ZAZ – Recto / Verso

ZAZ

Trotz meiner Vorliebe für französische Musik haben ich ZAZ bisher eher ignoriert. Sicher, ihr immens erfolgreiches Debütalbum steht auch in meinem Schrank und als Duettpartnerin von Yves Jamait wurde sie bereits erwähnt, aber so richtig erwärmen konnte ich mich bisher nicht. Dabei macht das Debütalbum eigentlich alles richtig. Und trotzdem: Wenn sie immer wieder mit Edith Piaf verglichen wird, geht – nicht nur mir, sondern auch vielen Franzosen, die zu Mademoiselle Geffroy ein eher gespanntes Verhältnis haben – der sprichwörtliche Hut hoch. Natürlich ist die Stimme stark. Keine Frage. Aber vergleichbar ist das alles nicht. Doch anstatt einer musikalischen Wiederlegung meines Ersteindrucks werden alle Vorurteile auf Recto / Verso bestätigt. Das fängt bei den unfassbar altbackenen Arrangements an. Doch nicht nur die belanglose Standardbegleitung lässt Recto / Verso abstürzen. Es sind Kompositionen wie Si, die an Michel Berger (France Gall) oder – viel schlimmer – italienischen Schmachtfetzen der 1980er Jahren erinnern. Musik, die einzig und allein auf kitschige Emotionen setzt und hier, mit dem Acapella vorgetragenen Finale ins bodenlose fallen. Richtig einfallslos wird es dann bei Gamine. Man mag es nicht glauben, aber es handelt sich um die gleiche ZAZ die auch das Debütalbum aufgenommen hat. Doch es gibt auch Hoffnung. Comme Ci, Comme Ça ist zwar marginal besser, dafür mangelt es dem Song aber an Originalität. Oublie Loulou lässt aufhorchen, ein kleiner, keck-gescatteter Song, der an alte Zeiten erinnert; ähnlich sympathisch: das vom Tango beeinflusste La lune.

Recto / Verso macht sehr viel falsch. Ein Album, wie es kommerzieller kaum ausfallen könnte. Die Jazzelemente sind zwar noch vorhanden, aber sie wurden zugunsten von belanglosen Poptracks auf ein Minimum reduziert. Selbst die wenigen Songs, die man voll und ganz dem Jazz Manouche zuordnen kann, wirken oft verbraucht und einfallslos dahin komponiert. Man muss natürlich beachten, dass ich ZAZ eher neutral gegenüberstehe, aber ihr Debüt hat selbst mich zeitweise verzaubert, etwas, dass Recto / Verso zu keinem Zeitpunkt gelingt.

Erschienen bei Sony Music.

Subjektiv:

Rating: ★★☆☆☆ 

Objektiv:

Rating: ★★★☆☆ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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