Carla Bruni – Little French Songs

Little French Songs

Carla Bruni gehört, wenn man über Chansons schreibt, wohl oder übel zu den Künstlerinnen, die der Vollständigkeit halber besprochen werden müssen. Eines vorweg: Am schönsten war die Bruni auf ihrem Debütalbum Qualqu’un m’a dit, das der hiesige Redakteur bei Veröffentlichung monatelang nicht mehr aus dem CD Player bekam. 2002, das war die Zeit vor Sarkozy, entstand eine Handvoll leichtfüßiger Songs. Nichts Großes, ohne irgendwelche Ambitionen. Konzerte traute man sich noch nicht zu und die Vermarktung blieb trotz des Erfolgs im Rahmen. Bruni hatte ein paar Songs aufgenommen, nicht mehr und nicht weniger. Das nachhaltigste Stück indes stammte von Serge Gainsbourg und war eine sympathische Coverversion. Doch mit steigendem Erfolg wurden die Alben künstlerisch immer unbedeutender, Brunis Medienpräsenz hingegen, dank Heirat mit dem damaligen französischen Präsidenten, immer gigantischer. Musik blieb in dieser Zeit aus, lediglich Comme si de rien n’était war eine Ausnahme.

Little French Songs stellt nun die Rückkehr ins (musikalische) Rampenlicht dar. Und da stößt es dann schon bitter auf, wenn eine Präsidentengattin die Politik ihres Mannes musikalisch weiterzuführen versucht. Einige Metaphern seien Verweise auf Francois Hollande munkelt man, wir erfahren von der Atombombe Sarkozy und da fragt man sich: „Will ich das alles wissen?“. Sicher, politischer Spott war immer schon Teil des französischen Chansons, aber bei Bruni wirkt alles so bemüht verkrampft, wie das erstarrte Lächeln einer Botoxbehandelten. Die Jugendlichkeit des Erstlings ist in Little French Songs komplett gewichen, musikalisch nur noch in den Stücken Pas Une Dame, Keith et Anita und La Valse Posthume zu spüren. Lediglich das auf Italienisch gesungene Dolce Francia ist für eine Überraschung gut, die darin besteht, den Hörer zu überzeugen, dass Carla Bruni ihre Muttersprache viel besser zu Gesicht steht, als die ihrer Wahlheimat.

Little French Songs ist trotz all der Kritik ein durchaus mittelmäßiges Album geworden, das ihren Fans gefallen wird. Denn wer nach dem reichlich misslungenen No Promises immer noch sehnsüchtig auf neue Musik wartet, hat sich mit der Berechenbarkeit Carla Brunis bereits abgefunden . Wer hingegen musikalische Überraschungen erwartet, ist bei Brigitte, La Grande Sophie, Coralie Clément, Agnes Biehl oder Marianne Dissard besser aufgehoben. (Anm. der Redaktion: Erboste Fans werden nun bestimmt anmerken, dass unser Rezensent nur eifersüchtig auf Brunis Ehemann ist – dementieren wollen wir das jetzt nicht)

Subjektiv:

Rating: ★★★☆☆ 

Objektiv:

Rating: ★★★☆☆ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.