Jonathan Jeremiah – Gold Dust

Gold Dust

Nachdem Jonathan Jeremiah an seinem Debüt fast 8 Jahre gearbeitet hat, ging es mit dem Nachfolgealbum zum Glück deutlich schneller voran. Nicht einmal 8 Monate hat der Londoner Musiker mit der großartigen Stimme für sein neues Album gebraucht, viele seiner neuen Songs waren auch schon auf den Konzerten seiner letzten Tournee zu hören, sei es das entspannte Lazin‘ In The Sunshine mit dem eingängigsten Tubamotiv des letzten Jahrzehnts oder das wohl traurigste Stück des Albums, Fighting Since The Day We Are Born, das er seinem jüngst verstorbenen Vater widmete. Unglücklicherweise ist gerade dieses Stück etwas überinstrumentiert und hätte als akustische Ballade vielleicht besser funktioniert. Doch gelingt es dem Arrangeur Jules Buckley das beste aus der Situation zu machen. Man höre sich nur die Zeilen „There’s a thunderstorm beginning to blow / Release that fire from the pit of your soul“ an und achte auf die überbordende Spannung des Orchesters. Doch zwischen all dem Pomp der orchestralen Stücke zeigt Jeremiah auf Gold Dust eine andere Seite seines Könnens, die auch schon Live zu seinen Stärken zählte. In den ruhigeren, nur mit Gitarre vorgetragenen Stücken wie Shout oder Everday Live, den Solopianosong You Save Me und Forever Shall Be Ours entsteht eine wunderbare Stimmung, von der man sich mehr wünscht. Texte wie „Everyday Life/ She calls him up to say hello / To say she’s on the bus back home / Oh in her everyday life / He’s distracted at his desk today / Having lost the ones he couldn’t save / Oh in his everyday life“ zeugen von einer genauen Beobachtungsgabe und einem Talent, diese Alltäglichkeiten stimmungsvoll an den Hörer zu weiterzugeben. Wer Jeremiah einmal ohne Orchester, reduziert auf seine Stammband gesehen hat weiß: Welches Potential in dem Sänger schlummert, wird erst deutlich, wenn er sich auf wenige Elemente beschränken muss. Und so bin ich als Rezensent in einer Zwickmühle. Einerseits schätze ich Gold Dust sehr, finde es sogar einen Tick besser als A Solitary Man – andererseits habe ich ihn live erlebt, habe gesehen, zu was der Mann fähig ist und kann das Album nun unmöglich besser bewerten als den Vorgänger.

Erschienen bei Island / Universal.

Subjektiv:

Rating: ★★★★☆ 

Objektiv:

Rating: ★★★☆☆ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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