Posted on 29 Mai 2011 by Julian
Cassandra Steens Hit Stadt gefiel mir bei Veröffentlichung recht gut und ein Konzert, dass des Nachts auf einem der dritten Kanäle übertragen wurde, machte mich ein wenig Neugierig auf ihr neues Album Mir So Nah. Und siehe da: Im Vergleich zum Vorgänger ist Mir So Nah sogar recht gut geworden. Die Songs, geschrieben von Moses P, Xavier Naidoo und Adel Tawil sind eher ruhig, Balladen zum chillen, mit souligem Versatz. Also genau das, was auch schon Stadt ausmachte. Dazu Liebeslyrik. Ein waschechtes Soulalbum á la Joy Denalane ist es nicht geworden und das von Schubert (Ständchen) abgeschriebene Intro zu Ich lasse jetzt los wirkt wie im 4/4 Takt gespielt (Original: 3/4), bietet aber dennoch einen netten Song. Schubert auf ein kommerzielles, chartaffine Album zu verewigen hat schon was. Dennoch hätte man es mit Originalsamples um einiges interessanter gestalten können. Um Mir So Nah in wenige Worte zu fassen: Interessant. Mainstream. Nett. Besser als gedacht.
Erscheinen bei Universal / Urban.
Subjektiv: Objektiv:







Posted on 29 Mai 2011 by Julian
Was kann man noch über Kate Bush schreiben, was nicht schon geschrieben wurde? Die Frau, die in der Musik eine ähnliche Stellung wie Peter Gabriel hat, die nur auf ihre Intuition hört, die ihrer Kreativität freien Lauf lässt und dennoch immer wieder Charterfolge verbuchen kann. Nach dem mehr als gelungenen, wenn auch etwas sperrigem Aerial folgt nun eine Neuaufnahme der Higlights ihrer Alben The Red Shoes und The Dreaming, Alben, die mich mein halbes Leben begleiten, mit denen ich jedoch nie so recht warm wurde. Kate Bush empfindet da wohl ähnlich, ihr war der Sound zu digital, zu klirrend und auch sonst gab es einiges, was sie ändern wollte. Sei es der Song The Sensual World, der nun Flower Of The Mountain heißt und nun James Joyce‘ Ulysses zitieren darf. Es wurde umgestellt, neu komponiert und beibehalten, was für gut erachtet wurde. So ist Director’s Cut ein gutes Album geworden, dass die Stärken zweier alter Alben vereint und eine gutgelaunte Kate Bush präsentiert. Die teils schwammigen Aufnahmen, das teils schlampig eingesungene ist übrigens von der Komponistin gewollt – denn allzu klare Aufnahmen sind der Kassettenfanatikerin ein Dorn im Auge. Das Artwork ist ebenso künstlerisch anspruchsvoll wie ihre Musik. Eine ungemein faszinierende Bildsprache illustriert die Fish People, die einige vielleicht aus der Science Fiction Serie Dr. Who kennen.
Erschienen bei Fish People.
Subjektiv: Objektiv:







Posted on 27 Mai 2011 by Julian
Den Titel der einflussreichsten Amerikanerin hat sie bereits. Man kann darüber streiten, ob sie ihn verdient hat, aber man darf auch froh sein, dass die in den Staaten gottgleich verehrte Oprah Winfrey von Platz 1 verdrängt wurde. Aber Lady Gaga hat auch noch einen weiteren Titel. Wir können damit rechnen, dass das Cover zu Born This Way demnächst die Listen der hässlichsten CD-Hüllen anführen wird. Man denkt sich angesichts des Bildes, das bereits in den 80er Jahren als grässlich gegolten hätte, nur WTF? Vermutlich Ein Gaga’scher Trick, ein dezenter Hinweis, dass man einen Menschen nicht nach seinem Aussehen (bzw. eine CD nicht nach dem Cover) bewerten soll. Nun, für solche Kritiken sind wir bekannt. Während andere Journalisten ernsthaft erwarten, dass Lady Gaga plötzlich indieaffin wird, sich selbst ändert, haben wir diesen Anspruch nicht. Deshalb geht es hier auch nicht um der Person Gaga, sondern um die Musik. Es hat sich nichts geändert, soviel steht fest. Die Frische ist gewichen, an ihre Stelle tritt eine gewohnt gleichbleibende Qualität. More of the same, wie man so schön sagt. Und ja, die Scheibe lädt erneut zum Tanzen ein. Ob nun Marry The Night, Born This Way (mit einem Text, den ich für enorm wichtig halte in einer Gesellschaft, die Normabweichung gerne mal mit Exklusion straft und das jugendliche Selbstbewusstsein stärkt), Scheiße oder Heavy Metal Chapel – Lady Gaga bittet zum Tanz wie eh und je. Fun Fun Fun til her daddy takes the t-bird away. Man kann sie nur lieben oder hassen, Gaga polarisiert. Mit Sovjetosounds, 80s Gefiepe, Diskokugel und ein paar Totalausfällen (Americano klingt – tja, wonach eigentlich? David Hasselhoff?) wird sie die Tanzflächen füllen, bedient ihre Fans und liefert ganz nebenbei ihren besten Track ab. Scheiße bietet alles, wofür wir Lady Gaga lieben. Etwas schwächer als Fame und The Fame Monster ist Born This Way immer noch stark und macht vor allem Spaß. Klar, Goldfrapp haben das in ihrer Discophase besser gemacht, aber manchmal muss der Kopf einfach ausgeschaltet werden. Ich schleiban austa be clair es kumpent madre monstère, aus-be aus-can-be flaugen begun üske but bair. Alles klar?
Erschienen bei Streamline Records.
Subjektiv: Objektiv:







