Verschiedene erwähnenswerte Veröffentlichungen

SOS

Olli Schulz – SOS save olli schulz

Mit Olli Schulz werde ich nicht warm. Zwar erinnern Stücke wie Spielerfrau, Koks & Nutten und Der Kleine Bär an alte Liedermacherlegenden, doch sind sie auf SOS weitestgehend singulär vertreten. Dazu eine Stimme, die sich zwar anhören lässt, aber im Vergleich zu Hannes Wader oder Gisbert zu Knyphausen (auf dem Album im Backgroundchor zu hören) schwächelt. Ein Problem, was viele moderne Songwriter betrifft. Sicher kein schlechtes Album, aber auch kein neuer Klassiker.

Erschienen bei Trocadero / Indigo.

Blue Note Beach Classics

José Padilla – Blue Note Beach Classics

José Padilla ist vor allem dafür bekannt, die Café del Mar Platten zu kompilieren. Nun durfte er im Traditionslabel Blue Note stöbern und sich nach Herzenslust bedienen. Dabei herausgekommen ist eine überaus stimmige Chilloutplatte abseits vom Easy Listening Einerlei der üblichen Sampler. Cannonball Adderley, Miles Davis, Donald Byrd, Stacey Kent oder Herbie Hancock – so kann der Sommer kommen! Den Sand zwischen den Zehen spürt man bereits.

Erschienen bei Blue Note / EMI.

   Jazzkantine – Spielt Volkslieder

Jazzkantine – Spielt Volkslieder

Hochgelobt, mit Gaststar wie Nils Landgren und Pat Appelton, einer gehörigen Prise Selbstironie und dennoch irgendwie an die Wand gefahren. In den 70er Jahren waren es Hannes Wader, Liederjan oder Wacholder, später dann die Deutsche Dudelsack Runde, Biermösl Blosn, Der Bairisch Diatonische Jodel-Wahnsinn oder – man hört es immer wieder gerne – Faun und Corvus Corax (vor der Kommerzialisierung), die ungemein fantasievoll Studenten-, Antikriegs- und Trinklieder modernisierten, eine Welt abseits deutscher Wald- und Wiesenromantik schufen und ein Bild vom Leben des durchschnittlichen Menschen zeichneten. Sie alle waren höchst originell und auch ohne Ironie cool (auch wenn selbige als Mittel genutzt wurde). Jazzkantine hingegen versucht auf Nummer sicher zu gehen, Lieder werden zwanghaft modernisiert und man beweist nur teilweise (Auf Einen Baum Ein Kuckuck, Die Gedanken Sind Frei, Kein Schöner Land In Dieser Zeit) Treffsicherheit in der Stückauswahl. Ein wenig mehr Mut hätte hier Wunder gewirkt. Aber vielleicht ist es auch das Coverartwork, dass Volkslieder in einen Kontext stellt, aus dem man sie seit Jahren versucht, zu befreien. Nun, auf der musikalischen Seite gibt es jedenfalls wenig zu meckern. Funky Stuff, professionell eingespielt und produziert.

Erschienen bei Polydor / Universal.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

6 thoughts on “Verschiedene erwähnenswerte Veröffentlichungen

  1. Wenn ein Künstler satirischer Liedermacher sein will muss er sich den Vergleich gefallen lassen. Gleiches gilt für Volksmusik. Mir fällt spontan kein anderer deutscher Vergleichskünstler ein, der beide Sparten bearbeitet hat – Ihnen etwa?

  2. gerade während des Hörens von zwei drei Songs des Jazzkantine-Albums Gänsehaut bekommen – nicht der Ergriffenheit wegen… Musste dann schnell ausmachen. Deine Besprechung trifft es ziemlich auf den Punkt.

  3. @ Mario: Mario, du musst dir mal unbedingt einen Gravatar zulegen, sonst kann ich dich immer nicht zuordnen. 😉 Den fiesesten Satz habe ich aus der Review übrigens entfernt…
    @ Spanksen: Wenn du ein gutes Jazz Album suchst lege ich dir die kommende VÖ von Svend Asmussen in der Jazz Club Serie ans Herz. Geilste Tarantino Musik. Und wenn du ein gutes Volksalbum suchst, mit fiesen Liedern, empfehle ich „Liederjan – Live In der Fabrik“, die gibt’s bei Zweitausendeins im Paket mit zwei anderen Alben der Band für 5 € oder so. Besonders „Steiniger Acker (Das Alte Weib)“ sind grandios. Wie fies unsere Vorfahren waren… Unfassbar!

  4. Olli Schulz würd ich eher mit Funny van Dannen als mit Wader oder zu Knyphausen vergleichen. Und in dem Metier gehts nicht um die Stimme, die so schlecht nicht ist, als vielmehr um Verve und satirisches Können. Das ist auf dieser Platte ausgeprägter als auf van Dannens letzten Werken.

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