Paul Kuhn – The L. A. Session

Paul Kuhn L. A.

Ein Album von Paul Kuhn unvoreingenommen zu besprechen, wird mir in diesem Leben nicht mehr möglich sein. Als ich vor einigen Jahren gezwungen war, meinen Zivildienst abzuleisten, ging es mir nicht gerade gut. Was man alles in einem Altenheim zu sehen bekommt, kann einen Menschen – vor allem, wenn in dieser Zeit ein endloser Winter die Szenerie beherrscht –  nachhaltig prägen. Und so war es zu Ostern, ich hatte mir meinen Resturlaub genommen und fand in einem Geschäft eine CD von dem mir noch unbekannten Musiker, mit alten Songs aus den 60er oder 70er Jahren. Dank Wasserschaden war der Tonträger spottbillig und so musste ich zugreifen, denn die CD-Reihe stand für beste Easy-Listening-Musik und dieses Genre war damals eines der wenigen, die ich mir noch anhören konnte. Doch was ich zu hören bekam, war weit mehr als nur Easy-Listening: Paul Kuhn stand sowohl für Easy-Sounds als auch für anspruchsvollen Jazz. Seine Arrangements und seine Stimme nahmen mich sofort gefangen, es folgten zahllose LP-Blindkäufe. Paul Kuhn war, neben Zappa, mein Einstieg in den Jazz. Und nun folgt mit L. A. Session endlich eine neue Platte. Wie der Titel suggeriert, handelt es sich um amerikanische Aufnahmen. Von James Last wissen wir, dass in L. A. eines seiner besten Alben entstand, eine lange verschollene Funk-Granate. Auch Kuhn profitiert von der neuen Umgebung. Locker war er ja immer, aber so ungezwungen wie hier, hört man ihn selten. The L. A. Session erinnert an besten Bar-Jazz, vergleichbar mit Willie Nelsons Night And Day. Einziges Manko der ist der Fokus auf instrumentale Nummern, denn Paul Kuhn zeigt mit Just In Time und There Will Never Be Another You, dass seine Stimme auch im hohen Alter noch fantastisch klingt. Somit gehört der Gesang zu den Highlights des Albums und ist nicht, wie bei vielen gleichaltrigen Musikern Grund zum fremdschämen.

Erschienen bei In+Out Records / in-akustik.

Subjektiv:

Rating: ★★★★☆ 

Objektiv:

Rating: ★★★★☆ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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