Monika Roscher Bigband – Failure In Wonderland

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Würde bitte mal jemand die Jazz-Polizei rufen? Oder doch besser die Rock-Polizei? Lupenreinen Rock, ja sogar lupenreinen Jazz findet man bei Monika Roscher ganz sicher nicht. Man möchte vor Begeisterung das Fenster aufreißen und ein lautes „Endlich!“ in die Nachbarschaft brüllen, so wunderbar Gattungsbefreit sind ihre Kompositionen geraten. Hier ein wenig Björk-Gesang, dort gradliniger Rock, zusammengehalten von Jazzpassagen (Balkan, Free, Bar, Manouche …), dann wieder scheppernde Bigbandsounds, Marke Tanzkapelle. Wie man es auch dreht und wendet: Failure In Wonderland macht so ziemlich alles richtig, schert sich einen Dreck um Konventionen. Und doch ist es über alle Maße hörbar geraten, ohne sich in vergeisterte Ebenen zu spielen. Für Bigband geschädigte Hörer (wir kennen sich doch alle, die Bigbands unserer Kleinstädte, die Schul- und Mandolinen-, Akkordeonorchester, Bläserklassen etc. etc.) ist es die beste Medizin.

Erschienen bei enja.

Subjektiv:

Rating: ★★★★★ 

Objektiv:

Rating: ★★★★☆ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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2 thoughts on “Monika Roscher Bigband – Failure In Wonderland

  1. Ja schöner Kommentare nur,dass die Musiker der Roscher Gruppe größtenteils aus den Bigbands unserer Kleinstädte, die Schul- und
    Mandolinen-, Akkordeonorchester, Bläserklassen etc.
    etc.) stammen und ihre ersten Schritte absolviert haben.
    Qualitäts-Journalismus?

  2. Ja, Qualitäts-Journalismus. Oder wollen Sie mir das nun absprechen, weil ich Schulorchester etc. nicht mag? Auch das gehört dazu: Eine eigene Meinung bilden, auch wenn die dem Mainstream wiederspricht. Bereits Frank Zappa fand deutliche Worte zu Orchestern aller Art, ich meine die von mir angesprochenen „besonderen“ Vertreter (deren Kritik übrigens eine kleine Parodie auf einen H. C. Artmann Textauszug darstellt) erfüllen exakt diese von ihm formulierten Kritikpunkte (wobei Bläser-, Mandolinen- und Akkordeonorchester lange Zeit völlig rechtmäßig ihren Platz in den Vaudeville-Theatern fanden und erst im Zuge der letzten Jahre zu einer recht zweifelhaften „Würdigung“ fanden). Selbstredend sind Schulorchester etc. Teil musikalischer Sozialisationen (es geht i. Ü. auch ohne), allerdings hat die auf der CD gespielte Musik keinerlei Berührungspunkte mit dem Selbstläuferrepertoire der Kleinstadtorchester (das sich leider zu oft auch in den großen Orchestersälen wiederfindet und damit leider jegliche Innovation blockiert. Stichwort: Vivaldi statt Cage). Um mal ein Zitat von Eric Larrave zu verwenden (leicht modifiziert): „Es kann der Augenblick kommen, da wir uns selbst eingestehen müssen, daß der Don Quijote [Schulorchester!] […] uns nicht interessiert, und das ist der Anfang der Klugheit.“ Davon abgesehen: Leser der ersten Stunde ist der selbstironische Werbespruch dieses Webzines nicht entgangen …

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