Tonträger der Woche: Sternal Symphonic Society – Sternal Symphonic Society

Sternal Symphonic Society

Was geschieht, wenn man ein Kammerorchester und eine Jazzband zusammenführt? Kommt es zum Wettstreit, wer nun die besseren Instrumentalisten zu bieten hat, ignoriert man einander oder kommt es gar zur Verschmelzung hin zu einem eigenständigen Klangkörper? Wer beruflich des Öfteren mit klassischen Musikern zu tun hat, wird womöglich an die zweite Option denken. Gegenseitiges Ignorieren hat beinahe schon Tradition. Man muss es sich einmal vor Augen führen: Trotz Musiker wie Frank Zappa, King Crimson oder Brian Wilson sind klassische Musiker oft so elität veranlagt, dass sie – wenn überhaupt – gerade einmal Jazzmusik akzeptieren. Und dann lediglich Free-Jazz. Sebastian Sternal hingegen scheint dieses Grüppchendenken nicht (oder zu gut) zu kennen. Seinen Komposition gelingt es, auch durch so überaus talentierte Musiker wie Frederik Köster und Jonas Burgwinkel, zwei im Prinzip nebeneinander positionierte Musikrichtungen miteinander zu vereinen. Mal hört man mehr Klassik mal ist der Jazz prominent, dann wieder verschmilzt man zu einer Einheit. Das kann klingen wie Wo Träume Bäume Sind (also größtenteils atonal), es kann wie Abenteuer im Vis-À-Vis-Bereich (jazzig) oder in vereinter Perfektion nach Les Mains D’Elsa klingen. Wenn das Beste zweier Welten sich vereint, die Grenzen aufgehoben sind und die Musik einfach fließen darf. So ist Les Mains D’Elsa eines der schönsten Stücke des Jahres. Sternal Symphonic Society ist ein Album mit einer einzigartigen Stimmung. Mal Jazz-Club, dann wieder klassisches Konzert, dann Film Noir … Als würde Saint Saens mit Wagner, Coleman und Davis musizieren. Wer sich diesen Monat ein Album kaufen möchte, sollte es mit diesem versuchen.

Erschienen bei Traumton.

Subjektiv:

Rating: ★★★★★ 

Objektiv:

Rating: ★★★★★ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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