Bobo und Herzfeld – Liederseelen

Bobo und Herzfeld Liederseelen

Gedichte alter Meister neu zu vertonen hat sich in den letzten Jahren zu einem kleinen Trend entwickelt. Schönherz & Fleer sind wohl das bekannteste Beispiel, doch ist ihre esoterisch angehauchte Musik, trotz allerlei Interpretenprominenz, nicht jedermanns Sache. Schnermann’s Poetryclan war erheblich besser, man verortete die Interpretationen im Jazz, bediente sich allerdings ebenfalls vielen externen Interpreten. Bobo und Herzfeld hingegen ist ein eingeschworenes Team. In der Schnittmenge aus Jazz und Neuer Musik fühlt man sich hörbar wohl. Sie will viel besser zu Gedichten von Eichendorf, Reinick, Meyer oder Rückert passen, als südländisch-gefärbter Esoteriksound zu Rilke. Sebastian Herzfelds Arrangements, die sich u. a. auf das präparierte Piano (wir denken an John Cage), Harmonium, Flöte oder Violine stützen, sind entrückt-faszinierend, vermögen zu fesseln und ziehen den Hörer unmittelbar in seinen Bann. Bobos wunderbare Stimme kommt dadurch besonders gut zur Geltung, in Verbindung mit den alten Gedichten entstehen zauberhaft-romantische Momente, die man in dieser Form sonst nur bei Meret Becker findet (jedoch lauert dort neben dem Schönen auch immer das Schreckliche, das Vanitas-Motiv ist präsenter – etwas, dass bei Liederseelen in dieser Form fehlt). Dennoch: Wem die Sounds auf Beckers Noctambule gefallen sollte ein Ohr riskieren.

Erschienen bei Traumton.

Subjektiv:

Rating: ★★★★★ 

Objektiv:

Rating: ★★★★★ 

 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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