Jill Barber – Mischievous Moon

Jill Barber Cover

Die Retrowelle will nicht abebben. Spätestens seit Amy Winehouse Back To Black veröffentlichte, sprießen die Retroalben nur so aus dem musikalischen Boden. Vieles davon ist leider eher unterdurchschnittlich, spätestens, seit die Castingsshowproduzenten den Sound annektiert haben, ist er in den Mainstream gerückt und wird dort auch noch einige Jahre verweilen, ehe der nächste Hype geboren wird.

Die Kanadierin Jill Barber hingegen ist ein ganz anderes Kaliber. Sie nimmt bereits sei 2002 Alben auf, läuft also keinem Trend hinterher. Mischievous Moon klingt alt, älter als My One And Only Thrill von Melody Gardot. Ein Album, das über weite Strecken den Eindruck erweckt, als hätte man es in den 1950er Jahren in den Archiven vergessen und erst vor kurzem wiederentdeckt. Bereits der Opener Chances macht klar: Das ist weit mehr als nur Retro, das ist Vintage. Sicher, man hört es an der Produktion, die nicht verleugnen kann, wann das Album nun wirklich entstanden ist, denn hier und da ist sie etwas zu modern geraten. Jill Barbers Stimme ist angenehm, beschränkt sich auf die nötigsten Artikulationen und vermeidet den Eskapismus aktueller Chanteusen, sie hält sich da ganz an den Geist vergangener Jahrzehnte. Und obwohl ihr einige bemerkenswert schöne Stücke gelingen, wie z. B. Mischievous Moon, If It Weren’t For Loving You oder Oh My My gelingt es ihr leider nicht, ein Stück unterzubringen, dass man sofort mit ihr in Verbindung bringt. Das ist dann auch der große Unterschied zu Melody Gardot. Dennoch: Was sie macht, macht sie gut und der 50s Sound ist äußerst angenehm; Mischievous Moon ist eine wunderbare Platte für gewisse Stunden geworden, sie beschwört den Geist der 50er Jahre, entführt seine Hörer ins New York und Paris vergangener Zeiten – man möchte das Album in seiner Sammlung trotz aller Kritik nicht missen.

Erschienen bei Ferryhouse / Warner Music.

Subjektiv:

Rating: ★★★☆☆ 

Objektiv:

Rating: ★★★☆☆ 


Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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