Elton John – Goodbye Yellow Brick Road (40th Anniversary)

Elton John Yellow Road

Was kann man über Elton John schreiben, was nicht schon geschrieben worden ist? Und dann noch über Goodbye Yellow Brick Road, jenes Album, dessen vierzigster Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird? Mit dem das Kunststück gelang, neun aufeinanderfolgende Stücke zu komponieren, die allesamt zu den Klassikern der Musikgeschichte zählen? Allein Funeral For A Friend / Love Lies Bleeding – hier zeigt John sein kompositorisches Talent für progressive Rockmusik, das später leider nie wieder ausgelebt wurde – bricht über den Hörer herein wie ein Orkan. Candle In The Wind, die Norma Jean Originalversion, zeigt seine ernste, völlig unkitschige Seite. Man wünscht sich umso mehr, John hätte den Text niemals geändert, hätte niemals versucht, aus einem alten Song erneut Profit zu schlagen und einfach irgendeinen Song an Diana Spencers Beerdigung gespielt. Er traf die falsche Wahl und so wird dieser Song immer befangen sein, ablenken von seiner wahren Größe. Groß. Jedes andere Wort wäre Verrat an der wunderbaren Musik. Goodbye Yellow Brick Road, This Song Has No Title oder Grey Seal – dafür würden viele Musiker ihre Großmutter verkaufen. Nach einer unfassbaren Serie an guten Alben (Elton John, dem Überalbum Tumbleweed Connection, Madman Across The Water, Honky Château) dieses furiose Meisterwerk übersprudelnder Kreativität (dem mit Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy endgültig die Krone aufgesetzt wurde) kommt einem Monument gleich, an dem es sich zu messen gilt und das jetzt auch so fantastisch klingt, wie es schon bei CD Erstveröffentlichung hätte klingen sollen (also ungf. so gut wie auf der DVD-A). Dass es nach neun Stücken etwas schwächelt – geschenkt! Denn selbst hier stimmt das Niveau. Kein Vergleich zum Schleim der 1980er/1990er Jahre.

Auch die Bonustracks lohnen. Zwar erscheint nicht jede Coverversion logisch – und doch machen sie größtenteils Spaß. Besonders aus dem Rahmen fallen Grey Seal von The Band Perry (mit tollem Folksound), Your Sister Can’t Twist (But She Can Rock n Roll) von Imelda May, Harmony von der Zac Brown Band und Sweet Painted Lady des großartigen John Grant (man muss ihn einfach lieben!). Vier Coverversionen die sich wirklich lohnen und auf die man nicht mehr verzichten möchte. Etwas deplatziert wirken jedoch die Highlights From Live At Hammersmith Odeon. Konzertquerschnitte haftet immer eine Lückenhaftigkeit an, die den Rezensenten oftmals nerven. Vor allem dann, wenn der Vortrag so professionell dargeboten wird, wie bei Elton John. Und dann auch noch mit Klassikern wie Honky Cat, Rocket Man und Your Song.

Alles in allem überzeugt das Re-Release des großen Elton John Klassikers. Und doch zeigt besonders CD 2, dass der Kauf des Deluxe Box Sets für Hardcorefans vielleicht doch etwas sinnvoller erscheint. Hier gibt es dann 4 CDs zu hören und eine DVD zu sehen. Der komplette Livemitschnitt, einen Film ein Hardcoverbuch etc. Anscheinend fehlt aber der großartige DVD-A Mix des Albums.

Erschienen bei Universal.

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.