Der besondere Film: Kommissar X – Drei gelbe Katzen, In den Klauen des goldenen Drachen, Drei golden Schlangen

kommissar x

Eurospy-Filme muss man einfach lieben. Im Zuge der James-Bond-Filme boomte der Markt für europäische Agentenfilme in den späten 1960er Jahre, Kultregisseure wie Jess Franco (Vampyros Lesbos) oder Gianfranco Parolini (verantwortlich für Meisterwerke wie Die letzten Stunden von Pompeji, einen Spencer-Hill-Mockbuster oder Drei Supermänner räumen auf) veröffentlichten einen Film nach dem anderen. Letzterer zeichnet sich auch für einige Kommissar-X-Filme verantwortlich. Was erwartet nun den geneigten Zuschauer? 6 Stunden solide Unterhaltung! Hat sich erst einmal der Widerstand gegen die Eigentümlichkeiten der damaligen Zeit gelöst, machen die drei Filme sogar richtig Spaß. Sicherlich gibt es besseren Trash, keine Frage. Wir denken an die Edgar-Wallace-Reihe, den durchschnittlichen Giallo etc.. Eigentümlichkeiten finden sich vor allem in der Darstellungsweise der Bevölkerung fremder Kulturen, so sprechen nahezu alle Thailänder mit typisch rassistischer Kleinkindercomicstimme und Frauen dienen vor allem als Sexobjekt. Sobald Kommissar X aus einem Flugzeug steigt, hat er z. B. mindestens zwei Stewardessen an seiner Seite (die auch gerne mal aus dem Hinterhalt geküsst werden), Frauen dürfen exakt so lange Auto fahren, bis der Kommissar einsteigt und sind auch sonst – mit Ausnahme von Drei goldene Schlangen und In den Klauen des goldenen Drachen  – ausnahmslos hilflose Opfer. Letzterer bietet sogar eine rachsüchtige Täterin, die Touristinnen verschleppt, unter Drogen setzt und zur Prostitution zwingt. Doch sind Frauen in der Regel auch Attentäter – die allerdings meist nur ihrer optischen Reize und weniger ihren Qualifikationen wegen in den Genuss dieser Aufgabe kommen. Im Gegensatz dazu bieten aber auch die Herren wenig Rollenvariabilität. Sie sind entweder Täter (Oberbösewicht) oder der edle Ritter (Kommissar X/Jo Walker und Tom Rowland). Durchtrainiert und gnadenlos sexistisch bilden sie die perfekten Gegenstücke zu den weiblichen Parts der Filme.

kommissar x

Die Geschichten sind schnell erzählt. Drei gelbe Katzen handelt von einer Entführung und den Gefahren von Karate (großartig!), was zu ganz wunderbaren Szenen führt. So ist einer der Gegenspieler, ebenso wie Tom Rowland, in Karate unterwiesen, wird allerdings erst gefährlich, wenn er sein Stirnband trägt, was er sich grundsätzlich vor dem Kampf umbindet und nach dem Kampf wieder abnimmt (60s Humor!). Als er schlussendlich besiegt wird, liegt sein Stirnband am Boden und er springt in eine Schlucht. In den Klauen des goldenen Drachen hat eine typische Trashfilmstory: Ein Wissenschaftler entwickelt einen Filter, der einem Laser todbringende Fähigkeiten verleiht und wird nun gejagt, seine Tochter entführt und zum Schluss findet man sich in einer historischen Folterkammer wieder. Drei goldene Schlangen ist mit seiner Frauenraub-Geschichte dann ein wahres Fest. Die amerikanische Tagline: „GIRL SNATCHERS … their Virgin Skin Violated and tortures in a Hell-Hole of Lost Souls!“ spricht Bände. Ein 08/15 Trashfilm, der allerdings weniger Schauwerte zu bieten hat, als man von der Tagline erwarten würde. Dennoch sehenswert. Was den Kommissar-X-Filme zugutegehalten werden kann: Sie entwickeln sich. Die Qualität steigt von Film zu Film und hat der Zuschauer erst mal Zugang gefunden, machen sie sogar richtig Spaß. Denn die dünnen Storys sind nur Aufhänger für jede Menge Action. Aber das ist ja heute oft nicht anders, man denke z. B. an die Transporter-Reihe.

kommissar x

Sind die Filme inszenatorisch noch eher im unteren Durchschnitt anzusiedeln (TV-Niveau), so hat Anolis Entertainment bei der Bearbeitung keine halben Sachen gemacht. Unter teils schwierigsten Bedingungen (3 verschiedene Filmversionen und Tonquellen, bei denen man erheblich nachbessern musste etc.) wurden die Filme liebevoll aufbereitet. Das Bild hat – bis auf in In den Klauen des goldenen Drachen, der an den oben beschriebenen Problemen litt und in Anbetracht dessen immer noch bemerkenswert ist – perfekte DVD-Qualität. Das Bonusmaterial ist grandios, ob Super-8- oder Österreichische-Fassungen, Audiokommentare mit Brad Harris und Jörg Jedner, Werberatschläge, Kinotrailer, dem Special Kiss Kiss, Kill Kill – Captain Rowland erzählt oderder Filmografie Gianfranco Parolinis ist alles dabei, was sich der Kunde wünschen könnte, inklusive Wendecover und liebevollem Booklet.

Erschienen auf DVD bei Anolis Entertainment.

Drei goldene Schlangen: FSK 16

In den Klauen des goldenen Drachen: FSK 16

Drei gelbe Katzen: FSK 12

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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