Tonträger der Woche: Vinicio Capossela – Marinai, Profeti e Balene

CD Cover Marinai, Profeti e Balene

Manchmal gibt es Musiker, die in ihrem Heimatland bereits Unmengen an Alben aufgenommen und verkauft haben, die hierzulande aber unbekannt sind. Vinicio Capossela gehört zu ihnen. Ursprünglich in Hannover geboren, zog seine Familie nach Italien zurück, wo er bereits in jungen Jahren alles las, was ihm vor die Augen kam. Angeblich soll sich die literarische Vielfalt in seinen Texten ausdrücken und ja, die Texte sind definitiv komplexer als der 08/15 Italoschmonz, den einem übereifrige Promoter gerne einmal unterjubeln wollen (Muttertags CD von Giovanni Zarella!). Dennoch fehlt dem italienisch unkundigen Hörer natürlich die Verständnisebene, was man bereits sehr früh merkt. Mehr als nur Amore. Die Musik ist hingegen auch ohne Textverständnis wahnsinnig gut. Irgendwo zwischen Shanty, Melody Nelson Grabgesängen und Tom-Waits-Verschrobenheit (vergleich greift nur gefühlt!) hat sich Capossela seinen ganz eigenen Stil geschaffen, in dem er eher rezitiert denn singt und trotzdem auf zwei CDs keine einzige Minute langweilt. Zu bezaubernd ist der Sog der Musik; Wenn uns der Musiker als Seemann verkleidet vom Plattencover aus angrummelt und man aufmerksam zuhört, spürt man das Meer durch die Wohnung sausen.

Erschienen bei La Cupa / Ponderosa Music & Art.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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