reid hingegen klingt einfach nicht nach einem alten, verbitterten Erpel, der auf sein Leben zurückblickt. Generell überzeugen die Vokalpassagen wenig. Sängerinnen und Sänger sind bestenfalls Durchschnitt, was sich mal mehr (A Lifetime Of Adventure), mal weniger (Glasgow 1877) manifestiert. Mutig hingegen der Schritt, dem Metal komplett abzuschwören, auch wenn es mich persönlich etwas enttäuscht hat. Angeboten hätte es sich, denn Metal hätte es hier und da gebraucht, um den Kompositionen den nötigen Druck zu verleihen. Im orchestralen Werk lassen sich deutliche Schwächen verorten. Die zeitweise intelligent-epischen Kompositionen (z.B. Glasgow 1877, Duel & Cloudscapes, Cold Heart Of The Klondike) weichen immer wieder kraftloser New-Age-Wohlfühlmusik –seltsamerweise korrelieren die Parts von Troy Donockley (Iona, Maddy Prior, Nightwish) nahezu nie mit diesen kitschigen Einschüben. Das Werk Holopainens spaltet also den Hörer. Einerseits ziemlich gelungen (man höre sich die letzte Minute von A Lifetime Of Adventure an, mit seinem großartigen Orchesterarrangement), andererseits langatmig, kitschig gar. Zeitweise einfach schlampig produziert (Sprecher, Sänger), was zum monumentalen Ansatz und den teils guten Kompositionen so gar nicht passen mag. Go Slowly Now, Sands Of Time bietet zwar einen der besseren Gesangsparts, aber im Comic sehen wir einen alten, verbitterten Erpel. Danach klingt Alan Reid auch hier nicht und das schadet dem Song erheblich. Davon abgesehen – und jetzt schreibt der Fanboy, jemand, der 3+ Stunden wartet, um Don Rosa die Hand zu schütteln und ein Autogramm zu erhalten – wissen Fans des Erpels nun, was sie beim erneuten Lesen der Geschichte hören werden. Und zwar mit voll aufgedrehter Lautstärke und einer Enten… pardon, Gänsehaut. Danke dafür!

Erschienen bei Nuclear Blast.

Subjektiv:

Rating: ★★★☆☆ 

Objektiv:

Rating: ★★★☆☆ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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