Tonträger der Woche: Can – The Lost Tapes 1968 – 1977

Es gibt wenige Bands aus Deutschland, die so viel Einfluss ausübten, wie Can. Kraftwerk sicherlich, die Einstürzenden Neubauten unbedingt. Doch Can haben ihren Ursprung in der klassischen Musik Stockhausens und sind womöglich das einige unkitschige Bindeglied zweier scheinbar nicht zu vereinbarenden Musikrichtungen. Samples, Monotonie und musikalische Radikalität sind hier in ihrem Ursprung zu bewundern. Komponiert und aufgenommen wurde parallel, ähnlich Stockhausens Aus Den Sieben Tagen. Die Lost Tapes wurden entdeckt, als das bandeigene Studio nach Groningen gebracht wurde, wo es sich nun im Ruhestand befindet. Aus 50 Stunden Musik wurden nun 3 CDs destilliert, die einen guten Überblick über das Schaffen der Band gewähren. Dabei handelt es sich weder um eine Best-Of-Kompilation noch um sinnloses Gedudel: The Lost Tapes bietet komplett neues (bzw. altes) Material, das schlicht in Vergessenheit geriet. Vom Soundtrack bis zur Liveaufnahme findet sich hier wertvolles Material, auch für den Neuling. Highlights sind dabei die Stücke Millionenspiel und Graublau. Treibende Musik, immer noch neu und kein wenig gewöhnlich. Manch klassischer Komponist täte sich gut daran, bei Can Inspirationen zu suchen, als die x-te Kopie von Schönberg oder Cage anzufertigen.

Erschienen bei Mute.

Subjektiv:

Rating: ★★★★★ 

Objektiv:

Rating: ★★★★★ 

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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