Posted on 27 Mai 2011 by Julian
Haudegen auf diekopfhoerer.eu? Es scheint so gar nicht zu passen und doch ist etwas in der Musik, das mich berührt. Es gibt viele gute Gründe, die Band um Joe Rilla und Tyron Berlin nicht zu mögen. Insbesondere CD 1 liefert genügend Material, um einen feurigen Verriss zu schreiben. Sei es die direkte Sprache, die lyrische und musikalische Nähe zu Bands wie Unheilig und nicht zuletzt die relativ kommerziellen Arrangements. Doch auf CD 2 sollte vielen klar werden, was die Band für diese Seite relevant macht. Aber vorerst ein paar Worte, warum auch CD 1 (Schlicht) berührt. Es ist das ungehobelte, das antiverkopfte, der Mut, auch einmal „Scheiße“ zu singen. Was Hannes Wader bereits in seinem Klassiker Strenge Gesellen formulierte, trifft auch hier zu:
Ich hielt es eine gute Weile aus, da rutschte mir das Wörtchen „Scheiße“ heraus! Und ehe ich ein Wort der Entschuldigung fand, war ich von allen Denkern längst, als Gefühlsmensch und Prolet erkannt! Da entzogen mir die strengen Gesellen gleich das Wort und ich musste mich in eine Ecke stellen.
Es ist genau dieses Dilemma, was es für bestimmte Schichten nahezu unmöglich macht, zuzugeben, dass sie die Texte von Haudegen mögen. Ihnen fehlt der Zugang zu den Problemen der Arbeiter, ihrer Sorgen und Nöten. CD 2 (Ergreifend) hingegen beinhaltet 10 Balladen, die teils jazzig angehaucht sind und von großen Gefühlen erzählen. Teils wunderschöne Texte wechseln sich mit interessanten, wenn auch leicht ungehobelten Arrangements ab. Beide CDs, Schlicht und Ergreifend sind genau das, was ihre Titel prophezeien und überdies ein Musterbeispiel an Glaubwürdigkeit. Ich gebe es zu: Als ich den Tonträger in den Händen hielt, hätte ich nicht gedacht, dass sie mir so gut gefallen könnte. Und jetzt stelle ich mich in die Ecke.
Erschienen bei Warner Music.
Subjektiv: Objektiv:







Posted on 26 Mai 2011 by Julian
Posted on 25 Mai 2011 by Julian
The Brothel von Susanne Sundfør ist schon etwas Besonderes. Düster, verschroben und doch, so scheint es zumindest in ihrer Heimat Norwegen, charttauglich. Man denkt unweigerlich an Kate Bush, der es auch stets gelingt, ein gewisses Maß an Verschrobenheit zu bewahren und dabei Millionen zu berühren. Die Schönheit des Albums macht einen schier sprachlos und man mag es gar nicht in einer Wortflut erdrücken. Nur so viel: Keine musikalische Revolution, aber auf dem Weg zu etwas eigenständigem, etwas großem. Mit etwas Glück wird Susanne Sundfør etwas Großes gelingen. The Brothel weist den Weg.
Erschienen bei Grönland.
Subjektiv: Objektiv:







Posted on 25 Mai 2011 by Julian
Disney – ein Teil unserer aller Kindheit. Bereits auf Everybody Wants To Be A Cat – Disney Jazz Volume 1 bewiesen eine vielzahl von Musikern, unter ihnen der inzwischen über 80jährige Brubeck, was so alles in den vermeintlichen Kinderliedern steckt. Doch bereits ein halbes Jahrhundert zuvor war er es, der mit Dave Digs Disney die Melodien von den Plastikpressungen der Disneyfilmmusiken dem Jazzpublikum zugänglich machte. Das 1957 erschienene Album bedient sich dabei vor allem bei den Filmen Alice In Wonderland und Snow White. Die ohnehin großartigen Stücke gewinnen bei ihm hinzu, es fällt kaum auf, dass es keinen disneytypischen Gesang mehr gibt. CD 1, die das Monoalbum enthält, wird mit den Bonustracks Very Good Advice (Alice in Wonderland) und So This Is Love (Cinderella) abgerundet. Die Sensation hingegen auf CD 2. Bereits bei den Sessions wurde eine Stereoversion erstellt, die hier zum ersten Mal veröffentlicht wird, damals mangels Abspielmöglichkeiten aber zurückgehalten wurde. Dabei sind die Stücke oft identisch, teils aber auch länger und im Setup verschieden. Aufmerksame Hörer werden bemerken, dass die Instrumente Stück um Stück ihre Position wechseln. Zudem gibt es einige gute alternative Tracks, die aber auch verdeutlichen, warum sie nicht den Weg aufs fertige Album geschafft haben. Es sind dort vor allem die Kleinigkeiten, die das fertige Stück in der Wirkung abmildern. Dave Digs Disney sollte neben Time Out in keiner Sammlung fehlen. Besonders Disneyfans können hier einiges entdecken.
Erschienen bei Sony Music / Columbia / Legacy.
Posted on 23 Mai 2011 by Julian