Bajofondo – Presente

Bajofondo Presente

Der Tango Nuevo, wie Piazzolla ihn spielte, gehört vielleicht zu den schönsten musikalischen Ausprägungen des 20. Jahrhunderts. Eine Verschmelzung aus Neuer klassischer Musik, Jazz und Tango die es europäischen Hörern ermöglichte, Zugang zur argentinischen Musik zu finden, die in ihrer traditionellen Spielart doch arg gewöhnungsbedürftig ist. Leider verweilte der Tango aber in dieser Entwicklung. Zahlreiche Ensembles versuchen sich am Nuevo Tango, mit wechselndem künstlerischem Erfolg. Gotan Project wagte den Schritt hin zu einer Neuinterpretation des Genres und eine Zeitlang auch absolut großartig. Doch etwas fehlte. Bajofondo wagen den nächsten Schritt, mischen Nuevo Tango mit Tango Nuevo, hinzu kommen Einflüsse aus Latinrock, Disco und anderen aktuellen musikalischen Richtungen. Dabei ist es bei jedem Hördurchgang von Presente eine Freude, die einzelnen Einflüsse zu entschlüsseln. Tango ist hier wieder tanzbar, emotional und doch künstlerisch anspruchsvoll. Man beweist, dass Discomusik keineswegs einfältig sein muss, sondern durchaus künstlerischen Mehrwehrt bieten kann. Presente hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem jener Alben gemausert, wie man in seiner Sammlung nicht mehr missen möchte. Selten, wirklich selten, wird man so gut und intelligent unterhalten. Bajofondo ist Tango für das 21. Jahrhundert.

Erschienen bei Sony Classical.

Subjektiv:

Rating: ★★★★★ 

Objektiv:

Rating: ★★★★★ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

2 thoughts on “Bajofondo – Presente

  1. Als langjähriger Argentinien-Fan mag ich sowohl den Tango von Astor Piazolla als auch von Carlos Gardel. Ob es für europäische Ohren einer Anpassung bedarf, weiß ich nicht, zumal die Argentinier ja eigentlich auch nur Europäer sind (man sagt „ein Argentinier ist ein Italiener, der Spanisch spricht, Engländer sein will und sich wie ein Franzose benimmt“ – da ist definitiv was dran).
    Von Bajofondo hab ich das erste Album aus 2003 und fand es wirklich toll. Ob es die melancholische Stimmung eines „Por una cabeza“ wiedergibt, weiß ich aber nicht. Muss es aber auch nicht. Werd auf jeden Fall mal in das neue Album reinhören!

  2. Also als ich damals ne Review zu nem Tango Box-Set schreiben musste, fand ich die alten, orchestralen oder gesungenen Tangos sehr anstrengend und ungewohnt. Das ging mit dann bei den moderneren, avantgardistischen Sachen nicht so, wobei „Libertango“ für mich eine der ultimativen Platten ist (also in jeder Musikrichtung). Da stimmt alles, von den Kompositionen bis hin zum italienischen Studiosound der 70er. Wenn ich Stücke komponieren, dann versuche ich den Sound immer entweder so hinzubekommen, oder wie auf Thick As A Brick von Jethro Tull.

    Die neue CD ist etwas weniger discofixiert, soll heißen es gibt wunderbare orchestrale Passagen etc.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.